8, 23[1-197] Ende 1876 - Sommer 1877

23 [1]

Die geschickten Bewegungen des Fußes beim Ausgleiten Stolpern Klettern sind nicht die Resultate eines blind wirkenden aber zweckmäßigen Intellektes, sondern einmal angelernt, wie die Bewegungen der Finger beim Klavierspiel. Jetzt wird sehr viel von dieser Fertigkeit gleich vererbt.

23 [2]

Die Menschen setzen das Ähnliche hin als das Gleiche, z. B. den Priester gelegentlich als den Gott; den Theil gleich dem Ganzen z. B. in der Magie.

23 [3]

Man kann nicht erklären, was die Empfindung ist: aber ich glaube, es ist nicht viel, wenn man es weiß, und gewiß steckt kein Welträthsel dahinter.

23 [4]

Dieselbe Manier zu denken, welche noch jetzt die große Masse bestimmt, ja auch den gebildeten Einzelnen, falls er sich nicht sehr besinnt, hat den sämmtlichen Phänomenen der Cultur zum Fundamente gedient. Diese partie honteuse hat die ungeheuersten und herrlichsten Folgen nach sich gezogen, auch die Cultur hat ein pudendum zum Geburtsschooß, wie der Mensch.

23 [5]

Aristoteles meint, der Weise sei der welcher sich nur mit dem Wichtigen Wunderbaren Göttlichen beschäftige. Da steckt der Fehler in der ganzen Richtung des Denkens. Gerade das Kleine Schwache Menschliche Unlogische Fehlerhafte wird übersehn und doch kann man nur durch sorgfältigstes Studium desselben weise werden. Der Weise hat sehr viel Stolz abzulegen, er hat nicht die Augenbrauen so hoch zu ziehn, zuletzt ist es der, welcher ein Vergnügen sich macht, das Vergnügen des Menschen zu stören.

23 [6]

Ist für etwas z. B. Eigenthum Königthum die Empfindung erst erregt, so wächst sie fort, je mehr man den Ursprung vergißt. Zuletzt redet man bei solchen Dingen von “Mysterien,” weil man sich einer überschwänglichen Stärke der Empfindung bewußt ist, aber genau genommen keinen rechten Grund dafür angeben kann. Ernüchterung ist auch hier von Nöthen, aber eine ungeheure Quelle der Macht versiegt freilich.

23 [7]

Epikurs Stellung zum Stil ist typisch für viele Verhältnisse. Er glaubte zur Natur zurückzukehren, weil er schrieb, wie es ihm einfiel. In Wahrheit war so viel Sorge um den Ausdruck in ihm vererbt und an ihm großgezogen, daß er nur sich gehen ließ und doch nicht völlig frei und ungebunden war. Die “Natur,” die er erreichte, war der durch Gewohnheit angezogene Instinkt für den Stil. Man nennt dies Naturalisiren; man spannt den Bogen etwas schlaffer z. B. Wagner im Verhalten zur Musik, zur Gesangskunst. Die Stoiker und Rousseau sind im gleichen Sinne Naturalisten: Mythologie der Natur!

23 [8]

Kunst die Wissenschaft verhindernd bei den Griechen.

23 [9]

Warum überhaupt einen Erhaltungstrieb annehmen? Unter zahllosen unzweckmäßigen Bildungen kamen lebensfähige, fortlebensfähige vor; es sind millionenjahrelange Anpassungen der einzelnen menschlichen Organe nöthig gewesen, bis endlich der jetzige Körper regelmäßig entstehen konnte und bis jene Thatsachen regelmäßig sich zeigen, welche man gewöhnlich dem Erhalttrieb zuschreibt. Im Grunde geht es dabei jetzt ebenso nothwendig, nach chemischen Gesetzen, zu, wie beim Wasserfalle mechanisch. Der Finger des Klavierspielers hat keinen “Trieb” die richtigen Tasten zu treffen, sondern nur die Gewohnheit. Überhaupt ist das Wort Trieb nur eine Bequemlichkeit und wird überall dort angewendet, wo regelmäßige Wirkungen an Organismen noch nicht auf ihre chemischen und mechanischen Gesetze zurückgeführt sind.

23 [10]

Alle Ziele und Zwecke, die der Mensch hat, waren einmal in seinen Vorfahren auch bewußt; aber sie sind vergessen worden. Der Mensch hängt in seinen Richtungen sehr von der Vergangenheit ab: Platon. Dem Wurm ist der Kopf abgeschnitten, aber er bewegt sich in gleicher Richtung.

23 [11]

Auch dunkle Krankheiten z. B. Wahnsinn Veitstanz hat man verehrt und religiös idealisirt. Dabei sind ihre Äußerungen immer schöner und großartiger geworden. Derselbe Vorgang bei dem heftigen Affekt der Liebe, den man als Gott faßte, und so nicht nur für die Vorstellung, sondern in der Wirklichkeit idealisirte.

23 [12]

Es war ein sehr glücklicher Fund Schopenhauers als er vorn “Willen zum Leben” sprach: wir wollen diesen Ausdruck uns nicht wieder nehmen lassen und seinem Urheber dafür im Namen der deutschen Sprache dankbar sein. Aber das soll uns nicht hindern einzusehen, daß der Begriff Wille zum Leben vor der Wissenschaft sich noch nicht das Bürgerrecht erobert hat, ebenso wenig als die Begriffe “Seele” “Gott” Lebenskraft usw. Auch Mainländers Reduktion dieses Begriffs auf viele individuelle “Willen zum Leben” bringt uns nicht weiter,—man erhält dadurch statt einer universalen Lebenskraft (welche zugleich als außer, über und in den Dingen gedacht werden soll!) individuale Lebenskräfte, gegen welche dasselbe einzuwenden ist wie gegen jene universale. Denn bevor der Mensch ist, ist auch sein Individualwille noch nicht: oder was sollte dieser sein? Im Leben selber aber sich äußernd—ja ist denn das Wille zum Leben? Doch mindestens Wille im Leben zu bleiben, also, um den bekannteren Ausdruck zu wählen, Erhaltungstrieb. Ist es wahr, daß, wenn der Mensch in sein Inneres blickt, er sich als Erhaltungstrieb wahrnimmt? Vielmehr nimmt er nur wahr, daß er immer fühlt, genauer daß er irgend an welchem Organe irgend welche, gewöhnlich ganz unbedeutende Lust- oder Unlustempfindungen hat: die Bewegung des Blutes des Magens der Gedärme drückt irgend wie auf die Nerven, er ist immer fühlend und immer wechselt dies Gefühl. Der Traum verräth diese innere fortwährende Wandlung des Gefühls und deutet sie phantastisch aus. Die Stellungen, die die Glieder im Schlafe einnehmen, machen eine Umstellung der Muskeln nöthig und beeinflussen die Nerven und diese wieder das Gehirn. Unser Sehnerv unser Ohr unser Getast ist immer irgend wie erregt. Aber mit dem Erhaltungstrieb hat diese Thatsache einer fortwährenden Erregtheit und Bemerkbarkeit des Gefühls nichts gemein. Der Erhaltungstrieb oder die Liebe zum Leben ist entweder etwas ganz Bewußtes oder nur ein unklares irreführendes Wort für etwas anderes: daß wir der Unlust entgehen wollen, auf alle Weise, und dagegen nach Lust streben. Diese universale Thatsache alles Beseelten ist aber jedenfalls keine erste ursprüngliche Thatsache, wie es Schopenhauer vom Willen zum Leben annimmt:—Unlust fliehen, Lust suchen setzt die Existenz der Erfahrung und diese wieder den Intellekt voraus.— Die Stärke der Wollust beweist nicht den Willen zum Leben, sondern den Willen zur Lust. Die große Angst vor dem Tode, mit der Schopenhauer ebenfalls zu Gunsten seiner Annahme vom Willen argumentirt, ist in langem Zeitraum großgezüchtet durch einzelne Religionen, welche den Tod als entscheidende Stunde ansehen; sie ist hier und da so groß geworden. Falls sie aber unabhängig davon beobachtet wird, so ist sie nicht mehr als Angst vor dem Sterben d. h. dem ungeprobten und vielleicht zu groß vorgestellten Schmerz dabei, dann vor den Verlusten, welche durch das Sterben eintreten. Es ist nicht wahr daß man das Dasein um jeden Preis will, z. B. nicht als Thiere, auf welche Schopenhauer so gern hinweist um die ungeheure Macht des allgemeinen Willens zum Leben festzustellen.

23 [13]

Gelehrte wie Paul de Lagarde meinen, die Thatsachen des religiösen Bewußtseins müsse man vermöge der Wissenschaft festhalten. Aber wohl kann man sie constatiren, beschreiben, wissenschaftlich erklären: aber für das Individuum ist es dann mit ihnen vorbei. Denn der gute Glaube an sie ist zerstört, wenn man begriffen hat, wie irrthümlich menschlich es in ihrem Wesen aussieht. Die Wissenschaft ist der Tod aller Religionen, vielleicht einmal auch der Künste.

23 [14]

Der Weise kennt keine Sittlichkeit mehr außer der, welche ihre Gesetze aus ihm selbst nimmt; ja schon das Wort “Sittlichkeit” paßt für ihn nicht. Denn er ist völlig unsittlich geworden, insofern er keine Sitte kein Herkommen, sondern lauter neue Lebensfragen und deren Antworten anerkennt. Er bewegt sich auf unbegangenen Pfaden vorwärts, seine Kraft wächst, je mehr er wandert. Er ist einer großen Feuersbrunst gleich, die ihren eigenen Wind mit sich bringt, und von ihm gesteigert und weiter getragen wird.

23 [15]

Um der Kultur seine Erkenntniß zu weihen, sind wir in dem denkbar glücklichsten Zeitpunkte: jede Freiheit der Erkenntniß ist erobert und abgerungen und doch stehen wir allen Grundempfindungen, auf denen die alte Kultur ruht, noch nahe. Es wäre möglich, daß dies letztere einige Generationen später fehlte! —

23 [16]

Der Moment, in welchem die Luftschifffahrt erfunden und eingeführt wird, ist günstig für den Socialismus, denn der verändert alle Begriffe von Boden-Eigenthum. Der Mensch ist überall und nirgends, er wird entwurzelt. Man muß durch Gesellschaften sich sicherstellen, in strenger gegenseitiger Verpflichtung und Ausschließung aller Nichtverpflichteten. Sonst geht alles in die Lüfte und läßt sich anderswo nieder, wenn er nicht zahlen kann, nicht Verpflichtung halten mag.

23 [17]

Menschen, die keine wissenschaftliche Cultur haben, schwatzen, wenn sie über ernste und schwere Gegenstände reden und thun es mit Anmaaßung. Sokrates behält recht. Das Wichtigthun der Menschen ist beinahe so schlimm als völlige Verrücktheit. Freilich, zum Handeln, zum Ausbau der Cultur ist dieser Eifer diese Art Wahnsinn für Meinungen sehr wesentlich. Ohne Wuth kommt nichts zu Stande. Trotzdem: da die Erkenntniß von Wahrheiten überhaupt da ist und Vergnügen gewährt, so wollen wir ihre Fahne hoch halten, wenn auch mit keiner Grimasse des Pathos.

23 [18]

Selbst bei den freisinnigsten Denkern schleicht sich Mythologie ein, wenn sie von der Natur reden. Da soll die Natur das und das vorgesehen, erstrebt haben, sich freuen oder: “die menschliche Natur müßte eine Stümperei sein, wenn sie—.” Wille, Natur sind Überbleibsel des alten Götterglaubens.

23 [19]

Alle die, welche Maximen machen, verfallen leicht in den Fehler, vom Menschen etwas Allgemeines auszusagen, was von Zeiten oder Classen der Gesellschaft gilt; aber dasselbe haben alle Philosophen gethan, welche über die Menschen geschrieben haben—erst die Historie in Verbindung mit der Thiergeschichte läßt erkennen, wie groß der Mangel an Besonnenheit war. So verweist Schopenhauer, um zu zeigen, daß das Leben der Menschen einen moralischen metaphysischen Zweck habe, darauf, daß am Ende des Lebens man sich um seine moralischen Qualitäten bewußt werde—als ob ein solches Gefühl, wenn es jetzt wirklich allgemein existirte, irgend etwas anderes beweisen könnte als daß durch bestimmte Meinungen und Glaubenssätze die Menschen sich gewöhnt haben, in der Nähe des Todes an ihre Sünden zu denken: das heißt: eine solche Thatsache, wie sie Schopenhauer hinstellt, beweist, daß gewisse metaphysische Vorstellungen existiren und existirt haben, nicht aber daß sie wahr sind. Nun kommt dazu, daß es eine zeitlich sehr begrenzte Thatsache ist und daß z. B. im Alterthum man sehr oft, ohne an Sünden zu denken, starb. Und wenn es eine ganz allgemein, für alle Perioden der Menschheit und für jeden Menschen geltende Beobachtung wäre, es ist kein Beweis für die Wahrheit des von Schopenhauer behaupteten Satzes damit gegeben.

23 [20]

Wenn Männer mit starken geistigen Bedürfnissen an die Verbindung mit Frauen denken, so überkommt sie das Gefühl als ob sie sich einem Netz näherten, welches sich immer mehr zusammenzieht, und sie argwöhnen einen immer währenden Zwang, ja zuletzt, wenn es sich um Erziehung der Kinder handelt, einen immer neu auflodernden Kampf.

23 [21]

Wenn man eine Natur- und Menschenerklärung Sucht, welche unsern höchsten und stärksten Stimmungen entspricht, so wird man allein auf metaphysische stoßen. Wie es ohne alle diese erhabenen Irrthümer um die Menschen aussehen würde—ich glaube thierisch. Dächte man sich ein Thier mit dem Wissen einer strengen Naturkunde begabt, es würde damit kein Mensch werden, sondern im Wesentlichen als Thier fortleben, nur daß es in seinen vielen Mußestunden z. B. als Pferd vor der Krippe, gute Bücher läse, welche ihm es völlig begreiflich machten, daß die Wahrheit und das Thier sich gut vertragen.

23 [22]

Fast bei allen Philosophen ist die Benutzung des Vorgängers und die Bekämpfung desselben nicht streng, und ungerecht. Sie haben nicht gelernt ordentlich zu lesen und zu interpretiren, die Philosophen unterschätzen die Schwierigkeit wirklich zu verstehen, was einer gesagt hat und wenden ihre Sorgfalt nicht dahin. So hat Schopenhauer ebensowohl Kant als Plato völlig mißverstanden. Auch die Künstler pflegen schlecht zu lesen, sie neigen zum allegorischen und pneumatischen Erklären.

23 [23]

Ebensowohl Gott als der Teufel kann mit Fug und Recht zu dem Menschen sprechen: “Verachte nur Vernunft und Wissenschaft,—so haben wir dich unbedingt.” In diesem Punkte sind sie Verbündete. Übrigens sieht man dabei daß es mit jenem “unbedingt” nicht viel auf sich hat.

23 [24]

Ursprünglich sieht der Mensch alle Veränderungen in der Natur nicht als gesetzmäßig, sondern als Äußerungen des freien Willens d. h. blinder Zuneigungen Abneigungen Affekte Wuth usw. an: die Natur ist Mensch, nur so viel übermächtiger und unberechenbarer, als die gewöhnlichen Menschen, ein verhüllter in seinem Zelte schlafender Tyrann; alle Dinge sind Aktion wie er, nicht nur seine Waffen Werkzeuge sind belebt gedacht. Die Sprachwissenschaft hilft beweisen, daß der Mensch die Natur vollständig verkannte und falsch benannte: wir sind aber die Erben dieser Benennungen der Dinge, der menschliche Geist ist in diesen Irrthümern aufgewachsen, durch sie genährt und mächtig geworden.

23 [25]

Man wirft dem Socialismus vor, daß er die thatsächliche Ungleichheit der Menschen übersehe; aber das ist kein Vorwurf, sondern eine Charakteristik, denn der Socialismus entschließt sich, jene Ungleichheit zu übersehen und die Menschen als gleich zu behandeln d. h. zwischen allen das Verhältniß der Gerechtigkeit eintreten zu lassen, welches auf der Annahme beruht, daß alle gleich mächtig, gleich werthvoll seien; ähnlich wie das Christenthum in Hinsicht auf sündhafte Verdorbenheit und Erlösungsbedürftigkeit die Menschen als gleich nahm. Die thatsächlichen Differenzen (zwischen gutem und schlechtem Lebenswandel) erscheinen jenem zu gering, so daß man sie bei der Gesammtrechnung nicht in Anschlag bringt; so nimmt auch der Socialismus den Menschen als vorwiegend gleich, den Unterschied von gut und böse, intelligent und dumm als geringfügig oder als wandelbar: worin er übrigens in Hinsicht auf das Bild des Menschen, welches ferne Pfahlbauten-Zeiten gewähren, jedenfalls Recht hat: wir Menschen dieser Zeit sind im W gleich. In jenen Entschluß, über die Differenzen hinweg zu sehen, liegt seine begeisternde Kraft.

23 [26]

Immer mehr, je entwickelter der Mensch ist, nimmt er die Bewegung, die Unruhe, das Geschehen wahr. Dem weniger entwickelten scheint das Meiste fest zu sein, nicht nur Meinungen, Sitten, sondern auch Grenzen, Land und Meer Gebirge usw. Das Auge entschließt sich erst allmählich für das Bewegte. Es hat ungeheure Zeiten gebraucht, um das Gleichbleibende, scheinbar Dauernde zu fassen, das war seine erste Aufgabe, schon die Pflanze lernte vielleicht an ihr. Deshalb ist der Glaube an “Dinge” dem Menschen so unerschütterlich fest geworden, ebenso wie der an die Materie. Aber es giebt keine Dinge, sondern alles fließt—so urtheilt die Einsicht, aber der Instinkt widerspricht in jedem Augenblick.

23 [27]

Schopenhauer concipirt die Welt als einen ungeheuren Menschen, dessen Handlungen wir sehen und dessen Charakter völlig unveränderlich ist: diesen können wir eben aus jenen Handlungen erschließen. Insofern ist es Pantheismus oder vielleicht Pandiabolismus, denn er hat kein Interesse, alles was er wahrnimmt in’s Gute und Vollkommene umzudeuten. Aber diese ganze Unterscheidung zwischen Handlungen als Wirkungen und einem an sich seienden Charakter als Ursache ist schon am Menschen falsch, erst recht in Hinsicht auf die Welt. So etwas wie der Charakter hat an sich keine Existenz, sondern ist eine erleichternde Abstraktion. Und dies ist der Werth solcher Metaphysiker wie Schopenhauer: sie versuchen ein Weltbild: nur ist Schade, daß es die Welt in einen Menschen verwandelt: man möchte sagen, die Welt ist Schopenhauer im Großen. Das ist eben nicht wahr.

23 [28]

Die bittersten Leiden sind die, welche keine große Erregung mit sich bringen—denn die hohe Leidenschaft, sie sei welche sie wolle, hat ihr Glück in sich—sondern jene, welche nagen, wühlen und stechen: also namentlich die, welche durch rücksichtslose Menschen, welche ihre Art von Übermacht benutzen, uns zugefügt werden: etwa mit dem erschwerenden Umstande daß sie dabei von einer intimen Vertrautheit mit uns, durch einen Verrath der Freundschaft, Gebrauch machen. Das einzige große Gefühl, mit welchem man über solche Leiden hinwegflöge, wäre Haß mit der Aussicht auf Rache, auf Vernichtung des Andern. Aber gewöhnlich sagt sich der bessere Mensch, daß der Übelthäter gar nicht so boshaft war als er uns erscheint und daß manche Verdienste für ihn sprechen: so unterdrückt er den Gedanken an Wiedervergeltung, wird aber dabei nicht froh; er ist an die Zeit gewiesen, an das Schwächerwerden aller Erinnerungen. —

23 [29]

Zwei Dinge sind schädlich: der nagende Verdruß über eine Unbilde, mit seinem hundertfachen Wiederkäuen Ausspeien des Erlebten, dann matte imaginäre Rachebefriedigungen—eine wirkliche Rache und eine schnelle, wenn ihre Folgen uns auch mit Schmerz belasten, ist viel gesünder. Sodann das Leben in erotischen Vorstellungen, welche die Phantasie beschmutzen und allmählich eine Oberherrschaft gewinnen, bei welcher die Gesundheit leidet.— Die Selbsterziehung hat hier vorzubeugen: beiden Trieben muß auf die natürliche Art entsprochen werden und die Vorstellung rein erhalten werden. Die versagte Rache und die versagte Liebe machen den Menschen krank, schwach und schlecht.

23 [30]

Vorsicht vor Ringen! (Ringe sind gewundene Schlangen, welche sich harmlos stellen.) diese golden gewundenen Schlangen stellen sich zwar harmlos —

23 [31]

In welchem Gedichte wird soviel geweint wie in der Odyssee?— Und höchst wahrscheinlich wirkte das Gedicht auch ebenso auf die zuhörenden Griechen der älteren Zeit; jeder genoss dabei unter Tränen die Erinnerung an alles Erlittene und Verlorne. Jeder ältere Mann hatte eine Anzahl Erlebnisse mit Odysseus gemein, er fühlte dem Dulder alles nach.— Mich rührt oft das gar nicht Rührende, sondern das Einfache Schlichte Tüchtige bei Homer und ebenso in Hermann und Dorothea zu Thränen, z. B. Telemachos im ersten Gesang

23 [32]

Vielleicht ist der unegoistische Trieb eine späte Entwicklung des socialen Triebes; jedenfalls nicht umgekehrt. Der sociale Trieb entsteht aus dem Zwange, welcher ausgeübt wird, sich für ein anderes Wesen zu interessiren (der Sclave für seinen Herrn, der Soldat für seinen Führer) oder aus der Furcht, mit ihrer Einsicht, dass wir zusammen wirken müssen, um nicht einzeln zu Grunde zu gehen. Diese Empfindung, vererbt, entsteht später, ohne dass das ursprüngliche Motiv mit in’s Bewusstsein trete; es ist zum Bedürfniss geworden, welches nach der Gelegenheit ausschaut sich zu bethätigen. Für andere, für eine Gemeinsamkeit, für eine Sache (wie Wissenschaft) sich interessiren erscheint dann als unegoistisch, ist es aber im Grunde nicht gewesen. —

23 [33]

Gründliche Kenner der Nordamerikaner sagen dass “die herrschende Meinung in den Vereinigten Staaten sich gegen jeden erklärt, der es unterlässt nach dem Höchsten zu streben, was für ihn erreichbar ist. Zurückbleiben aus freiem Willen gilt geradezu als Schande, als eine Art von Vergehen, gegen die Gesellschaft.”

23 [34]

Die Welt ohne Eros.— Man bedenke, dass, vermöge des Eros, zwei Menschen an einander gegenseitig Vergnügen haben: wie ganz anders würde diese Welt des Neides der Angst und der Zwietracht ohne diess aussehen!

23 [35]

Tragische Jünglinge.— In der Neigung der Jünglinge für die Tragödie, in ihrer Manier sich trübselige Geschicke zu prophezeien, von den Menschen schlecht zu denken, ist etwas von jener Lust versteckt, welche in ihnen rege wird, wenn einer ausruft: “Wie weise ist er für sein Alter: wie kennt er schon den Lauf der Welt!”

23 [36]

Es ist ein herrliches Schauspiel: aus lokalen Interessen, aus Personen, welche an die kleinsten Vaterländer geknüpft sind, aus Kunstwerken, die für einen Tag, zur Festfeier gemacht wurden, aus lauter Punkten kurzum in Raum und Zeit erwächst allmählich eine dauernde die Länder und Völker überbrückende Cultur; das Lokale bekommt universale, das Augenblickliche bekommt monumentale Bedeutung. Diesem Gange in der Geschichte muss man nachspüren; freilich stockt einem mitunter der Athem, so zersponnen ist das Garn, so dem Zerreissen nahe der Knoten, welcher das Fernste mit dem Späten verbindet!— Homer, erst für alle Hellenen, dann für die ganze hellenische Culturwelt und jetzt für jedermann—ist eine Thatsache, über die man weinen kann.

23 [37]

Schopenhauer sagt mit Recht: “Die Einsicht in die strenge Nothwendigkeit der menschlichen Handlungen ist die Gränzlinie, welche die philosophischen Köpfe von den anderen scheidet.” Falsch dagegen: “der letzte und wahre Aufschluß über das innere Wesen des Ganzen der Dinge muß nothwendig eng zusammenhängen mit dem über die ethische Bedeutsamkeit des menschlichen Handelns.” Ebenso falsch: “zu schließen sind Alle, zu urtheilen Wenige fähig.”

23 [38]

Auch wenn man Martern und den Tod für seinen Glauben erduldet, beweist man nichts für die Wahrheit, sondern nur für die Stärke des Glaubens an das, was man für Wahrheit hält. (Das Christenthum freilich geht von dem unstatthaften Einfalle aus: “was stark geglaubt wird, ist wahr.” “Was stark geglaubt wird, macht selig, muthig, usw.”) Das Pathos der “Wahrheit” ist an sich nicht förderlich für dieselbe, insofern es dem erneuten Prüfen und Forschen entgegenwirkt. Es ist eine Art Blindheit mit ihm verbunden, ja man wird, mit diesem Pathos, zum Narren: wie dies Winkler sagt. Man muß von Zeit zu Zeit skeptische Perioden durchleben, wenn anders man ein Recht haben will sich eine wissenschaftliche Persönlichkeit zu nennen. Schopenhauer hat seine Position vielfach mit Fluchen und Verwünschungen und fast überall mit Pathos verschanzt; ohne diese Mittel würde seine Philosophie vielleicht weniger bekannt geworden sein (z. B. wenn er die eigentliche Perversität der Gesinnung es nennt, “an keine Metaphysik zu glauben”).

23 [39]

Der welcher über die inneren Motive des Menschen schreibt, hat nicht nur kalt auf sie hinzudeuten; denn so kann er seine Schlüsse nicht glaubhaft machen. Er muß die Erinnerung an diese und jene Leidenschaft, Stimmung erwecken können, und muß also ein Künstler der Darstellung sein. Dazu wiederum ist nöthig, daß er alle diese Affekte aus Erfahrung kennt; denn sonst wird er indigniren durch Kälte und den Anschein von Geringschätzung dessen, was die anderen Menschen so tief bewegt und erschüttert hat. Daher muß er die wichtigsten Stufen der Menschheit durchgemacht haben und fähig sein, sich auf sie zu stellen: er muß religiös, künstlerisch, wollüstig, ehrgeizig, böse und gut, patriotisch und kosmopolitisch, aristokratisch und plebejisch gewesen sein und die Kraft der Darstellung behalten haben. Denn bei seinem Thema ist es nicht wie bei der Mathematik, wo ganz bestimmte Mittel des Ausdrucks, Zahlen Linien da sind, welche ganz unzweideutig sind. Jedes Wort über die Motive des Menschen ist unbestimmt und andeutend, man muß aber stark anzudeuten verstehen, um ein starkes Gefühl darzustellen.

23 [40]

Es giebt tröpfelnde Denker und fließende, wie sich die Quellen ebenso unterscheiden. Lichtenberg hält fleißig unter und bekommt endlich den Becher voll; aber er hat die Zeit nicht gehabt, uns den Becher voll zu reichen; seine Verwandten haben uns die Tropfen zugemessen. Da wird man leicht unbillig. An sich erweckt der fließende Denker den Anschein der vollen Kraft, aber es kann auch nur Täuschung sein.

23 [41]

Nicht nur der Glaube an Gott, auch der Glaube an tugendhafte Menschen, Handlungen, die Schätzung “unegoistischer” Triebe, also auch Irrthümer auf psychologischem Gebiet haben der Menschheit vorwärts geholfen. Es ist ein großer Unterschied, ob einer die Helden Plutarchs mit Begeisterung nachahmt oder anzweifelnd analysirt. Der Glaube an das Gute hat die Menschen besser gemacht: wie eine Überzeugung vom Gegentheil die Menschen schwächer mißtrauischer usw. macht. Dies ist die Wirkung von La Rochefoucauld und vom Verfasser der psychologischen Beobachtungen: diese scharfzielenden Schützen treffen immer ins Schwarze, aber im Interesse der menschlichen Wohlfahrt möchte man wünschen, daß sie nicht diesen Sinn der Verkleinerung und Verdächtigung hätten.

23 [42]

Der Reiz mancher Schriften z. B. des Tristram Shandy beruht unter anderem darauf, daß der angeerbten und angezogenen Scheu, manche Dinge nicht zu sehen, sich nicht einzugestehen, in ihnen widerstrebt wird, daß also mit einer gewissen “Keuschheit der Seele” ein schelmisches Spiel getrieben wird. Dächte man sich diese Scheu nicht mehr angeerbt, so würde jener Reiz verschwinden. Insofern ist der Werth der vorzüglichsten Schriften sehr abhängig von der ziemlich veränderlichen Constitution des inneren Menschen; die Stärkung des einen, die Schwächung des anderen Gefühls läßt diesen und jenen Schriftsteller ersten Ranges langweilig werden: wie uns z. B. die spanische Ehre und Devotion in den Dramatikern, das Mittelalterlich-Symbolische bei Dante mitunter unerträglich ist und ihren Vertretern in unserem Gefühle Schaden thut.

