7, 27[1-81] Frühjahr-Herbst 1873
27 [1]
Der Stil des Strauß beweist, daß er während eines langen Lebens viel schlechte Bücher gelesen—ich meine vor allem die Schriften seiner Gegner.
Er hat am Christenthum das Beste vergessen, die großen Einsiedler und Heiligen, kurz das Genie und urtheilt wie der Dorfpastor über die Kunst oder wie Kant über die Musik (der sie nur als Militärmusik schätzt).
Wenn die Franzosen mehr Deutsch verstehen werden, wird es ein großes Gelächter über den Geschmack der deutschen Landsleute geben: was für Gelehrte, und Dichter und Romanschreiber, wie stolz und wie geschmacklos! Es war frech von Strauß, das Leben Jesu dem deutschen Volke zu bieten als ein Gegenstück zu dem viel größeren Renan: und gar Voltaire hätte er nicht berühren dürfen.
Strauß hat gewähnt das Christenthum zu zerstören, in dem er Mythen nachweisen wollte. Aber das Wesen der Religion besteht gerade darin, mythenbildende Kraft und Freiheit zu besitzen. Widersprüche mit der Vernunft und der heutigen Wissenschaft sind sein Trumpf. Er ahnt nichts von der fundamentalen Antinomie des Idealismus und von dem höchst relativen Sinn aller Wissenschaft und Vernunft. Oder: gerade die Vernunft sollte ihm sagen, wie wenig durch die Vernunft über das Ansich der Dinge auszumachen ist.
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Er sieht nirgends, wo die Probleme liegen. Er nimmt das Christenthum, die Kunst immer in der niedrigsten demokratischen Verkümmerung und widerlegt dann. Er glaubt an die moderne Kultur—aber die antike war eine viel größere und doch ist das Christenthum darüber Herr geworden. Er ist kein Philosoph. Er ist ohne Stilgefühl. Er ist kein Künstler. Er ist ein Magister. Er zeigt den magisterhaften Typus der Bildung unsrer Bourgeoisie.
Das Bekenntniß ist eine Überschreitung seiner Grenze: der Gelehrte ist zu Grunde gegangen, dadurch daß er Philosoph scheinen wollte. Und doch ist nur ein magisterhaftes Wesen von Weltanschauung, unfrei, ärmlich, bornirt, entstanden.
Die Disposition der Schrift: zuletzt zwei Nischen zur Erbauung.
Er ist ein schlechter Stilist und ein unbedeutender Autor, dazu nicht auf seinem Felde. Übrigens ein Greis. Was sagt Goethe vom Système de la nature?
p. 257 steht die lächerlich matte Abschwächung eines starken Wortes Proudhon’s.
Bei Strauß ist kein Zusammenhang, es sind Lappen. Sein Darwinismus und seine Ethik klaffen, der Erstere hätte eine Ethik des bellum omnium und der höheren Utilität und Macht erzeugen sollen. Der Artbegriff als Moralregulativ ist ganz unzureichend. Er meint den Idealbegriff. Wer aber soll diesen aufstellen, der die Ethik noch nicht hat? Denn der Idealbegriff ist erst aus der Ethik abzuziehn, also kann der Idealbegriff nicht für den Menschen der sittliche Maßstab sein.
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Es ist ein lapsus von Strauß, ein Leben Jesu zu geben. Er mußte sich auf die historische Arbeit beschränken.— Dagegen durfte er jetzt das eigentl wahrhafte Christenthum, das
Mönchsthum, nicht vergessen.
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Gegen den Schriftsteller David Strauss.
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Wenn die “Wir” von Strauß wirklich so zahlreich sein, so trifft ein, was Lichtenberg prophezeit, daß unsre Zeiten noch einmal die dunklen heißen.
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Für Strauß ist Jesus ein Mann, den er in’s Irrenhaus stecken würde.
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An den deutschen Schriftsteller David Strauss.
Brief eines Ausländers.
Irgend Jemand hat mir einmal gesagt, Sie sein ein Jude und als solcher des Deutschen nicht vollständig mächtig.
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Es ist tröstlich, wenn einer alt wird und sein litterarisches Testament macht; man darf anfangen ihn zu vergessen und nicht mehr zu lesen—und das ist ein positiver Gewinn.— Das allerneueste Testament vererbt seine Weisheit, an die, die “geistig arm” sind, weil sie nichts gelernt oder schlechte Bücher z. B. nur ihre eignen gelesen haben. Vor allen an die geistig armen Zeitungsleser und Concertbesucher. Ein Evangelium für das Leipziger Gewandhaus.
Er geht in sein Kämmerchen und spielt Kammermusik,—“so leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage.”
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Es soll euch durchaus nicht erlaubt sein, Lessing zu glorificiren, da ihr doch nur euch meint. Davon daß dieses herrliche Wesen unter euch stumpfen Gesellen zu Grunde gieng, habt ihr keine Ahnung. Daß er sich in den verschiedensten Gebieten herumwarf, ist kein Glück, dafür hat er in nichts es zu wahrer Größe gebracht. Gervinus. Grillparzer.
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Jahn, dem das Lied an die Freude nicht gelungen erschien.
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Aristoteles meint daß man die Produkte alter Männer tödten solle.
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Lichtenberg: “Ich weiß, daß berühmte Schriftsteller, die aber im Grunde seichte Köpfe waren—was sich in Deutschland leicht beisammen findet—bei allem ihren Eigendünkel sei von den besten Köpfen, die ich befragen konnte, für seichte Köpfe gehalten worden sind.”
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Mich gelüstete so wenig, ein Bekenntniß über Leben und philosophische Fragen von Strauß zu vernehmen, als etwa von Mommsen oder von Freitag oder Gervinus.
27 [14]
Er ist berühmt, wie ein Reisender in berühmten Ländern berühmt wird: dieselbe Arbeit, auf eine finnische Erzählung verwendet, hätte ihm unter Gelehrten einen guten Namen, aber weiter nichts gegeben, als was Tausende haben. Die Dummheit der Theologen hat ihn berühmt gemacht.
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Ein großer Künstler könnte jetzt noch das Christenthum wieder herstellen, vor allem seine Feste. Klopstock hatte eine Ahnung von diesem Privilegium des Genie’s.
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So wie sie sich zum Stil verhalten, so zur Kunst: wie zur Kunst, so zum Leben: nämlich gemein, oberflächlich, weichlich.
27 [17]
Welcher Muth, sich zum Darwinismus zu bekennen, zu sagen “nicht Christen,” aber in allen wirklichen Lebensernstfragen scheu auf die dürftigste Bequemlichkeit zurückzufallen!
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| Die charakterlose und stumpfe Manier als Ausdruck der Gesundheit. |
| Das Alterthümliche als Ausdruck der deutschen Kraft. |
| Das Bild und zwar aus der modernsten Welt als Zeichen des Geschmacks und zwar des modernen Geschmacks. |
| Er affektirt ein großer populärer Schriftsteller zu sein: falscher Begriff der Popularität. |
| Er gehört zu denen, die in einem gewissen Alter unfähig sind, Kant zu verstehen. |
| Das klassische Alterthum existirt für ihn nicht. |
| “Das Testament der modernen Ideen!” |
| Ist es denn nöthig, daß jemand in dem Fach viel verstehen muß, in dem er berühmt geworden ist? |
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Sie nennen sich David Strauss, ich verstehe Ihre Schelmerei wohl, Sie wollen dem deutschen Publikum zu verstehen geben, wie ärmlich und dürftig der wahre David Strauss ist, wie schlecht und gering seine schriftstellerischen Talente sind. Aber wie arg sind Sie mißverstanden! Überall nimmt man Sie ernsthaft: und gar den Stil, die lustige Carikatur, preist man wie etwas Einziges.
Ich will Ihnen zeigen, daß ich Sie verstanden habe.
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| Brief | 1. | Der Wunsch, als Autor naiv und populär, ja ein Genie zu sein. Preis der Form. | |
| 2. | Archaismen Neologismen. | ||
| 3. | Verwirrung der Bilder. | ||
| 4. | Hegel und die Zeitungen—so wie die Gegner. | ||
| 5. | Ober Lessing. | ||
| 6. | Die großen Musiker. | ||
| 7. | Der Darwinismus und die Ethik. | ||
| 8. | Keine Philosophie. | ||
| 9. | Reduzirt auf die Theologie. Alles sonst zu streichen. | ||
| 10. | Er hat keinen Begriff vom Christenthum. |
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Lichtenberg: “man kann sich selbst bis zum Erstaunen in einer Sache Genüge leisten, und der Erfahrene lacht über unser Werk.” “Es giebt in der gelehrten Republik Männer, die ohne das geringste wahre Verdienst ein sehr großes Aufsehen machen. Wenige untersuchen den Werth derselben und die, die ihn kennen, würde man für Lästerer halten, wenn sie ihre Meinung öffentlich sagten. Die Ursache ist, der eigentlich große Mann hat Eigenschaften, die nur der große Mann zu schätzen weiß; der andre solche, welche der Menge gefallen, die hernach die Vernünftigen überstimmt.” “Es ist nur allzu gemein, daß kluge Leute beim Bücherschreiben ihren Geist in eine Form zwingen, die von einer gewissen Idee, die sie vom Stil haben, bestimmt wird, ebenso wie sie Gesichter machen, wenn sie sich malen lassen.” Strauß sucht bald das Gesicht von Voltaire, bald von Lessing zu machen.
