7, 19[1-330] Sommer 1872 - Anfang 1873
19 [1]
In einer rechten Höhe kommt alles zusammen und über eins—die Gedanken des Philosophen, die Werke des Künstlers und die guten Thaten.
Es ist zu zeigen, wie das ganze Leben eines Volkes unrein und verworren das Bild widerspiegelt, das seine höchsten Genien bieten: diese sind nicht das Produkt der Masse, aber die Masse zeigt ihre Reperkussion.
Oder welches ist das Verhältniß?
Es giebt eine unsichtbare Brücke von Genius zu Genius—das ist die wahrhaft reale “Geschichte” eines Volkes, alles andere ist schattenhafte unzählige Variation in schlechterem Stoffe, Kopien ungeübter Hände.
Auch die ethischen Kräfte einer Nation zeigen sich in ihren Genien.
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Charakteristik der nachsokratischen Moralen—alle eudämonisch und individual.
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Die Welt zu umschreiben, in der der Philosoph und der Künstler zu Hause sind.
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Vorrede an Schopenhauer—Eingang zur Unterwelt—ich habe dir manches schwarze Schaf geopfert—worüber sich die andren Schafe beschweren.
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In der herrlichen Kunstwelt—wie philosophirten sie! Wenn eine Vollendung des Lebens erreicht wird, hört dann das Philosophiren auf? Nein: jetzt beginnt erst das wahre Philosophiren. Ihr Urtheil über das Dasein besagt mehr, weil es die relative Vollendung und alle Kunstschleier und Illusionen vor sich hat.
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Die Alten waren sehr viel tugendhafter als wir, weil sie so viel weniger Mode hatten.
Die tugendhafte Energie ihrer Künstler!
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Gegensatz zur Presse—die öffentlich meinende—wir die öffentlich belehrenden.
Wir haben die unsterblichen Sorgen des Volks—wir müssen frei sein von den momentanen, zeitlichen.
Bild der Aufgabe der neueren philosophischen Generation.
Die Forderung, sich selbst zu überwinden, d. h. das saeculare, den Zeitgeist.
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Charakteristik Schopenhauers: das Einsame, in der höchsten Gesellschaft.
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Jene griechischen Philosophen überwanden den Zeitgeist, um den Geist des Hellenischen nachempfinden zu können: sie drücken das Bedürfniß nach der Lösung ewiger Fragen aus.
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In der Welt der Kunst und der Philosophie baut der Mensch an einer “Unsterblichkeit des Intellekts.”
Der Wille allein ist unsterblich—damit zu vergleichen, wie elend es mit jener Unsterblichkeit des Intellekts, durch die Bildung, aussieht, die Menschenhirne voraussetzt:
man sieht, in welcher Linie dies für die Natur kommt.
— Wie kann aber das Genie zugleich das höchste Ziel der Natur sein!
Das Weiterleben durch Historie und das Weiterleben durch Zeugung.
Hier Plato’s Erzeugen im Schönen—also zur Geburt des Genius ist Überwindung der Historie nöthig, sie ist in die Schönheit zu tauchen und zu aeternisiren.
Gegen die ikonische Geschichtsschreibung! Sie hat ein barbarisirendes Element in sich.
Sie hat nur von dem Großen und Einzigen zu reden, von dem Vorbild.
Damit ist die Aufgabe der neuen philosophischen Generation erfaßt.
Alle die großen Griechen aus der Zeit der Tragödie haben nichts vom Historiker an sich:
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Der Erkenntnißtrieb ohne Auswahl steht gleich dem wahllosen Geschlechtstrieb—Zeichen der Gemeinheit
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Die Aufgabe des Philosophen, alle die verzeitlichenden Elemente mit Bewußtsein zu bekämpfen—und darum die unbewußte Aufgabe der Kunst zu unterstützen.
In beiden erreicht ein Volk die Einheit aller seiner Eigenschaften und ihre höchste Schönheit.
Die jetzige Aufgabe den Wissenschaften gegenüber.
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Der Philosoph des tragischen Zeitalters.
