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Socialismus.
Erstens: Man täuscht sich als Zuschauer über die Leiden und Entbehrungen der niederen Schichten des Volkes, weil man unwillkürlich nach dem Maasse der eigenen Empfindung misst, wie als ob man selber mit seinem höchst reizbaren und leidensfähigen Gehirn in die Lage jener versetzt werde. In Wahrheit nehmen die Leiden und Entbehrungen mit dem Wachsthume der Cultur des Individuums zu; die niederen Schichten sind die stumpfesten; ihre Lage verbessern heisst: sie leidensfähiger machen.
Zweitens: Fasst man nicht das Wohlbefinden des Einzelnen in’s Auge, sondern die Ziele der Menschheit, so fragt es sich sehr, ob in jenen geordneten Zuständen, welche der Socialismus fordert, ähnliche grosse Resultate der Menschheit sich ergeben können, wie die ungeordneten Zustände der Vergangenheit sie ergeben haben. Wahrscheinlich wächst der grosse Mensch und das grosse Werk nur in der Freiheit der Wildniss auf. Andere Ziele als grosse Menschen und grosse Werke hat die Menschheit nicht.
Drittens: Weil sehr viele harte und grobe Arbeit gethan werden muss, so müssen auch Menschen erhalten werden, welche sich derselben unterziehen, so weit nämlich Maschinen diese Arbeit nicht ersparen können. Dringt in die Arbeiterclasse das Bedürfniss und die Verfeinerung höherer Bildung, so kann sie jene Arbeit nicht mehr thun, ohne unverhältnissmässig sehr zu leiden. Ein soweit entwickelter Arbeiter strebt nach Musse und verlangt nicht Erleichterung der Arbeit, sondern Befreiung von derselben, das heisst: er will sie jemand Anderem aufbürden. Man könnte vielleicht an eine Befriedigung seiner Wünsche und an eine massenhafte Einführung barbarischer Völkerschaften aus Asien und Africa denken, so dass die civilisirte Welt fortwährend die uncivilisirte Welt sich dienstbar machte, und auf diese Weise Nicht-Cultur geradezu als Verpflichtung zum Frohndienste betrachtet würde. In der That ist in den Staaten Europa’s die Cultur des Arbeiters und des Arbeitgebers oft so nahegerückt, dass die noch längere Zumuthung aufreibender mechanischer Arbeit das Gefühl der Empörung hervorruft.
Viertens: Hat man begriffen, wie der Sinn der Billigkeit und Gerechtigkeit entstanden ist, so muss man den Socialisten widersprechen, wenn sie die Gerechtigkeit zu ihrem Princip machen. Im Naturzustande gilt der Satz nicht: “was dem Einen recht ist, ist dem Andern billig,” sondern da entscheidet die Macht. Insofern die Socialisten den völligen Umsturz der Gesellschaft wollen, appelliren sie an die Macht. Erst wenn die Vertreter der Zukunftsordnung denen der alten Ordnungen im Kampfe gegenüberstehen und beide Mächte sich gleich oder ähnlich stark finden, dann sind Verträge möglich, und auf Grund der Verträge entsteht nachher eine Gerechtigkeit.— Menschenrechte giebt es nicht.
Fünftens: Wenn ein niedriger Arbeiter zu dem reichen Fabrikanten sagt: “Sie verdienen Ihr Glück nicht,” so hat er recht, aber seine Folgerungen daraus sind falsch: Niemand verdient sein Glück, Niemand sein Unglück.
Sechstens: Nicht durch Veränderung der Institutionen wird das Glück auf der Erde vermehrt, sondern dadurch, dass man das finstere, schwächliche, grüblerische, gallichte Temperament aussterben macht. Die äussere Lage thut wenig hinzu oder hinweg. Insofern die Socialisten meistens jene übele Art von Temperament haben, verringern sie unter allen Umständen das Glück auf der Erde, selbst wenn es ihnen gelingen sollte, neue Ordnungen zu stiften.
Siebentens: Nur innerhalb des Herkommens, der festen Sitte, der Beschränkung giebt es Wohlbehagen auf der Welt; die Socialisten sind mit allen Mächten verbündet, welche das Herkommen, die Sitte, die Beschränkung zerstören; neue constitutive Fähigkeiten sind bei ihnen noch nicht sichtbar geworden.