27 [22]
Briefe eines Ausländers an den deutschen Schriftsteller David Strauss.
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Es ist ein schmerzlicher Gedanke, daß Jemand alt und doch nicht weise werden kann. Bei Strauß frage ich mich immer: wie hat er nur bis dahin leben können?
Die Menge ist unphilosophisch und Strauß gehört zur Menge.
Sein “Aristokratismus der Natur” ist ganz inconsequent und angeschwindelt: er ist eben berühmt geworden.
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Ein seelenloses Wörtermosaik mit europäischer Syntax schreibt bald das Deutsche. Wir verlieren die Sprache immer mehr und wir sollten wissen, was wir an ihr haben—das Deutsche! Wir bekommen ein deutsches Reich, zu der Zeit als wir bald aufgehört haben Deutsche zu sein. Der abstrakte europäische Mensch, der alles nachmacht und schlecht—
Was sind doch deutsche Sitten—meistens schlechte und festgewordene Nachahmungen, die als solche vergessen wurden.
Dann scheint auch das strenge Denken verloren zu gehn, denn die “Klassiker” sind lüderliche Gesellen. Ich habe nicht mehr den Muth eine einzige Eigenschaft als deutsch zu reklamiren. Der Krieg hat entschieden verschlimmert. Es ist fast verboten, von den schlimmen Wirkungen des Kriegs zu reden: ich thue es und sage: die schlimmste Wirkung ist daß durch den Sieg der Schein entsteht, als ob die deutsche Kultur gesiegt habe und als ob sie deshalb preiswürdig sei.
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Sie sagen uns, daß Sie alt sind. Nun sagt Lichtenberg: “ich glaube, daß man selbst bei abnehmendem Gedächtniß und sinkender Geisteskraft noch immer gut schreiben kann, wenn man nur nicht soviel auf den Augenblick ankommen läßt, sondern bei seinen Lektüren oder seinen Meditationen, immer wieder schreibt, zu künftigem Gebrauche. So sind gewiß alle großen Schriftsteller verfahren.”— Nein, Sie sind kein alter Mann, denn Sie lassen es auf den Augenblick ankommen!
“Das Populärmachen sollte immer so getrieben werden, daß man die Menschen damit heraufzöge. Wenn man sich herabläßt, so sollte man immer daran denken, auch die Menschen, zu denen man sich herabgelassen hat, ein wenig zu heben.”
“Die simple Schreibart ist schon deshalb zu empfehlen, weil kein rechtschaffner Mann an seinen Ausdrücken künstelt und klügelt.” “Ich mag immer den Mann mehr lieben, der so schreibt, wie es Mode werden kann, als den, der so schreibt, wie es Mode ist.” “Es kommt so außerordentlich viel darauf an, wie etwas gesagt wird, daß ich glaube, die gemeinsten Dinge lassen sich so sagen, daß ein Andrer glauben müßte, der Teufel hätte es einem eingegeben.”
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David Strauss als Schriftsteller und Sprachkünstler.
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Schopenhauer: “daher müssen solche Sprachverbesserer, ohne Unterschied der Person, gezüchtigt werden, wie die Schuljungen. Jeder Wohlgesinnte und Einsichtige ergreife also mit mir Partei für die deutsche Sprache gegen die deutsche Dummheit.”
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Es sind rohe Empiriker: unsre Schulen sind gänzlich unzureichend. Der Nothstand ist auf der Spitze. Polizeiliches Verbieten eines Zeitungsblattes, das den geringsten sprachlichen Fehler hat.
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Die Wirkungen Hegels und Heine’s. Letzterer zerstört das Gefühl für einheitliche Farbe des Stils und liebt die Hans Wurst Jacke, mit dem buntesten Farbenwechsel. Seine Einfälle, seine Bilder, seine Beobachtungen, seine Worte passen nicht zu einander, er beherrscht als Virtuose aber alle Stilarten, um sie nun durcheinander zu werfen. Bei Hegel das nichtswürdigste Grau, bei Heine das Schimmern der elektrischen Farbenspiele, die die Augen fürchterlich angreifen, wie auch jenes Grau. Denkt euch nur alles mimisch, bei Hegel und Heine. Jener ein factor, dieser ein farceur.
27 [30]
Die furchtbare Dilapidation der Hegelei! Auch wer sich zu retten verstand, wie Strauß, ist nie wieder völlig zu kuriren.
Zwei Unglücksfälle hat Strauß erfahren: einmal erfaßte ihn die Hegelei und machte ihn wirblicht, in einer Zeit, wo ein ernster Philosoph ihm hätte Richtung geben müssen. Sodann kam er, durch die Gegner, in den Wahn, seine Sache sei eine populäre und er selbst ein populärer Autor. In Folge dessen hat er nie aufhören können, Theolog zu sein, und nie wieder anfangen dürfen, wieder strenger Jünger seiner Wissenschaft zu sein. Nun hat er sich bemüht, Hegel und das Theologische möglichst zu beseitigen: umsonst. Der erste zeigt sich in der platt optimistischen Weltbetrachtung mit dem preußischen Staate als Zielpunkt der Weltgeschichte, das zweite in den gereizten Invektiven gegen das Christenthum. Er hat keinen Halt und wirft sich dem Staate und dem Erfolg an’s Herz; sein ganzes Denken ist nicht sub specie aeternitatis, sondern decennii vel biennii. So wird er zu einem “Klassiker des Pöbels,” wie Büchner usw.
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| Unusquisque mavult credere quam judicare. |
| Seneca. |
27 [32]
Wer weiß, wie die Alten sich mühten und die Neueren sich nicht abmühen, macht sich bald zum Grundsatz, dies Gesindel gar nicht mehr zu lesen.
Erstens muß man etwas zu sagen haben, von dem man glauben darf, daß man es besser als irgend ein andrer Mensch sagen kann. Somit muß es in allen Theilen durchdacht, als zusammenhängend befunden sein.
Die erste Niederschrift hat weiter keinen Werth als den allgemeinen Gang und die Dimensionen zu finden, das totum ponere: allerdings die Hauptsache für den Inhalt: meistens auch werden die richtigen Farben gefunden. Nun ist das Ganze noch voll von zahllosen Fehlern, hier und da ist ein vorläufiger Bretterverschlag und “Fehlboden,” überall liegt Staub, die Zeichen der Arbeit, der Noth sind sichtbar. Die ganze jetzt noch nöthige Arbeit, fehlt bei Strauß: selbst angenommen, das totum ponere sei gelungen.
Das totum ponere ist insofern gelungen, als das ganze Buch wenigstens eine Art Mensch abmalt, so, daß auch die großen Inconsequenzen und Halbheiten in’s Bild gehören. Es soll ja einen Glauben darstellen, nicht eine Philosophie, und hat sich deshalb seiner Gedankenlosigkeiten nicht zu schämen, da es auf das Ethos vor allem ankommt. Dieses Ethos zeigt Muth, soweit es dem Philister wohlthut, also in Religionssachen, in naturwissenschaftlichen Behauptungen usw. Sonst, nämlich in der Lehre vom Leben, gilt umgekehrt alles Vorhandene so ziemlich als vernünftig: ein paar fromme Wünsche, Abschaffung des allgemeinen Stimmrechts, Beibehaltung der Todesstrafe, Beschränkung des Rechts zu striken und Einführung von Nathan und Hermann und Dorothea in die Volksschule—das ist alles, im Übrigen “leben wir, so wandeln wir beglückt!”
27 [33]
Er hat das Leichtschürzen mißverstanden an großen Autoren: diese wollten ein zierliches Gartenhaus, dagegen spricht der plumpe Entwurf von Str es fehlt gerade die Leichtigkeit und Anmuth. Das Oberflächliche Unausgebaute ist noch lange nicht das Zierliche.
27 [34]
Die Gesetzmäßigkeit in der Natur und die Vernünftigkeit werden von Strauß zum Düpiren benutzt. Er braucht in der That eine volle Kosmodicee.
“Gottgewollt” d. h. “naturgemäß”!
Sie koketter Greis! Gaukelnder Magister!
27 [35]
Lessing hat die gewaltige, unruhige, ewig spielende, in schwellenden Muskeln überall sichtbare Kraft eines jugendlichen Tigers.
Der neue Glaube kann keine Berge versetzen, wohl aber Worte. (Zum Stil.)
27 [36]
Sie werden zugeben, daß ich mich nicht an die “höheren Galerien” wende, wenn ich gegen Sie kämpfe.