23 [43]

Die außerordentliche Unsicherheit alles Unterrichtswesens hat darin ihren Grund, daß es kein gemeinsam anerkanntes Fundament mehr giebt, und daß jetzt weder Christenthum noch Alterthum noch Naturwissenschaft noch Philosophie eine überstimmende und herrschende Macht haben. Man bewegt sich schwankend zwischen sehr verschiedenen Ansprüchen: zuletzt will gar noch der Nationalstaat eine “nationale” Kultur, um damit die Unklarheit auf den Gipfel zu bringen—denn national und Kultur sind Widersprüche. Selbst an den Universitäten, den Festungen der Wissenschaft, giebt es Leute, welche über der Wissenschaft noch als höhere Mächte Religion oder Metaphysik, mit der Heimlichkeit von Verräthern, anerkennen.

23 [44]

Die Lehrer ganzer Klassen setzen einen falschen Ehrgeiz hinein, ihre Schüler individuell verschieden zu behandeln. Nun ist aber im höchsten Maaße wahrscheinlich, daß der Lehrer, bei seiner geringen und einseitigen Beziehung zu den Schülern, sie nicht genau kennt und einige grobe Fehler in der Beurtheilung des einen oder andren Charakters macht (welche zudem bei jungen Leuten noch biegsam sind und nicht als vollendete Thatsache behandelt werden sollten). Der Nachtheil, welchen die Erkenntniß der Klasse, daß einige Schüler grundsätzlich immer irrthümlich behandelt werden, mit sich bringt, wiegt alle etwaigen Vortheile einer individualisirenden Erziehung auf, ja überwiegt bei weitem. Im Allgemeinen sind alle Lehrer-Urtheile über ein Individuum falsch und voreilig: und kein Beweis von wissenschaftlicher Sorgfalt und Behutsamkeit. Man versuche es nur immer mit einer Gleichsetzung und Gleichschätzung aller Schüler und nehme das Niveau ziemlich hoch, ja man behandle alles Censurengeben mit ersichtlicher Geringschätzung und beschränke sich darauf, den Gegenstand des Unterrichts interessant zu machen, so sehr daß der Lehrer es sich, vor der Klasse, anrechnet, wenn ein Schüler sich auffällig uninteressirt zeigt—: es ist ein bewährtes Recept, und läßt überdies das Gewissen des Lehrers ruhiger.— Es versteht sich übrigens von selbst, daß Klassenerziehung eben nur ein Nothbehelf ist, wenn der einzelne Mensch durchaus nicht von einem einzelnen Lehrer erzogen werden kann und somit der individuelle Charakter und die Begabung ihren eigenen Wegen überlassen werden müssen: was freilich gefahrvoll ist. Aber ist der einzelne Erzieher nicht ebenfalls eine Gefahr? —

23 [45]

Verwunderung der Naiven daß der Staat die Erziehung und Schule nicht ganz unparteiisch fördert: wozu hätte er sonst sie mit aller Mühe in die Hand genommen! Das Mittel, die Geister zu beherrschen. (Anwartschaft aller Lehrer auf Stellen! so hat man sie.)

23 [46]

Wir gewinnen eine neue Freude hinzu, wenn uns die metaphysischen Vorstellungen Humor machen, und die feierliche Miene, die Rührung der angeblichen Entdeckung, der geheimnißvolle Schauer wie eine alte Geistergeschichte uns anmuthet. Seien wir nicht gegen uns mißtrauisch! Wir haben doch die Resultate langer Herrschaft der Metaphysik in uns, gewisse complexe Stimmungen und Empfindungen, welche zu den höchsten Errungenschaften der menschlichen Natur gehören; diese geben wir mit jenem unschuldigen Spotte keineswegs auf.— Aber warum sollen wir nicht lachen, wenn Schopenhauer die Abneigung vor der Kröte uns metaphysisch erklären will, wenn die Eltern Gelegenheitsursachen für den Genius der Gattung werden usw.?

23 [47]

Rée als scharfzielender Schütze zu bezeichnen welcher immer ins Schwarze trifft.

23 [48]

Die moralische Selbstbeobachtung genügt jetzt keineswegs, Historie und die Kenntniß der zurückgebliebenen Völkerschaften gehört dazu, um die verwickelten Motive unseres Handelns kennen zu lernen. In ihnen spielt die ganze Geschichte der Menschheit ab, alle ihre großen Irrthümer und falschen Vorstellungen sind mit eingeflochten; weil wir diese nicht mehr theilen, suchen wir sie auch nicht mehr in den Motiven unserer Handl, aber als Stimmung Farbe Oberton erklingen sie mit darin. Man meint, wenn man die Motive des Menschen classificirt nach der nothwendigen Befriedigung seiner Ansprüche, dann habe man wirklich alle Motive aufgezählt. Aber es gab zahllose fast unglaubliche, ja verrückte Bedürfnisse, welche nicht so leicht jetzt zu errathen wären: diese alle wirken jetzt noch mit.

23 [49]

Manchmal überkommt uns, etwa bei der tiefsten Erschütterung durch einen Trauerfall Treubruch Liebeswerbung, eine Empörung wenn wir die naturalistisch historische Erklärung hören. Aber solche Empfindungen beweisen nichts, sie sind wiederum nur zu erklären. Die Empfindungen sind tief geworden, aber nicht immer gewesen; und jenen höchsten Steigerungen entspricht kein realer Grund, sie sind Imaginationen.

23 [50]

Wenn Genie’s unangenehme, ja schlechte Eigenschaften haben, so muss man ihren guten Eigenschaften um so dankbarer sein, dass sie in solchem Boden, mit dieser Nachbarschaft, bei solchem Clima, solchem Wurmfrass doch diese Früchte zeitigten.

23 [51]

Manches an dem wiederhergestellten Katholicismus wird von uns falsch beurtheilt, weil hier südländische Äusserungen der Religiosität vorliegen. Es sieht uns äusserlich, schwärmerisch unwahr-übertrieben an: aber der Protestantismus ist eben auch nur nordischen Naturen begreiflich.

23 [52]

Die Musik ist erst allmählich so symbolisch geworden, die Menschen haben immer mehr gelernt, bei gewissen Wendungen und Figuren seelische Vorgänge mitzuverstehen. Von vorn herein liegen sie nicht darin. Musik ist nicht unmittelbarer Ausdruck des Willens, sondern erst in der Fülle der Kunst kann sie so erscheinen.

23 [53]

Musik hat als gesammte Kunst gar keinen Charakter, sie kann heilig und gemein sein, und beides ist sie erst, wenn sie durch und durch symbolisch geworden ist. Jene sublimirten Verherrlichungen der Musik überhaupt, wie sie z. B. bei Bettina zu finden sind, sind Beschreibungen von Wirkungen gewisser Musik auf ganz bestimmte Individuen, welche alle jene sublimirten Zustände in sich haben und durch sie nun auch der Musik sich nähern.

23 [54]

Man lobt das Unegoistische ursprünglich, weil es nützlich, das Egoistische, weil es schädlich ist. Wie aber, wenn dies ein Irrthum wäre! Wenn das Egoistische in viel höherem Grade nützlich wäre, auch den anderen Menschen, als das Unegoistische! Wie wenn man beim Tadel des Egoistischen immer nur an den dummen Egoismus gedacht hätte! Im Grunde übte man die Klugheit?— Freilich Güte, und Dummheit gehen auch zusammen, un bon homme usw.

23 [55]

Nach der Novelle “am Malanger Fjord” zu urtheilen, ist Th. Mügge das einzige deutsche Erzählertalent im Scottischen Stile; er ist durchaus meisterhaft sicher.

23 [56]

Lob Epicurs.— Die Weisheit ist um keinen Schritt über Epikur hinausgekommen—und oftmals viele tausend Schritt hinter ihn zurück.

23 [57]

Wenn ich die Dinge nach dem Grade der Lust ordne, welche sie erregen, so steht obenan: die musikalische Improvisation in guter Stunde, dann das Anhören einzelner Sachen Wagner’s und Beethovens, dann vor Mittag gute Einfälle im Spazierengehen haben, dann die Wollust usw.

23 [58]

Der Genuss an der Kunst hängt von Kenntnissen (Übung) ab; auch bei der volksthümlichsten Kunst. Es giebt keine unmittelbare Wirkung auf den Hörer, ein Hinausgreifen über die Schranken des Intellects. Viele geniessen Wagnerische Musik nicht, weil sie nicht genussfähig durch höchste musikalische Bildung geworden sind.

23 [59]

Menschen, welche sich in hervorragender Weise vom Ererbt-Sittlichen loslösen, “gewissen”-los sind, können dies nur in der gleichen Weise werden, wie Missgeburten entstehen; das Wachsen und Sich-bilden geht ja nach der Geburt fort, in Folge der angeerbten Gewohnheiten und Kräfte. So könnte man in jenem Falle den Begriff der Missgeburt erweitern und etwa von Missgebilden reden. Gegen solche hat die übrige Menschheit dieselben Rechte wie gegen die Missgeburten und Monstra: sie darf sie vernichten, um nicht die Propagation des Zurückgebliebenen Missrathenen zu fördern. Z. B. der Mörder ist ein Missgebilde. —

23 [60]

Eine gewöhnliche Erfahrung: es ging schlecht, aber viel besser als ich glaubte.

23 [61]

Glück und Unglück.— Bei manchen Menschen zeigt sich das Glück ergreifender als ihr Unglück.— Wer kann heitere Musik aus einem Irrenhause heraus tönend ohne Thränen hören?

23 [62]

Beim Gehen an einem Waldbach scheint die Melodie, die uns im Sinne liegt, hörbar zu werden, in starken zitternden Tönen; ja sie scheint mitunter dem inneren Bild der Melodie, welche wir verfolgen, vorauszulaufen um einen Ton und erlangt eine eigne Selbstständigkeit, welche aber nur Täuschung ist.

23 [63]

Das Hauptelement des Ehrgeizes ist, zum Gefühl seiner Macht zu kommen. Die Freude an der Macht ist nicht darauf zurückzuführen, dass wir uns freuen, in der Meinung anderer bewundert dazustehen. Lob und Tadel, Liebe und Hass sind gleich für den Ehrsüchtigen, welcher Macht will.

Furcht (negativ) und Wille zur Macht (positiv) erklären unsere starke Rücksicht auf die Meinungen der Menschen.

Lust an der Macht.— Die Lust an der Macht erklärt sich aus der hundertfältig erfahrenen Unlust der Abhängigkeit, der Ohnmacht. Ist diese Erfahrung nicht da, so fehlt auch die Lust.

23 [64]

Zeichen höherer Naturen.— Die metaphysischen Vorstellungen eines Menschen sind Zeugnisse für seine höhere Natur, edlere Bedürfnisse: insofern soll man immer im würdigsten Tone von ihnen reden.

23 [65]

Nutzen und Nachtheil alles Märtyrerthums.— Die vielen Märtyrertode sind Kraftquellen für die Menschen geworden, nach der Seite der Überzeugungs-Hartnäckigkeit, nicht nach der Seite der strengen Wahrheitsprüfung. Die Grausamkeiten schaden der Wahrheit, aber nützen dem Willen (der sich im Glauben manifestirt).

23 [66]

In wiefern tröstet es einen Unglücklichen, eine Strafe nicht verdient zu haben? Er wird zum Besten der Menschheit als Mittel benutzt, um sie abzuschrecken: aber er hatte es nicht verdient, als Mittel betrachtet zu werden? Sobald man aber einsieht, dass niemand etwas verdient, tröstet jener Gesichtspunkt auch gar nicht mehr. Übrigens sollte man sich unter allen Umständen darüber freuen, als Mittel zur Verbesserung der Menschen zu dienen.

23 [67]

Übliche Form des Argwohns.— Man ist unbillig argwöhnisch gegen Bücher, deren Resultate uns missfallen—und umgekehrt. In einer Partei werden die Grundsätze des Parteikampfes niemals ernsthaft geprüft; nur die entgegenstrebenden Parteien und deren Interessen bringen eine starke Kritik hervor.

23 [68]

Mancher trifft den Nagel, aber nicht auf den Kopf, er macht das Problem heillos schief. Es wäre besser, er hätte die Sache ganz verfehlt.

23 [69]

Ablösung des Zufälligen durch das Nothwendige.— Im Stadium höherer geistiger Befreiung soll man alles Zufällig-Natürliche, mit dem man das Leben verknüpft hat, durch Gewähltes-Nöthiges ersetzen. Wer unzureichende Freunde von früher her hat, soll sich lösen; einen neuen Vater, neue Kinder soll man sich unter Umständen wählen.

23 [70]

Grosse Wirkungen falsch abgeleitet.— Grosse Wirkungen auf grosse Ursachen zurückzuführen ist ein sehr gewöhnlicher Fehlschluss. Erstens können es kleine Ursachen sein, welche aber eine lange Zeit wirken. Dann kann das Object, auf welches gewirkt wird, wie ein vergrössernder Spiegel sein: ein schlechter Dichter kann grosse Wirkung thun, weil das Publikum gerade ihm homogen ist, z. B. Uhland unter seinen schwäbischen Landsleuten.

23 [71]

Suche die Einsamkeit, um Vielen oder Allen (der Vielsamkeit) am besten nützen zu können: wenn du sie anders suchst, so wird sie dich schwach krank und zu einem absterbenden Gliede machen.

23 [72]

Nicht die Abwesenheit der Liebe, sondern die Abwesenheit der Freundschaft macht die unglücklichen Ehen.

23 [73]

Der Ausdruck “Lohn” ist aus der Zeit her in unsere verschleppt, in welcher der Niedriggeborne Unfreie wenn man ihm überhaupt etwas gab oder gönnte sich immer beglückt begnadet fühlte, wo er wie ein Thier bald durch die Peitsche bald durch Lockungen aufgemuntert wurde, aber niemals etwas “verdiente.” Wenn jener thut, was er thun muss, so ist kein Verdienst dabei: wird er trotzdem belohnt, so ist dies eine überschüssige Gnade, Güte.

23 [74]

Die jetzigen Dramatiker gehen häufig von einem falschen Begriff des Dramas aus und sind Drastiker: es muß bei ihnen um jeden Preis geschrieen gelärmt geschlagen geschossen getödtet werden. Aber “Drama” bedeutet “Ereigniß” factum, im Gegensatz zum fictum. Nicht einmal die historische Ableitung des griechischen Wort-Begriffs giebt ihnen Recht. Die Geschichte des Dramas aber erst recht nicht; denn der Darstellung des Drastischen gehen die Griechen gerade aus dem Wege.

23 [75]

Der ehemalige Wunderbeweis.— Wenn jemand seine Hand in glühend flüssiges Metall taucht und unversehrt herauszieht, so setzt es immer noch in Erstaunen aber ehemals meinte man gewiß ein Wunder zu sehen: der es that, glaubte selber an eine geheimnißvolle Kraft und übernatürlichen Beistand. Auch der, welcher die Erklärung der Thatsache jetzt nicht weiß, meint doch, es gehe natürlich zu und es werde ihm so gut glücken wie jenem. Ehemals hätte man jede Behauptung damit beweisen können und jeder hätte einem solchen Beweise geglaubt.

23 [76]

Die wissenschaftlichen Methoden entlasten die Welt von dem großen Pathos, sie zeigen, wie grundlos man sich in diese Höhe der Empfindung hineingearbeitet hat. Man lacht und wundert sich jetzt über einen Zank, der zwei Feinde und allmählich ganze Geschlechter rasend macht und zuletzt das Schicksal der Völker bestimmt, während vielleicht der Anlaß längst vergessen ist: aber ein solcher Vorgang ist das Symbol aller großen Affekte und Leidenschaften in der Welt, welche in ihrem Ursprunge immer lächerlich klein sind. Nun bleibt zunächst der Mensch verwundert vor der Höhe seines Gefühls und der Niedrigkeit des Ursprungs stehen; auf die Dauer mildert sich dieser Gegensatz, denn das beschämende Gefühl des Lächerlichen arbeitet still an dem Menschen, der hier einmal zu erkennen angefangen hat.— Es giebt anspruchsvolle Tugenden, welche ihre Höhe nur unter metaphysischen Voraussetzungen behaupten können z. B. Virginität; während sie an sich nicht viel bedeutet, als eine blasse unproduktive Halbtugend, welche überdies geneigt macht, über die Mitmenschen recht ketzerrichterisch abzuurtheilen.

23 [77]

Unterscheidet man Stufen der Moralität, so würde ich als erste nennen: Unterordnung unter das Herkommen, Ehrfurcht und Pietät gegen das Herkommen und seine Träger (die Alten) als zweite Stufe. Gebundensein des Intellekts, Beschränkung seines Herumgreifens und Versuchens, Steigerung des Gefühls innerhalb des abgegrenzten Bereichs erlaubter Vorstellungen.— Dagegen die Forderung des unegoistischen unpersönlichen Handelns, worin man gewöhnlich den Ursprung der Moralität sieht, gehört den pessimistischen Religionen an, insofern diese von der Verwerflichkeit des ego, der Person ausgehen, also die metaphysische Bedeutung des “Radikal-Bösen” vorher in den Menschen gelegt haben müssen. Von der pessimistischen Religion her hat Kant sowohl das Radikal-Böse als den Glauben daß das Unegoistische das Kennzeichen des Moralischen sei. Nun existirt dies aber nur, wie Schopenhauer richtig sah, im Nachgeben gegen bestimmte Empfindungen, z. B. des Mitleidens Wohlwollens. Empfindungen kann man aber nicht fordern, anbefehlen. Die Moral hat aber immer gefordert, sie wird somit “mitleidig und wohlwollend sein” (unegoistisch sein) nicht als entscheidende Kennzeichen des “moralischen Menschen” gelten lassen: wie man ja thatsächlich oft von “unmoralischen Menschen” spricht, welche aber sehr gutmüthig und mitleidig sind.

23 [78]

Die falsche Voraussetzung aller Moral ist der Irrthum, daß der Mensch frei handele und verantwortlich sei. Jedes Gesetz, jede Vorschrift (in Staat, Gesellschaft, Schule) setzt diesen Glauben voraus, wir sind so daran gewöhnt, daß wir loben und tadeln, auch nach der erworbenen Einsicht in die Unverantwortlichkeit: während wir doch die Natur nicht tadeln und loben. Unegoistische Handlungen fordern, wie es die pessimistischen Religionen thun, Liebe fordern: das setzt denselben Grundirrthum voraus.

23 [79]

Um die Monogamie und ihre große Wucht zu erklären, soll man sich ja vor feierlichen Hypothesen hüten, wozu die erwähnte Scham vor einem Mysterium verführt. Zunächst ist an einen moralischen Ursprung gar nicht zu denken; auch die Thiere haben sie vielfach. Überall wo das Weibchen seltener ist als das Männchen oder seine Auffindung dem Männchen Mühe gemacht hat, entsteht die Begierde, den Besitz desselben gegen neue Ansprüche anderer Männchen zu vertheidigen. Das Männchen läßt das einmal erworbene Weibchen nicht wieder los, weil es weiß, wie schwer ein neues zu finden ist, wenn es dies verloren hat. Die Monogamie ist nicht freiwillige Beschränkung auf ein Weib, während man unter vielen die Auswahl hat, sondern die Behauptung eines Besitzthums in weiberarmen Verhältnissen. Deshalb ist die Eifersucht bis zu der gegenwärtigen Stärke angeschwollen und aus dem Thierreich her in überaus langen Zeiträumen auf uns vererbt. In den Menschenstaaten ist das Herkommen der Monogamie vielfach aus verschiedenen Rücksichten der Nützlichkeit sanktionirt worden, vor allem zum Wohle der möglichst fest zu organisirenden Familie. Auch wuchs die Schätzung des Weibes in derselben, so daß es von sich aus später das Verhältniß der Monogamie allen übrigen vorzog.— Wenn thatsächlich das Weib ein Besitzstück nach Art eines Haussklaven war, so stellte sich doch bei dem Zusammenleben zweier Menschen, bei gemeinsamen Freuden und Leiden, und weil das Weib auch manches verweigern konnte, in manchem dem Mann als Stellvertreter dienen konnte, eine höhere Stellung des Eheweibes ein.— Jetzt, wo die Weiber in den civilisirten Staaten thatsächlich in der Mehrheit sind, ist die Monogamie nur noch durch die allmählich übermächtig gewordene Sanktion des Herkommens geschützt; die natürliche Basis ist gar nicht mehr vorhanden. Ebendeshalb besteht hinter dem Rücken der feierlich behandelten und geheiligten Monogamie thatsächlich eine Art Polygamie.

23 [80]

Wenn Schopenhauer dem Willen das Primat zuertheilt und den Intellekt hinzukommen läßt, so ist doch das ganze Gemüth, so wie es uns jetzt bekannt ist, nicht mehr zur Demonstration zu benutzen. Denn es ist durch und durch intellektual geworden (so wie unsere Tonempfindung in der Musik intellektual wurde). Ich meine: Lust und Schmerz und Begehren können wir gar nicht vom Intellekt mehr losgetrennt denken. Die Höhe Mannichfaltigkeit Zartheit des Gemüths ist durch zahllose Gedankenvorgänge großgezüchtet worden; wie die Poesie sich zur jetzigen Musik verhält, als die Lehrerin aller Symbolik, so der Gedanke zum jetzigen Gemüth. Diese Gedanken sind vielfache Irrthümer gewesen; z. B. die Stimmung der Frömmigkeit ruht ganz auf dem Irrthume. Lust und Schmerz ist wie eine Kunst ausgebildet worden, genau durch dieselben Mittel wie eine Kunst. Die eigentlichen Motive der Handlungen verhalten sich jetzt so wie die Melodien der jetzigen Musik; es ist gar nicht mehr zu sagen, wo Melodie, wo Begleitung Harmonie ist; so ist bei den Motiven der Handlungen alles künstlich gewebt, mehrere Motive bewegen sich neben einander und geben sich gegenseitig Harmonie Farbe Ausdruck Stimmung. Bei gewissen Stimmungen meinen wir wohl den Willen abgesondert vom Intellekt zu haben, es ist eine Täuschung; sie sind ein Resultat. Jede Regung ist intellektual geworden; was einer z. B. bei der Liebe empfindet, ist das Ergebniß alles Nachdenkens darüber, aller je damit verbundenen Metaphysik, aller verwandten miterklingenden Nachbarstimmungen.

23 [81]

Bei dem Ursprunge der Kunst hat man nicht von aesthetischen Zuständen und dergleichen auszugehen; das sind späte Resultate, ebensowie der Künstler. Sondern der Mensch wie das Thier sucht die Lust und ist darin erfindsam. Die Moralität entsteht, wenn er das Nützliche sucht d. h. das was nicht sogleich oder gar nicht Lust gewährt, aber Schmerzlosigkeit verbürgt, namentlich im Interesse Mehrerer. Das Schöne und die Kunst geht auf das direkte Erzeugen möglichst vieler und mannichfaltiger Lust zurück. Der Mensch hat die thierische Schranke einer Brunstzeit übersprungen; das zeigt ihn auf der Bahn der Lust-Erfindung. Viele Sinnenfreuden hat er von den Thieren her geerbt (der Farbenreiz bei den Pfauen, die Gesangfreude bei den Singvögeln). Der Mensch erfand die Arbeit ohne Mühe, das Spiel, die Bethätigung ohne vernünftigen Zweck. Das Schweifen der Phantasie, das Ersinnen des Unmöglichen, ja des Unsinnigen macht Freude, weil es Thätigkeit ohne Sinn und Zweck ist. Mit den Armen und Beinen sich bewegen ist ein Embryo des Kunsttriebs. Der Tanz ist Bewegung ohne Zweck; Flucht vor der Langeweile ist die Mutter der Künste. Alles Plötzliche gefällt, wenn es nicht schadet, so der Witz, das Glänzende, Starktönende (Licht Trommellärm). Denn eine Spannung löst sich, dadurch daß es aufregt und doch nicht schadet. Die Emotion an sich wird erstrebt, das Weinen, der Schrecken (in der Schauergeschichte) die Spannung. alles was aufregt, ist angenehm, also die Unlust im Gegensatz zur Langeweile als Lust empfunden.

23 [82]

Wenn jemand die Wissenschaft zum Schaden der Menschheit fördert (- nämlich es giebt keine prästabilirte Harmonie zwischen der Förderung der Wissenschaft und der Menschheit) so kann man ihm sagen: willst du zu deinem Vergnügen die Menschheit deiner Erkenntniß opfern, so wollen wir dich dem allgemeinen Wohlbefinden opfern, hier heiligt der gute Zweck das Mittel. Wer die Menschheit eines Experimentes wegen vergiften wollte, würde von uns wie ein ganz gefährliches Subjekt in Banden gelegt werden; wir fordern: das Wohl der Menschheit muß der Grenzgesichtspunkt im Bereich der Forschung nach Wahrheit sein (nicht der leitende Gedanke, aber der, welcher gewisse Grenzen zieht). Freilich ist da die Inquisition in der Nähe; denn das Wohl aller war der Gesichtspunkt, nach dem man die Ketzer verfolgte. In gewissem Sinne ist also eine Inquisitions-Censur nothwendig, die Mittel freilich werden immer humaner werden.

23 [83]

Eine alte Stadt, Mondschein auf den Gassen, eine einsame männliche Stimme—das wirkt als ob die Vergangenheit leibhaftig erschienen sei und zu uns reden wollte—das Heillose des Lebens, das Ziellose aller Bestrebungen, der Glanz von Strahlen darum, das tiefe Glück in allem Begehren und Vermissen: das ist ihr Thema.

23 [84]

Man überschätzt an Künstlern die fortlaufende Improvisation, welche gerade bei den originellsten Künstlern nicht existirt, wohl aber bei den halb reproduktiven Nachahmern. Beethoven sucht seine Melodien in vielen Stücken, mit vielem Suchen zusammen. Aber die Künstler selbst wünschen, daß das Instinktive “Göttliche” Unbewußte in ihnen am höchsten taxirt werde und stellen den Sachverhalt nicht treu dar, wenn sie darüber sprechen. Die Phantasie (wie z. B. bei dem Schauspieler) schiebt viele Formen ohne Wahl heran, die höhere Cultur des Künstler-Geschmacks trifft die Auswahl unter diesen Geburten und tödtet die anderen ab, mit der Härte einer lykurgischen Amme.

23 [85]

Der Vorzug unserer Cultur ist die Vergleichung. Wir bringen die verschiedensten Erzeugnisse älterer Culturen zusammen und schätzen ab; dies gut zu machen ist unsere Aufgabe. Unsre Kraft soll sich zeigen, wie wir wählen; wir sollen Richter sein.

23 [86]

Zum Schluß: Vernunft und Wissenschaft, “des Menschen allerhöchste Kraft!”

23 [87]

Wir nennen den moralisch, welcher in Hinsicht auf ein von ihm anerkanntes Gesetz sich unterordnet und demgemäß handelt, sei dies ein Staatsgesetz, sei es die Stimme Gottes in der Form religiöser Gebote, sei es selbst nur das Gewissen, oder die philosophische “Pflicht.” Ob jemand mit Recht oder Unrecht solche Gesetze glaubt, ist gleichgültig; für die Moral ist nur wichtig, daß er nach ihnen sich richtet.— Innerhalb der verschiedenen Sphären des Egoismus ist ein Unterschied von Höher und Nieder: hier sich auf Seiten des höheren geläuterten Egoismus stellen nennen wir ebenfalls moralisch.— Gut nennen wir jetzt eine moralische Handlungsweise ohne weiteres noch nicht. Seelengüte wird dem Menschen zugesprochen, welcher nicht in Hinsicht auf ein Gesetz, sondern nach inneren Trieben gern Mitleiden Mitfreude Aufopferung usw. zeigt. Also Moralität zum Instinkt geworden, in ihrer Ausübung mit Lust verbunden, wie dies nach langer Vererbung und Gewohnheit zu geschehen pflegt: das heißt bei uns Gutsein.

23 [88]

Man spricht von Milderungsgründen: sie sollen die Schuld mindern und darnach soll die Strafe geringer ausfallen. Aber geht man auf die Genesis der Schuld ein, so mildert man allmählich die Schuld weg, und dann dürfte es gar keine Strafe geben. Denn im Grunde giebt es eben, bei der Unfreiheit des Willens, keine Schuld. Läßt man die Strafe als Abschreckung gelten, so darf es keine Milderungsgründe geben, die sich auf die Entstehung der Schuld beziehen. Ist die That constatirt, so folgt die Strafe unerbittlich; der Mensch ist Mittel zum Wohle aller. Auch das Christenthum sagt: Richtet nicht! freilich mit der Rücksicht auf den persönlichen Nachtheil. Christus: “Gott soll richten.” Dies ist aber ein Irrthum.