Der Philosoph steht nicht so ganz abseits, wie eine Ausnahme, vom Volk: der Wille will auch mit ihm etwas. Die Absicht ist die gleiche, wie bei der Kunst—seine eigne Verklärung und Erlösung. Der Wille strebt nach Reinheit und Veredelung: von einer Stufe zur Andern.
Die Daseinsform als Bildung und Kultur—der Wille auf den Köpfen der Menschen.
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Der beschränkte Erkenntnißtrieb.
Die sieben Weisen—die episch-apollinische Stufe der Philosophie.
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Die Triebe, welche die Griechen von andern Völkern unterscheiden, kommen in ihrer Philosophie zum Ausdruck.
Das aber sind gerade ihre klassischen Triebe.
Wichtig ihre Art mit der Historie umzugehen.
Die allmähliche Entartung des Historikerbegriffs im Alterthum—die Auflösung in die neugierige Allwisserei.
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Aufgabe: Die Teleologie des philosophischen Genius zu erkennen. Ist er wirklich nur ein zufällig erscheinender Wanderer? Jedenfalls hat er, wenn es ein rechter ist, nichts mit der zufälligen politischen Lage eines Volks zu thun, sondern seinem Volk gegenüber ist er zeitlos. Aber deshalb nicht mit diesem Volke zufällig verbunden—das Spezifische des Volkes kommt hier als Individuum zu Tage und zwar der Volkstrieb als Welttrieb erklärt, zur Welträthsellösung benutzt. Der Natur gelingt es einmal, ihre Triebe durch Separation rein anzuschauen. Der Philosoph ist ein Mittel, im rastlosen Strome zur Ruhe zu kommen, mit Verachtung der unendlichen Vielheit sich der bleibenden Typen bewußt zu werden.
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Der Philosoph ist ein Sich-offenbaren der Werkstätte der Natur—Philosoph und Künstler reden von den Handwerksgeheimnissen der Natur.
Über dem Getümmel der Zeitgeschichte lebt die Sphäre des Philosophen und des Künstlers, abseits der Noth.
Der Philosoph als Hemmschuh im Rade der Zeit.
Es sind die Zeiten großer Gefahr, in denen die Philosophen erscheinen—dann wenn das Rad immer schneller rollt—sie und die Kunst treten an Stelle des verschwindenden Mythus. Sie werden aber weit vorausgeworfen, weil die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen erst langsam ihnen sich zuwendet.
Ein Volk, das sich seiner Gefahren bewußt wird, erzeugt den Genius.
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Freiheit vom Mythus. Thales. Ein Element als Proteus!
Das Tragische des Daseins. Anaximander.
Das künstlerische Spiel des Kosmos. Heraclit.
Die ewige Logik. Parmenides. Der Wortkampf.
Das Erbarmen mit allem Lebenden. Empedocles. Der Sklave.
Maaß und Zahl. Pythagoras. Democrit.
(Der Wettkampf. Heraclit.)
(Liebe und Bildung. Socrates.)
Der kleinste Annahme. Anaxagoras.
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Wir dulden nicht jeden, daß er uns etwas vorphilosophirt, z. B. nicht David Strauss, dem nicht zu helfen ist, wenn er aus seiner spezifisch historisch-kritischen Luft heraustritt.
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Nach Sokrates ist das allgemeine Wohl nicht mehr zu retten, darum die individualisirende Ethik, die die Einzelnen retten will.
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Der maaßlose unwählerische Erkenntnißtrieb, mit historischem Hintergrunde, ist ein Zeichen, daß das Leben alt geworden ist: die Gefahr ist groß, daß die Individuen schlecht werden, deshalb werden ihre Interessen gewaltsam an Erkenntnißobjekte gefesselt, gleichviel welche. Die allgemeinen Triebe sind so matt geworden und halten das Individuum nicht mehr im Zaume.