27 [37]
Man redet von den geologischen und darwin Vorgängen: da denkt man sich das Subjekt als ewig. Es ist auch völlig unmöglich es wegzudenken. Unwillkürlich nimmt alle Naturwissenschaft die Einheit des Subjekts, seine Ewigkeit und Unveränderlichkeit an. Unser Gehirn, unser Auge ist bereits ein extra nos oder praeter nos: es ist nicht die Welt eine Gehirnqualität, sondern das Gehirn selbst ist ein Theil dieser Empfindungen und Vorstellungen. Nicht das Gehirn denkt, sondern wir denken das Gehirn: das selbst an sich durchaus keine Realität hat. Empfindung ist die einzige kardinale Thatsache, die wir kennen, die einzige wahre Qualität. Alle Naturgesetze sind auf Bewegungsgesetze zurückzuführen: durchaus ohne Stoff. Wenn man am Ende damit ist, wird man nur die Empfindungsgesetze festgestellt haben. Für das “an sich” ist dann gar nichts gewonnen.
Die Idealität der Welt ist keine Hypothese, sondern die handgreiflichste einzige Thatsache. Es ist unsinnig zu glauben, daß je Empfindung erklärt werden könne aus Bewegung, oder aus etwas anderem. Man kann nicht Empfindung aus etwas anderem erklären, da man gar nichts Anderes hat.
27 [38]
Wo Heine und Hegel zugleich gewirkt haben, wie z. B. bei Auerbach (wenn auch nicht direkt), und dazu eine natürliche Fremdheit in der deutschen Sprache aus nationalen Gründen kommt, entsteht ein Jargon, der in jedem Worte, jeder Wendung verwerflich ist.
27 [39]
Strauß sagt: “es wäre auch Undank gegen meinen Genius, wollte ich mich nicht freuen, daß mir neben der Gabe der schonungslos zersetzenden Kritik zugleich die harmlose Freude am künstlerischen Gestalten verliehen ward.” “Man erwies mir von verschiedenen Seiten sogar die ungesuchte Ehre, mich als eine Art von klassischem Prosaschreiber gelten zu lassen.” Freilich, Sie haben es nicht gesucht, sondern alles unterlassen, es zu werden.
“Unsre Zeit, der das Formlose als erhaben gilt” ironisch auf Strauß anzuwenden.
Merck: “solchen Quark mußt du nicht mehr machen, das können die Andern auch.” Nachwort, p. 10. Einer meiner Freunde hat eine Blüthenlese von stilistischen Classicitäten des Voltaire.
27 [40]
An Stelle des “Reich Gottes” scheint “das Reich” getreten.
27 [41]
Die absichtliche Oberflächlichkeit—er kann alles besser. Riehlsche Hausmusik.
Es ist durchaus nöthig, daß wir kräftig auffordernde Redner hören—an Stelle der schlechten Prediger. Ungeheure Aufgabe der Kunst!
Die Vernunft des Universums als Religion festzuhalten, ist sehr unvernünftig und jedenfalls ungefähr so toll, wie zu behaupten, daß eins gleich drei sei—ein Glaube.
Was Strauß gegen die Antinomie der Unendlichkeit sagt, ist furchtbar dumm. Er hat gar nicht begriffen, worum es sich handelt.
27 [42]
Strauß, p. 10: “Man denkt sich Manches halbträumerisch im Innern zusammen, was, wenn man es einmal in der festen Gestalt von Worten und Sätzen aus sich herausstellen will, nicht zusammengeht.”
27 [43]
Das religiöse Reagiren: “er sticht sich.”
27 [44]
Strauß, p. 11. “Für’s Andere aber wollen wir erfahren, ob uns diese moderne Weltansicht auch den gleichen Dienst leistet, und ob sie uns denselben besser oder schlechter leistet als den altgläubigen die christliche, ob sie mehr oder weniger geeignet ist, das Gebäude eines wahrhaft menschlichen d. h. sittlichen und dadurch glücklichen Lebens darauf zu gründen.” Antwort steht p. 366: “Wer hier sich nicht selbst zu helfen weiß, dem ist überhaupt nicht zu helfen, der ist für unsern Standpunkt noch nicht reif.”
Es soll ein Katechismus der modernen Ideen sein; “er will nach der Richtung hinzeigen, wo seiner Überzeugung nach ein festerer Boden zu finden ist”—“nämlich die moderne Weltanschauung, das mühsam errungene Ergebniß fortgesetzter Natur- und Geschichtsforschung.” Nachher stellt er den alten Glauben der neueren Wissenschaft gegenüber. Kunst und Philosophie ist vergessen.
27 [45]
“Rolle” p. 35 zweimal, p. 143.
“Man geht nicht mit steifem Tritte auf unbekannten und von tausend Abgründen unterbrochnen Wegen.” Aber muß man denn affektiren zu tänzeln?
27 [46]
Der Philister, der sich als Genie fühlt oder gebärdet.
27 [47]
| Der Muth und die Consequenz. Heine Hegel Stilgefühl. totum ponere und die Ausarbeitung. Philosophie-Mangel. Kunst. Christenthum. |
| Er benutzt das aristokratische Genie wie Bismarck die Socialdemokie benutzt: Strauß aber gegen die Socialdemokraten zu Gunsten der Bourgeoisie, höchst ungern. |
| Er läuft wie eine Rauchsäule vor seinen “Wir” einher. |
27 [48]
“Krötenagilität der Gedanken.”
27 [49]
Der Philister, der sich als Genie gebärden möchte.
| Moralisch. | Muth und Consequenz wie weit? | |
| Intellectuell. | Voltairisch leicht geschürzt. Enthält sich der Philosophie. Lobt (Kant), empfiehlt, tadelt als Genie. In der Kunst klassisch. | |
| Litterarisch. | Emancipirt sich von Heine Hegel, aber wie! Will ein Evangelium der neuen Ideen machen. Genialität der Anlage des Buches! Die Durchführung. Flecken. |
| Wirkung auf die Jugend. |
27 [50]
Schopenhauer würde von Strauß sagen: ein Autor der nicht durchblättert, geschweige studirt zu werden lohnt: außer für den, der den Grad des jetzigen Stumpfsinns ermessen will.
27 [51]
Empedokles sagte den Agrigentinern nach: sie hingen den Lüsten an, als ob sie den anderen Tag sterben sollten, und sie bauten so, als ob sie niemals sterben würden. Strauß baut so, als ob sein Buch morgen sterben müßte, und benimmt sich so, als ob es gar niemals sterben sollte.
27 [52]
Entstehung des Philisters der Bildung. An sich die Bildung immer in sehr exclusiven Kreisen. Der eig Philister hielt sich davon fern. Der Gelehrte machte einen Übergang, er glaubte an das klassische Alterthum, die Künstler galten ihm als bedenkliche Gesellen. Hegel hat sehr viel Aesthetik auf Universitäten in Umlauf gebracht. Das Publikum des Almanachs ist das Stammpublikum, Abendzeitung. In den 50ger Jahren die Realisten, Julian Schmidt. Allmählich entsteht das Publikum der populären Vorträge, als eine Macht, es hat Sympathien, Voraussetzungen usw. Der Philister hat kein Gefühl von den Mängeln der Kultur und von dem Experimentiren bei Schiller und Goethe. Er geht von einem starken Chauvinismus aus. Das übereilige Aburtheilen Hegel’s und seiner Schüler hat die Meinung hervorgebracht, wir seien auf der Höhe.
27 [53]
| 1. | Ob die deutsche Cultur gesiegt hat? |
| 2. | Der Bildungsphilister und die Cultur. |
| 3. | Glaubensbekenntniss eines solchen Philisters. |
| 4. | Wie er lebt. |
| 5. | Sein Muth im Lob und Tadel, und im Optimismus. |
| 6. | Grenze seines Muthes. |
| 7. | Eine Gelehrtenreligion. |
| 8. | Politisch zeitgemäss, sub specie biennii. |
| 9. | Stil der Gegenwart. |
| 10. | Das totum ponere bei Strauss. |
| 11. | Der Stil im Einzelnen. |
| 12. | Schluss. |
27 [54]
Daß unsere Universitäten nichts für Kunst zu bedeuten haben, ist stark zu erwähnen. Strauß als eine durchaus unaesthetische Natur.
27 [55]
Aus dem wilden Gebräu von Philosophie, Romantik und Experimentiren aller Art entstand zuletzt eine ungeheure Sicherheit im Vernichten und Verurtheilen, durch die fortwährende Übung—und dadurch wieder ein Zutrauen auf Seiten der Nichtproduzirenden zu ihrer eignen Kultur als einem Maßstabe. Worin bestand denn das Positive? In einem gewissen Behagen, das jenem praktischen Experimentiren entgegengesetzt war; Behagen am eignen Leben. Dazu fanden sich auch noch Talente, die dies verherrlichten, die idyllische Heimlichkeit des Deutschen, des Gelehrten usw. Diese Behaglichen suchten jetzt die Klassiker sich zuzulegen, und alles noch lebendig Produzirende hochmüthig abzuweisen; sie setzten sich in Ruhe und erfanden das Epigonenzeitalter. Otto Jahn und Mozart. Die neunte Symphonie und Strauß. Gervinus und Shakespeare. Historisch sollte alles Große begriffen werden. Alle lebendige Kraft zeigte sich auf dem historischen Gebiete, im Ablehnen und Zerstören. gegenwärtiger entarteter Triebe, z. B. der Orthodoxie. Religiöser Liberalismus war überall die Voraussetzung. Die historische Richtung machte allen Fanatismus unmöglich.