23 [89]

Die Philosophen finden den Willen zum Leben namentlich dadurch bewiesen, daß sie das Schreckliche oder Nutzlose des Lebens einsehen und doch nicht zum Selbstmord greifen—aber ihre Schilderung des Lebens könnte falsch sein! —

23 [90]

Wie jetzt auch die Frage der Kritik des Erkenntnißvermögens beantwortet werde, die Untersuchung ist so schwierig, die Gedankenselbstprüfung so subtil, daß ihr Resultat mit den Resultaten der bisherigen Religion Kunst und Moral gar nichts zu thun hat. Diese verdanken sie nicht solchen wissenschaftlichen Prozeduren, sondern höchst unwissenschaftlichen. Das Bedürfniß nach ihnen ist ohne alle Consequenz für die “Wahrheit,” Realität ihrer Annahmen.

23 [91]

Das gute Kunstwerk der Erzählung wird das Hauptmotiv so entfalten wie die Pflanze wächst, immer deutlicher sich vorbildend, bis endlich als neu und doch geahnt die Blüthe sich erschließt. Die Kunst des Novellisten ist namentlich die, das Thema präludiren zu lassen, es symbolisch mehrermal vorwegzunehmen, die Stimmung vorzubereiten, in welcher man den Ausbruch des Gewitters anticipirt, benachbarte Töne der Hauptmelodie erklingen zu machen und so auf jede Weise die erfindende Fähigkeit des Lesers zu erregen, als ob er ein Räthsel rathen sollte; dieses aber dann so zu lösen, daß es den Leser doch noch überrascht.— Wie der Knabe spielt, so wird der Mann arbeiten, ein Schulereigniß kann alle handelnden Personen eines politisch großen Vorgangs schon deutlich erkennen lassen.— Vielleicht ist auch eine Philosophie so darzustellen, daß man die eigentliche Behauptung erst zuletzt stellt und zwar mit ungeheurem Nachdruck.

23 [92]

Es ist ein Zeichen von Größe, mit geringen Gaben hoch beglücken zu können.

23 [93]

Die Philosophie großer Menschen entspricht gewöhnlich dem Lebensalter, in welchem die Conception dazu gemacht wurde. So ist für den, welcher die zwanziger Jahre Schopenhauers intim kennt, die ganze Philosophie Schopenhauers förmlich auszurechnen, zu prophezeien.

23 [94]

Erzogen wird jeder Mensch, durch die Umstände, Gesellen, Eltern, Geschwister, Ereignisse der Zeit, des Ortes: aber dies ist alles Erziehung des Zufalls und vielfältig geeignet, ihn recht unglücklich zu entwickeln. Über diese Erziehung durch den Zufall ist aber die Menschheit im Ganzen noch nicht hinausgekommen: gehindert durch die metaphysische Vorstellung (an welcher selbst Lessing’s scharfer Geist stumpf wurde), daß ein Gott die Erziehung der Menschheit in die Hand genommen habe und daß wir seine Wege nicht völlig begreifen können. Von nun an hat die Erziehung sich ökumenische Ziele zu stecken und den Zufall selbst im Schicksal von Völkern auszuschließen:—die Aufgabe ist so groß, daß eine ganz neue Gattung von Erziehern, ein neues Gebilde aus Ärzten Lehrern Priestern Naturforschern Künstlern der alten Kultur

23 [95]

Die Besonnenheit der antiken Dichter zeigt sich darin, daß sie das Gefühl von einer Stufe zur andern heben und es so sehr hoch steigern. Die Neuern versuchen es gerne mit einem Überfalle; oder: sie ziehen gleich mit aller Gewalt am Glockenstrange der Leidenschaft. Mißlingt es ihnen aber am Anfang, so sind sie auch verloren. Ein gutes Buch sollte, als Ganzes, einer Leiter der Empfindung gleichen, es müßte nur von Einer Seite her einen Zugang haben, der Leser müßte sich verwirrt fühlen, wenn er es auf eigne Faust versuchte, darin sich seinen Weg zu machen. Jedes gute Buch würde sich so selber schützen; wer schleppt gerne einen Strick mit aufgereihten Worten hinter sich drein, welche er zunächst nicht versteht? Im Gleichniß gesprochen: als man mir den standhaften Prinzen Calderon’s in der Schlegelschen Übersetzung vorlas, gieng mir’s so: ich zog meinen Strick eine Zeitlang und ließ ihn endlich mißmuthig fahren, machte einen neuen Versuch und zog wieder einen Faden voller Worte hinter mir, aber selten kam das erklärende erlösende Wort: Qual Verdruß, wie bei einem Bilde, auf dem alle Zeichnung verblaßt ist und Eines Vieles bedeuten kann.

23 [96]

Der Fehler der Moralisten besteht darin, daß sie um das Moralische zu erklären egoistisch und unegoistisch wie unmoralisch und moralisch einander gegenüber stellen, d.h. daß sie das letzte Ziel der moralischen Entwicklung, unsere jetzige Empfindung als Ausgangspunkt nehmen. Aber diese letzte Phase der Entwicklung ist durch zahlreiche Stufen, durch Einflüsse von Philosophie und Metaphysik, von Christenthum bedingt und durchaus nicht zu benutzen, um den Ursprung des Moralischen zu erklären. Überdies ist möglich, daß unegoistisches Handeln zwar ein uns geläufiger Begriff, aber keine wirkliche Thatsache, sondern nur eine scheinbare ist; die Ableitung des Mitleidens z. B. führt vielleicht auf den Egoismus zurück, ebenso wie es wahrscheinlich keine Thaten der Bosheit an sich, des Schädigens ohne persönlichen Grund usw. giebt. Das Reich des Moralischen ist vor allem das Reich des Sittlichen gewesen, man nannte aber den “guten Menschen” durchaus nicht zu allen Zeiten den, welcher die Sitte unegoistischer Handlungen, das Mitleiden und dergleichen hatte, sondern vielmehr den, welcher überhaupt den Sitten folgte. Ihm stand der böse Mensch, der ohne Sitte (der unsittliche) gegenüber.

23 [97]

Das Mitgefühl mit dem Nächsten ist ein spätes Resultat der Cultur: wie weit muß die Phantasie entwickelt sein, um anderen wie uns selber nachzufühlen (erst wenn wir gelernt unsere eigenen nicht gegenwärtigen Schmerzen und Freuden durch die Erinnerung nachzufühlen und wie gegenwärtige zu empfinden). Vielen Antheil hat gewiß die Kunst, wenn sie uns lehrt, Mitleiden selbst mit vorgestellten Empfindungen unwirklicher Personen zu haben.

23 [98]

Die gute Recension eines wissenschaftlichen Buches besteht darin, daß das aufgestellte Problem desselben besser gelöst wird; dem entsprechend wäre es, wenn die Kritik eines Kunstwerks darin bestünde, daß jemand das darzustellende Motiv des Kunstwerks besser darstellte, z. B. ein Musiker durch die That zeigte, daß ein Anderer mit seinem Thema nicht genug zu machen gewußt habe; insgleichen ein Bildhauer, ein Romanschreiber. Alle gute Kritik heißt Bessermachen; deshalb ist Bessermachen-können unerläßliche Bedingung für den Kritiker.— Nun sehe man aber die gewöhnlichen Kritiker der Kunst und Philosophie an! Sie sagen: “es gefällt uns nicht”; aber wodurch wollen sie beweisen, daß ihr Geschmack entwickelter höher steht, wenn nicht durch die That?

23 [99]

Man redet von Ahnungen, als ob z. B. die Religion gewisse Erkenntnisse, wenngleich dunkel, vorausgefühlt habe. Ein solches Verhältniß zwischen Religion und Wissenschaft giebt es nicht. Das was man Ahnung nennt, ist aus ganz anderen Motiven aufgestellt als wissenschaftlichen, auf ganz anderen Methoden begründet, nicht einmal auf halbwissenschaftlicher Methode. Es ist zufällig, wenn das Eine dem Andern ähnlich sieht. Alle Religionen zusammen sollen gewisse gemeinsame “Wahrheiten” dunkel enthalten, man glaubt damit einer Philosophie etwas Günstiges zu sagen, wenn man die religiöse Phantastik auf ihre Seite bringt: aber es ist umgekehrt. Wissenschaft und Religion werden sich in ihren Resultaten gar nicht ähnlich sehen können.

23 [100]

Es leben zu gleicher Zeit Menschen der verschiedensten Culturstufen selbst in den hochentwickelten Nationen neben einander fort. In Deutschland und der Schweiz ist alles, was von der Reformation an die Seelen beherrschte, noch irgendwo zurückgeblieben, es ist möglich, durch mehrere Jahrhunderte rückwärts zu wandern und Menschen dieser Zeiten zu sprechen. Ja, der sehr reich entwickelte Mensch (wie Goethe) lebt große Zeiträume, ganze Jahrhunderte voraus in den verschiedenen Phasen seiner Natur.

23 [101]

Die Künstler sind die Advokaten der Leidenschaft, denn sie ist voller Effekt und giebt dem Künstler zehnmal mehr Gelegenheit, seine Kunst zu zeigen. So entsteht der Schein als ob die Leidenschaften etwas Herrliches, Begehrenswerthes seien, denn die Dichter nehmen die schönsten Worte in den Mund; eigentlich aber verherrlichen sie die Leidenschaft, weil sie sich am meisten verherrlichen wollen.

Theilweise sind sie auch selber von leidenschaftlichem Hange und insofern ihre eignen Advokaten. Nun stellen sie aber in der Welt das Verherrlichenswerthe überhaupt fest, sie sind die geborenen Lobredner der Dinge—sie haben die Stellung des Menschen zur Leidenschaft wirklich verändert d.h. diese selbst subtilisirt, veredelt: z.B. die Liebe. Es ist ihr Verdienst.

23 [102]

Frau von Staël: das Zeitalter der Einsicht hat seine Unschuld ebensowohl wie das goldene Zeitalter.

23 [103]

Werth der Gewissensbisse für die geistige Befreiung.— Es ist kein Zweifel, dass zur Vermehrung der geistigen Freiheit in der Welt die Gewissenbisse wesentlich beigetragen haben. Sie reizten häufig zu einer Kritik der Vorstellungen, welche, auf Grund früherer Handlungen, so schmerzhaft wirkten; und man entdeckte, dass nicht viel daran war, ausser der Gewöhnung und der allgemeinen Meinung innerhalb der Gesellschaft, in welcher man lebte. Konnte man sich von diesen beiden losmachen, so wichen auch die Gewissensbisse.

23 [104]

Künstler könnten die glücklichsten Menschen sein, denn ihnen ist es erlaubt, das Vollkommene zu erzeugen als Ganzes und sogar oft; während die Andern immer nur an kleinen Theilen eines Ganzen arbeiten. Aber die Künstler verwöhnen sich durch den Anblick des Vollkommnen Ganzen und fordern es auch sonst, sie machen höhere Ansprüche, sind neidisch, haben sich nicht gewöhnt sich zu beherrschen, sind dünkelhaft im Urtheil; und mitunter fehlen ihrem Schaffen die geniessenden und lobenden Empfänger.

23 [105]

Das Pathos gehört in die Kunst.— Wer wird nicht giftig und innerlich aufgebracht, wenn er einen hört, der sein Leben gar zu pathetisch nimmt und von “Golgatha” und “Gethsemane” redet!— Wir vertragen das Pathetische nur in der Kunst; der lebende Mensch soll schlicht und nicht zu laut sein.

23 [106]

Das wollen was der Andre will und zwar seiner selbst wegen, nicht unsertwegen, das macht den Freund, sagt Aristoteles. Hier wird die unegoistische Handlung beschrieben; befinden wir uns gegen gewisse Personen dauernd in solcher Verfassung, so ist dies Freundschaft. Nach der jetzt üblichen Auffassung der Moralität ist das Freundesverhältniss das moralischeste, welches existirt.

23 [107]

Man muss eine Zeitlang im metaphysischen Dunstkreis gelebt haben, nur um zu erfahren, wie wohl es thut in nüchterner Morgenfrische alle Dinge zu sehen und tiefen Athem in reiner Luft zu schöpfen.

23 [108]

Richtig lesen.— Die Kunst richtig zu lesen ist so selten, dass fast jedermann eine Urkunde ein Gesetz einen Vertrag sich erst interpretiren lassen muss; namentlich wird durch die christlichen Prediger viel verdorben, welche fortwährend von der Kanzel herab die Bibel mit der verzweifeltsten Erklärungskunst heimsuchen und weit und breit Respect vor einer solchen künstlich spitzfindigen Manier, ja sogar Nachahmung derselben erwecken.

23 [109]

Wenn die Moral auf den Gesichtspunkt des gemeinsamen Nutzens und Schadens zurückgeht, so ist es consequent das Moralische einer Handlung nicht nach den Absichten des Individuums, sondern nach der That und deren Erfolg zu bemessen. Das Seelenspalten und Nierenprüfen gehört einer Auffassung der Ethik an, bei der auf Nutzen und Schaden gar nichts ankommt. Man verlange die Handlung und kümmere sich nicht so ängstlich um die Motive (deren Verflechtung übrigens viel zu gross ist als dass man nicht bei jeder psychologischen Analysis einer Handlung immer etwas irrte).

23 [110]

Geistige Übergangsclimata.— Wir haben uns freigemacht von vielen Vorstellungen—Gott ewiges Leben vergeltende jenseitige und diesseitige Gerechtigkeit, Sünde Erlöser Erlösungsbedürftigkeit—; eine Art vorübergehende Krankheit verlangt einen Ersatz an die leeren Stellen hin, die Haut schaudert etwas vor Frost, weil sie früher hier bekleidet war. Da giebt es Philosophien, welche gleichsam Übergangsclimata darstellen, für die, welche die frische Höhenluft noch nicht direct vertragen.— Vergleiche, wie die griechischen Philosophensekten als Übergangsklimata dienen: die alte Polis und deren Bildung wirkt noch in ihnen nach: wozu soll aber übergegangen werden?—es ist wohl nicht gefunden. Oder war es der Sophist, der volle Freigeist?

23 [111]

Man soll gar nicht mehr hinhören, wenn Menschen über die verlorne Volksthümlichkeit klagen (in Tracht Sitten Rechtsbegriffen Dialecten Dichtungsformen usw.). Gerade um diesen Preis erhebt man sich ja zum Über-Nationalen, zu allgemeinen Zielen der Menschheit, zum gründlichen Wissen, zum Verstehen und Geniessen des Vergangnen, nicht Einheimischen.— Kurz, damit eben hört man auf, Barbar zu sein.

23 [112]

Das Erhabne wirkt als Reizmittel und Pfeffer auf Ermüdete, das Schöne bringt Beruhigung für die Erregten—das ist ein Hauptunterschied. Der Erregte scheut sich vor dem Erhabnen, der Ermüdete langweilt sich bei dem Schönen. Übrigens ist das Erhabne, wenn es vom Schönen disjungirt wird, identisch mit dem Hässlichen (d. h. allem Nicht-Schönen); und wie es eine Kunst der schönen Seele giebt, so auch eine Kunst der hässlichen Seele.

23 [113]

Selbstverachtung.— Jene heftige Neigung zur Selbstprüfung und -Verachtung, die man bei Sündern Büssern und Heiligen wahrnimmt, ist häufig auf eine allgemeine Ermüdung ihres Lebenswillens (oder der Nerven) zurückzuführen, Regen welche sie auch die schmerzhaftesten Reizmittel anwenden.

23 [114]

Erwägt man, wie die Irrthümer großer Philosophien gewöhnlich ihren Ausgangspunkt in einer falschen Erklärung bestimmter menschlicher Handlungen und Empfindungen haben, wie auf Grund einer irrthümlichen Analysis z. B. der sogenannten unegoistischen Handlungen eine falsche Ethik erbaut wird, dieser zu Gefallen dann wiederum Religion und mythologisches Unwesen zu Hülfe genommen werden und endlich die Schatten dieser trüben Geister auch in die Physik und gesamte Weltbetrachtung hineinfallen: erwägt man dies Alles, so sieht man ein, wie unbillig die gewöhnliche Unterschätzung der psychologischen Beobachtung ist: während eben die Oberflächlichkeit der psychologischen Beobachtung, also das Resultat jener Unterschätzung, dem menschlichen Denker und Urtheilen die gefährlichsten Fallstricke gelegt hat und fortwährend von Neuem legt. Woher nun diese Nichtachtung? Etwa weil auch dem leeren und eiteln Gesindel der Gesellschaft, männlichen oder weiblichen Geschlechts, gelegentlich solche Bemerkungen gelingen, weil man da in bestimmten Zeiten sich moralische Sentenzen im Carneval der geistreichen Gefallsucht als eine Art Confetti zuzuwerfen pflegte?— Aber der Unterschied ist eben außerordentlich, wenn ein streng wägender Denker den gleichen psychologischen Satz, der einmal auch in jenen Kreisen entdeckt worden ist, ausspricht und ihn mit dem Gepräge und Kopfbilde seiner Autorität versieht. Vielleicht thut jetzt, als Vorarbeit für alles zukünftige Philosophiren, nichts so noth, als Stein auf Stein, Steinchen auf Steinchen psychologische Arbeit zu häufen und tapfer jeder Mißachtung dieser Art Arbeit zu widerstreben. Zu welchen Entdeckungen wird eine spätere Generation, vermöge eines solchen Materials, kommen!— Freilich muß jener unehrliche Geist von diesem Gebiete fern gehalten werden, in dem z. B. Schleiermacher seine Schüler aufforderte, die psychologischen Thatsachen des religiösen Bewußtseins zu untersuchen: denn hier war es von vornherein auf die Erhaltung der Religion und auf das Fortbestehen der Theologie (welcher er eine neue Arbeit zuweisen wollte) abgesehen.— Wie es in der Natur keine Zwecke giebt und sie trotzdem Dinge von der höchsten Zweckmäßigkeit schafft, so wird auch die ächte Wissenschaft ohne Zwecke (Nutzen Wohlfahrt der Menschen) arbeiten, sondern ein Stück Natur werden, d. h. das Zweckmäßige (Nützliche) hier und da erreichen, ohne es gewollt zu haben.

23 [115]

In den Eigenthümlichkeiten der indogermanischen Sprachen, welche sie gegen die Urmuttersprache abheben, hat man die zurückgelassenen Spuren der verlorenen Sprachen zu erkennen, welche ursprünglich die Völker hatten, die durch indogermanische Wanderstämme überfallen und besiegt wurden: und so daß die Sprache der Eroberer ebenfalls siegreich wurde und auf die Unterworfenen übergieng. Vielleicht im Accent und dergleichen blieb die alte Gewöhnung noch hängen und gieng auf die neu erlernte Sprache über.

23 [116]

Dankbar gegen die Folgen.— Manche metaphysische und historische Hypothesen werden nur deshalb so stark vertheidigt, weil man so dankbar gegen ihre Folgen ist.

23 [117]

Naturgenuss.— Bei einer Critik des Naturgenusses wird viel abzuziehn sein, was gar nicht auf aesthetische Erregung zurückgeht, z. B. bei Besteigung eines hohen Berges die Wirkung der dünnen leichten Luft, das Bewusstsein der besiegten Schwierigkeit, das Ausruhen, das geographische Interesse, die Absicht dasselbe schön zu finden was andere Leute schön fanden, der vorweggenommene Genuss, davon einmal zu erzählen.

23 [118]

Es giebt Stellen im Nebensatz des Allegretto der Adur Symphonie, bei denen das Leben so angenehm hinschleicht wie die Minuten an einer Rosenhecke an Sommerabenden.

23 [119]

Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden jähen Bach des Lebens, hundertmal vom Gischt verschlungen und sich immer von neuem zusammensetzend, und mit zarter schöner Kühnheit ihn überspringend, dort wo er am wildesten und gefährlichsten braust.

23 [120]

Unterschätzen wir auch die flacheren lustigen lachsüchtigen Weiber nicht, sie sind da zu erheitern, es ist viel zu viel Ernst in der Welt. Auch die Täuschungen auf diesem Gebiete haben ihren Honigseim.— Wenn die Frauen tüchtiger inhaltsreicher werden, so giebt es gar keine sichere Stätte für harmlose Thorheit auf der Welt mehr. Liebeshändel gehören unter die Harmlosigkeiten des Daseins.

23 [121]

Ein socratisches Mittel.— Socrates hat Recht: man soll, um vom Eros nicht ganz unterjocht zu werden, sich mit den weniger schönen Weibern einlassen.

23 [122]

Wenn sich einer an das Buchmachen gewöhnt hat, so zieht er seine vielleicht ganz hellen Gedanken so auseinander, daß sie schwerfällig und dunkel werden. So hat sich selbst Kant durch die Gelehrten-Manier des Büchermachens (welches ja sogar im herkömmlichen Urtheil als akademische Verpflichtung gilt) zu jener weitschweifigen Art der Mittheilung bestimmen lassen, welche bei ihm doppelt bedauerlich ist, weil es ihm (seiner akademischen Pflichten wegen) immer an Zeit gefehlt hat: er mußte während des Schreibens sich häufig erst wieder in seine Gedankenkreise eindenken. Hätte er sich begnügt, das in kürzester Form, in der Weise Hume’s, mitzutheilen, was er vor dem Schreiben (vielleicht auf einem Spaziergange) in sich festgestellt hatte, so wäre der ganze Streit über das richtige Verständniß Kant’s, der jetzt noch fortlebt, überflüssig gewesen.

23 [123]

Frühzeitige Redefertigkeit schleift sich alle Gedanken zum sofortigen wirkungsvollen Gebrauche zurecht und ist deshalb leicht ein Hinderniß tiefen Erfassens und überhaupt einer gründlichen Einkehr in sich selbst.— Deshalb pflegen demokratische Staaten die Redefertigkeit auf den Schulen. —

23 [124]

Erfahrene Menschen kehren ungern zu Gegenden, zu Personen zurück, die sie einst sehr geliebt haben. Glück und Trennung sollen an ihren Enden zusammengeknüpft werden: da trägt man den Schatz mit fort.

23 [125]

Während Schopenhauer von der Welt der Erscheinung aussagt, dass sie in ihren Schriftzügen das Wesen des Dinges an sich zu erkennen gebe, haben strengere Logiker jeden Zusammenhang zwischen dem Unbedingten, der metaphysischen Welt und der uns bekannten Welt geleugnet: so dass in der Erscheinung eben durchaus nicht das Ding an sich erschiene. Von beiden Seiten scheint mir übersehen, dass es verschiedne irrthümliche Grundauffassungen des Intellectes sind, welche den Grund abgeben, weshalb Ding an sich und Erscheinung in einem unausfüllbaren Gegensatz zu stehen scheinen: wir haben die Erscheinung eben mit Irrthümern so umsponnen, ja sie so mit ihnen durchwebt, dass niemand mehr die Erscheinungswelt von ihnen getrennt denken kann. Also: die üblen, von Anfang an vererbten unlogischen Gewohnheiten des Intellectes haben erst die ganze Kluft zwischen Ding an sich und Erscheinung aufgerissen; diese Kluft besteht nur insofern unser Intellect und seine Irrthümer bestehen. Schopenhauer hinwiederum hat alle characteristischen Züge unserer Welt der Erscheinung—d. h. der aus intellectuellen Irrthümern herausgesponnenen und uns angeerbten Vorstellung von der Welt—zusammengelesen und statt den Intellect als Schuldigen anzuklagen, das Wesen der Dinge als Ursache dieses thatsächlichen Weltcharacters angeschuldigt.— Mit beiden Auffassungen wird eine Entstehungsgeschichte des Denkens in entscheidender Weise fertig werden: deren Resultat vielleicht auf diesen Satz hinauslaufen dürfte: das was wir jetzt die Welt nennen, ist das Resultat einer Menge von Irrthümern welche in der gesammten Entwicklung der organischen Wesen allmählich entstanden, in einander verwachsen und uns jetzt als aufgesammelter Schatz der ganzen Vergangenheit vererbt werden. Von dieser Welt als Vorstellung vermag uns die strenge Wissenschaft thatsächlich nur in geringem Maasse zu lösen, insofern sie die Gewalt uralter Gewohnheiten nicht zu brechen vermag: aber sie kann die Geschichte der Entstehung dieser Welt als Vorstellung aufhellen.

23 [126]

Es ist wahr, niemals ist in Deutschland so viel philosophirt worden wie jetzt: selbst zur Zeit der höchsten Gewalt Hegel’s über die deutschen Köpfe erschienen nicht annähernd so viele philosophische Schriften wie in den letzten 15 Jahren. Aber irre ich mich? Oder habe ich Recht zu vermuthen, daß eine große Gefahr in diesem Anzeichen liegt? Die Gattung des jetzt beliebten Philosophirens ist derart, daß sie als Symptom einer über Hand nehmenden Abneigung gegen exakte strenge methodische Studien erscheint. Es ist ein vergnügliches, unter Umständen geistreiches Herumwerfen der philosophischen Ideen-Fangbälle, welche jetzt fast für jedes Verständniß faßlich geworden sind; ein solches Spiel nimmt sich besser aus als das ermüdende Wälzen schwerer einzelner Probleme der Wissenschaft und giebt in der That eine gewisse Ausbildung zum geselligen und öffentlichen Effektmachen.— Ich wünschte mich zu irren.

23 [127]

Wer vom Reiz der Gefahr spricht, kennt die Lust an der Emotion der Furcht an sich.

23 [128]

Frauen in Colonien.— Die Achtung und Artigkeit, welche die Amerikaner den Frauen erweisen, ist vererbt aus jener Zeit, in der diese bedeutend in der Minderheit waren: sie ist eine Eigenthümlichkeit colonialer Staaten. Manches bei den Griechen erklärt sich hieraus. Ein Ausnahmefall: wo die Colonisten viele Weiber antreffen, entsteht gewöhnlich ein Sinken der Schätzung der Weiber.

23 [129]

Der hochentwickelte Mensch thut die Natürlichkeiten des Daseins wie Essen Trinken usw. einfach ab, ohne viel Reden und falsche Verschönerung, welche frühere Culturstufen lieben. Ebendahin gehört auch die Geselligkeit, die Ehe; auf alle solche Dinge fällt nicht mehr jener starke Accent, welchen andere Zeiten dafür haben. Gut, es mag “formloser” sein, unschöner zum Ansehen, der religiöse Anschein ist von diesen Dingen gewichen und damit viel “Poesie.” Indessen diese Einbussen werden reichlich compensirt, vor allem viel Energie gespart, Zeit gespart (wie bei unserer Kleidung) und der ganze Sinn nicht auf diese Äusserlichkeiten gerichtet. Jemand der es in etwas zur Meisterschaft bringen will, erhebt sich zu einer vornehmen Art zu sein durch sein Ziel.— Wie wir in den Künsten durch Vergeistigung eine Menge des Hässlichen mit in’s Reich der Kunst hinübergetragen haben, so auch im Leben; man muss fühlen, was in diesen auf den ersten Blick unschönen Lebensformen pulsirt, welche neuen und höheren Gewalten, da erschliesst sich dem Blick eine höhere Schönheit.

23 [130]

Es gehört zu den Eigenheiten des metaphysischen Philosophirens, ein Problem zu verschärfen und als unlösbar hinzustellen, es sei denn dass man ein Wunder als eine Lösung ansieht, z. B. das Wesen des Schauspielers in der Selbstentäusserung und förmlichen Verwandlung zu sehen: während das eigentliche Problem doch ist, durch welche Mittel der Täuschung es der Schauspieler dahin bringt, dass es so scheint als wäre er verwandelt.

23 [131]

Der denkende Geist bei Musikern ist gewöhnlich frisch, sie sind öfter geistreich als die Gelehrten; denn sie haben in der Ausübung ihrer Kunst das Mittel, dem reflektirenden Denken beinahe völlige Ruhe, eine Art Schlafleben zu verschaffen; deshalb erhebt sich dies so lustig und morgenfrisch, wenn der Musiker aufhört Musik zu machen.— Man täuscht sich mitunter darüber, weil vielfach die Bildung des Musikers zu gering ist und er nicht genug Stoff hat, an dem er Geist zeigen könnte. Eben so steht es mit denkenden Geist der Frauen.

23 [132]

Wer in der deutschen Sprache Sentenzen bildet, hat die Schwierigkeit, daß sie gerade am Ende nicht scharf und streng abgeschliffen werden können, sondern daß Hülfszeitwörter hinterdrein stürzen wie Schutt und Gerümpel einem rollenden Steine.— Selbst der feinste Kopf ist nicht vermögend die Kunst der Sentenzen-Schleiferei gebührend zu würdigen, wenn er nicht auf diesem Gebiete selber gewetteifert hat. Man nimmt es ohne diese praktische Belehrung für leichter als es ist, man fühlt das Gelungene nicht scharf genug heraus; deshalb haben die Leser von Sentenzen ein verhältnißmäßig geringes Vergnügen an ihnen, ebenso wie die gewöhnlichen Betrachter von Kameen. Nur im Wetteifer lernt man das Gute kennen: so sollte man, um der Lust der Erkenntniß willen, wenigstens eine Wissenschaft eine Kunst wirklich ausüben, und vielleicht einen Roman, eine philosophische Betrachtung, eine Rede von Zeit zu Zeit ausarbeiten;—durch Nachdenken über seine eignen Erfahrungen begreift man dann auch die verwandten diesen Erfahrungen angrenzenden Gebiete—und erwirkt sich den Zugang zu vielen der besten Lustempfindungen.