Achtens:: Das Beste, was der Socialismus mit sich bringt, ist die Erregung, die er den weitesten Kreisen mittheilt: er unterhält die Menschen und bringt in die niedersten Schichten eine Art von praktisch-philosophischem Gespräch. Insofern ist er eine Kraftquelle des Geistes.
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Vorrede.
Wenn es schon dem Autor begegnet, dass er, vor sein eigenes Buch hingestellt, demselben mit Befremdung in’s Gesicht sieht und ihm die Frage über die Lippen läuft: bin ich’s? bin ich’s nicht?—um wie viel mehr müssen die Leser seiner früheren Schriften eine solche Empfindung haben, zumal wenn sie den Autor derselben nicht persönlich kennen und er ihnen nur als Geist und Charakter jener Schriften vor der Seele steht. Diesen Lesern, den mir allezeit gegenwärtigen, treuen, unerschrockenen Anspornern und Vertheidigern meines höhern Selbst—bin ich demnach eine Erklärung schuldig, nicht darüber was das Buch ist, sondern was es für sie, für mich bedeutet: die selbe Erklärung, welche ich mir gebe, wenn ich, wie gesagt, mitunter dem eigenen Kinde mit Verwunderung in die Augen sehe und es bald ein wenig unheimlich, bald allzu harmlos finde.
Jeder von uns, den ausgeprägteren Menschen dieses Zeitalters, trägt jene innere freigeisterische Erregtheit mit sich herum, welche in einem, allen früheren Zeiten unzugänglichen Grade uns gegen den leisesten Druck irgend einer Autorität empfindlich und widerspänstig macht. Es ist ein Zufall, dass Keiner von uns bis jetzt ganz und gar zum Typus des Freigeistes der Gegenwart geworden ist, während wir den Ansatz zu ihm und den gleichsam vorgezeichneten Abriss seines Wesens wie mit Augen an uns Allen wahrnehmen. Während nun der Verfasser dieses Buches seit geraumer Zeit jenen grossen typischen Menschen nachspürte, welche aus diesem Zeitalter heraus und über dasselbe hinauswachsen, um einmal die Stützen einer zukünftigen Cultur zu sein, entgieng ihm jener Mangel eines wesentlichen Typus nicht; er suchte sich dadurch zu helfen, dass er das Bild des Freigeistes der Gegenwart nach jenen inneren Fingerzeigen zu sehen und allmählich zu malen versuchte. Indem er auf die Stunden sorgsam Acht gab, in welchen jener Geist aus ihm redete, indem er das Gesetz der Stunden, den inneren Zusammenhang jener Geisterreden fand, wurde ihm aus einem Geiste eine Person, aus einer Person beinahe eine Gestalt. Zuletzt gewann er es nicht mehr über sich, dieselbe, als den Typus des Freigeistes der Gegenwart, öffentlich nur zu malen; das Verwegenere gefiel ihm, den Geist reden zu lassen, ja ihm ein Buch unterzuschieben. Möge der Hörer dieser Reden mit Vertrauen seine Nähe fühlen, möge er empfinden, wie jene fast nervöse freigeisterische Erregbarkeit, jener Widerwille gegen die letzten Reste von Zwang und anbefohlener Mässigung an eine gefestete, milde und fast frohsinnige Seele angeknüpft ist, bei der Niemand nöthig hat, gegen Tücken und plötzliche Ausbrüche auf der Hut zu sein! Namentlich fehlt diesem freien Gesellen der knurrende Ton und die Verbissenheit, die Eigenschaften alter Hunde und Menschen, welche lange an der Kette gelegen haben; der moderne Freigeist ist nicht wie seine Vorfahren aus dem Kampfe geboren, vielmehr aus dem Frieden der Auflösung, in welche er alle geistigen Mächte der alten gebundenen Welt eingegangen sieht. Nachdem dieser grösste Umschwung in der Geschichte eingetreten ist, kann seine Seele ohne Neid und fast bedürfnisslos sein, er erstrebt für sich nicht Vieles, nicht viel mehr; ihm genügt als der wünschenswertheste Zustand jenes freie furchtlose Schweben über Menschen, Sitten, Gesetzen und den herkömmlichen Schätzungen der Dinge. Die Freude an diesem Zustande theilt er gerne mit; wer mehr von ihm will, den weist er, ein wenig Spott auf der Lippe, mit wohlwollendem Kopfschütteln, hin zu seinem Bruder, dem freien Menschen der That: mit dessen “Freiheit” es freilich eine eigene Bewandtniss hat, über welche manche Geschichte zu erzählen wäre. —
Nachdem solchermaassen der Autor—fast hätte ich gesagt: der Dichter—den Prolog zu Gunsten seines Stückes und Helden gesprochen, mag Dieser selbst auftreten und sein monologisches Spiel beginnen. Ob Trauerspiel? Ob Komödie, ob Tragikomödie? Vielleicht fehlt das Wort, welches hier zur Bezeichnung völlig ausreichte: so möge ein Vers uns zu Hülfe kommen und den Zuhörer vorbereiten:
Spiel der Gedanken, es führt
eine der Grazien dich:
O wie weidest den Sinn du mir! —
Weh! Was seh’ ich? Es fällt
Larve und Schleier der Führerin,
und voran dem Reigen
schreitet die grause Nothwendigkeit.