1) Sie verlangt keine Änderung, der Erziehung usw.
2) Sie giebt dem Gelehrten die Superiorität in Geschmackssachen.
27 [56]
Der Philister ist ja gerade der: es ist merkwürdig zu sehen, wie er trotzdem dazu kommt, in aesthetischen und Kulturfragen mitreden zu wollen. Ich glaube, daß der Schulmann hier den Übergang gemacht hat: er, der von Berufswegen mit dem klassischen Alterthum sich abgab und allmählich meinte deshalb auch einen klassischen Geschmack haben zu müssen.
27 [57]
David Strauss, der Bekenner und der Schriftsteller.
Unzeitgemässe Betrachtungen
eines
Ausländers.
27 [58]
Wenn Streitschriften immer nur von ihren Parteien bewundert werden, so hat diese Schrift nicht die geringste Hoffnung bewundert zu werden; und David Strauß selbst wird ihr am letzten vorzuwerfen haben, daß er etwa hier “unter lautem Jubel der höheren Stände” und durch diesen Jubel widerlegt werden sollte. Vielmehr dürfte ein solcher Angriff, wie der hier versuchte, Strauß nützen und dem Angreifenden nur deshalb nicht schaden, weil er sich nicht genannt hat. Nach dieser Vorbereitung mag der Kampf beginnen: und als Zeugen wünsche ich mir eben jene, welche dem neuen Bekenntnißbuche des Dr. Strauß zugethan sind und sich freuen, wenn der Angreifende von vorn herein freiwillig eine schlechte Position wählt. Und welche Position könnte schlechter sein als die eines vereinzelten Ausländers, der den allgemeinen deutschen Erfolg jenes Buches den Deutschen zum Vorwurf macht? und als das Merkmahl einer gesunkenen Kultur betrachtet?
27 [59]
| Anmaßlichkeit eines Bekenntnisses. Wer bekennt? Eine Partei, die Wir. Beschreibung der “Wir.” Der Bildungsphilister und Genesis. Strauß typisch. | ü ý þ | Strauss als Bekenner über die Philistercultur. |
| Der Schriftsteller. Will ja nicht als Philister erscheinen. | ü ý þ | Als Schriftsteller (legt selbst Zeugniss von der Philistercultur ab). |
27 [60]
Hat die “deutsche Kultur” gesiegt? Nein. Aber sie glaubt es.
Wie es mit der Bildung steht, ist zu erkennen
| 1) aus den Confessionen selbst. |
| a)daraus daß sie eine Confession wagt. |
| b)aus der Art der Bekenntnisse. |
| 2) aus der schriftstellerischen Leistung: direkter. |
Resultat. Worüber sie gesiegt hat. Nicht über die französische, aber über die deutsche Kultur und den deutschen Genius.
27 [61]
Ob die deutsche Kultur gesiegt hat?
Der siegreiche Bildungsphilister. Seine Genesis.
Macht Bekenntnisse.
Sein Leben, Stellung zur Kunst.
Philosophie Dreistigkeit.
Seine Art Muth.
Gelehrtenreligion.
Der klassische Schriftsteller.
Leicht geschürzt.
Stilproben.
27 [62]
Ja, wenn es sich nur um einen schlechten Stilisten handelte!
Aber alles Volk klatscht Beifall!
Er redet wie ein Mensch, der täglich die Zeitungen liest.
27 [63]
Die Gesundheit.
Die Begeisterung für Altdeutsches hat mitgeholfen.
Dem trockenen Philister steht einzig zu Nüchternheit und Deutlichkeit; aber Strauß hat von der Simplicität des Genie’s gehört! Und daß es Bilder braucht usw.
27 [64]
| 1872. Erste Auflage der Geburt der Tragödie. |
| 1873. Zweite Auflage der Geburt der Tragödie. |
| Strauß. |
| Zukunft der Bildungsanstalten. |
| Vorplatonische Philosophen. |
27 [65]
Der Kulturphilister weiß nicht, was Kultur ist—Einheit des Stils.
Er findet sich damit ab, daß es Klassiker giebt (Schiller Goethe Lessing) und vergißt, daß sie eine Kultur suchten, aber kein Fundament, auf dem man ruhen könnte, sind.
Er versteht deshalb den Ernst noch lebendiger Kultursucher nicht.
Er glaubt, daß das Leben, das Geschäft sich trennen müssen von der Kultur-Erholung. Er kennt nicht die Kultur, die fortwährend fordert.
Die Autoren der Deutschen sind auf Nachahmung der Natur angewiesen, der bäuerlichen, oder städtischen zumal, also zum Idyll oder der Satyre. Zu den höheren reinen Formen haben sie kein natürliches Verhältniß, weil das entsprechende Wirkliche unkünstlerisch und vorbildlos ist.
Es ist die Zeit der unstilisirten Portraitkünste, kurz ikonischer Künste und Geschichtsschreibung.
27 [66]
Zur Einleitung. Es ist für uns kein Ereigniß, dieses Straußische Buch, sondern nur sein Erfolg . Kein Gedanke ist darin, der werth wäre, als gut und neu bemerkt zu werden.
Wir haben keine Kultur, sondern Civilisation mit einigen Kulturmoden, doch noch mehr Barbarei.
Wir haben auch in der Sprache noch keinen Stil, sondern nur Experimente.
Eine “Kultur” kann nicht über die französische gesiegt haben, denn wir hängen nach wie vor von ihnen ab und in der französischen selbst ist keine Änderung eingetreten.
“Der Philister der nicht zugeben will Barbar zu sein” nach dem Ausdrucke Vischers über Hölderlin.
Ihr habt keine Kultur, nicht etwa eine schlechte oder entartete, sondern auch die würde noch Einheit des Stils haben.
Das deutsche “Gespräch” wie die deutsche “Rede” ist nachgemacht. Unsere “Salon”-Geselligkeit, unsre Parlaments-Redner!
Wo ist ein Fundament, auf das man eine Kultur gründen könnte!
27 [67]
Nach Heraklit: der klügste Philister (Mensch) ist dem Genie (Gott) gegenüber ein Affe.
27 [68]
Schwierigkeit ein guter Schriftsteller zu werden.
| 1) | Mangel des guten Redens und der Übung. Verderb des Geschmacks durch die öffentlichen Reden. | |
| 2) | Mangel an Übung in den Schulen im Schreiben und Strenge der Methode. |
Trotzdem ist das Lob leicht zu erreichen. Bes unter Gelehrten. Sie sehen nicht nach den produktiven Zügen, sondern urtheilen nach dem Mangel des Anstößigen und einer gewissen schulmäßigen Annahme über Bilder, Lebendigkeit.
Lessing scheint gemäß dem theatralischen Lustspieldialog. Herder pastoral, Goethe Lust zu fabuliren, frauenhaft.
Der “Mangel des Anstößigen” ist aber in der Zeitungsatmosphäre immer seltener geworden: während das Gefühl für das Anstößige abnimmt. Es ist fast identisch mit Nüchternheit und Trockenheit, die beide schon jenen Mangel zu verbürgen scheinen. So schreiben, wie alle Welt schreibt, d. h. die Zeitungsschreiber, und diese nehmen das erste bequemste Wort.
Die Bilder sodann müssen modern sein, denn alle anderen gelten als dagewesen.
Das Didaktische macht sich Glauben durch lange Sätze, das Überredende Geistreiche durch kurze Sätze. ,
Wer schreibt einmal eine positive Sprachlehre des Allerweltsstils?— Der falsche Begriff von Eleganz! Woher?
27 [69]
| Hölderlin an Deutschland: |
| Noch säumst und schweigst du, sinnest ein freudig Werk, |
| Das von dir zeuge, sinnest ein neu Gebild, |
| Das einzig wie du selber, das aus |
| Liebe geboren und gut, wie du, sey. |
| Wo ist dein Delos, wo dein Olympia, |
| Daß wir uns alle finden am höchsten Fest? |
| Doch wie erräth dein Sohn, was du den |
| Deinen, Unsterbliche, längst bereitest? |
27 [70]
Falsch p. 106: “man wisse ja längst, daß Gott, allgegenwärtig, eines besonderen Sitzes nicht bedürfe.”
p. 44: “so bringt Schleiermacher in seiner Art wieder einen Gottmenschen heraus.”
Das Didaktische durch Häufung von Abstraktionen, das Überredende durch Mischung aller Farben, durch “Blenden.”