23 [133]

Man ist auch ungerecht, wenn man die großen Männer zu groß findet und die Dinge in der Welt zu tief. Wer dem Leben die tiefste Bedeutung geben will, umspinnt die Welt mit Fabeln; wir sind alle noch tief hinein verstrickt, so freisinnig wir uns auch vorkommen mögen. Es giebt eine starke Neigung, uralt angeboren, die Abstände zu übertreiben, die Farben zu stark aufzutragen, das Glänzende als das Wahrscheinlichere zu nehmen. Die Kraft zeigt sich vornehmlich in diesem allzuscharfen Accentuiren; aber die Kraft in der Mäßigung ist die höhere, Gerechtigkeit ist schwerer als Hingebung und Liebe.— Wenn ein Mörder nicht das Böse seiner Handlung anerkennen will und sich das Recht nimmt, etwas gut zu nennen, was alle Welt böse nennt, so löst er sich aus der Entwicklung der Menschen: müssen wir ihm dies Recht zugestehn? Wenn einer sogenannte schlechte Handlungen durch Loslösung von den hergebrachten Urtheilen und Aufstellung der Unverantwortlichkeit rechtfertigte, dürfen wir sagen: “nur rein theoretisch darf er so etwas aufstellen, nicht aber praktisch darnach handeln”? Oder: “als Denker hat er Recht, aber er darf nicht Böses thun.” In wie weit darf sich das Individuum lösen von seiner Vergangenheit? So weit es kann? Und wenn es einsieht, daß in dieser Vergangenheit falsche Urtheile, Rücksichten auf grobe Nützlichkeit wirkten? Daß der Heiligenschein um das Gute, der Schwefelglanz um das Böse dabei verschwindet? Wenn die stärksten Motive, aus der Ehre und Schande des Mitmenschen entnommen, nicht mehr wirken, weil er die Wahrheit diesem Urtheile entgegenstellen kann?

23 [134]

Warum erdichtet man nicht ganze Geschichten von Völkern, von Revolutionen, von politischen Parteien? Weshalb rivalisirt der Dichter des Roman’s nicht mit dem Historiker? Hier sehe ich eine Zukunft der Dichtkunst.

23 [135]

Ehemals definirte man, weil man glaubte, daß jedem Worte Begriffe eine Summe von Prädikaten innewohne, welche man nur herauszuziehn brauche. Aber im Worte steckt nur eine sehr unsichere Andeutung von Dingen: man definirt vernünftiger Weise nur, um zu sagen, was man unter einem Worte verstanden wissen will und überläßt es jedem, sich den Sinn eines Wortes neu abzugränzen: es ist unverbindlich.

23 [136]

Die Schule der Erzieher entsteht auf Grund der Einsicht: daß unsere Erzieher selber nicht erzogen sind, daß das Bedürfniß nach ihnen immer größer, die Qualität immer geringer wird, daß die Wissenschaften durch die natürliche Zertheilung der Arbeitsgebiete bei dem Einzelnen die Barbarei kaum verhindern können, daß es kein Tribunal der Cultur giebt, welches von nationalen Interessen abgesehn die geistige Wohlfahrt des ganzen Menschengeschlechts erwägt: ein internationales Ministerium der Erziehung.

23 [137]

Eine Sentenz ist im Nachtheil, wenn sie für sich steht; im Buche dagegen hat sie in der Umgebung ein Sprungbrett, von welchem man sich zu ihr erhebt. Man muß verstehen, unbedeutendere Gedanken um bedeutende herumzustellen, sie damit einzufassen, also den Edelstein mit einem Stoff von geringerem Werthe. Folgen Sentenzen hinter einander, so nimmt man unwillkürlich die eine als Folie der andern, schiebt diese zurück, um eine andere hervorzuheben, d. h. man macht sich ein Surrogat eines Buches.

23 [138]

Da die Kunst immer seelenvoller wird, so bemerken die späteren Meister, daß die Kunstwerke der früheren Zeit ihnen nicht entsprechen und dies veranlaßt sie, da etwas nachzuhelfen und zu glauben daß es nur die technischen Bedingungen sind, welche damals den alten Meistern fehlten. So denkt Wagner, daß Beethoven besser d. h. seelenvoller instrumentirt haben würde, wenn die Instrumente besser gewesen wären; namentlich aber in der Modifikation des Tempo’s, denkt er, daß jener, wie alle früheren, nur ungenügend in der Bezeichnung gewesen wäre. In Wahrheit ist die Seele aber noch nicht so zart bewegt, so lebendig in jedem Augenblick gewesen. Alle ältere Kunst war starr, steif; in Griechenland wie bei uns. Die Mathematik, die Symmetrie, der strenge Takt herrschten.— Soll man den modernen Musikern das Recht geben, ältere Werke mehr zu beseelen?— Ja; denn nur dadurch daß wir ihnen unsere Seele geben, leben sie noch fort. Wer die dramatische seelenvolle Musik kennt, wird Bach ganz anders vortragen, unwillkürlich. Hört er ihn anders vortragen, so versteht er ihn nicht mehr. Ist ein historischer Vortrag überhaupt möglich?

23 [139]

Die Erfinder der indogermanischen Sprache waren wahrscheinlich der obersten Kaste zugehörig und benutzten die vorhandenen geringeren Sprachen. Eine hohe philosophische und dichterische Bildung sprach aus ihnen und bildete eine entsprechende Sprache; diese ist ein bewußtes Kunstprodukt; musikalisches dichterisches Genie gehörte dazu. Dann wurde es eine Dichter- und Weisensprache, verbreitete sich später über die nächsten Kasten und wanderte mit den Kriegerstämmen aus. Es war das kostbarste Vermächtniß der Heimat, das man zäh festhielt.

23 [140]

Die Dichter, gemäß ihrer Natur, welche eben die von Künstlern d. h. seltsamen Ausnahmemenschen ist, verherrlichen nicht immer das, was von allen Menschen verherrlicht zu werden verdient, sondern ziehen das vor, was gerade ihnen als Künstlern gut erscheint. Ebenso greifen sie selten mit Glück an, wenn sie Satiriker sind. Cervantes hätte die Inquisition bekämpfen können, aber er zog es vor, ihre Opfer d. h. die Ketzer und Idealisten aller Art auch noch lächerlich zu machen. Nach einem Leben voller Unfälle und Mißwenden hatte er doch noch Lust zu einem litterarischen Hauptangriff auf eine falsche Geschmacksrichtung der spanischen Leser; er kämpfte gegen die Ritterromane. Unvermerkt wurde dieser Angriff unter seinen Händen zur allgemeinsten Ironisirung aller höheren Bestrebungen: er machte ganz Spanien, alle Tröpfe eingeschossen, lachen und sich selber weise dünken: es ist eine Thatsache daß über kein Buch so gelacht wurde wie über den Don Quixote. Mit einem solchen Erfolge gehört er in die Decadence der spanischen Cultur, er ist ein nationales Unglück. Ich meine daß er die Menschen verachtete und sich nicht ausnahm; oder macht er sich nicht nur lustig wenn er erzählt wie man am Hofe des Herzogs mit dem Kranken Possen trieb? Sollte er wirklich nicht über den Ketzer auf dem Scheiterhaufen noch gelacht haben? Ja, er erspart seinem Helden nicht einmal jenes fürchterliche Hellwerden über seinen Zustand, am Schlusse des Lebens: wenn es nicht Grausamkeit ist, so ist es Kälte, Hartherzigkeit, welche ihn eine solche letzte Scene schaffen hieß, Verachtung gegen die Leser, welche wie er wußte auch durch diesen Schluß nicht in ihrem Gelächter gestört wurden.

23 [141]

Alle urspr starre, peinliche Empfindung wird allmählich angenehm. Aus Zwang wird Gewohnheit, daraus Sitte, endlich Tugend mit Lust verbunden. Aber die Menschen, welche diese letzte Stufe erreicht haben, wollen nichts davon wissen, daß ihre fernen Vorfahren den Weg begonnen haben.

23 [142]

Der Mensch erstrebt mitunter eine Emotion an sich, und benutzt Menschen nur als Mittel. Am stärksten in der Grausamkeit. Aber auch in der Lust am Tragischen ist etwas davon (Goethe fand diesen Sinn für das Grausame bei Schiller). In der dramatischen Kunst überhaupt will der Mensch Emotionen, z. B. des Mitleides, ohne helfen zu müssen. Man denke an Seiltänzer, Gaukler.— Die Leidenschaften gewöhnen den Menschen an sich: deshalb haben sehr leidenschaftliche Völker z. B. Griechen und Italiäner solches Vergnügen an der Kunst der Leidenschaft, der Emotion an sich; ohne diese haben sie Langeweile.

23 [143]

Die Empfindung kann nicht gleich und auf einer Höhe bleiben, sie muß wachsen oder abnehmen. Die Verehrung der griechischen Polis summirte sich zu einer unendlichen Summe auf, endlich vermochte das Individuum diese Last nicht mehr zu tragen.

23 [144]

Es ist nach Art der unwissenschaftlichen Menschen, irgend eine Erklärung einer Sache keiner vorzuziehn, sie wollen von der Enthaltung nichts wissen.

23 [145]

Der gut befähigte Mensch erlebt mehrenmal den Zustand der Reife, insofern er verschiedene Culturen durchlebt und im Verstehen und Erfassen jeder einzelnen einmal einen Höhepunkt erreicht. und so kann ein Mensch in sich den Inhalt von ganzen Jahrhunderten vorausfühlen: weil der Gang, den er durch die verschiedenen Culturen macht, derselbe ist, welchen mehrere Generationen hinter einander machen.— So hat er auch mehrenmal den Zustand der Unreife, der perfecten Blüthe, der Überreife: diese ganze Stufenleiter macht er vielleicht erst einmal als religiöser, dann wieder als künstlerischer und endlich wissenschaftlicher Mensch durch.

23 [146]

Man verwundert sich immer von Neuem, wie Shakespeare im Stande gewesen sei, seine Helden jedesmal so passend, so gedankenreich reden zu lassen, so daß sie Sentenzen äußern, welche an sich bedeutend aber doch auch wiederum ihrem Charakter entsprechend lauten? Da vermuthet man wohl, um es zu erklären, daß solche Gespräche ein Mosaik von gelegentlich gefundenen Einzelsätzen seien. Dieser Vermuthung möchte ich entgegnen, daß es bei dem Dramatiker eine fortwährende Gewöhnung giebt, jede Bemerkung nur dem Charakter einer bestimmten Person gemäß, im Verhältniß zu einer Situation zu erfinden: eine Gewohnheit welche eben eine ganz andere als die unsere ist: die Bemerkung ihrer Wahrheit halber zu machen, ganz abgesehn von Person und Situation. Aber auch wir fragen uns mitunter: “was würdest du sagen, wenn du dies erlebtest?” An dieses hypothetische Reden ist der Dramatiker gewöhnt, es ist seine Natur geworden, immer unter solchen Voraussetzungen seine Gedanken zu erfinden.

23 [147]

Wie alte sinnreiche religiöse Zeremonien zuletzt als abergläubische unverstandene Prozeduren übrigbleiben, so wird die Geschichte überhaupt, wenn sie nur noch gewohnheitsmäßig fortlebt, dem magischen Unsinn oder carnevalistischen Verkleidung ähnlich. Die Sonne, welche bei der Verkündigung der Infallibilität auf den Papst leuchten sollte, die Taube, welche dabei fliegen sollte, erscheinen jetzt als bedenkliche Kunststückchen, welche nur auf Täuschung absehen; aber die alte Cultur ist voll davon, und die ganze Unterscheidung, wo die Täuschung beginnt, gar nicht gemacht. Jetzt bewegte sich in Neapel ein katholischer prunkhafter Leichenwagen mit Gefolge in einer der Nebengassen, während in unmittelbarer Entfernung der Carneval tobte: alle die bunten Wagen, welche die Kostüme und den Prunk früheren Culturen nachmachten. Aber auch jener Leichenzug wird irgendwann einmal ein solcher historischer Carnevalszug sein; die bunte Schale bleibt zurück und ergötzt, der Kern ist entflohn oder es hat sich wie in den Kunstgriffen der Priester zur Erweckung des Glaubens die betrügerische Absicht hinein versteckt.

23 [148]

Das Alterthum ist im Ganzen das Zeitalter des Talents zur Festfreude. Die tausend Anlässe sich zu freuen waren nicht ohne Scharfsinn und großes Nachdenken ausfindig gemacht; ein guter Theil der Gehirnthätigkeit, welche jetzt auf Erfindung von Maschinen, auf Lösung der wissenschaftlichen Probleme gerichtet ist, war damals auf die Vermehrung der Freudenquellen gerichtet: die Empfindung, die Wirkung sollte in’s Angenehme umgebogen werden, wir verändern die Ursachen des Leidens, wir sind prophylaktisch, jene palliativisch.— Unsere Feste werden billigerweise Cultur-Feste und im Ganzen selten.

23 [149]

Wir haben ein Vergnügen an der kleinen Bosheit, weil sie uns so wenig schadet z. B. am Sarkasmus; ja wenn wir uns völlig geschützt fühlen, so dient uns selbst die große Bosheit (etwa in dem giftigen Geifer eines Pamphletes) zum Behagen; denn sie schadet uns nicht und nähert sich dadurch der Wirkung des Komischen,—das überrascht, ein wenig erschreckt und doch nicht Schaden anstiftet.

23 [150]

Die Kunst gehört nicht zur Natur, sondern allein zum Menschen.— In der Natur giebt es keinen Ton, diese ist stumm; keine Farbe. Auch keine Gestalt, denn diese ist das Resultat einer Spiegelung der Oberfläche im Auge, aber an sich giebt es kein Oben und Unten, Innen und Außen. Könnte man anders sehen, als vermöge der Spiegelung, so würde man nicht von Gestalten reden, sondern vielleicht in’s Innre sehen, so daß der Blick ein Ding allmählich durchschnitte. Die Natur, von welcher man unser Subjekt abzieht, ist etwas sehr Gleichgültiges, Uninteressantes, kein geheimnißvoller Urgrund, kein enthülltes Welträthsel; wir vermögen ja durch die Wissenschaft vielfach über die Sinnesauffassung hinaus zu kommen, z. B. den Ton als eine zitternde Bewegung zu begreifen; je mehr wir die Natur entmenschlichen, um so leerer bedeutungsloser wird sie für uns.— Die Kunst beruht ganz und gar auf der vermenschlichten Natur, auf der mit Irrthümern und Täuschungen umsponnenen und durchwebten Natur, von der keine Kunst absehen kann; erfaßt nicht das Wesen der Dinge, weil sie ganz an das Auge und das Ohr angeknüpft ist. Zum Wesen führt nur der schließende Verstand. Er belehrt uns z. B. die Materie selbst ein uraltes eingefleischtes Vorurtheil ist, daher stammend daß das Auge Spiegelflächen sieht und das menschliche Tastorgan sehr stumpf ist: wo man nämlich widerstrebende Punkte fühlt, so construirt man sich unwillkürlich widerstrebende continuirliche Ebenen (welche aber nur in unserer Vorstellung existiren), unter der angewöhnten Illusion des spiegelnden Auges, welches im Grunde eben auch nur ein grobes Tastorgan ist. Ein Ball von elektrischen Strömungen, welche an bestimmten Punkten umkehren, würde sich als etwas Materielles, als ein festes Ding anfühlen: und das chemische Atom ist ja eine solche Figur, welche von den Endpunkten verschiedener Bewegungen umschrieben wird. Wir sind jetzt gewöhnt, Bewegtes und Bewegung zu scheiden; aber wir stehen damit unter dem Eindrucke uralter Fehlschlüsse: das bewegte Ding ist erdichtet, hineinphantasirt, da unsere Organe nicht fein genug sind, überall die Bewegung wahrzunehmen und uns etwas Beharrendes vorspiegeln: während es im Grunde kein “Ding,” kein Verharrendes giebt.

23 [151]

Da die neue Erziehung den Menschen eine viel größere Gehirnthätigkeit zumuthet, so muß die Menschheit viel energischer nach Gesundheit ringen, um nicht eine nervös überreizte, ja verrückte Nachkommenschaft zu haben (denn sonst wäre eine Nachwelt von Verrückten und Überspannten sehr wohl möglich—wie die überreifen Individuen des späteren Athen’s mitunter in das Irrsinnige hineinspielen): also durch Paarung gesunder Eltern, richtige Kräftigung der Weiber, gymnastische Übungen, die so sehr gewöhnlich und begehrt sein müssen wie das tägliche Brod, Prophylaxis der Krankheiten, rationelle Ernährung, Wohnung, überhaupt durch Kenntnisse der Anatomie usw.

23 [152]

Das Christenthum sagt “es giebt keine Tugenden, sondern Sünden.” Damit wird alles menschliche Handeln verleumdet und vergiftet, auch das Zutrauen auf Menschen erschüttert. Nun sekundirt ihm noch die Philosophie in der Weise La Rochefoucauld’s, sie führt die gerühmten menschlichen Tugenden auf geringe und unedle Beweggründe zurück. Da ist es eine wahre Erlösung zu lernen, daß es an sich weder gute noch böse Handlungen giebt, daß in gleichem Sinne wie der Satz des Christenthums auch der entgegengesetzte des Alterthums aufgestellt werden kann “es giebt keine Sünden, sondern nur Tugenden” d. h. Handlungen nach dem Gesichtspunkte des Guten (nur daß das Urtheil über gut verschieden ist). Jeder handelt nach dem ihm Vortheilhaften, keiner ist freiwillig böse d. h. sich schädigend. Es ist ein großer Fortschritt zu lernen, daß alles Moralische nichts mit dem Ding an sich zu thun hat, sondern “Meinung” ist, in das Bereich des sehr veränderlichen Intellekts gehört. Freilich: wie sich unser Ohr den Sinn für Musik geschaffen hat (der ja auch nicht an sich existirt), so haben wir als hohes Resultat der bisherigen Menschheit den moralischen Sinn. Er ist aber nicht auf logische Denkgesetze und auf strenge Naturbeobachtung gegründet, sondern wie der Sinn für die Künste auf mancherlei falsche Urtheile und Fehlschlüsse. Die Wissenschaft kann nicht umhin, dies unlogische Fundament der Moral aufzudecken, wie sie dies bei der Kunst thut. Vielleicht schwächt sie auf die Dauer diesen Sinn damit etwas ab: aber der Sinn für Wahrheit ist selber eine der höchsten und mächtigsten Effloreszenzen dieses moralischen Sinnes. Hier liegt die Compensation.

23 [153]

Barbarisirende Wirkung der Abstraktion und Sublimation bei Gelegenheit des Aristotelis in der Wissenschaft.

23 [154]

Wenn man an die höhere Nützlichkeit, an ökumenische Zwecke bei dem Wort Moral denkt, so ist im Handel mehr Moralität enthalten, als im Leben nach jener Kantischen Aufforderung “thue das was du willst daß dir gethan werde” oder im christlichen Wandel nach der Richtschnur des Wortes: “liebe den Nächsten um Gottes willen.” Der Satz Kant’s ergiebt eine kleinbürgerliche Privat-Achtbarkeit der Sitte und steht im Gegensatz zu ökumenischen Zwecken: von deren Existenz er nicht einmal einen Begriff hat. Wie wenig geforderte Liebe überhaupt zu bedeuten hat, namentlich aber eine Liebe dieser indirekten Art, wie die christliche Nächstenliebe, das hat die Geschichte des Christenthums bewiesen: welche im Gegensatz zu den Folgen der buddhaistischen, reisessenden Moral durchweg gewaltsam und blutig ist. Und was heißt es überhaupt: “ich liebe den Mitmenschen um Gottes Willen!” Ist es mehr als wenn jemand sagt “ich liebe alle Polizeidiener, um der Gerechtigkeit willen” oder was ein kleines Mädchen sagte: “ich liebe Schopenhauer, weil Großvater ihn gern hat: der hat ihn gekannt”?

23 [155]

Durch gewisse Ansichten über die Dinge ist das Pathos der Empfindung in die Welt gekommen, nicht durch die Dinge selbst: z. B. alles, was Faust in der ersten Scene als Ursache seiner Leiden angiebt, ist irrthümlich, nämlich auf Grund metaphysischer Erdichtungen erst so bedeutungsschwer geworden: könnte er dies einsehen, so würde das Pathos seiner Stimmung fehlen.

23 [156]

(Aus der Vorrede)

Nachdem ich von Jahr zu Jahr mehr gelernt habe, wie schwierig das Finden der Wahrheit ist, bin ich gegen den Glauben, die Wahrheit gefunden zu haben mißtrauisch geworden: er ist ein Haupthinderniß der Wahrheit. Wenn doch alle die, welche so groß von ihrer Überzeugung dachten, Opfer aller Art ihr brachten, ja Ehre Leib und Leben in ihrem Dienste nicht schonten, nur die Hälfte ihrer Kraft der Untersuchung gewidmet hätten, mit welchem Rechte sie an der oder jener Überzeugung hiengen, auf welchem Wege sie zu ihr gekommen seien: wie friedfertig sähe die Geschichte der Menschheit aus! Wie viel mehr des Erkannten würde es geben! Alle die grausamen Scenen, die Verfolgung der Ketzer wären uns aus zwei Gründen erspart geblieben: einmal weil die Inquisitoren vor allem in sich selbst inquirirt hätten und über die Anmaaßung, die absolute Wahrheit zu vertheidigen, hinausgekommen wären; sodann weil die Ketzer selber so schlecht begründeten Sätzen, wie die Sätze aller religiösen Rechtgläubigen und Ketzer sind, keine weitere Theilnahme geschenkt hätten, nachdem sie gründlich dieselben untersucht hätten.

Nun habe ich diesmal ein Thema vor mir, welches vielleicht das Wichtigste der Menschheit ist—denn was ist nicht durch Erziehung entstanden, stark geworden, gut und schlecht?—zudem läßt es sich in großem Maaßstabe erst behandeln, nachdem die Ungläubigkeit zur herrschenden Gesinnung geworden ist. Da möchte ich nun namentlich die feurigen überzeugungsdürstigen Jünglinge warnen, nicht sofort meine Lehren wie eine Richtschnur für das Leben zu betrachten, sondern als wohl zu erwägende Thesen, mit deren praktischer Einführung die Menschheit so lange warten mag, als sie sich gegen Zweifel und Gründe nicht hinreichend geschützt haben. Überdies ist mir die Weisheit nicht vom Himmel gefallen, denn ich bin kein “Genie,” habe keine intuitiven Einblicke durch ein Loch im Mantel der Erscheinung. Schopenhauer mag das warnende Beispiel sein: er hat in allen Punkten, derentwegen er sich für ein “Genie” hielt, Unrecht.

23 [157]

Das Leben wird leicht und angenehm durch eine rücksichtslose Befreiung des Geistes, welche versuchsweise einmal an allen den Vorstellungen rüttelt, welche das Leben so belastet, so unerträglich machen: so daß man, um die Freude dieser Entlastung zu haben, das einfachste Leben vorzieht, welches uns diese Freude ermöglicht.

23 [158]

Paul Winkler 1685 “der Mensch ist so lange weise als er die Wahrheit sucht; wenn er sie aber gefunden haben will, wird er ein Narr.”

23 [159]

Lesern meiner früheren Schriften will ich ausdrücklich erklären, daß ich die metaphysisch-künstlerischen Ansichten, welche jene im Wesentlichen beherrschen, aufgegeben habe: sie sind angenehm, aber unhaltbar. Wer sich frühzeitig erlaubt öffentlich zu sprechen, ist gewöhnlich gezwungen, sich bald darauf öffentlich zu widersprechen.

23 [160]

Zum Schluß.

Ich will weise werden bis zum 60. Jahre und erkenne dies als ein Ziel für Viele. Eine Menge von Wissenschaft ist der Reihe nach anzueignen und in sich zu verschmelzen. Es ist das Glück unseres Zeitalters, daß man noch eine Zeitlang in einer Religion aufwachsen kann und, in der Musik, einen ganz echten Zugang zur Kunst hat; das wird späteren Zeiten nicht mehr so gut zu Theil werden. Mit Hülfe dieser persönlichen Erfahrungen kann man ungeheure Strecken der Menschheit erst verstehen: was wichtig ist, weil alle unsere Cultur auf diesen Strecken ruht. Man muß Religion und Kunst verstehen—sonst kann man nicht weise werden. Aber man muß über sie hinaus sehen können; bleibt man darin, so versteht man sie nicht. Ebenso ist die Metaphysik eine Stufe, auf der man gestanden haben muß. Ebenso die Historie und das Relativische. Man muß in großen Schritten dem Gang der Menschheit als Individuum nachgehen und über das bisherige Ziel hinauskommen.

Wer weise werden will, hat ein individuelles Ziel, in welchem alles Erlebte, Glück Unglück Unrecht usw., als Mittel und Hülfe aufgeht. Überdies kommt das menschliche Leben da in die richtige Gestalt, denn der alte Mensch erreicht das Ziel seiner ganzen Natur nach am leichtesten. Das Leben verläuft auch interessant, das Thema ist sehr groß und nicht zu zeitig zu erschöpfen.— Die Erkenntniß selbst hat kein Ziel weiter.

23 [161]

Die sittliche Reinheit der Menschen ist durch einige falsche Vorstellungen mehr gefördert worden als es die Wahrheit zu thun vermöchte. Daß ein Gott das Gute wolle, daß der Leib zu besiegen sei, um die Seele frei zu machen, daß Verantwortlichkeit für alle Handlungen und Gedanken existire, das hat die Menschheit hochgehoben und verfeinert. Allein schon die Aufstellung des “Guten”!

23 [162]

In dem vorlitterarischen Zeitalter muß die höhere Intelligenz sich ganz anders dargestellt haben als im litterarischen: der Einzelne, durch keine schriftliche Tradition mit den früheren Weisen verbunden und an die Bedingtheit des Erkennens gemahnt, durfte sich fast für übermenschlich nehmen. Der Weise verliert immer mehr an Würde.

23 [163]

Wenn Worte einmal da sind, so glauben die Menschen, es müsse ihnen etwas entsprechen z.B. Seele Gott Wille Schicksal usw.

23 [164]

Das sogenannte metaphysische Bedürfniß ist eine Gegeninstanz gegen die Wahrheit irgend einer Metaphysik. Der Wille commandirt.

23 [165]

Der Vortheil, den der reine Mensch seinen Mitmenschen bringt, liegt in dem Vorbild, das er giebt: dadurch entreißt er sie ihrem wilden Dämon, wenn auch nur auf Augenblicke.— Es kommt sehr viel auf die Augenblicke an.

23 [166]

Die edleren Motive sind die complicirten; alle einfachen Motive stehen ziemlich niedrig. Es ist wie bei den einfachen und complicirten Organismen. Die Länge und Schwierigkeit des ganzen Wegs wirft den Schein des Großen und Hohen auf den, welcher ihn geht.

23 [167]

Wenn die Menschen nicht für Götter Häuser gebaut hätten, so läge die Architektur noch in der Wiege. Die Aufgaben, welche der Mensch sich auf Grund falscher Annahmen stellte (z. B. Seele loslösbar vom Leibe), haben zu den höchsten Culturformen Anlaß gegeben. Die “Wahrheiten” vermögen solche Motive nicht zu geben.

23 [168]

Will man über Kunst Erfahrungen machen, so mache man einige Kunstwerke, es giebt keinen anderen Weg zum aesthetischen Urtheil. Die meisten Künstler selbst sind dadurch allein nützlich, daß sie das Bewußtsein der großen Meister gewinnen, festhalten und übertreiben: also gleichsam als wärmeleitende Medien. Einige Novellen, einen Roman, eine Tragödie—das kann man machen, ohne mit seinen Hauptbeschäftigungen Schiffbruch zu leiden; auch soll man solcherlei keineswegs drucken. Überhaupt soll man lernen, mannichfach productiv zu sein: es ist das Hauptkunststück, um in vielen Dingen weise zu werden.

23 [169]

Es ist eine Stufe der Cultur, das Große und Extreme zu schätzen, den großen Menschen, die stärkste Produktivität, das wärmste Herz. Aber um die Welt zu begreifen, muß man zur höheren Stufe kommen, daß das Kleine und Unscheinbare wichtiger in seinen Wirkungen ist z. B. die gebundenen Geister usw.