Der Germane hat alle seine Beschränktheiten durch die Wissenschaften verklärt, indem er sie übertrug: Treue Bescheidenheit Selbstbeschränkung Fleiß Reinlichkeit Ordnungsliebe, es sind Familientugenden: aber auch die Formlosigkeit, die ganze Unlebendigkeit des Lebens, die Kleinlichkeit—sein unbeschränkter Erkenntnißtrieb ist die Folge eines dürftigen Lebens: er würde, ohne ihn, kleinlich und boshaft und ist es oft, trotz ihrer.
Jetzt ist uns eine höhere Form des Lebens gegeben, ein Hintergrund der Kunst—jetzt ist auch die nächste Folge ein wählerischer Erkenntnißtrieb d. h. Philosophie.
Schreckliche Gefahr: daß das amerikanische-politische Getreibe und die haltlose Gelehrtenkultur sich verschmelzen.
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Die Schönheit tritt bei dem wählerischen Erkenntnißtrieb wieder als Macht hervor.
Höchst merkwürdig, daß Schopenhauer schön schreibt! Sein Leben hat auch mehr Stil als das der Universitätslehrer—aber verkümmerte Umgebungen!
Jetzt weiß kein Mensch, wie ein gutes Buch aussieht, man muß es vormachen: sie verstehen die Composition nicht. Die Presse ruinirt dazu immer mehr das Gefühl.
Das Erhabene festhalten zu können!
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Gegen die ikonische Geschichtsschreibung und gegen die Naturwissenschaften sind ungeheure künstlerische Kräfte nöthig.
Was soll der Philosoph? Inmitten der ameisenhaften Wimmelei das Problem des Daseins, überhaupt die ewigen Probleme zu betonen.
Der Philosoph soll erkennen, was noth thut, und der Künstler soll es schaffen. Der Philosoph soll am stärksten das allgemeine Leid nachempfinden: wie die alten griechischen Philosophen jeder eine Noth ausdrückt: dort, in die Lücke hinein stellt er sein System. Er baut seine Welt in diese Lücke hinein.
Es sind alle Mittel zu sammeln, durch die es möglich ist den Menschen zur Ruhe zu retten: bei absterbenden Religionen!
Den Unterschied in der Wirkung der Philosophie und der Wissenschaft klar zu machen: und ebenso den Unterschied in der Entstehung.
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Es handelt sich nicht um eine Vernichtung der Wissenschaft, sondern um eine Beherrschung. Sie hängt nämlich in allen ihren Zielen und Methoden durch und durch ab von philosophischen Ansichten, vergißt dies aber leicht. Die beherrschende Philosophie hat aber auch das Problem zu bedenken, bis zu welchem Grade die Wissenschaft wachsen darf: sie hat den Werth zu bestimmen!
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Nachweis der barbarisirenden Wirkungen der Wissenschaften. Sie verlieren sich leicht in den Dienst der “praktischen Interessen.”
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Werth Schopenhauers, weil er naive allgemeine Wahrheiten in’s Gedächtniß ruft: er wagt es, sogenannte “Trivialitäten” schön auszusprechen.
Wir haben keine edle Popularphilosophie, weil wir keinen edlen Begriff von peuple publicum haben. Unsere Popularphilosophie ist für den peuple, nicht für das Publikum.
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Wenn wir noch je eine Kultur erringen sollen, so sind unerhörte Kunstkräfte nöthig, um den unbeschränkten Erkenntnißtrieb zu brechen, um eine Einheit wieder zu erzeugen. Höchste Würde des Philosophen zeigt sich hier, wo er den unbeschränkten Erkenntnißtrieb concentrirt, zur Einheit bändigt.
So sind die älteren griechischen Philosophen zu verstehen, sie bändigen den Erkenntnißtrieb. Wie kam es, daß nach Sokrates er allmählich aus der Hand fiel? Zunächst sehen wir selbst bei Sokrates und Schule dieselbe Tendenz: er soll eingeschränkt werden durch die individuelle Rücksicht auf Glücklich-Leben. Es ist eine letzte niedere Phase. Ehemals handelte es sich nicht um Individuen, sondern um die Hellenen.
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Die großen alten Philosophen gehören in das Allgemeinben des Hellenischen: nach Sokrates bilden sich Sekten. Allmählich verliert die Philosophie die Zügel der Wissenschaft aus den Händen.