27 [71]
Nächstes Capitel: Himmel im Himmel—Heroenverehrung—Lessing.
27 [72]
Wohlgewaschene Lumpen kleiden zwar reinlich, doch jedenfalls lumpenhaft.
27 [73]
Verwirrung der Bilder.
Verkürzungen, die Unklarheit hervorbringen.
Geschmacklosigkeiten und Geschraubtheiten.
Fehler.
Vorwort, p. 6: “der hat sich gegen die Anfechtung—einen breiten Rückhalt gesichert.”
p. 12.
27 [74]
Feinere Wendungen.
27 [75]
David Strauss,
der Bekenner und der Schriftsteller.
Unzeitgemässe Betrachtungen
von
Friedrich Nietzsche.
27 [76]
Das sechste und fünfte Jahrhundert der Griechen.
Ethisch—Politisch.
Aesthetisch.
Philosophie.
27 [77]
Alle Naturwissenschaft behandelt die Gesetze der Empfindung.
Die Empfindung ist nicht das Wirken der Sinnesorgane, sondern die Sinnesorgane selbst sind uns nur als Empfindungen bekannt. Nicht das Auge sieht, sondern wir sehen, nicht das Gehirn denkt, sondern wir denken. Das Auge wie das Gehirn ist uns absolut nur als Empfindung gegeben, in keiner Weise mehr als alle Dinge extra nos. Unser Leib ist ebenso etwas außer uns, wie alles andre, d. h. er ist ebenso uns als Empfindung bekannt, wie die andern Dinge.
27 [78]
Vorwort.
Ein Buch, das in Jahresfrist sechs starke Auflagen erlebt, kann deshalb immer noch ohne jeden Werth sein; aber gerade dann ist es für jeden, der keine höhere Sorge als die Sorge um das Volk kennt, wichtig, ja nothwendig zu wissen, dass dafür ein so grosses Publicum wirklich vorhanden ist. Nur der Erfolg des Straussischen Bekenntnissbuches, nicht das Buch selbst, trieb mich zu den nachfolgenden Betrachtungen. Es musste mir allmählich unerträglich werden, unter allem was gegen Strauss eingewendet wurde, nichts zu finden, was allgemein genug gedacht war, um erklären zu können, wie ein so unbedeutendes Buch zu einem so skandalösen Erfolge komme. Wenn Göthe sagt, dass die Gegner einer geistreichen Sache in die Kohlen schlagen, so dass diese herumspringen und zünden, so bin ich in diesem Falle wenigstens sicher, nicht der Gegner einer geistreichen Sache zu sein.
27 [79]
| Neu. |
| Zweites Stück: Historie. |
| Plato und Vorgänger. |
| Drei Abhandlungen. |
| 2. A |
| Erstes Stück: Strauss. |
| Geburt der Tragödie. |
27 [80]
Zum Schlusskapitel.
Die Zeit kann keine gefährlichere Wendung machen, als wenn sie aus der Ironie über sich zum Cynismus übergeht.
27 [81]
| Geschichte—schwächt das Handeln und macht blind gegen das Vorbildliche, durch masse verwirrend. |
| Vergeudete Energie, an das völlig Vergangne gewendet. |
| Die historische Krankheit als Feindin der Cultur. |
| Übertreiben ist Zeichen des Barbarischen. Wir übertreiben den Wissenstrieb. |
| Nur der Alte lebt in lauter Erinnerungen. |
| Nicht Respect vor der Geschichte, sondern ihr sollt den Muth haben, Geschichte zu machen! |
7, 27[1-81] Frühjahr-Herbst 1873
27 [1]
Стиль Штрауса свидетельствует, что за свою долгую жизнь он прочитал много плохих книг — прежде всего я имею в виду сочинения его противников.
В христианстве он забыл самое лучшее, великих отшельников и святых, короче говоря, гениальность, и судит как деревенский священник об искусстве или как Кант о музыке (который ценил только военный оркестр).
Когда французы начнут лучше понимать немецкий, они поднимут на смех вкусы немецких земляков: что за ученые, и поэты, и романисты, как гордятся они собой и как безвкусны! Со стороны Штрауса было наглостью предложить народу Германии свое описание жизни Христа в качестве противовеса намного более значительному труду Ренана, а Вольтера ему и вообще не следовало касаться.
Штраусу мнилось, что он разрушает христианство, указывая на мифы. Но сущность религии состоит именно в том, что она обладает силой и свободой творить мифы. Противоречия с разумом и с современной наукой — ее триумф. У него нет ни малейшего понятия о фундаментальной антиномии идеализма и о весьма относительном значении всех наук и разума. Или: именно разум должен был подсказать ему, как мало дает разум для понимания сути вещей.
27 [2]
Он никогда не видит, в чем состоит проблема. Он берет христианство, искусство всегда в их сниженном, демократическом, обедненном варианте и опровергает именно его. Он верит в современную культуру — но античная была куда более великой, и все же христианство одержало над нею верх. Он не философ. У него отсутствует чувство стиля. Он и не художник. Он — магистр. Он демонстрирует магистерский тип образования, присущий нашей буржуазии.
Иметь убеждения — за пределами его возможностей: ученый погиб в нем потому, что он хотел казаться философом. А в результате появилось на свет магистерское мировоззрение — несвободное, скудное, ограниченное.
План сочинения: под конец две ниши для поучения.
Он плохой стилист и малозначительный автор, к тому же пишущий не в своей области. В любом случае — старик. Что говорится у Гёте насчет Systeme de la nature?
С. 257: до смешного ослабленное воспроизведение сильного выражения Прудона.
У Штрауса нет связи, все только обрывки. Его дарвинизм не согласуется с его этикой, первый должен был бы породить этику bellum omnium и высшей утилитарности и власти. Понятие вида как нравственный принцип совершенно недостаточно. Это предполагает понятие идеала. Но откуда же возьмется идеал у того, кто не знает еще никакой этики? Понятие идеала можно вывести только из этики, следовательно, понятие идеала не может быть нравственным критерием для человека.
27 [3]
Штраус допустил ляпсус, когда решил написать о жизни Иисуса. Ему следовало бы сосредоточиться на исторических трудах.— Но раз уж он взялся за это, то не должен был забыть об истинном христианстве, о монашестве.
27 [4]
Против писателя Давида Штрауса.
27 [5]
Если «мы» Штрауса действительно столь многочисленны, сбывается пророчество Лихтенберга, что наше время снова назовут тёмным.
27 [6]
Для Штрауса Иисус — человек, которого он засадил бы в сумасшедший дом.
27 [7]
Немецкому писателю Давиду Штраусу.
Письмо иностранца.
Кто-то мне однажды рассказывал, что Вы еврей и потому не вполне владеете немецкой речью.
27 [8]
Весьма утешительно, когда кто-либо становится старым и пишет свое литературное завещание; его можно начать забывать и больше не читать — а это положительный результат. — Только что написанное завещание передает его мудрость в наследство тем, кто «нищ духом», потому что они ничему не учились или читали плохие книги, например только свои. В первую очередь в наследство вступают нищие духом читатели газет и посетители концертов. Евангелие для лейпцигского Гевандхауса.
Он идет в свою каморку и играет камерную музыку — «так мы живем, так мы живем, так мы живем изо дня в день».
27 [9]
Вам ни в коем случае не позволено восхвалять Лессинга, ибо вы ведь имеете в виду только вас самих. О том, что этот замечательный человек погиб среди вас, тупоумных подмастерьев, вы не имеете понятия. В том, что он бросался в самые разные сферы, не было ничего хорошего, поэтому он ни в одной не достиг истинного величия. Гервинус. Грильпарцер.
27 [10]
Ян, которому «Песнь к радости» казалась неудачным сочинением.
27 [11]
Аристотель считал, что произведения стариков следует уничтожать.
27 [12]
Лихтенберг: «Я знаю, что знаменитые писатели, которые были по существу поверхностными умами — что в Германии хорошо сочетается, — при всем их тщеславии воспринимались лучшими умами, которых я мог опросить, как умы поверхностные».
27 [13]
У меня так же мало охоты выслушивать суждения Штрауса о жизни и о философских вопросах, как и таковые Моммзена, Фрейтага или Гервинуса.
27 [14]
Он знаменит так же, как знаменит путешественник, открывающий уже известные страны: тот же самый труд, затраченный на финские сказания, сделал бы ему хорошее имя среди ученых, но не принес бы ничего, чего не имеют тысячи других. Знаменитым его сделала глупость теологов.
27 [15]
Большой художник мог бы сегодня возродить христианство, прежде всего его праздники. Об этой привилегии гения имел представление Клопшток.
27 [16]
К стилю они относятся так же, как к искусству: к искусству, как к жизни: а именно пошло, поверхностно, расслабленно.
27 [17]
Много ли нужно мужества признавать дарвинизм, говорить «не христиане», но во всех реальных жизненных вопросах бояться утратить жалкие удобства.