23 [170]

Der günstigste Zeitpunkt dafür, daß ein Volk die Führerschaft in wissenschaftlichen Dingen übernimmt, ist der, in welchem genug Kraft Zähigkeit Starrheit dem Individuum vererbt werden, um ihm eine siegreiche frohe Isolation von den öffentlichen Meinungen zu ermöglichen: dieser Zeitpunkt ist jetzt wieder in England eingetreten, welches unverkennbar in Philosophie Naturwissenschaft Geschichte, auf dem Gebiete der Entdeckungen und der Culturverbreitung gegenwärtig allen Völkern vorangeht. Die wissenschaftlichen Größen verhandeln da mit einander wie Könige, welche sich zwar alle als Verwandte betrachten, aber Anerkennung ihrer Unabhängigkeit voraussetzen. In Deutschland glaubt man dagegen alles durch Erziehung Methoden Schulen zu erreichen: zum Zeichen dafür, daß es an Charakteren und bahnbrechenden Naturen mangelt, welche zu allen Zeiten für sich ihre Straße gezogen sind. Man züchtet jene nützlichen Arbeiter, welche mit einander, wie im Takte, arbeiten und denen das Pensum in jenen Zeiten schon vorgeschrieben worden ist, als Deutschland, vermöge seiner originalen Geister, die geistige Führerschaft Europa’s innehatte: also um die Wende des vorigen Jahrhunderts.

23 [171]

Die Mängel des Stils geben ihm bisweilen seinen Reiz.— Alexander von Humboldt’s Stil. Die Gedanken haben etwas Unsicheres, soweit es sich nicht um Mittheilung von Facta handelt. Dazu ist alles in die Höhe gehoben und durch ausgewählte schöne Worte mit Glanz überzogen: die langen Perioden spannen es aus. So erzeugt dieser Stil als Ganzes eine Stimmung, einen Durst, man macht die Augen klein, weil man gar zu gern etwas Deutliches sehen möchte, alles schwimmt in anreizender Verklärung in der Ferne: wie eine jener welligen Luftspiegelungen, welche dem Müden Durstenden ein Meer eine Oase ein Wald zu sein scheinen (vor die Sinne führen).

23 [172]

Eine neue Darstellung der Kunstlehre hat davon auszugehen, dass der Mensch sich an allen Gemüthserregungen an sich, eben als Emotionen, erfreut, auch den schmerzlichsten: er will den Rausch. Die Kunst erregt ihn spielend zu Schmerz Thränen Zorn Begierde, aber ohne die praktischen schlimmen Folgen: doch giebt es auch Menschen, welche selbst jene Folgen mit hinnehmen, nur um die Emotion zu haben (der Grausame).

23 [173]

Schopenhauer hat leider in dem Begriff “intuitive Erkenntniss” die schlimmste Mystik eingeschmuggelt, als ob man vermöge derselben einen unmittelbaren Blick auf das Wesen der Welt, gleichsam durch ein Loch im Mantel der Erscheinung hätte und als ob es bevorzugte Menschen gäbe, Welche, ohne die Mühsal und Strenge der Wissenschaft, vermöge eines wunderbaren Seherauges etwas Endgültiges und Entscheidendes über die Welt mitzutheilen vermöchten. Solche Menschen giebt es nicht: und das Wunder wird auch für den Bereich der Erkenntniss fürderhin keinen Gläubigen mehr finden.

23 [174]

Die ausgeschlüpfte Seidenraupe schleppt eine Zeitlang die leere Puppe noch nach sich; Gleichniss.

23 [175]

Neigung und Abneigung unvernünftig.— Wenn Neigung oder Abneigung die Zähne erst eingebissen haben, so ist es schwer loszukommen, wie wenn eine Schildkröte sich in einen Stock verbissen hat. Die Liebe, der Hass und die Schildkröte sind dumm.

23 [176]

Beim unegoistischen Triebe ist die Neigung zu einer Person das Entscheidende (wenn es die Lust am Mitleid nicht ist und ebensowenig die Abwehr der Unlust, welche wir beim Anblick des Leidens fühlen). Aber die Neigung macht einen solchen Vorgang doch nicht moralisch? Ist denn alles Interessirtsein für etwas ausser uns Gelegenes moralisch?— Auch alles sachliche Interesse (bei Kunst und Wissenschaft) gehört in’s Bereich des Unegoistischen—aber auch des Moralischen?

23 [177]

Philosophie nicht religiös aufzufassen.— Eine Philosophie mit religiösen Bedürfnissen erfassen heisst sie völlig missverstehen. Man sucht einen neuen Glauben, eine neue Autorität—wer aber Glaube und Autorität will, der hat es an den hergebrachten Religionen bequemer und sicherer.

23 [178]

Es war Abend, Tannengeruch strömte heraus, man sah hindurch auf graues Gebirge, oben schimmerte der Schnee. Blauer beruhigter Himmel darüber aufgezogen.— So etwas sehen wir nie, wie es an sich ist, sondern legen immer eine zarte Seelenmembrane darüber—diese sehen wir dann. Vererbte Empfindungen, eigne Stimmungen werden bei diesen Naturdingen wach. Wir sehen etwas von uns selber—insofern ist auch diese Welt unsere Vorstellung. Wald Gebirge, ja das ist nicht nur Begriff, es ist unsere Erfahrung und Geschichte, ein Stück von uns.

23 [179]

Aberglaube.— Menschen in grosser Erregung sind am abergläubischsten. Die Wiederherstellung der Religionen liegt in Perioden grosser Erschütterung und Unsicherheit. Wo alles weicht, greift man nach dem Strickwerk der Illusionen des jenseits.

23 [180]

Das sterbende Kind.— Man giebt einem Kinde, das sterben muss, alles, was es will, Zuckerbrod—was thut es wenn es sich den Magen verdirbt?— Und sind wir nicht alle in der Lage eines solchen Kindes? —

23 [181]

Eine Prozession am Frohnleichnamsfest, Kinder und alte Männer brachten mich zum Weinen. Warum?— Abends Klavierspiel heraus aus dem Irrenhause.

23 [182]

Sollten nicht Viele welche ehrgeizig sind, im Grunde nur die Emotion suchen, die mit ehrgeizigen Bestrebungen verbunden ist? Man kann solche Empfindung hemmen ersticken oder gross wachsen machen; letzteres thun die Emotionsbedürftigen. Viele suchen ja sich zu ärgern—so weit geht jenes Bedürfniss der Emotion.

23 [183]

Aus der Furcht erklärt sich zumeist die Rücksicht auf fremde Meinungen; ein guter Theil der Liebenswürdigkeit (des Wunsches nicht zu missfallen) gehört hierher. So wird die Güte der Menschen, mit Hülfe der Vererbung, durch die Furcht grossgezogen.

23 [184]

Nutzen der z St.— Die zurückgebliebenen Standpuncte (politische sociale, oder ganze Typen bei Künstlern, Metaphysikern) sind ebenso nöthig als die fortschreitenden Bewegungen: sie erzeugen die nöthige Reibung und sind für die neuen Bestrebungen Kraftquellen.

23 [185]

Glaube versetzt Berge.— Ein interessanter Aberglaube ist es, dass der Glaube Berge versetzen könne, dass ein gewisser hoher Grad von Fürwahrhalten die Dinge gemäss diesem Glauben umgestaltet, dass der Irrthum zur Wahrheit wird, wenn nur kein Gran Zweifel dabei ist: d. h. die Stärke des Glaubens ergänzt die Mängel des Erkennens; die Welt wird so, wie wir sie uns vorstellen.

23 [186]

Liebe und Hass nicht ursprüngliche Kräfte.— Hinter dem Hassen liegt das Fürchten, hinter dem Lieben das Bedürfen. Hinter Fürchten und Bedürfniss liegt Erfahrung (Urtheilen und Gedächtniss). Der Intellekt scheint älter zu sein als die Empfindung.

23 [187]

Erweiterung der Erfahrung.— Es giebt Fälle, wo Träume den Kreis unserer Erfahrung wirklich bereichern: wer wüsste, ohne Träume, wie es einem Schwebenden zu Muthe ist?

23 [188]

Sehnsucht nach dem Tode.— Wie der Seekranke vom Schiff in erstem Morgengrauen nach der Küste zu späht, so sehnt man sich oft nach dem Tode—man weiss, dass man den Gang und die Richtung seines Schiffes nicht verändern kann.

23 [189]

Traurigkeit und Sinnenlust.— Warum ist der Mensch im Zustand der Trauer geneigter sich sinnlichen Vergnügungen blindlings zu überlassen? Ist es das Betäubende in ihnen, was er begehrt? Oder Bedürfniss von Emotion um jeden Preis?— Sancho Pansa sagt “wenn der Mensch sich zu sehr der Traurigkeit überlässt, wird er zum Thier.”

23 [190]

Wenn Richard Wagner Beethoven zum Vortrag bringt, so versteht es sich von selber, daß Wagner’s Seele durch Beethoven hindurch klingen wird und daß Tempo Dynamik Ausdeutung einzelner Phrasen Dramatisirung des Ganzen Wagnerisch und nicht Beethovenisch ist. Wer daran Ärgerniß nehmen will, dem ist es zu gönnen; Beethoven selbst aber würde gesagt haben “es ist ich und du, aber es klingt gut zusammen; so sollte es immer sein.” Dagegen wenn die Kleinmeister Beethoven vortragen, so wird Beethoven etwas von der Seele der Kleinmeister annehmen—denn der Duft der Seele hängt sich sofort an die Musik und läßt sich nicht von ihr fortblasen.— Ich fürchte, Beethoven hätte keine Freude daran und sagte “das ist ich und nicht-ich, hol’s der Teufel!”

23 [191]

Der Philolog ist der, welcher lesen und schreiben kann, der Dichter der, welcher nach der deutlichen Wortableitung und gemäß der Historie “diktiren” mußte, da er nicht lesen und schreiben kann. Man kann aus diesem Gegensatz des Lese-Schriftgelehrten und des Dichters viel wichtige Dinge ableiten.

23 [192]

Nicht nur in dem Verhalten des Staates, welcher straft um abzuschrecken, sondern im Verhalten jedes Einzelnen, der lobt oder tadelt, wird der Grundsatz “der Zweck heiligt das Mittel” befolgt: denn tadeln hat ebenfalls nur Sinn, als Mittel abzuschrecken und fürderhin als Motiv zu wirken; loben will antreiben, zum Nachmachen auffordern: insofern aber beides gethan wird als ob es einer geschehenen Handlung gelte, so ist die Lüge, der Schein bei allem Loben und Tadeln nicht zu vermeiden; sie sind eben das Mittel, welches vom höheren Zwecke geheiligt wird. Vorausgesetzt freilich, daß alle, sowohl die Tadelnden als die Getadelten, von der Lehre der völligen Unverantwortlichkeit und Schuldlosigkeit überzeugt sind, so wirkt der Tadel nicht mehr, es sei denn daß die Gewohnheit, namentlich die der Eitelkeit und Ehrsucht stärker bliebe als alle durch Lehren beigebrachte Überzeugungen.

23 [193]

Ach, wenn die Mittelmäßigen eine Ahnung hätten, wie sicher ihre Leistungen von den Oligarchen des Geistes—welche zu jeder Zeit leben—als mittelmäßig empfunden werden! Nicht der größte Erfolg bei der Masse würde sie trösten.

23 [194]

Motto:

Tanz der Gedanken, es führt
eine der Grazien dich:
o wie weidest den Sinn du mir! —
Weh! Was seh’ ich! Es fällt
Larve und Schleier der Führerin
und voran dem Reigen
schreitet die grause Nothwendigkeit.

Rosenlauibad
Juni 1877
August 1877 

23 [195]

Und wenn der Urheber dieses Buches sich fragt, zu wessen Vortheil er seine Aufzeichnungen gemacht zu haben wünscht, so ist er unbescheiden genug, geradezu denjenigen Denker zu nennen, welcher als Verfasser jener Schrift über den Ursprung der moralischen Empfindungen ein Besitzrecht auf die angrenzenden Gebiete seines wissenschaftlichen Bezirks sich erworben hat und der seinen Untersuchungen jenen entscheidenden auch dieses Buch beherrschen Gedanken vorangestellt hat. Dieser Satz, hart und schneidig gemacht unter dem Hammerschlag der historischen Erkenntniß, kann vielleicht einmal als die Axt dienen, welche dem “metaphysischen Bedürfnisse der Menschen” an die Wurzel gelegt werden soll: und in sofern würde er zu den folgenreichsten Sätzen der menschlichen Erkenntniß gehören.

23 [196]

Reisebuch
unterwegs zu lesen
.

Vorrede,

Menschen, welche sehr viel innerhalb eines bestimmten Berufes arbeiten, behalten ihre allgemeinen Ansichten über die Dinge der Welt fast unverändert bei: diese werden in ihren Köpfen immer härter, immer tyrannischer. Deshalb sind jene Zeiten, in welchen der Mensch genöthigt ist seine Arbeit zu verlassen, so wichtig, weil da erst neue Begriffe und Empfindungen sich wieder einmal herandrängen dürfen, und seine Kraft nicht schon durch die täglichen Ansprüche von Pflicht und Gewohnheit verbraucht ist. Wir modernen Menschen müssen alle viel unserer geistigen Gesundheit wegen reisen: und man wird immer mehr reisen, je mehr gearbeitet wird. An den Reisenden haben sich also die zu wenden, welche an der Veränderung der allgemeinen Ansichten arbeiten.

Aus dieser bestimmten Rücksicht ergiebt sich aber eine bestimmte Form der Mittheilung: denn dem beflügelten und unruhigen Wesen der Reise widerstreben jene lang gesponnenen Gedankensysteme, welche nur der geduldigsten Aufmerksamkeit sich zugänglich zeigen und wochenlange Stille, abgezogenste Einsamkeit fordern. Es müssen Bücher sein, welche man nicht durchliest, aber häufig aufschlägt: an irgend einem Satze bleibt man heute, an einem anderen morgen hängen und denkt einmal wieder aus Herzensgrunde nach: für und wider, hinein und drüber hinaus, wie einen der Geist treibt, so dass es einem dabei jedesmal heiter und wohl im Kopfe wird. Allmählich entsteht aus dem solchermaassen angeregten—ächten, weil nicht erzwungenen—Nachdenken eine gewisse allgemeine Umstimmung der Ansichten: und mit ihr jenes allgemeine Gefühl der geistigen Erholung, als ob der Bogen wieder mit neuer Sehne bespannt und stärker als je angezogen sei. Man hat mit Nutzen gereist.

Wenn nun, nach solchen Vorbemerkungen und Angesichts dieses Buches, noch eine wesentliche Frage übrig bleibt, so bin ich es nicht, der sie beantworten kann. Die Vorrede ist des Autors Recht; des Lesers aber—die Nachrede.

Friedrich Nietzsche

Rosenlaui-Bad, am 26. Juli
Sommersonnenwende 1877
(Mittsommerwende?)

23 [197]

Sylvesternachtdas Klanggespenst meines Ohrs
selbst entweicht
Kalt—die Sterne funkeln
O du
Hohnvolle Larve des Weltalls
— alte und neue Zeit—vor Neujahr.
2der Springbrunnen im Mondschein
schön gelangweilt boshaft
will kalt übergießen
3Morgens auf dem Schiff. Wohin? wir wagen nicht den Tod
4Der Blinde am Wege. Die Seele giebt keinen Schein
5Ecce homunculus—Glockenspiel
6Alpa Alpa
7Campo Santo
8Bergkrystall
 

8, 23[1-197] Ende 1876 - Sommer 1877

23 [1]

Ловкие движения ног при поскальзывании, спотыкании, карабканьи являются результатом не слепо действующего, а целесообразного интеллекта, они однажды заучены, подобно движениям пальцев при игре на фортепиано. Очень многое из этих навыков непосредственно наследуется.

23 [2]

Люди принимают похожее за равное, например, жреца порой принимают за Бога; часть равняется целому, например в магии.

23 [3]

Нельзя объяснить, что такое чувственное восприятие: но я думаю, что если разобраться, это дало бы немного, и, конечно, за этим нет никакой мировой загадки.

23 [4]

Фундаментом всех феноменов культуры послужила та же самая манера мыслить, которая еще и теперь характерна для широких масс и даже для отдельных образованных людей, когда они не особенно задумываются. Эта partie honteuse привела к самым чудовищным и самым великолепным последствиям, культура также имеет pudendum по отношению к материнскому лону, как и человек.

23 [5]

Аристотель считает, что мудрец — есть тот, кто занимается только важным, чудесным, божественным. Здесь скрывается ошибка во всем направлении мысли. Как раз малое, слабое, человеческое, нелогичное, ошибочное оказалось незамеченным, и все же только путем тщательного изучения именно этого можно стать мудрым. Мудрецу следует поубавить гордости, ему не стоит так задирать брови, в конце концов, он из тех, кто доставляет себе удовольствие мешать человеческому довольству.

23 [6]

Стоит чувствам прийти в возбуждение по поводу чего-то, например, собственности, королевской власти, как далее оно возрастает тем более, чем больше забывают первопричину возбуждения. В итоге в таких случаях говорят о «мистериях», поскольку осознают чрезмерную силу чувства, но не могут с точностью назвать его действительную причину. Отрезвление здесь необходимо, но при этом, правда, могучий источник этой силы иссякает.

23 [7]

Позиция Эпикура по отношению к стилю типична во многих отношениях. Он полагал, что возвращается к природе, потому что писал, следуя озарению. В действительности же им была унаследована и воспитана в себе такая неустанная забота о способах выражения, что он лишь давал себе волю, но не был полностью свободен и раскован. «Естество», которого он достиг, было лишь обретенным благодаря привычке инстинктом стиля. Это называют натурализацией; можно натягивать лук несколько слабее, как, например, Вагнер в отношении к музыке, к искусству пения. Стоики и Руссо являются натуралистами в этом же смысле: мифология природы!

23 [8]

Искусство, мешающее науке у греков.

23 [9]

Откуда вообще взялся инстинкт самосохранения? Среди многочисленных нецелесообразных образований появились жизнеспособные, способные к продолжению жизни; для этого потребовались миллионы лет приспособления отдельных человеческих органов, пока, наконец, не смогло закономерно возникнуть теперешнее тело и закономерно проявились те факты, которые обычно приписываются инстинкту самосохранения. В принципе теперь все происходит при этом в таком же необходимом согласии с химическими законами, как в случае водопада — с законами механики. У пальцев пианиста нет никакого «инстинкта» попадать на нужную клавишу, а только привычка. Вообще слово «инстинкт» берется только для удобства и применяется там, где закономерные воздействия в организмах еще не сведены к их химическим и механическим законам.

23 [10]

Все цели и устремления человека были когда-то осознанными и для его предков. Но они позабылись. Человек весьма зависим в своих устремлениях от прошлого: Платон. Червю отрезали голову, но он ползет все в том же направлении.

23 [11]

И темные болезни, например безумие, пляску святого Витта почитали и религиозно идеализировали. При этом их проявления становились все более красочными и великолепными. То же самое происходило с бурным аффектом любви, который принимали за божественный, и, таким образом, идеализировали не только в воображении, но и в действительности.

23 [12]

Это было очень удачной находкой Шопенгауэра, когда он говорил о «Воле к жизни»: мы не хотим позволить, чтобы нас снова лишили этого выражения и благодарны его автору от имени немецкого языка. Но это не может помешать нам признать, что понятие воли к жизни еще не получило от науки гражданских прав, так же как и понятия «душа», «Бог», «жизненная сила» и т. п. Так же как и майнлендерская редукция этого понятия до множества индивидуальных «Воль к жизни» не продвигает нас вперед, — вместо универсальной жизненной силы (которую следует мыслить одновременно вне, над вещами и в самих вещах!) мы получаем тут индивидуальные жизненные силы, против которых можно возразить то же самое, что и против силы универсальной. Ибо пока нет человека, нет и его индивидуальной воли, иначе что же она такое? Но проявляющая себя в самой жизни — это ли воля к жизни? Или по крайней мере воля оставаться в живых, т. е., если выбрать более известное выражение, инстинкт самосохранения. Верно ли, что человек, заглядывая вглубь себя, воспринимает себя инстинктом самосохранения? Скорее уж он воспринимает собою лишь то, что он чувствует постоянно, точнее, что в таком-то органе у него такие-то, обычно довольно незначительные ощущения удовольствия или неудовольствия: движение крови, сокращение желудка, кишечника как-то действует на нервы, он это чувствует постоянно и это чувство постоянно меняется. Сновидение выдает это внутреннее безостановочное изменение чувства и дает ему фантастическое истолкование. Положение, которое принимают во сне части тела, приводит в движение мускулы и влияет на нервы, а те уже влияют на мозг. Наш зрительный нерв, наше ухо, наше осязание всегда так или иначе возбуждены. Но с инстинктом самосохранения этот факт постоянного возбуждения и ощутимости чувства не имеет ничего общего. Инстинкт самосохранения или любовь к жизни — это либо что-то совершенно осознанное, либо только неясное, вводящее в заблуждение слово для обозначения чего-то иного: того, что мы желаем любым способом избежать неудовольствия, и напротив, стремимся к удовольствию. Этот универсальный факт для всего одушевленного ни в коем случае, однако, не является первичным изначальным фактом, как это понимает Шопенгауэр под волей к жизни: — избегать неудовольствия, искать удовольствия предполагает наличие опыта, а последний в свою очередь предполагает интеллект. Сила желания доказывает не волю к жизни, а волю к удовольствию. Великий страх смерти, который Шопенгауэр тоже приводит как аргумент в пользу своего представления о воле, выпестован за долгое время отдельными религиями, которые рассматривают смерть как решающий момент; он стал великим там-то и там-то. Если же его рассматривать независимо от этого, то он окажется не более чем страхом перед умиранием, т. е. неизведанной и, возможно, преувеличенной воображением болью, далее — перед потерями, которые вызываются умиранием. Это неправда, будто существовать желают любой ценой, — например, не хотят в виде животных, на которых Шопенгауэр так охотно указывает, чтобы констатировать колоссальную власть всеобщей воли к жизни.

23 [13]

Такие ученые, как Поль де Лагард, считают, что факты религиозного сознания можно подтвердить с помощью науки. Пожалуй, их можно констатировать, описывать, научно объяснять, но для индивидуума это не имеет значения. Ибо, когда становится понятно, насколько по-человечески ошибочно это выглядит по существу, добрая вера в них разрушается. Наука — это смерть всех религий, а быть может, даже и искусств.

23 [14]

Мудрец не знает никакой нравственности, кроме той, которая извлекает свои законы из него самого; уже само слово «нравственность» для него не годится. Ибо он стал полностью безнравственным, не признавая никаких нравов, никаких традиций, а только лишь — новые жизненные вопросы и ответы на них. Он идет вперед непроторенными тропами, и чем больше он странствует, тем больше растет его сила. Он подобен тому большому пламени, которое несет в себе собственный ветер, разгорается от него и разносится дальше.

23 [15]

Мы находимся в счастливейшем из всех мыслимых моментов для того, чтобы посвятить культуре ее познание: всякая свобода познания уже завоевана и достигнута, и все же мы еще недалеко ушли от всех тех базовых ощущений, на которых зиждется старая культура. Ведь может быть и так, что эта последняя исчезнет уже через несколько поколений! —

23 [16]

Момент, когда изобретено и внедрено воздухоплавание, весьма благоприятен для социализма, ибо он меняет все представления о собственности на землю. Человек находится везде и нигде, он лишен корней. Приходится страховать себя посредством обществ, путем строгих взаимных обязательств и исключением всех, не связанных обязательствами. Иначе все уходит в воздух и оседает где-то в другом месте, если человек не может платить, не может сдержать обязательство.

23 [17]

Говоря о серьезных и трудных предметах, люди, не обладающие научной культурой, просто болтают, причем делают это с апломбом. Сократ был прав. Тщеславие — штука почти такая же скверная, как и полное помешательство. Правда, для деятельности, для выстраивания культуры это рвение, этот род безумия весьма существенен. Без ярости ничего не достигнуть. И все же, раз познание истины вообще происходит и доставляет удовольствие, то мы должны высоко держать его знамя, пусть даже без гримасы пафоса на лице.

23 [18]

В рассуждения о природе даже у самых свободомыслящих мыслителей вкрадывается мифология. Природа де должна предусмотреть и то, и это, стремиться к чему-то, радоваться или: «человеческая природа была бы крайне несовершенной, если бы —». Воля, природа суть пережитки старой веры в богов.

23 [19]

Все те, кто сочиняют максимы, легко допускают погрешности, приписывая человеку вообще нечто свойственное тем или иным эпохам или социальным классам; но то же самое делали философы, которые писали о человеке — и только история в соединении с историей животного мира позволяет осознать, до какой степени не хватало благоразумия. Так, для того чтобы показать, будто жизнь людей имеет некую моральную метафизическую цель, Шопенгауэр указывает на то, что к концу жизни человек дает себе отчет относительно своих моральных качеств — как будто подобное чувство, если оно сейчас действительно присуще всем, может доказать что-то иное, нежели то, что вследствие определенных мнений и положений веры люди привыкли перед лицом смерти думать о своих грехах: то есть этот факт, как полагает Шопенгауэр, доказывает, что существуют и существовали определенные метафизические представления, хотя это не значит, что они истинны. Теперь известно, что этот факт встречается далеко не всегда, и что, например, в древности человек, умирая, очень часто вовсе не думал о грехах. И если бы даже это наблюдение распространялось на всех и было верным для всех периодов человечества и каждого человека, это вовсе не доказывает истинности утверждения Шопенгауэра.

23 [20]

Когда мужчины с сильными духовными потребностями думают о союзе с женщинами, их охватывает чувство, будто они приближаются к сети, которая все больше затягивается; они предчувствуют непрестанно продолжающееся принуждение, и, наконец, когда речь заходит о воспитании детей, начинается непрекращающаяся, постоянно вспыхивающая борьба.

23 [21]

Когда мы ищем объяснение природе и человеку, отвечающее нашим самым высоким и стойким представлениям, то натыкаемся только на метафизику. Как бы все это выглядело без всех этих возвышенных заблуждений о человеке? Я думаю, по-зверски. Представим себе животное, наделенное знанием строгой науки; оно не стало бы человеком, но в целом бы продолжало жить как животное, разве что в часы продолжительного досуга, например, как лошадь в стойле, могло бы читать хорошие книги, которые давали бы ему понять, что истина и животное годятся друг для друга.

23 [22]

Почти у всех философов использование идей предшественников, а также их преодоление недостаточно строго, и при этом несправедливо. Они не научились тщательно читать и интерпретировать, философы недооценивают то, насколько действительно трудно понять сказанное кем-то, и не прилагают стараний это понять. Так Шопенгауэр совсем не понял ни Канта, ни Платона. Как правило, не умеют верно читать и художники, — они склонны к аллегорическим и поверхностным объяснениям.

23 [23]

Как Бог, так и черт может с полным правом говорить человеку: «Ты только презирай разум и науку, — и ты непременно наш». В этом пункте они союзники. Кстати, видно и то, что ничего такого особенного в этом «непременно» нет.

23 [24]

Первоначально человек рассматривает все перемены в природе не как закономерность, а как проявление свободной воли, т. е. слепых склонностей, антипатий, гнева и т. п.: природа — это человек, но куда более могущественный и непредсказуемый, нежели обычные люди, это укрытый в своем шатре, спящий тиран; все вещи суть действия, как он, — не только его орудия и инструменты полагаются ожившими. Языкознание помогает доказать, что человек полностью заблуждался относительно природы и неправильно ее называл: мы же наследовали эти именования вещей, человеческий дух взращен с этими ошибками, он ими вскормлен и возвеличен.

23 [25]

Социализм упрекают, будто он не замечает фактического неравенства людей; но это вовсе не упрек, а характеристика, ибо социализм решается не замечать этого неравенства и рассматривает людей как равных, т. е. допускает справедливость по отношению ко всем, что зиждется на предположении, будто все одинаково могущественны, одинаково ценны; подобно тому, как христианство считает всех людей равными в отношении греховной испорченности и необходимости спасения. Фактические различия (между хорошим и плохим жизненным выбором) кажутся слишком незначительными, чтобы в итоге принимать их во внимание: так и социализм считает, что все люди по преимуществу равны, различие между добрым и злым, умным и глупым считается незначительным или относительным: в чем он, впрочем, безусловно, прав в отношении образа человека, пришедшего к нам из далеких времен свайных построек: мы, люди этого времени, равны. В этой решимости не замечать различий заключается вдохновляющая сила социализма.

23 [26]

Чем более развит человек, тем глубже он воспринимает движение, беспокойство, происходящее. Менее развитому человеку почти все представляется застывшим — не только мнения, нравы, но и границы, страны, моря, горы и т. д. На подвижное глаз открывается очень постепенно. Ему понадобилось чудовищно много времени, чтобы схватить неизменное, мнимо длящееся, это было его первой задачей, возможно, уже растения приучали к ней. Поэтому такой неколебимо твердой стала вера человека в «вещи», равно как и вера в материю. Но ведь нет никаких вещей, ибо все течет — так утверждает познание. Однако инстинкт противоречит ему в каждое мгновение.