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| I | Philosophie der Cultur. | |
| II | Zur Geschichte der moralischen Empfindungen. | |
| III | Das religiöse Leben. | |
| IV | Aus der Seele der Künstler und Schriftsteller. | |
| V | Von den ersten und letzten Dingen. | |
| VI | Der Mensch im Verkehr. | |
| VII | Weib und Kind. | |
| VIII | Ein Blick auf den Staat. | |
| IX | Der Mensch mit sich allein. | |
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Социализм.
Первое: В качестве наблюдателей мы заблуждаемся относительно страданий и лишений низших слоев населения, поскольку невольно пользуемся мерками собственного восприятия, как будто можем сами, с нашим в высшей степени возбудимым и восприимчивым умом, встать на их место. В действительности страдания и лишения возрастают с развитием культуры индивидуума; низшие слои наименее восприимчивы к ним; улучшить их положение — значит сделать их более восприимчивыми к страданиям.
Второе: Если принимать во внимание не благосостояние отдельного индивидуума, а цели человечества, то возникает вопрос, могут ли быть достигнуты при тех отрегулированных порядках, которых требует социализм, такие же великие результаты, какие были получены при неотрегулированных порядках прошлого. Вероятно, великий человек и великий труд вырастают лишь в свободе дикости. Других целей, кроме великих людей и великих творений, у человечества нет.
Третье: Поскольку необходимо выполнять очень много тяжелой и грубой работы, приходится содержать людей, которые ею занимаются, пока машины не возьмут на себя эту работу. Если в рабочий класс проникнут потребности в более высоком образовании, он уже больше не сможет выполнять эту работу без того, чтобы не испытывать несоразмерных страданий. Развитый рабочий стремится к досугу и требует не облегчения работы, а освобождения от нее, иначе говоря, он хочет взвалить ее на кого-нибудь другого. Возможно, следовало бы подумать об удовлетворении его желаний и о массовом ввозе варварских народностей из Азии и Африки с тем, чтобы цивилизованный мир в дальнейшем заставил служить себе нецивилизованный мир, и таким образом не-культура рассматривалась бы именно как обязанность к подневольному труду. На самом деле в государствах Европы культура рабочего и работодателя часто настолько близки, что дальнейшее требование изнурительной механической работы вызывает чувство возмущения.
Четвертое: Как только станет понятно, как возникла идея доступности и справедливости, придется возразить социалистам, делающим справедливость своим принципом. В природном состоянии положение: «на что имеет право один, то доступно и другому» не годится — здесь решает сила. Поскольку социалисты добиваются полного ниспровержения общества, они апеллируют к силе. Только когда представители будущего порядка вступают в борьбу с представителями старых порядков, и обе эти силы оказываются равными или одинаково мощными, они могут договориться друг с другом, после чего на основе договоров возникает справедливость. — Прав человека не существует.
Пятое: Когда чернорабочий говорит богатому фабриканту: «Вы не заслуживаете вашего счастья», то он прав, но его выводы из этого ошибочны: никто не заслуживает ни своего счастья, ни своего несчастья.
Шестое: Счастье на земле будет приумножено не путем изменения институтов общества, а благодаря тому, что будет обречен на вымирание мрачный, расслабленный, мечтательный, желчный темперамент. Внешнее положение дел мало что добавляет к этому. Поскольку социалисты часто обладают этим скверным видом темперамента, они при любых обстоятельствах будут уменьшать счастье на земле, даже если им удастся создать свои новые порядки.
Седьмое: Благосостояние существует в мире только внутри обычая, твердых нравов, ограничений; социалисты состоят в союзе со всеми силами, которые разрушают обычаи, нравы, ограничения; у них еще никак не проявились новые конститутивные способности.