27 [18]
| Бесхарактерный и равнодушный тон как выражение здоровья. |
| Древнее как выражение немецкой силы. |
| Образ, и именно образ, взятый из современнейшего мира как знак вкуса, притом именно современного вкуса. |
| Он страстно желает быть большим популярным писателем: ложное понятие популярности. |
| Он относится к числу тех, кто в известном возрасте неспособен понимать Канта. |
| Классическая древность для него не существует. |
| «Завет современных идей!» |
| Разве нужно что-нибудь понимать в том предмете, который сделал тебя знаменитостью? |
27 [19]
Вы называете себя Давидом Штраусом, я хорошо понимаю, в чем Ваша хитрость: Вы хотите дать понять немецкой публике, насколько беден и несостоятелен подлинный Давид Штраус, как мал и незначителен его писательский талант. Но как же обидно Вас не поняли! Повсюду к Вам относятся серьезно: и даже Ваш стиль, смешную карикатуру, восхваляют как нечто единственное в своем роде.
Я хочу показать Вам, что я Вас понял.
27 [20]
| Письмо | 1. | Желание быть в качестве автора наивным и популярным, даже гением. Цена формы. | |
| 2. | Архаизмы, неологизмы. | ||
| 3. | Спутанность образов. | ||
| 4. | Гегель и газеты — как будто противники. | ||
| 5. | О Лессинге. | ||
| 6. | Великие музыканты. | ||
| 7. | Дарвинизм и этика. | ||
| 8. | Отсутствие философии. | ||
| 9. | Редукция к теологии. Все остальное вычеркнуть. | ||
| 10. | У него нет понятия о христианстве. |
27 [21]
Лихтенберг: «Можно чувствовать удовлетворение от своих собственных достижений, чуть ли не восторгаться собой, а человек искушенный посмеется над нашим творением». «В Республике ученых встречаются мужи, которые, не имея никаких подлинных заслуг, пользуются очень большим авторитетом. Мало кто задумывается над ценностью того, что ими сделано, а тех, кто знает, какова она в действительности, сочли бы очернителями, выскажи они свое мнение. Причина в том, что истинно великий человек обладает качествами, оценить которые может только другой великий; другой же, только притворяющийся великим, имеет свойства, нравящиеся толпе, а она затем переубеждает и разумных». «Часто бывает, что умные люди, сочиняя книги, заковывают свой дух в форму, которая определяется их представлением о стиле, точно так же, как они корчат рожи, когда их рисуют». Штраус пытается состроить лицо то Вольтера, то Лессинга.
27 [22]
Письма иностранца немецкому писателю Давиду Штраусу.
27 [23]
Больно сознавать, что человек может состариться и не стать мудрым. По поводу Штрауса я каждый раз себя спрашиваю: как же ему удалось дожить доныне?
Толпа нефилософична, а Штраус принадлежит к толпе.
Его «аристократизм натуры» совершенно непоследователен и надуман: вот он-то и стал знаменитым.
27 [24]
Бездушная мозаика слов, соединенных по правилам европейского синтаксиса, — вот что скоро будет называться немецким языком. Мы теряем язык все больше и больше, а нам следовало бы знать, что он для нас означает — немецкое начало! Мы получаем германский рейх в тот самый момент, когда мы уже почти перестали быть немцами. Абстрактный европейский человек, который всему подражает, и к тому же плохо —
Ведь что такое немецкие нравы — в большинстве случаев плохие и застывшие подражания, которые как таковые и были забыты.
Утрачена, кажется, также и строгость мысли, ибо «классиками» становятся проходимцы и бездельники. Я не нахожу больше ни одного качества, которое решился бы назвать немецким. Война сильно ухудшила дело. Говорить о плохих последствиях войны почти запрещено; я сделаю это и скажу: наихудшее последствие в том, что победа создает видимость, как будто бы победила немецкая культура и поэтому она достойна похвал.
27 [25]
Вы говорите нам, что Вы стары. Вот что пишет Лихтенберг: «Я думаю, что даже при ухудшении памяти и снижении умственных сил все еще можно писать хорошо, если только не делать ставку на один момент и, когда читаешь или размышляешь, постоянно записывать на будущее. Несомненно, что все великие писатели так именно и поступали». — Нет, Вы не старик, потому что Вы полагаетесь на один момент!
«Популяризацией надобно заниматься так, чтобы с ее помощью помогать людям расти. Когда к кому-либо снисходишь, всегда надо думать о том, чтобы хоть немного приподнять над собой тех людей, к которым снисходишь».
«Писать просто рекомендуется хотя бы уже потому, что ни один честный человек не станет пользоваться искусственными и вычурными выражениями». «Мне всегда больше по душе тот, кто пишет так, как только еще станет модно, а не так, как модно уже теперь». «То, как мы о чем-то говорим, имеет такое большое значение, что, думается, даже о самых обыкновенных вещах можно говорить так, что у других будет впечатление, будто эти мысли внушил говорящему сам дьявол».
27 [26]
Давид Штраус как писатель и мастер языковых выкрутасов.
27 [27]
Шопенгауэр: «Вот почему такие охотники исправлять язык должны быть, невзирая на лица, подвергнуты наказанию как нерадивые школьники. Пусть каждый, кто стремится ко благу, каждый разумный человек встанет вместе со мной на защиту немецкого языка против немецкой глупости».
27 [28]
Это грубые эмпирики: наши школы совершенно неудовлетворительны. Состояние крайне тяжелое. Полицейский запрет любой газеты, где допускается малейшая языковая ошибка.
27 [29]
Влияние Гегеля и Гейне. Последний разрушает чувство цветового единства стиля и любит камзол Ганса Вурста, пестроту и переменчивость красок. Его остроты, его образы, наблюдения, слова не подходят одно к другому, но, как виртуоз, он владеет всеми стилями, чтобы все их перемешать. У Гегеля цвет безутешно серый, у Гейне — сверкание электрических переливов цвета, ужасно утомляющих глаз, так же как однообразно серый. Представьте себе мимически, как это у Гегеля и Гейне. Тот — factor, другой — farceur.
27 [30]
Пугающая разбросанность гегельянства! Даже тот, кто сумел спастись, как Штраус, уже никогда не излечится до конца.
Два несчастья постигли Штрауса: сначала его захватило и закружило гегельянство, тогда как серьезный философ мог бы дать ему направление. Затем он под влиянием противников вбил себе в голову, что его дело должно быть популярным и что сам он популярный автор. Вследствие этого он никак не мог перестать быть теологом и никак не мог вернуться к началу, к строгому следованию требованиям своей науки. И вот он попытался по возможности избавиться от Гегеля и от теологии — напрасно. Первый обнаруживает себя в плоском оптимизме, для которого прусское государство есть конечная цель всемирной истории; вторая — в раздраженных выпадах против христианства. У него нет стержня, и он бросается на шею государству и заклинает успех; всё его мышление не sub specie aeternitatis, но decennii vel biennii. Так становится он «классиком черни», как Бюхнер и т. п.
27 [31]
| Unusquisque mavult credere quam judicare. |
| Seneca. |
27 [32]
Тот, кто знает, как трудились древние и насколько не дают себе труда новые, легко придет к решению вообще не читать, что пишет этот сброд.
Прежде всего нужно знать, что ты скажешь о чем-то лучше, чем любой другой. Затем следует продумать этот предмет во всех его частях, как они связаны между собой.
Первый вариант текста служит лишь тому, чтобы найти общий ход и параметры, totum — в любом случае это главное для содержания. Как правило, находятся также верные краски. Но все в целом еще отягощено множеством недостатков, там и сям пока временные строения, повсюду пыль, видны следы работы, ее тяжести. Вся отделочная работа, которая после этого необходима, у Штрауса отсутствует: пусть даже totum ponere можно счесть удавшимся.
Totum ponere удачен постольку, поскольку вся книга по крайней мере отражает некий тип человека, так что даже большие противоречия и половинчатость вписываются в общую картину. Ведь предметом ее является вера, а не философия, и потому можно не стыдиться бедности мыслей, поскольку важнее всего этос. Этос обнаруживает смелость, импонирующую филистеру и проявляющуюся в подходе к религиозным вопросам, в естественно-научных суждениях и т. п. В остальном, а именно в том, что касается учения о жизни, напротив, все существующее предстает довольно-таки разумным: несколько благочестивых пожеланий, требование всеобщего избирательного права, сохранения смертной казни, ограничения права на стачки, а также введения «Натана» и «Германа и Доротеи» в программу начальной школы — вот и все. В остальном «раз мы живем, то тем и счастливы!»
27 [33]
Он неверно понял легкомыслие великих писателей: им виделся изящный загородный дом, полная противоположность неуклюжему проекту Штрауса; не достает как раз легкости и изящества. Поверхностность, непродуманность — еще далеко не изящество.
27 [34]
Закономерности природы и разумность используются Штраусом для одурачивания. Ему действительно нужна целая космодицея.
«Богоугодный» — значит «соответствующий законам природы»!