23 [27]

Для Шопенгауэра мир — это огромный человек, чьи действия мы наблюдаем и чей характер полностью неизменен: мы можем вывести его именно из этих действий. Таким образом, это пантеизм или даже пандьяволизм, ибо здесь вовсе нет стремления к тому, чтобы истолковать все воспринимаемое как доброе и совершенное. Но все это различение между действием как следствием и самим по себе сущим характером как причиной неверно уже применительно к человеку, не говоря о мире. Нечто, называемое характером, само по себе не существует, это упрощенная абстракция. И в этом ценность воззрений таких метафизиков, как Шопенгауэр: они пытаются создать картину мира. Жаль только, что этот мир превращается в человека, — можно было бы сказать, мир есть увеличенный Шопенгауэр. Но ведь это не так.

23 [28]

Самыми горькими являются страдания, которые не вызывают никакого сильного возбуждения — ибо высокая страсть, какой бы она ни была, дает ощущение счастья, — страдания, которые давят, изматывают и жалят: их доставляют нам бесцеремонные люди, использующие свой способ достичь власти, и с тем, например, отягчающим обстоятельством, что, предавая дружбу, они используют интимную доверительность между нами. Единственным большим чувством, которое могло бы возвысить над подобными страданиями, было бы чувство ненависти с намерением отомстить, уничтожить другого. Но обычно хороший человек говорит себе, что злодей вовсе не так уж плох, каким он нам кажется, и что кое-какие заслуги его обеляют: так он подавляет мысль о возмездии, но это его не радует; он уповает на время, на ослабление всех воспоминаний. —

23 [29]

Две вещи вредны: гложущая досада от обиды, с ее стократным пережевыванием, выплевыванием пережитого, и затем бледное удовлетворение от воображаемой мести — тогда как действительная и скорая месть, даже если ее последствия причиняют нам боль, гораздо здоровее. Такова и жизнь в эротических представлениях, которые оскверняют фантазию и постепенно завладевают нами, от чего страдает здоровье. — Здесь должно выручать самовоспитание: обоим влечениям следует соответствовать естественным образом и сохранять воображение в чистоте. Отказ от мести и отказ от любви делают человека больным, слабым и дурным.

23 [30]

Берегитесь колец! (Кольца — это свернувшиеся змеи, прикинувшиеся безобидными). Эти золотые свернувшиеся змеи хоть и прикидываются безобидными —

23 [31]

В каких стихах плачут столь же много, как в «Одиссее»? — И по всей вероятности эти стихи так же действовали на внимавших им греков древних времен; каждый в слезах наслаждался при этом воспоминанием обо всем выстраданном и утраченном. Каждый пожилой человек имел некоторое число общих с Одиссеем переживаний, он во всем сочувствовал страдальцу. — Меня часто трогает до слез вовсе не трогательное у Гомера, но простое, скромное, прилежное, равно как и в «Германе и Доротее»; например, Телемах в первой песне

23 [32]

Возможно, неэгои стический инстинкт есть позднее развитие социального инстинкта; во всяком случае, не нао- борот. Социальный инстинкт возникает из принуждения интересоваться другим существом (раб-своим господи- ном, солдат-своим вождем) или из страха, с понимани- ем, что надо действовать сообща, чтобы не пропасть поо- диночке. Это чувство, будучи унаследованным, проявля- ется позднее, но первоначальный мотив при этом не осо- знается; он становится потребностью, которая при случае требует своего удовлетворения. Тогда интерес к другому - к общности, к делу (такому, как наука) кажется неэгои-стическим, но в основе своей он таковым не был.

23 [33]

Основательные знатоки североамериканцев говорят, что «господствующее мнение в Соединенных Штатах направлено против любого, кто отказывается от стремления к тому максимуму, которого он способен достичь. Отставание по доброй воле считается срамом, разновидностью проступка перед обществом».

23 [34]

Мир без эроса. — Стоит задуматься: если эрос способен доставлять двум людям взаимное удовольствие, насколько иначе выглядел бы без этого наш мир зависти, страха и раздора!

23 [35]

Трагические юноши. — В склонности юношей к трагедии, в их манере предрекать себе печальную судьбу, думать плохо о людях скрыто нечто от того удовольствия, которое они переживают, когда кто-то восклицает: «Как он мудр для своего возраста: как хорошо он уже понимает устройство мира!»

23 [36]

Это великолепное зрелище: из локальных интере- сов, из личностей, привязанных к каким-то мельчайшим отечествам, из произведений искусства, которые созданы для одного дня, для праздничных торжеств, из сплошных точек, разбросанных во времени и пространстве, посте- пенно вырастает длящаяся, соединяющая страны и народы культура: локальное становится универсальным, мимолет- ное получает монументальное значение. Надо проследить за этим ходом истории; правда, иногда по пути у кого-то останавливается дыхание, - настолько натянута пряжа, настолько близок к разрыву узел, который связывает са- мое далекое с поздним! - Гомер, сначала для всех эллинов, затем для всего эллинского культурного мира и, наконец, для любого - это факт, над которым можно плакать.

23 [37]

Шопенгауэр справедливо говорит: «Понимание строгой необходимости человеческих поступков есть та пограничная линия, которая отличает философские головы от прочих». А вот это неверно: «последнее и истинное разъяснение относительно внутренней сущности всей совокупности вещей должно быть по необходимости тесно связано с разъяснением относительно этической значимости человеческой деятельности». Также неверно: «делать заключение способны все, выносить суждение — лишь немногие».

23 [38]

Даже если кто-то принимает муки и смерть за свою веру, этим он еще не доказывает истину, а только крепость своей веры в то, что принимает за истину. (Христианство, собственно, исходит из недопустимого положения: «во что сильно верится, то верно». «То, во что сильно верится, делает блаженным, мужественным и т. п.»). Пафос «истины» сам по себе вовсе не требуется, поскольку он только отвлекает от дальнейшего исследования и проверки. С этим пафосом связана некоторая разновидность слепоты, с ним можно даже оказаться в дураках, как об этом говорит Винклер. Время от времени необходимо переживать скептические периоды, чтобы иметь право называться ученой личностью. Шопенгауэр многократно подкреплял свою позицию руганью и проклятьями, и почти везде с пафосом; без этих средств его философия, возможно, была бы менее известной (например, когда он называет извращенностью образа мыслей «неверие ни в какую метафизику»).

23 [39]

Тому, кто пишет о внутренних мотивах человека, не стоит просто холодно указывать на них; ибо так ему не удастся сделать свои выводы достоверными. Он должен уметь пробуждать воспоминания о той или иной страсти, настроении, и должен таким образом быть художником изображения. К тому же опять-таки необходимо, чтобы он все эти знал из опыта; ибо иначе он вызовет негодование холодностью и видимостью недооценки то- го, что так глубоко трогало и потрясало других. Поэтому он должен пройти все важнейшие ступени человеческого и быть способным встать на любую из них: он должен по- бывать религиозным, искусным, сладострастным, често- любивым, злым и добрым, патриотом и космополитом, ари стократом и плебеем, и сохранить силу изображения. Ибо с его темой не так, как с математикой, где имеются вполне определенные средства выражения, числа, ли- нии, которые абсолютно однозначны. Каждое слово о мо- тивах человека неопределенно, оно изобразительно, но надо уметь сильно изображать, чтобы показать сильное чувство.

23 [40]

Есть каплющие мыслители и текучие, различающиеся между собой так же, как и родники. Лихтенберг терпеливо подставляет свою чашу и, наконец, ее наполняет; но у него не хватило времени передать нам полную чашу; его родственники отмеряли нам только капли. Здесь легко оказаться несправедливым. Текучий мыслитель создает собой видимость того, кто полон сил, но это может быть всего лишь заблуждением.

23 [41]

Не только вера в Бога, но и вера в добродетельных людей, добрые дела, в достоинство «неэгоистических» побуждений, то есть даже заблуждения в области психологии помогли человечеству двигаться вперед. Это большая разница, подражает ли некто с восторгом героям Плутарха или скрупулезно их анализирует. Вера в добро сделала людей лучше, тогда как убежденность в обратном делает людей слабее, подозрительней и т. п. Таково влияние Ларошфуко и автора этих психологических наблюдений: эти меткие стрелки всегда попадают в яблочко, но в интересах человечества хотелось бы пожелать, чтобы у них не было этих чувств уничижения и подозрительности.

23 [42]

Привлекательность некоторых сочинений, например, «Тристрама Шенди», заключается, помимо всего прочего, в том, что в них есть противодействие унаследованному и воспитанному стеснению, с которым стараются не замечать некоторые вещи и не признаваться в этом, т. е. здесь при определенной «девственности души» ведется хитрая игра. Если представить себе, что эта стеснительность больше не наследуется, то пропадет вся привлекательность. В этом отношении ценность самых замечательных сочинений очень сильно зависит от довольно изменчивой конституции внутреннего мира человека; усиление одних, ослабление других чувств делает тех или иных писателей первого ранга скучными: так, например, испанская честь и набожность у драматургов, средневеково-символическое у Данте становятся порой несносными и наносят вред нашему восприятию их носителей.

23 [43]

Чрезвычайная ненадежность всякого обучения имеет своей причиной то, что у него больше нет признанного всеми фундамента, и что сегодня ни христианство, ни античность, ни естествознание, ни философия не имеют решающей и господствующей власти. В итоге, колеблясь, курсируют между направлениями самых разных течений. Наконец, национальное государство требует еще некой «национальной» культуры, чтобы таким образом возвести неясность в высшую степень — ибо национальное и культура противоречат друг другу. Даже в университетах, твердынях науки, находятся люди, которые со скрытностью предателей все еще признают религию или метафизику в качестве более высокой власти над наукой.

23 [44]

Учителя целых классов вкладывают совершенно ошибочное честолюбие в то, чтобы находить индивидуально разный подход к своим ученикам. Но ведь в высшей степени вероятно, что учитель, имея очень косвенное и одностороннее отношение к ученикам, знает их поверхностно и делает грубые ошибки в оценке того или иного характера (который к тому же у молодых людей еще податлив и не должен рассматриваться как сложившийся). Вред, который сопутствует обучению в классе, где к отдельным ученикам относятся в корне неверно, перевешивает все возможные достоинства индивидуального подхода к воспитанию, причем перевешивает существенно. В целом все суждения учителей об индивидуальности ученика ошибочны и поспешны; и уж во всяком случае нет и намека на то, что такие суждения научно взвешенны и осмотрительны. Следует всегда подходить ко всем ученикам одинаково и с равным уважением, считать их уровень довольно высоким и даже позволять себе при выставлении отметок очевидную недооценку. Надо также настолько сосредотачиваться на интересной подаче своего предмета, чтобы, коль скоро хотя бы одному ученику явно неинтересно, учитель ставил это в вину исключительно себе, перед классом —: вот надежный рецепт, который, кроме того, оставляет совесть учителя спокойной. Впрочем, само собой разумеется, что воспитание в классе — это лишь временная мера, поскольку каждый отдельный человек не может воспитываться отдельным учителем, и таким образом индивидуальный характер и дарование будут обречены идти своими собственными путями: что очевидно чревато опасностями. Но разве отдельный воспитатель не представляет собою такую же опасность? —

23 [45]

Наивный удивляется, что государство поддерживает воспитание и школу отнюдь не беспристрастно — зачем же иначе оно так старалось бы взять их в свои руки! Это средство обуздывать умы. (Надежда каждого учителя получить место! Так их приручают.)

23 [46]

Нам выпадает некая новая радость, когда нас забавляют метафизические представления, и нас, как старинная история с привидениями, очаровывают торжествующая мина, трогательность мнимого открытия, таинственный трепет. Не будем же недоверчивы к самим себе! Мы обладаем плодами долгого господства метафизики, определенными сложными настроениями и ощущениями, которые относятся к высочайшим достижениям человеческой природы: мы от них вовсе не отказываемся, позволяя себе эту невинную усмешку. — Но почему бы нам не посмеяться, когда Шопенгауэр хочет нам метафизически объяснить неприязнь к жабам, а также, что родители становятся случайными причинами появления гения рода и т. д.?

23 [47]

Отметить Рэ как меткого стрелка, который всегда попадает в яблочко.

23 [48]

Морального самонаблюдения сегодня ни в коем случае недостаточно; для того, чтобы ознакомиться с запутанными мотивами наших поступков, нужны история и сведения об отсталых народностях. В наших поступках разыгрывается вся история человечества, сюда вплетены все ее великие заблуждения и фальшивые представления; поскольку мы их уже больше не разделяем, мы их и не ищем больше в мотивах нашего поведения, но они проявляются в них как настроение, цвет, обертон. Предполагается, что если классифицировать эти мотивы поведения человека, исходя из необходимого удовлетворения его претензий, то все мотивы будут действительно перечислены. Но ведь существовали бесчисленные, почти невероятные, даже безумные желания, разгадать которые сейчас было бы не так просто: они все еще продолжают действовать в нас.

23 [49]

Иногда нас охватывает возмущение, например, в случаях глубоких потрясений от скорби, измены, любовных домогательств, когда мы слышим всему этому естественно-историческое объяснение. Но подобные ощущения ничего не доказывают, их опять-таки надо объяснять. Ощущения стали глубокими, но они не были таковыми всегда; и нет никакой реальной причины для их максимального усиления, они основаны на воображении.

23 [50]

Если у гениев есть неприятные, даже дурные свойства, то надо тем более быть благодарными за их хорошие свойства, ибо они все же принесли свои плоды на такой почве, при таком соседстве, таком климате и таких вредителях.

23 [51]

Кое-что в возрожденном католицизме оценивается нами неправильно, поскольку здесь представлены проявления религиозности, свойственные южанам. Он кажется нам показным, мечтательным, неоправданно-преувеличенным: но ведь и протестантизм тоже понятен только северным натурам.

23 [52]

Музыка лишь постепенно стала такой символической, люди учились все лучше распознавать душевные процессы в определенных оборотах и фигурах. Изначально они не были в них заложены. Музыка не является непосредственным выражением воли, но только в полноте искусства она может казаться таковой.

23 [53]

Музыка как искусство в целом не имеет никакого характера, она может быть священной и низкой, тем и другим она становится только тогда, когда насквозь проникается символизмом. Те сублимированные обожествления музыки вообще, какие можно найти, например, у Беттины, суть описания воздействия определенной музыки на вполне определенных индивидов, которые несут в себе все те сублимированные состояния, посредством которых они и сближаются с музыкой.

23 [54]

Изначально все неэгоистичное хвалят потому, что оно полезно, эгоистичное — потому, что оно вредно. Но что, если бы это было заблуждением! Если бы эгоистичное было гораздо более полезным, в том числе для других людей, нежели неэгоистичное! Что если, порицая эгоизм, подразумевают только глупый эгоизм! В принципе хвалят же разумность? Но, разумеется, добро и глупость ходят вместе, un bon homme и т. д.

23 [55]

Судя по новелле «У фьорда Малангер», Т. Мюгге — единственный талантливый немецкий новеллист в стиле Скотта; он, безусловно, мастер во всем.

23 [56]

Хвала Эпикуру. — Мудрость ни на шаг не обошла Эпикура — и часто на много тысяч шагов отстает от него.

23 [57]

Если я располагаю вещи по степени удовольствия, которое они доставляют, то на первом месте стоит музыкальная импровизация в удачный час, затем прослушивание отдельных вещей Вагнера и Бетховена, затем до полудня отдельные мысли, пришедшие во время прогулки, затем сладострастие и т. д.

23 [58]

Наслаждение в искусстве зависит от знаний (упражнение); то же и в отношении народного искусства. Нет никакого непосредственного воздействия на слушателя, выхода за пределы интеллекта. Многим не нравится музыка Вагнера, потому что высшее музыкальное образование похитило у них способность наслаждаться.

23 [59]

Люди, которые исключительным образом освобождаются от унаследованно-нравственного, суть «безсовестные», могут стать таковыми только так, как появляются уроды; рост и самосоздание продолжается после рождения как результат унаследованных привычек и сил. В этом случае можно было бы расширить понятие врожденного уродства и говорить, например, об изуродованных. В отношении последних прочее человечество имеет те же права, как и в отношении уродов и монстров: оно может их уничтожать, чтобы не поощрять распространение отстало-неудавшихся. Например, убийца — это изуродованный. —

23 [60]

Обычный опыт: дела шли плохо, но много лучше, чем я ожидал.

23 [61]

Счастье и несчастье. — У некоторых людей счастье выказывает себя более волнующим образом, нежели их несчастье. — Кто может слушать без слез веселую музыку, звучащую из сумасшедшего дома?

23 [62]

На прогулке вдоль лесного ручья мелодия, которая внутри нас, кажется слышимой, в сильных дрожащих тонах; иной раз она кажется даже опережающей на один звук тот внутренний образ мелодии, которому мы следуем, и обретает собственную самостоятельность, которая, однако, всего лишь иллюзия.

23 [63]

Главным элементом честолюбия является стремление прийти к ощущению своей власти. Радость от власти несводима к тому, что нас радует восхищение других. Хвала и хула, любовь и ненависть равны для честолюбца, желающего власти.

Страх (негативное) и воля к власти (позитивное) объясняют нашу сильную зависимость от мнения людей.

Удовольствие от власти. — Удовольствие от власти объясняется стократно пережитым неудовольствием от зависимости, бессилия. Нет этого опыта, нет и этого удовольствия.

23 [64]

Признак возвышенных натур. — Метафизические представления человека суть свидетельства его возвышенной натуры, благородных потребностей; поэтому следует всегда говорить о них в почтительнейшем тоне.

23 [65]

Польза и вред всякого мученичества. — Многие мученические смерти стали источником силы для людей с точки зрения убежденности-непреклонности, но не с точки зрения строгого испытания истины. Жестокости вредят истине, но полезны для воли (которая манифестирует себя в вере).

23 [66]

Насколько утешает несчастного незаслуженность наказания? Его используют на благо человечества как средство устрашения. Но ведь он не заслужил, чтобы его рассматривали как средство? Однако как только будет признано, что никто не заслуживает чего-либо, эта точка зрения тоже вряд ли кого-то утешит. Впрочем, при любых обстоятельствах следует радоваться тому, что служишь средством улучшения человечества.

23 [67]

Обычная форма недоверия. — Мы несправедливо недоверчивы к книгам, выводы которых нам не нравятся — и наоборот. Внутри одной партии никогда всерьез не обсуждаются принципы партийной борьбы; только противоборствующие партии и их интересы вызывают сильную критику.

23 [68]

Иной попадает по гвоздю, но не по шляпке, он безнадежно искажает проблему. Было бы лучше, если бы он вообще не брался за дело.

23 [69]

Замена случайного необходимым. — На стадии более высокого духовного освобождения все случайно-естественное, с чем обычно связана жизнь, следует заменить на избранно-необходимое. Кто издавна имеет неподходящих друзей, должен от них освободиться; смотря по обстоятельствам следует выбрать себе нового отца, новых детей.

23 [70]

Неверная оценка большого влияния. — Сводить значительное воздействие к значительным причинам — весьма распространенная ошибка. Во-первых, это могут быть незначительные причины, которые, тем не менее, действуют на протяжении долгого времени. Затем объект, на который оказывается воздействие, может быть подобен увеличительному зеркалу; плохой поэт может оказывать большое влияние, поскольку публика как раз под стать ему, — например, Уланд среди своих швабских земляков.

23 [71]

Ищи такого одиночества, чтобы быть максимально полезным многим или всем: если ты ищешь иного, то оно сделает тебя слабым, больным и отмирающим членом.

23 [72]

Не отсутствие любви, а отсутствие дружбы создает несчастные браки.

23 [73]

Выражение «жалование» занесено в наше время из той эпохи, когда низкорожденный, несвободный всегда чувствовал себя осчастливленным, облагодетельствованным, если ему вообще что-то давали или жаловали, когда его взбадривали, подобно животному, то кнутом, то пряником, но он никогда ничего не «заслуживал». Когда кто-то делает то, что он должен делать, то здесь нет никакой заслуги: если ему несмотря на это все-таки заплатили, то это уже чрезмерная милость, доброта.

23 [74]

Нынешние драматурги зачастую исходят из ложного понимания драмы и являются дракотургами: у них во что бы то ни стало нужно драться, кричать, шуметь, стрелять, убивать. Но «драма» означает «событие», factum, в противоположность fictum. Даже историческое происхождение греческого слова-понятия не дает им такого права. История драмы подавно не дает, так как изображения «драки», грубого действия греки как раз избегали.

23 [75]

Прежнее доказательство посредством чуда. — Когда кто-то погружает свою руку в расплавленный, текучий металл и вынимает ее невредимой, то это и сейчас приводит в изумление, но прежде при этом несомненно верили, что видели чудо: кто это проделывал, сам верил в таинственную силу и сверхъестественное содействие. Тот, кто и теперь не знает объяснения этому факту, считает все же, что все происходит естественно, и ему это удалось бы так же, как предыдущему. Прежде можно было бы подобным образом доказать любое утверждение, и каждый поверил бы подобному доказательству.

23 [76]

Научные методы освобождают мир от великого пафоса, они показывают, сколь неадекватны были, врабатываясь в такую высоту чувства. Сейчас смеются и удивляются перебранке, которая доводит до бешенства двух врагов, а затем и целые поколения и, наконец, определяет судьбы народов, в то время как сам повод, возможно, давно забыт: но подобное происшествие является символом всех больших и страстей в мире, которые в своем первоисточнике всегда смехотворно малы. Теперь человек, наконец, застывает в удивлении перед высотой своих чувств и низменностью их происхождения; но со временем это противоречие смягчается, ибо пристыжающее чувство комического очень тихо работает в человеке, который здесь, наконец, начал кое-что понимать.— Есть амбициозные добродетели, которые могут удерживать свою высоту только при метафизических предпосылках, например, девственность; в то время как сама по себе она значит не больше, чем бесцветная непродуктивная полудобродетель, склоняющая еще и к тому, чтобы судить о своих ближних как о еретиках.

23 [77]

Если различать ступени моральности, то в качестве первой я бы назвал подчинение обычаю, почтение и пиетет перед обычаем и его носителями (стариками) — в качестве второй ступени. Скованность интеллекта, ограниченность его горизонта и дерзновения, возрастание чувства внутри ограниченной области дозволенных представлений.— Напротив, требование неэгоистических, неличных действий, в которых обычно видят первоисток морали, выдвигается пессимистическими религиями, поскольку они исходят из отрицания эго, личности, так что метафизическое значение «радикального зла» должно было быть заложено в человеке изначально. Из пессимистических религий Кант взял как радикальное зло, так и веру в то, что неэгоистическое является отличительным признаком морального. Но теперь это существует, как верно замечал Шопенгауэр, лишь как уступка определенным чувствам, напр. состраданию, благосклонности. Однако ощущений нельзя требовать, им нельзя приказывать. А мораль всегда требовала, вследствие чего она не может полагать «сострадание» и «благосклонность» (неэгоистичность) решающими признаками «морального человека»: ведь мы нередко слышим об «аморальных людях», которые на самом деле весьма добродушны и сострадательны.

23 [78]

Ошибочной предпосылкой всякой морали является заблуждение, будто человек действует свободно и обладает ответственностью. Любой закон, любое предписание (в государстве, обществе, школе) основаны на этой вере, мы настолько привыкли к этому, что и хвалим и осуждаем, — даже после того, как нам довелось кое-что понять про имеющую место безответственность: в то же время мы ведь не осуждаем и не хвалим природу. Требовать неэгоистических поступков, как это делают пессимистические религии, требовать любви: это основано на том же основном заблуждении.

23 [79]

Чтобы объяснить моногамию и ее широкое распространение, надо уберечься от праздничных гипотез, на которые соблазняет нас известный стыд перед мистерией. Прежде всего вовсе не надо думать о моральном происхождении: ведь у зверей она тоже достаточно распространена. Всюду, где самок меньше, чем самцов, или найти ее самцу бывает трудно, возникает желание защитить обладание ею от новых притязаний других самцов. Самец не отпускает от себя однажды обретенную самку, потому что он знает, как трудно найти новую, если потеряешь эту. Моногамия — это не добровольное ограничение себя одной самкой, когда еще есть выбор среди многих, но утверждение собственности в условиях, когда не хватает самок. Поэтому ревность достигла ее нынешней силы за чрезвычайно долгий период, будучи унаследованной нами из царства животных. В человеческом обществе обычай моногамии многократно санкционировали из различных соображений полезности, прежде всего для блага семьи, которая должна быть по возможности прочно организована. В такой семье росла ценность женщины, в результате чего она, исходя из своего положения, стала предпочитать отношения моногамии всем прочим.— Когда-то женщина действительно была собственностью, подобно домашней рабыне, но в совместной жизни двоих, в совместных радостях и страданиях, когда женщина все же может отказаться от какой-то работы, а в чем-то и служить заменой мужчине, утверждалось более высокое положение супруги.— Теперь, когда женщины в цивилизованных странах фактически составляют большинство, моногамия защищена только постепенно ставшими сверхмощными санкциями обычая; естественного базиса для нее больше нет. Именно поэтому за спиной почитаемой и празднично оберегаемой и освящаемой моногамии фактически существует некий род полигамии.

23 [80]

Если Шопенгауэр отдает первенство воле и только присоединяет к ней интеллект, то тогда весь наш нрав, насколько он нам сейчас известен, более не пригоден для подтверждения этого. Ибо он стал сплошь интеллектуальным (так же, как стало интеллектуальным и наше восприятие звуков музыки). Я считаю: и удовольствие, и боль, и желание мы больше не можем рассматривать отдельно от интеллекта. Возвышенность, многообразие, мягкость нрава воспитаны благодаря бесчисленным процессам мышления; поэзия относится к нынешней музыке, как к учительнице всяческой символики, так же и мысль — по отношению к нынешнему нраву. Эти мысли были многократными заблуждениями; напр. настроение набожности целиком зиждется на заблуждении. Удовольствие и боль преобразовались в некое искусство, как раз посредством того же самого искусства. С подлинными мотивами поступков дело обстоит ныне так же, как с мелодиями современной музыки: уже нельзя сразу сказать, где мелодия, а где сопровождение, гармония; также и в мотивах поступков все искусственно переплетено, многие мотивы сопровождают друг друга и взаимно придают друг другу гармонию, окраску, выражение, настроение. У определенных настроений мы можем предполагать волю отделенной от интеллекта, но это заблуждение: они есть результат. Каждое побуждение стало интеллектуальным; все, что мы переживаем, напр., в любви, является результатом всех раздумий об этом, всей связанной с этим метафизикой, всех родственных созвучных соседствующих настроений.

23 [81]

Что касается происхождения искусства, то здесь не следует исходить из эстетических состояний и тому подобного; это поздние результаты, как и сами художники. Просто человек, как и животное, ищет удовольствия и в этом изобретателен. Мораль возникает, если он ищет полезного, т. е. того, что не тотчас же или вовсе не доставляет удовольствия, но ручается за безболезненность, причем — в интересах многих. Прекрасное и искусство обращаются к непосредственному созданию как можно более сильных и разнообразных удовольствий. Человек преодолел существующие у животных ограничения, связанные с течкой; это указывает ему на путь изобретения удовольствий. Многие чувственные радости он унаследовал от животных (привлечение цветом у павлинов, радость пения у певчих птиц). Человек изобрел труд без усилий, игру, занятие без разумной цели. Полет фантазии, измышление невозможного, даже бессмысленного доставляет радость, потому что это занятие без смысла и цели. В движении рук и ног есть некий эмбрион тяги к искусству. Танец — это движение без цели; бегство от скуки — мать всех искусств. Все внезапное нравится, если оно не вредит, — в этом штука: все блестящее, громкозвучное (свет, грохот барабана). Ибо напряжение спадает благодаря возбуждению, которое, однако, не наносит вреда. Требуется эмоция сама по себе, плач, испуг (в страшных историях), напряжение: все, что возбуждает, приятно, даже неудовольствие в противоположность скуке воспринимается как удовольствие.

23 [82]

Если кто-то поддерживает науку во вред человечеству (собственно, нет предустановленной гармонии между содействием науке и человечеству), то ему следует сказать: если ты хочешь к своему удовольствию пожертвовать человечеством ради твоего познания, то мы пожертвуем тобой ради всеобщего благополучия, здесь добрая цель оправдывает средство. Если бы кто-то ради эксперимента захотел отравить человечество, мы бы одели на него оковы как на особо опасного субъекта; мы требуем: благо человечества должно быть пограничным пунктом в области исследования истины (не как направляющая мысль, но как мысль ограничивающая). Конечно, здесь недалеко до инквизиции; так как всеобщее благо было поводом для преследования еретиков. В известном смысле инквизиционная цензура необходима, хотя методы будут все более гуманными.

23 [83]

Старинный город, лунный свет в переулках, одинокий мужской голос — это действует, как будто прошлое живо, вернулось и хочет говорить с нами — неизлечимость жизни, бесцельность всех устремлений, блеск лучей вокруг, глубина счастья во всех печалях и утратах: вот вам тема.