Восьмое: Лучшее, что приносит с собой социализм, это возбуждение, которое он распространяет в самых широких слоях общества: он поддерживает людей и завязывает с теми, кто находится в самом низу, некий вид практически-философского разговора. В этом смысле он является источником силы духа.
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Предисловие.
Если даже с автором случается, что он, склоняясь над собственной книгой, смотрит в нее с отчуждением и с губ его срывается вопрос: я ли это или не я? — то насколько сильнее должно быть подобное чувство у читателей его более ранних сочинений, особенно если они лично с автором не знакомы и он предстает перед ними лишь как дух и характер своих сочинений. Этим читателям, моим современникам на все времена, верным, отважным вдохновителям и защитникам моего высшего я, — я должен дать разъяснение не о том, что это за книга, а о том, что она значит для них и для меня, такое же разъяснение, которое я даю самому себе, когда, как уже сказано, смотрю порой с удивлением в глаза собственному детищу и нахожу его то несколько жутковатым, то слишком безобидным.
Каждый из нас, типичных представителей этого века, несет в себе то внутреннее вольнодумное возбуждение, которое в недосягаемой всем прежним временам степени делает нас чувствительными к малейшему давлению любого авторитета и противоречащими ему. Это просто случайность, что никто из нас до сих пор не стал всецело типом современного вольнодумца, ведь мы ощущаем во всех нас тягу к нему и почти воочию воспринимаем размеченные контуры его существа. От автора этой книги, уже давно старавшегося проследить за этим великим человеческим типом, который вырос из нашего века и перерос его, чтобы однажды стать опорой будущей культуры, не ускользнул ни один из недостатков этого типа; тем самым он стремился помочь себе разглядеть, согласно своим внутренним представлениям, образ свободного ума нашего времени и постепенно его нарисовать. Он тщательно сосредоточивался на тех часах, в которые этот ум говорил из него, и нашел закон этих часов, внутреннюю взаимосвязь изречений его, в результате чего тот стал для него личностью, а личность — почти образом. Наконец, ему уже не приходилось просто описывать себя самого в качестве типа современного свободного ума; ему пришла в голову более отчаянная мысль позволить говорить этому уму, даже доверить ему книгу. Если слушатель этих речей сможет доверительно почувствовать его близость, если он ощутит, как эта почти нервозная вольнодумная возбудимость, это сопротивление последним остаткам подавления и вынужденной умеренности привязаны к праздничной, мягкой и почти радостной душе, с которой никому не надо быть начеку из-за ее коварства или внезапных взрывов! У этого вольного юноши отсутствуют ворчливый тон и озлобленность — свойства старых собак и людей, которые долго просидели на цепи; современный вольнодумец родился не из борьбы, как его предшественники, а скорее из умиротворения, присущего распаду, в состоянии которого он застал все духовные силы прежнего несвободного мира. После того, как в истории произошел этот величайший перелом, его душа может оставаться без зависти и почти без потребностей, он требует для себя не многого, совсем не многого; ему будет достаточно, как наиболее желанного состояния, свободного бесстрашного парения над людьми, обычаями, законами и привычными оценками вещей. Радостью от подобного состояния он охотно делится; кто хочет от него большего, того он отправит с тенью усмешки на устах, доброжелательно покачивая головой, к своему брату, свободному человеку дела: к «свободе» которого он, конечно, имеет свое отношение, о чем можно было бы рассказать некоторые истории. —
После того, как таким вот образом автор — я даже чуть было не сказал, поэт — произнес пролог в пользу своего произведения и героя, тот может уже выступить сам и начать свою монологическую игру. Будет ли это трагедия? Или комедия, или трагикомедия? Возможно, нет такого слова, которое годилось бы для точного обозначения: так пусть придут нам на помощь стихи и подготовят слушателя:
Мыслей игра, тебя
одна из граций ведет:
о, как мне радостен смысл! —
Увы! Что вижу! Упали
С водительницы покровы,
и вот, ведет хоровод
страшная необходимость.
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| I | Философия культуры. | |
| II | К истории нравственных восприятий. | |
| III | Религиозная жизнь. | |
| IV | Из души художника и писателя. | |
| V | О первых и последних вещах. | |
| VI | Человек в общении. | |
| VII | Женщина и дитя. | |
| VIII | Взгляд на государство. | |
| IX | Человек наедине с собой. | |