Ах, Вы кокетливый старик! Плутующий магистр!
27 [35]
У Лессинга была большая, беспокойная, играющая налитыми мускулами сила молодого тигра.
Новая вера не в силах двигать горами, но словами — сколько угодно (к вопросу о стиле).
27 [36]
Вам приходится признать, что я обращаюсь не к «верхним галереям», когда борюсь с Вами.
27 [37]
Ведут речь о геологических и дарвинистских процессах: при этом думают, что субъект вечен. Мысленно устранить его совершенно невозможно. Все естествознание непроизвольно исходит из единства субъекта, его вечности и неизменности. Наш мозг, наши глаза — это уже нечто extra nos или praeter nos. Мир не есть свойство мозга, а сам мозг есть часть этих ощущений и представлений. Не мозг мыслит, а мы мыслим мозг: сам по себе он не обладает никакой реальностью. Ощущение есть единственный кардинальный факт, который мы знаем, единственное истинное качество. Все законы природы сводимы к законам движения: вообще без всякой материи. Если продумать все до конца, то констатировать можно только законы ощущений. Для чего-либо «в себе» это вообще ничего не дает.
Идеальность мира — не гипотеза, а единственный неопровержимый факт. Бессмысленно верить, что ощущение всякий раз можно объяснить исходя из движения или чего-то другого. Ощущение невозможно объяснить из чего-то другого, потому что ничего другого не дано.
27 [38]
Там, где Гейне и Гегель повлияли одновременно, как, например, у Ауэрбаха (хотя и не прямо), и к этому прибавляется естественная чуждость немецкому языку по национальным причинам, возникает жаргон, где порицаемо каждое слово, каждый оборот.
27 [39]
Штраус говорит: «Это было бы неблагодарностью по отношению к моему гению, если бы я не радовался тому, что наряду с даром беспощадно разъедающей критики мне дана еще и безмятежная радость эстетического оформления мысли. С различных сторон мне была оказана честь, на которую я даже не претендовал — считать меня своего рода мастером классической прозы». И правда, Вы на это не претендовали, но сделали все, чтобы этого не заслужить.
«Наше время, которое чтит бесформенное как возвышенное» — иронически применить к самому Штраусу.
Мерк: «Такую дрянь больше не делай, это могут и другие». Послесловие, с. 10. У одного из моих друзей имеется подборка классических образцов вольтеровского стиля.
27 [40]
На место «Царства Божия» заступило, похоже, просто «царство» — т. е. рейх.
27 [41]
Нарочитая поверхностность — он всё делает лучше всех. Домашние концерты Риля.
Крайне необходимо, чтобы мы могли слушать ораторов, способных на сильные призывы, вместо плохих проповедников. Огромная художественная задача!
Пытаться удержать мировой разум в качестве религии очень неразумно и во всяком случае приблизительно такое же безумие, как утверждать, что единица равна трем — вопрос веры.
То, что Штраус имеет против антиномии бесконечного, страшно глупо. Он абсолютно не понимает, о чем идет речь.
27 [42]
Штраус, с. 10: «Есть вещи, которые сознание словно в полусне связывает друг с другом, но, когда пытаешься придать этим связям твердую форму в словах и предложениях, выясняется, что ничто не согласуется».
27 [43]
Религиозная реакция: «он себя колет».
27 [44]
Штраус, с. 11: «С другой стороны, мы хотим знать, сослужит ли нам это современное мировоззрение такую же службу, какую верующим сослужило христианство, и лучше ли сослужит или хуже, насколько оно пригодно к тому, чтобы основать на нем здание истинно человеческой, т. е. нравственной и благодаря этому счастливой жизни». Ответ находим на с. 366: «Кто не умеет в этом помочь себе сам, тому ничем не поможешь, тот еще не созрел для нашей точки зрения».
Это задумано как катехизис современных идей; «он стремится указать направление, следуя которому можно обрести твердую почву под ногами» — «а именно современное мировоззрение, в тяжких трудах завоеванный результат прогрессирующего изучения природы и истории». Затем он противопоставляет старую веру новой науке. Искусство и философия забыты.
27 [45]
«Роль», с. 35 дважды, с. 143.
«По незнакомым и пересеченным тысячью обрывов дорогам не ходят размеренным шагом». Но надо ли выдумывать себе танцующую походку?
27 [46]
Филистер, который ощущает себя гением или соответственно себя ведет.
27 [47]
| Мужество и последовательность. Гейне, Гегель, чувство стиля. Totum ponere и разработка. Недостаток философичности. Искусство. Христианство. |
| Он эксплуатирует аристократический гений, как Бисмарк — социал-демократию. Но Штраус против социал-демократов в пользу буржуазии — весьма неохотно. |
| Он движется перед своим «Мы», как дымовая завеса. |
27 [48]
«Кротовая изворотливость мысли».
27 [49]
Филистер, который желает вести себя как гений.
| Морально. | Мужество и последовательность, насколько далеко они простираются? | |
| Интеллектуально. | По-вольтеровски легкомыслен. Не пускается в философию. Хвалит (Кант), советует, порицает как гений. В искусстве классичен. | |
| Литературно. | Освобождается от влияния Гейне, Гегеля, но как! Хочет создать Евангелие новых идей. Гениальность плана книги! Выполнение. Пробелы. |
| Влияние на молодежь. |
27 [50]
Шопенгауэр сказал бы о Штраусе: автор, которого не стоит даже перелистать, не говоря о том, чтобы изучать, за исключением тех, кто хотел бы осознать степень современной тупости.
27 [51]
Эмпедокл говорил об агригентинцах: они так предавались наслаждениям, будто на следующий день должны были умереть, и строили так, будто собирались жить вечно. Штраус строит так, будто его книга завтра умрет, а ведет себя так, будто она не умрет вообще никогда.
27 [52]
Возникновение образованного филистера. Само по себе образование всегда дело очень узких кругов. Филистер в собственном смысле слова от него далек. Ученый — фигура переходная, он верил в классическую древность, художники казались ему сомнительными союзниками. Гегель ввел в университетское преподавание очень много эстетики. Читатели альманахов — постоянная аудитория, вечерние газеты. В 50-е годы реалисты, Юлиан Шмидт. Постепенно публика публичных лекций формируется как самостоятельная сила, у нее свои симпатии, свои условия и т. д. Филистер не ощущает ни недостатков культуры, ни воли к эксперименту у Шиллера и Гёте. Он исходит из сильного шовинизма. Чересчур поспешное усвоение Гегеля и его учеников породило мнение, будто мы на высоте.
27 [53]
| 1. | Победила ли немецкая культура? |
| 2. | Образованный филистер и культура. |
| 3. | Символ веры такого филистера. |
| 4. | Как он живет. |
| 5. | Его дух, как он проявляется в хвале и хуле, а также в оптимизме. |
| 6. | Граница его духа. |
| 7. | Религия ученых. |
| 8. | Политическая своевременность, sub specie bienii. |
| 9. | Стиль современности. |
| 10. | Totum ponere у Штрауса. |
| 11. | Стиль в деталях. |
| 12. | Заключение. |
27 [54]
Наши университеты не имеют никакого значения для искусства, это следует подчеркнуть. Штраус как крайне неэстетическая натура.
27 [55]
Из дикого месива философии, романтизма и экспериментирования всяческого рода родилась в конце концов невероятная уверенность во всем, что касается развенчаний и осуждений — от непрерывных упражнений в этом деле — и как следствие этого доверие тех, кто сам не производит, к своей собственной культуре как некоему масштабу. В чем же состояло тогда положительное? В известном довольстве, которое было противоположностью тому самому практическому экспериментированию; довольство собственной жизнью. К тому же нашлись и таланты, возвеличивавшие это чувство, идиллическую обустроенность немца, ученого и т.д. Эти довольные стали пытаться приспособить к себе классиков, а всё живое, производительное, они высокомерно отвергали; они привели себя в состояние покоя и изобрели эпоху эпигонства. Отто Ян и Моцарт. Девятая симфония и Штраус. Гервинус и Шекспир. Все великое надлежало понимать исторически. Все живые силы проявляли себя в области истории, в отрицании и разрушении выродившихся современных влечений, напр. ортодоксии. Предпосылкой всюду служил религиозный либерализм. Историческое направление сделало невозможным всякий фанатизм.
1) оно не требует никаких изменений в воспитании и т.д.
2) оно дает ученому превосходство в вопросах вкуса.
27 [56]
Филистер есть именно Philister: поразительно, как он несмотря на это постоянно испытывает желание участвовать в решении вопросов эстетики и культуры. Я думаю, переходной фигурой был школьный учитель: тот, кто в силу профессиональной необходимости занимался классической древностью и потому решил, что должен усвоить и классический вкус.
27 [57]
Давид Штраус, как исповедник и писатель.
Несвоевременные размышления
иностранца.