23 [84]

У художников переоценивают элемент импровизации, которой у наиболее оригинальных художников как раз нет, — разве что у полусамостоятельных подражателей. Бетховен ищет свои мелодии во многих пьесах, он весь в поиске. Но сами художники желают, чтобы в них превыше всего оценивалось инстинктивное «божественное», а вот представляют существо дела, когда говорят об этом, неверно. Фантазия (как напр. у актеров) проявляет множество форм без отбора, более высокая культура художественного вкуса отбирает лучшие из них и убивает прочие с твердостью ликурговской повитухи.

23 [85]

Преимуществом нашей культуры является сравнение. Мы сопоставляем самые разные продукты прежних культур и оцениваем их; делать это хорошо и есть наша задача. Наша сила должна проявиться в том, как мы выбираем; мы должны быть судьями.

23 [86]

В заключение: разум и наука — «высшая сила человечества!»

23 [87]

Мы называем моральным того, кто подчиняется признаваемому им закону и действует сообразно последнему, будь то государственный закон, будь то глас Божий в форме религиозных заповедей, будь это даже только совесть или философский «долг». Верит ли он по праву или не по праву в эти законы, безразлично; для морали важно только то, что он ими руководствуется.— Внутри разнообразных сфер эгоизма есть различение высокого и низкого: стоять здесь на стороне более высоко настроенного эгоизма мы тоже называем моральным.— Добрым мы называем теперь моральный способ действия еще не без оговорок. Душевная доброта признается за человеком, который охотно проявляет сочувствие, сорадование, самопожертвование и т. д. не с оглядкой на законы, но по внутреннему побуждению. То есть мораль, ставшая инстинктом, связанная в своих проявлениях с удовольствием, как это обычно происходит после длительного унаследования и привычки — это называется у нас добротой.

23 [88]

Говорят о смягчающих обстоятельствах: они должны уменьшать вину, и вследствие этого наказание должно быть менее суровым. Но если обратиться к генезису вины, то постепенно вина снимается совсем, и тогда не может быть уже никакого наказания. Ибо по существу при несвободе воли нет вообще никакой вины. Если понимать наказание как устрашение, то не может быть никаких смягчающих обстоятельств, относящихся к происхождению вины. Если преступление констатировано, то наказание следует неминуемо; человек есть средство для всеобщего блага. И христианство утверждает: «не судите» — с оглядкой на собственные недостатки. Христос: «Бог да судит». Но это заблуждение.

23 [89]

Философы пытаются доказать волю к жизни тем, что они признают страшное или бесполезное в жизни и все же не прибегают к самоубийству — но их изображение жизни может быть ложным! —

23 [90]

Как бы ни отвечали сегодня на вопрос критики спо- собности познания, исследование настолько трудно, само- проверка мысли настолько субтильна, что их результат не имеет ничего общего с результатами прежних религий, <<< <-- PAGE --> 23. Конец 1876 - лето 1877 485 искусства и морали. Последние обязаны своим появлени- ем не подобным научным процедурам, а в высшей степе- ни ненаучным. Потребность в них не влечет за собой ни- каких последствий для «истинности», реалистичности их допущения.

23 [91]

В хорошо написанном рассказе главный мотив будет развертываться так же, как растет растение, все отчетливее, пока наконец как новое и в то же время знакомое не раскроется цветок. Искусство рассказчика главным образом в том, чтобы дать прелюдию теме, многократно предварить ее символически, подготовить настроение, в котором предвосхищается наступление грозы, сделать слышимыми звуки, сопровождающие основную мелодию, и любым способом возбудить изобретательность читателя, как будто он должен сам разгадать загадку; но затем решить ее таким образом, чтобы читатель был ошеломлен. — Как играет ребенок, так должен работать мужчина, школьное событие может отчетливо показать все действующие лица некого будущего большого политического действа. — Вероятно, и философию можно изложить так, чтобы основное утверждение поставить в самый конец, притом сильнейшим образом акцентировав его.

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Это знак величия, уметь высоко осчастливить скромными даяниями.

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Философия великих людей соответствует обычно тому возрасту жизни, в каком созрела ее концепция. Поэтому тот, кто близко знаком с двадцатилетним Шопенгауэром, может вычислить, предсказать буквально всю философию Шопенгауэра.

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Каждогочеловека воспитывают обстоятельства, приятели, родители, братья и сестры, события времени, места, - но это все воспитание случаем, и оно на самый разный манер способствует тому, чтобы сделать его по- <<< 486настоящему несчастным. Однако человечество в целом так и не вышло за пределы такого воспитания случаем: ме- шает метафизическое представление (перед которым ту- шевался даже острый ум Лессинга), будто Бог взял в свои руки воспитание человечества, и мы не можем полно- стью познать его пути. Отныне воспитание должно ста- вить себе экуменические цели и исключить случай даже в судьбах народов, - задача настолько великая, что целый новый род воспитателей, новая формация врачей, учите- лей, священников, естествоиспытателей, художников прежней культуры - --

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Благоразумие античных поэтов проявляется в том, что они поднимают чувство с одной ступени на другую и таким образом очень значительно его усиливают. Новые пытаются делать то же с наскока или же изо всех сил натягивают одновременно все струны страсти. Но если им это не удается сначала, они тут же теряются. Хорошая книга должна, как целое, быть похожей на лестницу чувств, к ней должен быть доступ только с одной стороны, читатель должен чувствовать себя сбитым с толку, если он на свой страх и риск попытается найти в ней свою дорогу. Каждая хорошая книга сама себя так защищает; кто же будет с удовольствием тянуть за собой нить с нанизанными словами, которые он пока не понимает? Говоря иносказательно: когда мне читали «Стойкого принца» Кальдерона в переводе Шлегеля, я чувствовал следующее: я тянул мою нить какое-то время, пока наконец малодушно не отпустил, сделал новую попытку и снова тянул за собой нить с нанизанными словами, но объясняющее, выручающее слово приходило редко: мука, досада, как при виде картины, на которой все изображения выцвели, поблекли и могли означать что угодно.

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Ошибка моралистов состоит в том, что они, чтобы объяснить моральное, противопоставляют друг другу эгоистическое и неэгоистическое как моральное и неморальное, т. е. конечную цель морального развития, наше сегодняшнее восприятие, они приняли в качестве исходного пункта. Но эта последняя фаза развития обусловлена многочисленными ступенями, влиянием философии и метафизики, христианства, и потому совершенно не годится для объяснения происхождения морали. Более того, возможно, что неэгоистический поступок — хотя и расхожее понятие, но вовсе не действительный факт, а только кажимость; напр., отвод сострадания может вернуть к эгоизму, так же, как, вероятно, не существует злых деяний самих по себе, нанесения вреда без личного повода и т. д. Царство морального было прежде всего царством нравственного, но вовсе не во все времена «добрым человеком» называли того, кто соблюдал обычай неэгоистических поступков, проявляя сострадание и тому подобное, но скорее того, кто вообще следовал обычаям. Ему противостоял злой человек (безнравственный), не соблюдающий обычаев.

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Сочувствие к ближнему есть поздний результат культуры: насколько далеко должна была развиться фантазия, чтобы мы почувствовали другого как себя самого (только когда мы посредством воспоминания научились воспринимать наши собственные вовсе не нынешние боли и радости как переживаемые сейчас). Здесь безусловно велико участие искусства, когда оно учит нас сочувствовать даже воображаемым переживаниям несуществующих лиц.

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Хорошая рецензия на научную книгу состоит в том, что поставленная в ней проблема лучше решается; соответственно, критика произведения искусства должна была бы состоять в том, чтобы некто лучше воплотил мотив, который предполагалось воплотить в этом произведении искусства, например, чтобы музыкант доказал на деле, что другой не справился со своей темой; точно так же скульптор, романист. Всякая хорошая критика означает улучшение; поэтому умение улучшать является непременным условием для критика.— Теперь посмотрите на обычных критиков искусства и философии! Они говорят: «Это нам не нравится»; но чем, если не делом, они собираются доказать, что их вкус по своему развитию стоит выше?

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О предчувствиях говорят, будто, например, религия предчувствовала определенные знания, пусть даже смутно. Подобной связи между религией и наукой не существует. То, что называют предчувствием, основывается на совершенно других мотивах, нежели научные, и на других методах, даже не на полунаучных. Это случайность, если что-то одно выглядит похожим на другое. Все религии вместе могут смутно содержать в себе определенные общие «истины», и некоторые думают, будто говорят что-то в пользу философии, когда привлекают на ее сторону религиозную фантастику: однако все как раз наоборот. Наука и религия никогда не смогут в своих результатах признать себя похожими.

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Даже внутри высокоразвитых наций в одно и то же время продолжают жить рядом друг с другом люди самых разных уровней культуры. В Германии и Швейцарии кое-где еще осталось все, что владело душами со времени Реформации, и можно вернуться на несколько столетий назад и говорить с людьми из тех времен. Но ведь и очень богато развитый человек (как Гёте) проживает большие временные периоды, целые столетия в разных фазах своей натуры.

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Художники суть адвокаты страсти, ибо она полна эффектов и дает художнику десятикратную возможность проявить свое искусство. Так возникает видимость, будто страсти — это что-то великолепное, вожделенное, раз у поэтов для них на устах прекраснейшие слова; однако в действительности они прославляют страсти потому, что прежде всего хотят прославить самих себя.

Отчасти они тоже страстные натуры, и в этом смысле — свои собственные адвокаты. Но теперь именно они устанавливают в мире ценности, достойные прославления, они прирожденные панегиристы вещей — они действительно изменили отношение людей к страсти, т. е. утончили, облагородили ее саму: напр. любовь. В этом их заслуга.

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Госпожа де Сталь: век познания имеет свою невинность, как и золотой век.

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Ценность угрызений совести для духовного освобождения. — Нет сомнения, что угрызения совести внесли серьезный вклад в приумножение духовной свободы в мире. Они нередко побуждали к критике тех представлений, которые, из-за совершенных прежде поступков, действовали особенно болезненно; и тут открывалось, что в этих представлениях не было толком ничего, кроме привычки и всеобщего мнения в окружающем нас обществе. Если бы можно было избавиться от того и другого, удалось бы избежать и угрызений совести.

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Художники могли бы быть счастливейшими людьми, поскольку им позволено создавать совершенное как целое, и даже часто; в то время как другие всегда работают над малыми частями целого. Но художники избалованы созерцанием совершенного целого, и требуют именно этого, они на многое претендуют, они завистливы, не привыкли владеть собой, заносчивы в суждениях, и их творениям то и дело не хватает наслаждающихся и восхваляющих ценителей.

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Пафосу место в искусстве. — Кто не станет ядовитым и не возмутится внутренне, слушая кого-то, кто воспринимает свою жизнь слишком патетически и говорит о «Голгофе» и «Гефсимании»! — Мы терпим патетическое только в искусстве: живой человек должен быть скромен и не слишком криклив.

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Желать того же, что хочет другой, и притом ради него самого, не ради нас, — вот что создает друга, говорит Аристотель. Здесь описывается неэгоистическое поведение; если мы длительное время находимся в таком настроении по отношению к определенным личностям, это и есть дружба. Согласно ныне принятому пониманию морали, отношения дружбы — наиболее моральные из всех существующих.

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Надо какое-то время прожить в метафизическом сумраке, только для того, чтобы узнать, какое это удовольствие — видеть все вещи в трезвой утренней свежести и глубоко дышать чистым воздухом.

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Правильно читать. — Искусство правильно читать настолько редко, что почти каждый сперва нуждается в интерпретации документа, закона, договора; особенно много испорчено христианскими проповедниками, которые с кафедры постоянно подвергают Библию сомнительнейшим процедурам толкования и повсюду вызывают почтение подобной искусственной софистической манерой, и даже побуждают к подражанию.

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Если мораль восходит к точке зрения всеобщей пользы и вреда, то тогда следует мерить моральность поступка не намерением индивидуума, а самим деянием и его успехом. Расщепление души и исследование подноготной относятся к такому устройству этики, при котором речь вовсе не идет ни о пользе, ни о вреде. Надо требовать поступка и не заботиться столь боязливо о мотивах (переплетение которых, впрочем, куда большее, нежели это предполагает любой психологический анализ поступка, всегда несколько заблуждающийся).

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Переходная духовная атмосфера. — Мы освободились от многих представлений — Бог, вечная жизнь, воздающая потусторонняя и посюсторонняя справедливость, грех, спаситель, необходимость спасения; некий вид временного недуга требует заполнения пустующих мест, кожа мерзнет от холода там, где она прежде была прикрыта одеждой. Тут появляются философии, которые представляют собой как бы переходную атмосферу для тех, кто еще не может прямо выносить свежий горный воздух. — Сравним, как греческие философские секты служили в качестве переходной атмосферы: старый полис и его образование в них еще действуют: к чему следует переходить? — это как раз и не найдено. Или это был софист, полностью свободный ум?

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Можно уже пропускать мимо ушей, когда люди жалуются на утраченную народность (в одежде, обычаях, понятиях права, диалектах, поэтических формах и т. д.). Как раз этой ценой можно подняться к наднациональному, к всеобщим целям человечества, к основательному знанию, к пониманию и наслаждению прошлым, а не туземным. — Короче, именно так перестают быть варварами.

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Возвышенное действует как возбуждающее средство и перец на все усталое, прекрасное приносит успокоение возбужденному — в этом главное различие. Возбужденный пугается возвышенного, усталый скучает перед прекрасным. Впрочем, возвышенное, если его отделить от прекрасного, идентично с безобразным (т. е. со всем не-прекрасным); и как есть искусство прекрасной души, так есть искусство и безобразной души.

23 [113]

Самоуничижение. — Та сильная склонность к самокопанию и самоуничижению, которая наблюдается у грешников, кающихся и святых, ведет зачастую к общей усталости их жизненной воли (или нервов), против чего они тоже применяют самые болезненные возбуждающие средства.

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Если принять в расчет, что заблуждения великих философий обычно имеют свой исходный пункт в ошибочном определении определенных человеческих действий и переживаний, что на основе ошибочного анализа, например, так называемых неэгоистических поступков, строится ошибочная этика, что затем ей в угоду призываются на помощь религия и мифологический вздор, и что наконец тени этих мрачных духов проникают в физику и общее мировоззрение, — если принять в расчет все это, то становится ясно, насколько несправедлива привычная недооценка психологического наблюдения, в то время как результат этой недооценки — поверхностность психологического наблюдения — поставила опаснейшие ловушки человеческому мышлению и суждениям и продолжает их ставить. Откуда тогда такое невнимание? Оттого ли, что даже пустым и тщеславным отбросам общества, мужского ли, женского ли пола, при случае удаются такие замечания, и что здесь в определенные моменты имеют обыкновение разбрасывать моральные сентенции, как конфетти на карнавале остроумного кокетства? — Но совсем другое дело, когда строго взвешивающий мыслитель высказывает то же самое психологическое положение, которое уже некогда было открыто в этих кругах, и дает ему чеканку и профиль своего авторитета. Возможно, ничто ныне не является более необходимым, чем, в качестве подготовки любого будущего философствования, воздвигая камень на камень, камешек на камешек, накапливать психологическую работу и смело противиться любому пренебрежению работой такого рода. К каким открытиям придет следующее поколение, если оно овладеет этим материалом! — Конечно, надо не подпускать к этой сфере тот нечестный дух, в котором, например, Шлейермахер призывал своих учеников исследовать психологические факты религиозного сознания: ибо здесь с самого начала имелось в виду сохранение религии и дальнейшее существование теологии (которой он хотел задать новую работу). — Так же, как в природе нет цели, но несмотря на это она творит вещи, наделенные высочайшей целесообразностью, так же будет работать без цели (пользы, блага людей) и настоящая наука, но она станет частью природы, т. е. во всем невольно достигнет целесообразного (полезного).

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В особенностях индогерманских языков, отличающих их от материнского праязыка, можно распознать остаточные следы утраченных языков, на которых изначально говорили народы, завоеванные и побежденные индогерманскими кочевыми племенами, после чего и язык завоевателей как бы становился победоносным и перенимался побежденными. Возможно, в акценте и прочем остались старые навыки, и они перешли в заново выученный язык.

23 [116]

В благодарность за последствия. — Некоторые метафизические и исторические гипотезы защищают столь рьяно лишь потому, что благодарны им за их последствия.

23 [117]

Наслаждение природой. — При критике наслаждения природой сбрасывается со счетов многое, что вовсе не имеет отношения к эстетическому возбуждению, — например, воздействие нежного легкого воздуха при восхождении на высокую гору, сознание победы над тяжестью, сознание преодоленной трудности, отдых, географический интерес, намерение найти красивым то же самое, что находили красивым другие, заблаговременное предвкушение будущего рассказа об этом.

23 [118]

Есть места в побочной теме аллегретто симфонии ля мажор, которые делают жизнь такой же приятной, будто стоишь у живой изгороди с розами летним вечером.

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Надежда — это радуга над низвергающимся с кручи потоком жизни, стократно проглоченная пеной и сызнова вечно возникающая, с нежной, прекрасной смелостью перепрыгивающая через него там, где он наиболее дик и опасен.

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Не следует недооценивать даже неглубоких, веселых, смешливых женщин, они здесь для веселья, в мире слишком много серьезного. Даже заблуждения в этой области имеют свою сладкую сторону. — Если женщины станут дельнее, содержательней, то в мире больше не останется надежного места для безобидной глупости. Торговля любовью относится к безобидной стороне бытия.

23 [121]

Сократовское средство. — Сократ был прав: дабы не попасть полностью под иго эроса, надо довольствоваться менее красивыми женщинами.

23 [122]

Если кто-то привык сочинять книги, то его, возможно, вполне светлые мысли растекаются так, что становятся неуклюжими и темными. Даже Кант из-за своей ученой манеры сочинения книг (которая даже с обывательской точки зрения считается академической обязанностью) обрек себя на тот многословный стиль изложения, который вдвойне достоин сожаления, поскольку Канту (из-за его академических обязанностей) вечно не хватало времени: в процессе сочинения ему часто приходилось снова и снова вдумываться в круг своих мыслей. Если бы он ограничился изложением в кратчайшей форме всего того, что уяснил для себя до написания (возможно, во время прогулки), как это делал Юм, то все споры о верном понимании Канта, которые продолжаются до сих пор, стали бы излишними.

23 [123]

Ранние речевые навыки готовят все мысли к моментальному действенному употреблению и поэтому легко становятся препятствием для глубокого понимания и вообще основательного проникновения в себя самого. — Поэтому демократические государства пестуют речевую подготовку в школах. —

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Человек с опытом неохотно возвращается в те места и к тем людям, которые были ему некогда особенно дороги. Счастье и разлука должны быть в итоге сведены вместе: так удается нести сокровище дальше.

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В то время как Шопенгауэр высказывается о мире явлений в том смысле, что они в своих общих чертах позволяют познать сущность вещи в себе, более строгие логики отрицают любую связь между безусловным, метафизическим миром и тем, что известен нам, так что в явлении вовсе не проявляется вещь в себе. Обе стороны, как мне кажется, просмотрели, что именно разные ошибочные представления интеллекта становятся причиной, почему вещь в себе и явление кажутся находящимися в неразрешимом противоречии: мы настолько опутали явление заблуждениями, оно настолько переплелось с ними, что уже никто не может мыслить мир явлений отдельно от них. Итак, обычные, с самого начала унаследованные нелогичные привычки интеллекта создали всю эту пропасть между вещью в себе и явлением; эта пропасть будет существовать до тех пор, пока существуют наш интеллект и его заблуждения. Шопенгауэр в очередной раз собрал воедино все характерные черты нашего мира явлений — т. е. мира, сотканного из интеллектуальных заблуждений и унаследованных нами представлений о нем, — и вместо того, чтобы предъявить обвинение интеллекту, признал саму сущность вещей причиной такого фактического характера мира. С этими обеими точками зрения история происхождения мышления разберется самым решительным образом, в результате чего, возможно, мы придем к следующему положению: то, что мы сейчас называем миром, есть результат множества заблуждений, которые постепенно возникали в общем развитии органических существ, переплетались друг с другом и теперь унаследованы нами как совокупное богатство прошлого. Вызволить нас из этого мира строгая наука действительно способна по сути лишь в незначительной степени, поскольку она не в состоянии сломить силу древнейших привычек, — но она может прояснить историю возникновения этого мира как представления.

23 [126]

Это верно, никогда еще в Германии не философствовали так много, как сейчас: даже по сравнению со временем наивысшего господства Гегеля над немецкими умами не появлялось столько философских сочинений, как за последние 15 лет. Но не ошибаюсь ли я? Или я вправе предположить, что в этом признаке заложена большая опасность? Сам род излюбленного сегодня философствования таков, что в нем виден симптом решительной отрицания точных, строгих, методических штудий. Это развлекательное, иногда остроумное перебрасывание мячиков философских идей, которые теперь стали уловимы для любого понимания; подобная игра воспринимается лучше, нежели изнурительное обкатывание отдельных трудных проблем науки и создает возможность пускать пыль в глаза в компанейском и общественном масштабах. — Я хотел бы ошибаться.

23 [127]

Кто говорит о привлекательности опасности, знаком с удовольствием от переживания страха как такового.

23 [128]

Женщины в колониях. — Уважение и обходительность, которые американцы оказывают женщинам, унаследованы из тех времен, когда последние были в значительном меньшинстве: это особенность колониальных стран. Кое-что у греков объясняется этим. Исключение: где колонисты находят много женщин, там обычно их оценка падает.

23 [129]

Высокоразвитый человек обходится с естественной стороной бытия, такой как еда, питье и т. д., просто, без долгих речей и ложного украшательства, которые любили на ранних стадиях культуры. Сюда же относятся общительность, брак; всем этим вещам не придается теперь такое большое значение, как прежде. Они стали «бесформенней», некрасивей, они утратили религиозную составляющую, а вместе с этим и немало «поэзии». Однако эти потери обильно компенсированы, прежде всего сэкономлено много энергии и времени (как с нашей одеждой), и весь смысл направлен теперь уже не на эти внешние проявления. Тот, кто хочет в чем-то достичь мастерства, благодаря своей цели поднимается до уважаемого сословия.— Как в искусствах, куда мы посредством одухотворения перенесли множество безобразного, так же и в жизни: надо почувствовать, что пульсирует в этих на первый взгляд некрасивых формах жизни, какие новые и более высокие силы, и тогда взору откроется высшая красота.

23 [130]

Метафизическому философствованию свойственно заострять проблему и объявлять ее неразрешимой, — тогда ее решение становится возможным только посредством чуда, например, сущность актерства видится в самоотчуждении и буквальном перевоплощении, меж тем как проблема собственно в том, какими средствами обмана актер достигает того, чтобы нам казалось, будто он перевоплотился.

23 [131]

Мыслящий дух у музыкантов обычно свеж, они часто остроумнее, чем ученые; ибо в занятии своим искусством они умеют приводить рефлектирующее мышление в состояние почти полного покоя, некого вида жизни во сне; поэтому, когда музыкант прекращает занятие музыкой, он оказывается таким веселым и по-утреннему свежим. — Но в основном это заблуждение, так как обычно образование музыканта слишком слабенькое, и у него недостаточно материала, на котором можно было бы выказать мыслящий дух. Точно так же обстоит дело с мыслящим духом у женщин.

23 [132]

Тот, кто формулирует сентенции на немецком языке, сталкивается с трудностью, которая состоит в том, что как раз в концовке они не могут быть четко и строго отточенными, поскольку именно туда, как катящиеся камни, вваливаются вспомогательные глаголы. — Даже тончайший ум не может по достоинству оценить искусство шлифовки сентенций, если он сам не состязался на этой ниве. Без такого практического опыта ее считают более легким делом, чем это есть в действительности, а удавшееся находят недостаточно острым; поэтому читатели сентенций получают от них сравнительно небольшое удовольствие, так же как и обычные созерцатели камей. Только в соревновании познается мастерство: поэтому необходимо ради радости познания действительно заниматься какой-то наукой или искусством и время от времени сочинять роман, философское размышление или речь; — тогда, размышляя о собственном опыте, постигаешь родственные этому опыту пограничные области — и открывается доступ ко многим из лучших радостных ощущений.

23 [133]

Несправедливость заключается и в том, чтобы находить великих людей слишком великими, а явления в мире слишком глубокими. Тот, кто хочет придать миру глубочайшее значение, оплетает мир баснями; мы все еще глубоко в них втянуты, сколь бы свободомыслящими ни хотели себе казаться. С древнейших времен существует сильная склонность переходить границы, слишком плотно наносить краски, воспринимать блестящее как наиболее вероятное. Сила проявляет себя преимущественно в этих слишком резких акцентах; но сила умеренности гораздо более высока, а справедливость труднее, чем преданность и любовь. — Если убийца не хочет признавать зло своего поступка и присваивает себе право называть добром то, что весь мир считает злом, он выпадает из развития человечества: должны ли мы признавать за ним это право? Если кто-то оправдывает так называемые дурные деяния, игнорируя принятые мнения и утверждая безответственность, можем ли мы сказать: «Он может выдвинуть это лишь чисто теоретически, но не вправе так поступать на практике»? Или: «Как мыслитель он прав, но он не вправе творить зло». В каких пределах индивидуум может отрешиться от своего прошлого? В пределах своих возможностей? А если он поймет, что в этом прошлом действовали ложные выводы, расчеты на банальную выгоду? Что при этом исчезают нимб над добром и серный дым вокруг зла? Если сильнейшие мотивы, извлеченные из чести и позора ближних, больше не действуют, потому что этому суждению он может противопоставить истину?

23 [134]

Почему не сочиняют целые истории народов, революций, политических партий? Почему сочинитель романа не соперничает с историком? Здесь я вижу будущее писательского искусства.

23 [135]

Прежде давали определения, исходя из убеждения, что каждому слову, понятию присуща сумма предикатов, которую всего лишь нужно вывести. Но в слове скрывается только весьма ненадежный намек на вещь: определение дают разумным образом только затем, чтобы указать, что бы хотели знать, понимать под неким словом; при этом каждому оставляется возможность самому по-новому очерчивать смысл этого слова — это ни к чему не обязывает.

23 [136]

Школа воспитателей возникает на основе понимания, что наши воспитатели сами не воспитаны, что потреб- ность в них постоянно растет, а качество становится все ниже, что науки путем естественного распределения об- ласти применения труда для каждого едва ли смогут про- тивостоять варварству, что не существует трибунала куль- туры, который без оглядки на национальные интересы оценивал бы духовное благо всего человеческого рода, - международное министерство воспитания.

23 [137]

Сентенция проигрывает, если она изолирована; в книге же, напротив, ее окружение действует как трамплин, с которого можно до нее подняться. Надо уметь незначительными мыслями окружать значительные, оправлять их, как драгоценный камень, менее ценным материалом. Если сентенции следуют одна за другой, то можно невольно принять одну за оправу другой, отодвинуть какую-то из них на задний план, чтобы подчеркнуть другую, иначе говоря, получается суррогат книги.

23 [138]

Так как искусство становится все более одушевленным, более поздние мастера замечают, что произведения искусства прежних времен им не соответствуют, и это побуждает их вносить какие-то поправки и верить, будто все дело в технических средствах, которых как раз тогда не хватало старым мастерам. Как полагает Вагнер, оркестровка Бетховена могла бы быть сделана лучше, т. е. одушевленней, если бы инструменты тогда были лучше; особенно же в том, что касается модификации темпа, полагает он, что тот, как и все более ранние композиторы, был недостаточно точен в обозначениях. В действительности же душа еще не была настолько чутко подвижной, настолько живой в каждое мгновение. Все древнее искусство было застывшим, жестким; в Греции, как и у нас. Господствовали математика, симметрия, строгий такт. — Следует ли признать за современными музыкантами право вкладывать больше души в старые произведения? — Да; ибо только благодаря тому, что мы отдаем им свою душу, они продолжают жить. Кто знает драматичную, полную души музыку, будет непроизвольно исполнять Баха совсем иначе. Услышав иное исполнение Баха, он его перестает понимать. Возможно ли историческое исполнение вообще?

23 [139]

Создатели индогерманских языков принадлежали, вероятно, к высшей касте и использовали подручные более бедные языки. В них говорило высокое философское и поэтическое образование, которое формировало соответствующий язык; он — продукт сознательного искусства, здесь требовался музыкальный, поэтический гений. Потом он становится языком поэтов и мудрецов, позже распространяется среди низших каст и странствует вместе с воинственными племенами дальше. Это было драгоценным завещанием родины, которое бережно хранили.

23 [140]

Поэты, сообразно своей натуре, которая свойственна именно художникам, т. е. редким, исключительным людям, не всегда прославляют то, что заслуживает прославления всеми людьми, но предпочитают то, что именно им, как художникам, кажется достойным. Точно так же они редко попадают в точку, будучи сатириками. Сервантес мог бы бороться с инквизицией, но предпочел высмеивать ее жертвы, т. е. еретиков и всякого рода идеалистов. Прожив жизнь, полную злоключений, он сохранил желание осуществить литературное генеральное наступление на дурной вкус испанского читателя; он боролся против рыцарских романов. Незаметно это наступление переросло под его пером во всеобъемлющую иронию над высокими устремлениями: он заставил смеяться всю Испанию, включая простолюдинов, поверивших в его мудрость. Это факт, что ни над какой другой книгой не смеялись так, как над «Дон Кихотом». Подобный успех позволяет отнести его к декадансу испанской культуры, он стал национальным несчастьем. Я считаю, что он презирал людей, в том числе и себя самого; разве он только потешается, рассказывая, как при дворе герцога издеваются над больным? Не следовало ли ему посмеяться еще и над еретиком на костре? Да, он даже не избавляет своего героя от той ужасной ясности по поводу его собственного состояния, которое наступает в конце жизни. Такую заключительную сцену ему диктуют если не жестокость, то по меньшей мере холодность, бессердечие и презрение к читателю, которому, как он понимал, и эта сцена не помешает захлебываться от смеха.

23 [141]

Любое поначалу окаменевшее, мучительное чувство постепенно становится приятным. Вынужденное становится привычным, затем обычаем, наконец, добродетелью, связанной с удовольствием. Но люди, достигшие этой последней ступени, не хотят ничего знать о том, что этот путь начали их далекие предки.

23 [142]

Человек стремится порой к эмоции как таковой и использует себе подобного только как средство. Особенно это проявляется в жестокости. Но есть нечто от этого и в удовольствии от трагического (Гёте находил эту склонность к жестокости у Шиллера). В драматическом искусстве человек вообще ищет эмоций, например, сострадания, но без необходимости оказывать помощь. Подумайте о канатоходцах, цирковых акробатах. Страсти свойственны человеку: потому особенно страстные народы, например греки и итальянцы, находят такое удовольствие в искусстве страсти, эмоции самой по себе; без этого они бы скучали.

23 [143]

Чувство не может оставаться ровным и постоянным, оно должно либо возрастать, либо убывать. Почитание греческого полиса складывалось в какую-то бесконечную сумму, и в конце концов индивид уже не мог вынести эту нагрузку.

23 [144]

Неученым людям свойственно предпочитать хоть какое-нибудь объяснение вещи никакому, они ничего не хотят слышать о воздержании суждения.

23 [145]

Богато одаренный человек многократно переживает состояние зрелости, в той мере, в какой он проживает различные культуры и в понимании и усвоении каждой из них достигает однажды высшей точки. И так человек может предчувствовать в себе содержание целых веков: ибо путь, который он совершает через различные культуры, есть тот же самый, который проделывают многие поколения одно за другим. — Так он также многократно проходит через состояние незрелости, совершенного расцвета, перезрелости: всю эту лестницу он преодолевает, возможно, сначала как религиозный, затем опять как художественный и, наконец, научный человек.

23 [146]

Не перестаешь удивляться тому, как Шекспиру удалось сделать речь своих героев столь точной, богатой мыслями. Фразы, которые они говорят, значительны и в то же время соответствуют их характерам. Чтобы объяснить это, можно было бы предположить, будто такая речь представляет собой мозаику из случайно найденных отдельных предложений. Но я хотел бы возразить, что драматург всегда наделяет своих персонажей высказываниями, которые соответствуют характеру каждого и определенной ситуации: это совсем не похоже на то, что делаем мы, когда говорим что-то лишь ради истины, невзирая на личность и ситуацию. Но мы тоже иной раз спрашиваем сами себя: «что бы ты сказал, если бы пережил это?» К такой гипотетической речи драматург привык, это стало его натурой — придумывать мысли, исходя из таких предпосылок.

23 [147]

Подобно тому, как старые осмысленные религиозные церемонии превращаются в конце концов в предрассудки, непонятные процедуры, так и история вообще, если только она по привычке продолжится, станет подобна магической бессмыслице или карнавальному переодеванию. Солнце, которое должно сиять при провозглашении непогрешимости папы, голубь, который при этом должен лететь, кажутся сегодня лишь сомнительными трюками, которые только на обман и рассчитаны; но старая культура переполнена этим, и невозможно определить, где начинается обман. Сегодня в одном из переулков Неаполя проходит помпезная католическая похоронная процессия, а в непосредственной близости шумит карнавал: пестрые процессии, костюмы и украшения в подражание прежним культурам. Но и эта похоронная процессия когда-нибудь станет таким же историческим карнавальным шествием; пестрая шелуха останется и будет забавлять, зерно же будет потеряно или выпадет, и спрячется в искусных приемах, используемых священниками ради пробуждения веры.

23 [148]

Античность в целом — это эпоха таланта к праздничному веселью. Находилась тысяча поводов для радости, не без остроумия и серьезных раздумий; добрая часть умственной деятельности, которая сегодня направлена на изобретение машин, на решение научных проблем, была тогда обращена к тому, чтобы приумножить источники веселья: восприятие, воздействие должны быть направлены в сторону приятного; мы изменяем причины страдания, мы профилактичны, они же были паллиативны.— Наши праздники становятся по сути культурными праздниками и в целом редки.

23 [149]

Нас забавляют мелкие пакости, потому что от них нам мало вреда, например, от сарказма; и если мы чувствуем себя в полной безопасности, то даже большая пакость (скажем, ядовитая слюна памфлета) доставляет нам удовольствие; ибо она не вредит нам и благодаря этому сближается с эффектом комического — это захватывает врасплох, слегка пугает и все же не наносит вреда.

23 [150]

Искусство не относится к природе, но только к человеку. — В природе нет никакого тона, она нема; нет никаких красок. И никакой формы, ибо последняя есть результат отражения поверхности в глазу, но нет собственно как таковых ни верха, ни низа, ни внутреннего, ни внешнего. Если бы можно было видеть иначе, нежели позволяет отражение, то речь шла бы не о формах, а, возможно, о том, чтобы глядеть внутрь, так что взгляд постепенно рассекал бы предмет. Природа, из которой вычитается наш субъект, есть нечто очень равнодушное, неинтересное, а вовсе не таинственная первооснова, вовсе не раскрытая мировая загадка; мы же способны благодаря науке постоянно выходить за пределы наших чувственных представлений, например, постигать звук как колебательное движение; чем больше мы обесчеловечиваем природу, тем более пустой, незначительной становится она для нас. — Искусство целиком зиждется на очеловеченной природе, на природе, опутанной и пронизанной заблуждениями и обманами, от которой нельзя перенять никакого искусства; не вмещает сущность вещей, ибо полностью привязана к глазу и уху. К сущности ведет только способный к заключениям рассудок. Он поучает нас, например, что даже материя есть древний закоренелый предрассудок, откуда следует, что глаз видит зеркальные поверхности и что человеческий осязательный орган весьма груб: ведь там, где мы чувствуем наделенные сопротивлением точки, мы невольно начинаем конструировать непрерывные наделенные сопротивлением поверхности (которые, однако, существуют только в нашем представлении), под привычной иллюзией отражающего глаза, который в принципе тоже есть всего лишь грубый орган осязания. Клубок электрических токов, которые в определенных точках меняют направление, воспринимался бы как нечто материальное, как твердое тело; а ведь химический атом — это такая фигура, которая обрисована конечными точками различных движений. Мы сегодня привыкли различать движущееся и движение; но здесь мы находимся под воздействием древних ошибочных выводов: движущаяся вещь выдумана, сфантазирована, поскольку наши органы недостаточно тонки, чтобы всюду воспринимать движение, и отражают для нас нечто устоявшееся, тогда как в принципе не существует ни «вещи», ни устоявшегося.

23 [151]

Поскольку новое воспитание человека требует гораздо более напряженной умственной деятельности, человечество должно более энергично бороться за здоровье, чтобы не получить нервное, перевозбужденное, даже безумное потомство (иначе было бы вполне возможным будущее поколение сумасшедших и перевозбужденных — таких безумных иногда изображали из себя перезрелые индивиды в поздних Афинах): речь идет о здоровой паре родителей, правильном укреплении женского организма, гимнастических упражнениях, которые должны стать такими же привычными и желанными, как хлеб насущный, о профилактике болезней, рациональном питании, жилье, вообще о знании анатомии и т. д.

23 [152]

Христианство утверждает: «Нет никаких добродетелей, а только грехи». Тем самым любое человеческое действие становится оклеветанным и отравленным, подорвано и доверие к человеку. Далее этому вторят философы вроде Ларошфуко, они низводят прославленные человеческие добродетели к ничтожным и неблагородным движущим силам. В таком случае нужно сказать себе, что нет как таковых ни добрых, ни злых действий, что в одном ряду с утверждением христианства можно выдвинуть противоположное положение античности: «Нет никаких грехов, а только добродетели», т. е. действия с точки зрения добра (хотя представление о добре различно). Каждый поступает ради собственной выгоды, никто не бывает злым добровольно, т. е. себе во вред. Свидетельство большого прогресса считать, что моральное не имеет ничего общего с вещью в себе, но является «мнением» и относится к сфере весьма изменчивого интеллекта. И подобно тому, как наше ухо создало чувство для музыки (которой тоже не существует самой по себе), мы получили в качестве высшего достижения человечества моральное чувство. Но оно основано не на логических законах мышления и строгом наблюдении за природой, а, так же как и способность к искусствам, на всевозможных ошибочных ложных суждениях и выводах. Наука не может не раскрыть этот нелогичный фундамент морали, как она это делает с искусством. Возможно, тем самым она надолго несколько ослабит это чувство. Но чувство истины само есть одно из высших и мощнейших цветений морального чувства. Здесь заложена компенсация.

23 [153]

Варваризирующее воздействие абстракции и сублимации в случае аристотелизма в науке.

23 [154]

Если думать о более высокой степени полезности, об экуменических целях в связи со словом «мораль», то в торговле будет содержаться больше морали, чем в жизни согласно кантовскому требованию: «Поступай по отношению к другому так, как ты хотел бы, чтобы поступали по отношению к тебе», или христианской заповеди: «Люби ближнего Бога ради». Положение Канта выдает мелкобуржуазное частное уважение к обычаю и противоречит экуменическим целям: об их существовании он вообще не имеет понятия. И как мало значит вытребованная любовь вообще, а особенно такая не непосредственная любовь, как христианская любовь к ближнему, доказала история христианства, которая, в отличие от буддийской морали рисоедения, сплошь насильственна и кровава. И что это вообще значит: «Я люблю ближнего ради Бога!» Разве это не то же самое, как если бы кто-нибудь сказал: «Я люблю всех служащих полиции справедливости ради», или, как сказала одна маленькая девочка: «Я люблю Шопенгауэра, потому что он нравится дедушке, — он был с ним знаком»?

23 [155]

Пафос чувства пришел в мир благодаря определенным воззрениям на вещи, а не благодаря самим вещам: например, все, что Фауст в первой сцене излагает как причину своих страданий, совершенно ошибочным образом, а именно на почве метафизических измышлений, стало таким многозначительным: если бы он мог это признать, то исчез бы весь пафос его настроя.

23 [156]

(Из предисловия)

После того как я из года в год убеждался, насколько трудно отыскание истины, я стал недоверчив к убеждению, будто ее нашли: в нем главное препятствие для поиска истины. Если бы все те, кто так высоко ценил это свое убеждение, приносили ему всяческие жертвы, не жалея на службе ему ни чести, ни плоти, ни самой жизни, если бы они хотя бы половину своих сил посвятили исследованию, по какому праву они придерживались того или иного убеждения и каким путем они к нему пришли, — сколь миролюбиво выглядела бы тогда история человечества! Насколько больше было бы познанного! Все ужасные сцены, преследования еретиков миновали бы нас по двум причинам: во-первых, потому что инквизиторы прежде всего допрашивали бы самих себя и за наглость защищать абсолютную истину были бы уволены; во-вторых, потому что сами еретики перестали бы разделять столь слабо обоснованные положения, какими являются положения всех религиозных правоверных и еретиков, после того как они бы их основательно изучили.

Теперь я размышляю над темой, которая, возможно, является важнейшей для человечества, — ибо что хорошего и дурного возникло и стало сильным иначе, как благодаря воспитанию? — к тому же этим следует серьезно заниматься только после того, как неверие станет господствующим образом мыслей. Здесь я хотел бы прежде всего предостеречь пламенных и жаждущих убеждений юношей не рассматривать сразу же мое учение в качестве путеводной нити для их жизни, но скорее как тезисы, которые следует хорошо продумать и с практическим применением которых человечество может подождать до тех пор, пока они в достаточной мере не защитят себя от всяческих сомнений и доводов. Кроме того, истина не свалилась ко мне с неба, я не «гений», у меня нет интуитивных прозрений сквозь дыру в покрове явления. Шопенгауэр мог бы стать предостерегающим примером: он был не прав во всех пунктах, из-за которых считал себя «гением».

23 [157]

Жизнь будет легкой и приятной благодаря безоговорочному освобождению духа, которое однажды в порядке опыта опрокинет все представления, делающие жизнь столь тягостной, столь невыносимой: чтобы обрести радость этого облегчения, мы предпочтем самую простую жизнь, которая предоставит нам эту радость.

23 [158]

Пауль Винклер, 1685, «человек до тех пор мудр, пока ищет истину; но если он хочет видеть ее найденной, он становится глупцом».

23 [159]

Читателям моих ранних сочинений я хочу настоятельно объяснить, что я отказался от метафизически-художественных воззрений, которые там в сущности преобладают: они приятны, но непрочны. Тому, кто преждевременно позволил себе высказаться публично, вскоре приходится публично же этому противоречить.

23 [160]

В заключение Я хотел бы стать мудрым к 60годам и полагаю, что это цель для многих. Можно по очередиприобщаться к <<<

23.Конец 1876-лето 1877509

множеству наук и переплавлятьих в себе. Счастье нашего века, что какое-то время еще можно расти внутри рели- гии и иметь подлинный доступ к искусству в лице музы- ки; вряд ли это нам будет возможно в грядущие времена. Только с помощью этого личного опыта можно понять долгие пути человечества, что важно, поскольку вся наша культура обретается на этих путях. Необходимо понимать религию и искусство - иначе нельзя стать мудрым. Но на- до уметь смотреть за их пределы, иначе, оставаясь в их пределах, их нельзя будет понять. Точно так же и метафи- зика есть ступень, которую следует обязательно пройти.Точно так же история и все относительное. Необходимо большими шагами проделать путь человечества уже в ка- честве индивидуума и выйти за пределы прежних целей. Кто хочет стать мудрым, тот стремится к ной цели, в которой сходятся все пережитое, счастье, не- счастье, несправедливость и т. д., как средство и помощь. Более того, здесь человеческая жизнь обретает верный облик, ибо старый человек легче всего достигает цели, исходя из всей своей природы. Жизнь протекает инте- ресно, тема весьма велика, и ее не исчерпать раньше вре- мени. - Даже познание не имеет никакой иной цели.

23 [161]

Нравственная чистота человека поддерживается некоторыми ложными представлениями сильнее, нежели это могла бы сделать истина. То, что Бог хочет блага, что плоть должна быть побеждена ради освобождения души, что существует ответственность за все поступки и помыслы, все это возвысило человечество и сделало его более утонченным. Уже одно только провозглашение «добра»!

23 [162]

В долитературные времена более высокая интеллигенция должна была представлять себя совсем иначе, нежели в литературные: отдельная личность, не связанная письменной традицией с прежними мудрецами и не предупрежденная об условности познания, могла принимать себя почти за сверхчеловека. Мудрец все больше теряет в достоинстве.

23 [163]

Если слова уже есть, то люди верят, что им что-то дол- жно соответствовать: напр. душа, Бог, воля, судьба и т. д.

23 [164]

Так называемая метафизическая потребность есть инстанция, противоположная истине какой-нибудь метафизики. Воля командует.

23 [165]

Польза, которую чистый человек приносит своим близким, заключена в том, что он дает образец: благодаря этому он вырывает их из рук их дикого демона, пусть только на мгновение.— Очень многое определяется мгновениями.

23 [166]

Благородные мотивы — самые сложные; все простые мотивы стоят довольно низко. Это так же, как с простыми и сложными организмами. Длительность и трудность всего пути бросают свет величия и высоты на того, кто по нему идет.

23 [167]

Если бы люди не строили дома для богов, архитектура до сих пор оставалась бы в колыбели. Задачи, которые человек ставил перед собой на основе ошибочных допущений (напр. душа отделяется от тела), дали толчок для возникновения высочайших форм культуры. «Истины» не в состоянии дать подобных мотивов.

23 [168]

Кто хочет обрести опыт в искусстве, пусть создает произведение искусства, другого пути к эстетическому суждению нет. Большинство художников только потому полезны, что проникаются сознанием великих мастеров, удерживают его и утрируют: то есть они подобны теплопроводящей среде. Можно написать новеллу, роман, трагедию, вовсе не вызывая этим кораблекрушения в своем основном занятии; причем нет нужды это обязательно печатать. Вообще следует учиться быть разносторонне продуктивным: в этом главный фокус того, как стать мудрым во многих вещах.

23 [169]

Это одна из степеней культуры, когда ценится великое и крайности — великие люди, высочайшая продуктивность, нежнейшее сердце. Но чтобы понять мир, надо подняться на более высокую ступень, где по своему воздействию становится важнее малое и незаметное, как, например, несвободные умы и т. д.

23 [170]

Благоприятнейший момент для того, чтобы народ взял на себя предводительство в научных делах, наступает тогда, когда индивидуум унаследует достаточно силы, упорства, непреклонности, чтобы позволить себе победоносную, радостную изоляцию от общественного мнения: этот момент сейчас опять наступил в Англии, которая в настоящее время несомненно идет впереди всех народов в философии, естествознании, истории, в области открытий и распространения культуры. Научные гиганты обращаются там друг с другом как короли, которые, хотя и рассматривают друг друга как родственников, исходят при этом из признания собственной независимости. В Германии, напротив, верят в возможность достичь всего благодаря воспитанию, методам, школам: это знак того, что ей не хватает характеров и натур первопроходцев, которые во все времена искали своих путей. Здесь разводят полезных рабочих, которые работают сообща, в такт, и которым норма была задана еще в те времена, когда Германия, благодаря своим оригинальным умам, осуществляла духовное водительство Европы — на исходе прошлого столетия.

23 [171]

Недостатки стиля подчас придают ему особую привлекательность. — Стиль Александра фон Гумбольдта. В его мыслях есть что-то неуверенное, пока речь не заходит о фактах. К тому же во всем присутствует приподнятость, с помощью избранных красивых слов придан некий глянец и все это дополняется длинными периодами. В целом этот стиль создает определенное настроение, вызывает некую жажду, приходится сощуривать глаза, если очень хочется увидеть что-то отчетливое, иначе все расплывается вдали дразнящей туманностью: подобно тому миражу, который кажется (влечет чувства) морем, оазисом или лесом усталому, изнывающему от жажды.

23 [172]

Новое изложение учения об искусстве должно исходить из того, что человек радуется любому возбуждению души как таковому, именно самим эмоциям, даже самым болезненным: он хочет упоения. Искусство, играя, возбуждает его до боли, до слез, до гнева, до страсти, но без практических дурных последствий: однако есть также и люди, которые терпят даже эти последствия, лишь бы пережить эмоции (жестокий).

23 [173]

Шопенгауэр, к сожалению, протащил контрабандой в понятие «интуитивное познание» самую скверную мистику, как будто последняя позволяет непосредственно вникнуть в сущность мира, как будто есть некая дыра в покрове явления и как будто есть такие особые, привилегированные люди, которые якобы способны без трудов и строгости науки, благодаря чудесному ясновидящему оку, сообщать нечто окончательное и решающее о мире. Таких людей не существует, и чудо больше уже не находит себе верующих даже в области познания.

23 [174]

Вылупившаяся гусеница шелкопряда еще какое-то время таскает за собой свою пустую куколку: притча.

23 [175]

Склонность и неприязнь неразумны. — Когда склонность или неприязнь сжимают свои зубы, из них трудно вырваться, как если бы черепаха вцепилась в палку. Любовь, ненависть и черепаха глупы.

23 [176]

При неэгоистическом влечении приязнь к определенной личности есть нечто решающее (если это не удовольствие от сострадания и тем более не защита от неудовольствия, которое мы чувствуем при виде страдания). Но делает ли приязнь этот процесс все-таки нравственным? Является ли всякая заинтересованность в чем-то находящемся вне нас нравственной? — Ведь и любой интерес к предмету (в искусстве и науке) относится к области неэгоистического, — но нравственного ли при том?

23 [177]

Нерелигиозное понимание философии. — Рассматривать некую философию, исходя из потребностей религии, значит, понимать ее совершенно превратно. Идут поиски новой веры, нового авторитета, — но кто нуждается в вере и авторитете, тому удобнее и надежнее в привычных религиях.

23 [178]

Был вечер, еловый запах струился в окно, вдали виднелись серые горы, на их вершинах сверкал снег. Надо всем простиралось спокойное синее небо. — Чего-то такого, как оно есть само по себе, мы не видим никогда, но всегда накладываем на это нежную мембрану души — ее-то мы и видим. Унаследованные впечатления, собственные настроения просыпаются при подобных картинах природы. Мы видим нечто из нас самих — в этом смысле этот мир и есть наше представление. Лес, горы, это же не только понятие, это наш опыт и история, часть нас самих.

23 [179]

Суеверие. — Сильно взволнованные люди наиболее суеверны. Возрождение религий происходит во времена больших потрясений и ненадежности. Когда все уходит из-под ног, человек хватается за спасительную веревку иллюзий потустороннего.

23 [180]

Умирающий ребенок. — Ребенку, который умирает, дают все, что он хочет, сладости — что с того, если вредно для желудка? — И не находимся ли мы все в положении такого ребенка? —

23 [181]

Процессия в праздник Евхаристии, дети и старики довели меня до слез. Почему? — Вечером из окна сумасшедшего дома звучит фортепьянная музыка.

23 [182]

Не должны ли многие из тех,кто честолюбив, искать в сущности лишь эмоций,связанных с честолюбивыми устремлениями? Подобное чувство можно сдерживать, задушить или дать ему вырасти; последнее делают те, кто жаждет эмоций. Многие даже стараются злиться - настолько далеко заходит эта потребность в эмоциях.

23 [183]

Уважение к чужому мнению чаще всего объясняется страхом; так же обстоит с изрядной частью любезности (желания не вызвать неприязни). Таким образом челове- ческая доброта, с помощью унаследования, воспитывается посредством страха.

23 [184]

Польза — Отсталые точки зрения (политические, социальные или целые типы художников, метафизики) так же необходимы, как и прогрессивные движения: они производят необходимое трение и являются источниками сил для новых устремлений.

23 [185]

Вера сдвигает горы. — Это интересный предрассудок, будто вера способна двигать горами, будто определенный высокий уровень правдоподобия преображает вещи соразмерно этой вере, будто заблуждение становится истиной, если только при этом нет ни грана сомнения: т. е. сила веры восполняет недостаток познания; мир становится таким, каким мы его себе представляем.

23 [186]

Любовь и ненависть — не изначальные силы. — За ненавистью стоит страх, за любовью — потребность. За страхом и потребностью — опыт (суждения и память). Интеллект представляется более древним, чем чувственное восприятие.

23 [187]

Расширение опыта. — Бывают случаи, когда сновидения действительно обогащают круг нашего опыта: кто бы знал, не будь снов, как себя чувствует воспаривший?

23 [188]

Тоска по смерти. — Как страдающий морской болезнью в предрассветных сумерках высматривает с корабля берег, так часто тоскуют по смерти, зная, что не могут изменить ход и направление своего корабля.

23 [189]

Печаль и вожделение. — Почему человек в состоянии печали более склонен слепо предаваться чувственным удовольствиям? Жаждет ли он одурманивающего в них? Или это потребность в эмоциях любой ценой? — Санчо Панса говорит: «если человек чересчур предается печали, он становится зверем».

23 [190]

Когда Рихард Вагнер исполняет Бетховена, то само собой разумеется, что сквозь Бетховена будет звучать душа Вагнера и что темп, динамика, трактовка отдельных фраз, общая драматургия будут полностью вагнеровскими, а не бетховенскими. Тех, кого это раздражает, можно понять, но сам Бетховен сказал бы: «Это — я и ты, но это хорошо гармонирует; пусть так и будет». Напротив, если Бетховена исполняют незначительные мастера, то берется нечто от души незначительного мастера, — ибо аромат души тотчас начинает витать над музыкой и его невозможно из нее выветрить. — Я опасаюсь, Бетховен этому не обрадовался бы и сказал: «А вот это — я и не-я, черт побери!»

23 [191]

Филолог — это тот, кто умеет читать и писать, поэт же — тот, кто, в ясном соответствии со словообразованием и сообразно истории должен «диктовать», так как он не умеет читать и писать. Из этой противоположности читающе-пишущих ученых и поэта можно вывести много важных вещей.

23 [192]

Принципа «цель оправдывает средства» придерживаются в своем образе действий не только государство, которое наказывает, чтобы запугать, но и каждый отдельный человек, который хвалит или бранит, поскольку бранить имеет смысл только тогда, когда это может стать средством запугивания и после — руководством к действию. Похвала поощряет к продолжению начатого дела, но поскольку то и другое совершается так, как будто речь идет о уже содеянном, то в любой похвале и укоризне нельзя избежать лжи и заблуждения; это именно те средства, которые освящены более высокой целью. Если, правда, предположить, что все — как бранящие, так и бранимые — проникнутся учением о полной безответственности и невиновности, то укоризна более не будет действовать, даже если привычка, особенно — к тщеславию и честолюбию, останется более сильной, чем все обретенные в учениях убеждения.

23 [193]

Ах, если бы посредственности могли себе представить, с какой уверенностью олигархи духа — которые были и есть во все времена — оценивают их успехи как посредственные! Даже огромный успех у масс не смог бы их утешить.

23 [194]

Девиз:

Танец мысли, тебя
одна из граций ведет:
о, как мне радостен смысл! —
Увы! Что вижу! Упали
с водительницы покровы
и впереди хоровода
шествует страшная необходимость.

Розенлауибад
Июнь 1877
Август 1877 

23 [195]

И если автор этой книги спросит себя, на благо кого он хотел бы составить свои записки, то он с достаточной нескромностью назовет того самого мыслителя, который, как автор сочинения о происхождении нравственных ощущений, завоевал себе право собственности на пограничные области своего научного ареала и поставил во главу своих исследований ту же решающую, господствующую и в этой книге мысль. Это положение, выкованное молотом исторического познания, может, вероятно, послужить однажды топором, который будет положен у корней «метафизических потребностей человека»: и в этом смысле оно принадлежало бы к наиболее чреватым последствиями положениям человеческого познания.

23 [196]

Путевые заметки,
читать в пути
.

Предисловие,

Люди, которые очень много работают в одной определенной области, сохраняют свои общие воззрения о вещах в мире почти неизменными: они становятся в своих умах все жестче, все деспотичней. Поэтому так важно то время, когда человек вынужден отложить свою работу, ибо только тогда в него снова могут просочиться новые понятия и ощущения, и его силы уже не растрачиваются на ежедневное исполнение долга и привычных обязанностей. Нам, современным людям, приходится много путешествовать ради нашего духовного здоровья, и путешествовать будут тем больше, чем больше работают. Так что к путешествиям нужно прибегать тем, кто работает над изменением всеобщих воззрений.

Из этого определенного отношения вытекает определенная форма изложения: ибо окрыленной и беспокойной сущности путешествия противоречит та долго прядомая система мыслей, которая доступна лишь самому терпеливому вниманию, требует недель тишины и отрешенного одиночества. Это должны быть такие книги, которые не пролистывают, но часто раскрывают: на каком-то предложении останавливаются сегодня, на другом завтра, и задумываются снова и снова из самой глубины сердца — за и против, вникая и отвлекаясь, куда повлечет дух, так что при этом каждый раз мыслям становится весело и вольготно. Постепенно из таким образом возбужденного — настоящего, потому что не вынужденного — размышления приходит некое общее изменение взглядов, и вместе с ним — то общее чувство духовного отдохновения, как будто лук опять снаряжен тетивой и натянут сильнее, чем обычно. Путешествие удалось.

Если теперь, после таких предварительных замечаний и перед лицом этой книги, останется еще какой-нибудь существенный вопрос, то уже не мне на него отвечать. Предисловие есть право автора; право читателя — послесловие.

Фридрих Ницше

Розенлауи-Бад, 26 июля
Летнее солнцестояние 1877
(Середина солнцеворота?)

23 [197]

Новогодняя ночьпризрак звона в моих ушах
сам замирает
Холод — звезды блещут
О ты
Надменная личина Вселенной
— старое и новое время — перед Новым годом.
2фонтан в лунном сиянье
прекрасно скучает коварно
хочет холодом течь
3Утром на корабле. Куда? Мы не отваживаемся на смерть
4Слепой у дороги. Душа не подает признаков
5Ecce homunculus — Колокольный звон
6Alpa Alpa
7Campo Santo
8Горный хрусталь
 
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