27 [58]
Если полемические сочинения всегда вызывают восхищение только у той партии, к которой принадлежит автор, то очень мало надежды, что это сочинение вызовет когда-нибудь восхищение. И сам Давид Штраус должен будет с огорчением признать, что его книга, вызывавшая «громкое ликование высших сословий», именно этим ликованием и опровергается. Атака на нее, которая предпринимается здесь, окажется, пожалуй, для Штрауса скорее полезной, а нападающему не повредит только потому, что он себя не называет. После этой подготовки да начнется бой: в качестве свидетелей я желаю себе именно тех, кто является сторонником новой, содержащей его символ ве- 27. 1873 547 ры книги доктора Штрауса и радуется тому, что нападающий с самого начала и добровольно выбирает себе слабую позицию. А какая позиция может быть слабее, чем позиция одинокого иностранца, который упрекает немцев в том, что эта книга имела всеобщий успех в Германии? Который расценивает ее как свидетельство падшей культуры?
27 [59]
| Претенциозность исповедания веры. Кто исповедует? Партия, Мы. Описание «Мы». Образован- ный филистер и генезис. Типичность Штрауса. | ü ý þ | Признание Штрауса в его приверженности филистерской культуре. |
| Писатель. Не хочет казаться филистером. | ü ý þ | Как писатель (он сам свидетельствует о том, что принадлежит к филистерской культуре). |
27 [60]
Одержала ли немецкая культура победу? Нет. Но она в это верит.
О том, как обстоит дело с образованием, можно понять
| 1) из самих признаний. |
| а) из того, что она решается делать признания. |
| б) из характера признаний. |
| 2) из результатов писательской работы: непосредственней. |
Результат. Над чем она одержала победу. Не над французской, но над немецкой культурой и немецким гением.
27 [61]
Победила ли немецкая культура?
Торжествующий образованный филистер. Его генезис.
Делает признания.
Его жизнь, отношение к искусству.
Философия, наглость.
Характер его мужества.
Религия ученых.
Классический писатель.
Фривольность.
Образчики стиля.
27 [62]
Да, если бы речь шла только о плохом стилисте!
Но весь народ аплодирует!
Он говорит как человек, который ежедневно читает газеты.
27 [63]
Здоровье.
Помогло восхищение древнегерманским.
Обыкновенный филистер любит трезвость и отчетливость; но Штраус слышал о простоте гения! И вот он хочет писать образно и т. п.
27 [64]
| 1872. Первое издание «Рождения трагедии». |
| 1873. Второе издание «Рождения трагедии». |
| Штраус. |
| Будущее образовательных учреждений. |
| Доплатоновские философы. |
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Филистер от культуры не знает, что культура — единство стиля.
Он успокаивается на том, что есть классики (Шиллер, Гёте, Лессинг), и забывает, что они искали культуру, но что они вовсе не фундамент, на котором можно было бы покоиться.
Потому он и не понимает серьезности еще живущих искателей культуры.
Он думает, что жизнь, гешефт следует отделять от культурного отдыха. Он не знает культуры, которая непрерывно требует.
Немецкие авторы ориентированы на подражание природе, будь то крестьянская жизнь или городская, т. е. они обречены на идиллию или на сатиру. У них отсутствует естественное отношение к высшим, чистым формам, потому что их действительность неэстетична и не дает для этого образцов.
Наше время — время нестилизованного портретного искусства, короче, иконических искусств и историографии.
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К введению. Событие для нас — не эта Штраусом написанная книга, а только ее успех. В ней нет ни одной мысли, которая стоила бы того, чтобы быть отмеченной как хорошая или новая.
У нас нет культуры, а только цивилизация с модными культурными веяниями, но еще больше с варварством.
Мы и в языке еще не имеем стиля, одни эксперименты.
Наша «культура» не могла одержать победу над французской, ибо мы как и прежде от нее зависим, а в самой французской культуре не произошло никаких изменений.
«Филистер, не желающий признавать, что он варвар» — высказывание Фишера о Гельдерлине.
У вас нет никакой культуры, не то что плохой или выродившейся, ибо и такая обнаруживала бы единство стиля.
Немецкая «беседа», как и немецкая «речь», подражательна. Наша «салонная» общительность, наши парламентские ораторы!
Где взять фундамент, на котором можно было бы строить культуру!
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По Гераклиту: умнейший филистер (человек) по сравнению с гением (богом) — обезьяна.
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Трудность стать хорошим писателем.
| 1) | Недостаток речевой культуры и практики. Порча вкуса от публичных речей. | |
| 2) | Недостаток письменной практики и строгости метода в школах. |
Несмотря на это, легко добиться похвал. Особенно от ученых. Они не обращают внимания на творческие черты, а судят по отсутствию раздражающих элементов и исходя из несколько школярского представления об образности, живости.
Лессинг кажется мастером комического диалога на сцене. Гердер — пасторальным, Гёте нравится искусством вымысла, женственностью.
Но в атмосфере газетной культуры «отсутствие раздражающих элементов» становится все большей редкостью: реакция на раздражение притупляется. Правильность почти отождествляется с трезвостью и засушенностью, которые, как кажется, гарантируют вышеуказанное «отсутствие». Писать так, как пишут все, т. е. как газетные писаки, а они хватают первое попавшееся слово.
От образов требуется, чтобы они были современными, потому что все остальные, как считается, уже были.
Дидактическое завоевывает себе доверие длинными предложениями, убеждающее, остроумное — короткими предложениями.
Напишут ли когда-нибудь позитивную лингвистику пошлого стиля? Ложное понимание элегантности! Да и откуда взяться другому?
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| Гельдерлин к Германии: |
| Ты еще медлишь, молчишь, еще обдумываешь радостный труд, |
| Который расскажет о тебе, обдумываешь новое творение, |
| Которое одно будет как ты, которое из |
| любви и блага, как ты, будет. |
| Где твой Делос, где твой Олимп, |
| Чтобы нам всем встретиться на возвышенном празднестве? |
| Но как догадаться твоему сыну, что |
| Давно готовишь ты своим, Бессмертная? |
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Неверно с. 106: «ведь давно известно, что Бог, вездесущий, не нуждается в особом месте».
С. 44: «так Шлейермахер снова на свой лад выводит богочеловека».
Дидактический смысл передается нагнетанием абстракций, убедительность достигается смешением красок, посредством «ослепления».
27 [71]
Следующая глава: Небеса в небесах — чествование героев — Лессинг.
27 [72]
Хорошо вымытые люмпены одеваются хотя и опрятно, но все равно по-люмпенски.
27 [73]
Путаница в образах.
Искусственная краткость, вызывающая неясность.
Безвкусица и взвинченность.
Ошибки.
Предисловие, с. 6: «который против нападения — обеспечил себе широкий тыл».
С. 12.
27 [74]
Изящные выражения.
27 [75]
Давид Штраус,
как исповедник и писатель.
Несвоевременные размышления
от
Фридриха Ницше.
27 [76]
Шестой и пятый века у греков.
Этически — политически.
Эстетически.
Философия.
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Все естественные науки имеют дело с законами ощущения.
Ощущение не есть действие органов чувств, а сами органы чувств известны нам лишь как ощущения. Не глаз видит, а мы видим, не мозг думает, а мы думаем. Глаз, как и мозг, дан нам абсолютно лишь как ощущение, ни в коей мере не больше, чем все вещи extra nos. Наше тело — столь же нечто вне нас, как и всё прочее, то есть оно известно нам как ощущение, как и другие вещи.
27 [78]
Предисловие.
Книга, которая в течение года выдерживает шесть больших тиражей, может, тем не менее, не иметь никакой ценности; но именно в этом случае каждому, кто не знает более важной заботы, чем забота о своем народе, чрезвычайно важно, даже необходимо, знать, что аудитория книги действительно велика. Только успех книги Штрауса, не сама книга, подтолкнул меня к нижеследующим размышлениям. Должно быть, для меня мало-помалу стало невыносимо, что среди всех возражений, которые были сделаны Штраусу, не нашлось ничего, что было бы достаточно хорошо продумано в целом и могло объяснить, каким образом такая незначительная книга снискала такой скандальный успех. Если Гёте говорит, что враги талантливой вещи бьют по костру, отчего угли разлетаются и вызывают пламя, то в этом случае я могу быть уверен по крайней мере в одном: что я не враг талантливой вещи.
27 [79]
| Новое. |
| Часть вторая: История. |
| Платон и предшественники. |
| Три исследования. |
| 2-е издание |
| Часть первая: Штраус. |
| Рождение трагедии. |
27 [80]
К заключительной главе.
Время не может принять более опасного направления, чем в том случае, когда оно от иронии над собой переходит к цинизму.
27 [81]
| История — ослабляет способность действовать и не позволяет разглядеть образцы для подражания, запутывает в массе. |
| Попусту растраченная энергия, направленная на полностью прошедшее. |
| Историческая болезнь как враг культуры. |
| Преувеличение — признак варварства. Мы преувеличиваем страсть к знаниям. |
| Лишь старик живет одними воспоминаниями. |
| Не почитать историю вы должны, а иметь мужество делать историю! |