Im Mittelalter übernimmt die Theologie die Zügel der Wissenschaft: jetzt gefährliche Emancipationszeit.
Die allgemeine Wohlfahrt will wieder eine Bändigung und dadurch zugleich Erhebung und Concentration.
Das laisser aller unserer Wissenschaft, wie bei gewissen nationalökonomischen Dogmen: man glaubt an einen unbedingt heilsamen Erfolg.
Kant hat in gewissem Sinne mit schädlich eingewirkt: denn der Glaube an die Metaphysik ist verloren gegangen. Auf sein “Ding an sich” wird niemand rechnen können, als ob es ein bändigendes Princip sei.
Jetzt begreifen wir die merkwürdige Erscheinung Schopenhauer’s: er sammelt alle Elemente, die zur Beherrschung der Wissenschaft noch taugen. Er kommt auf die tiefsten Urprobleme der Ethik und der Kunst, er wirft die Frage vom Werthe des Daseins auf.
Wunderbare Einheit Wagner’s und Schopenhauer’s! Sie entstammen dem gleichen Triebe. Die tiefsten Eigenschaften des germanischen Geistes rüsten sich hier zum Kampfe: wie bei den Griechen. Wiederkehr der Besonnenheit.
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Schilderung der ungeheuren Gefahr der Verweltlichung im 6ten und 5ten Jahrhundert: die Üppigkeit der Kolonien, der Reichthum, die Sinnlichkeit.
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Das Problem: die Kultur zu unserer Musik zu finden!
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Es ist die Methode zu bezeichnen, wie der philosophische Mensch zu leben hat.
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Zur Charakteristik der Oberflächlichkeit unserer Kultur: David Strauß, unsere Theater, unsere Dichter, unsere Kritik, unsere Schulen.
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Meine Aufgabe: den inneren Zusammenhang und die Nothwendigkeit jeder wahren Kultur zu begreifen. Die Schutz- und Heilmittel einer Kultur, das Verhältniß derselben zum Volksgenius. Die Consequenz jeder großen Kunstwelt ist eine Kultur: aber oft kommt es, durch feindselige Gegenströmungen, nicht zu diesem Ausklingen eines Kunstwerks.
Die Philosophie soll den geistigen Höhenzug durch die Jahrhunderte festhalten: damit die ewige Fruchtbarkeit alles Großen.
Für die Wissenschaft giebt es kein Groß und Klein—aber für die Philosophie! An jenem Satze mißt sich der Werth der Wissenschaft.
Das Festhalten des Erhabenen!
Welcher außerordentliche Mangel an Büchern in unserer Zeit, die eine heroische Kraft athmen!— Selbst Plutarch wird nicht mehr gelesen!
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Kant sagt (2. Vorrede zur Kritik): “ich mußte das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen, und der Dogmatismus der Metaphysik, das ist das Vorurtheil, in ihr ohne Kritik der reinen Vernunft fortzukommen, ist die wahre Quelle alles der Moralität widerstrebenden Unglaubens, der jederzeit gar sehr dogmatisch ist.” Sehr wichtig! Eine Kulturnoth hat ihn getrieben!
Sonderbarer Gegensatz “Wissen und Glauben”! Was hätten die Griechen davon gedacht! Kant kannte keinen andern Gegensatz! Aber wir!
Eine Kulturnoth treibt Kant: er will ein Gebiet vor dem Wissen retten: dorthin legt die Wurzeln alles Höchsten und Tiefsten, Kunst und Ethik—Schopenhauer.
Andrerseits sammelt er alles Wissenswürdige für alle Zeit—die ethische Volks- und Menschenweisheit (Standpunkt der 7 Weisen, der griechischen popularphilosophen).
Er zersetzt die Elemente jenes Glaubens und zeigt, wie wenig gerade der christliche Glaube dem tiefsten Bedürfniß genügt: Frage nach dem Werthe des Daseins!
Der Kampf des Wissens mit dem Wissen!
Schopenhauer macht selbst auf das uns unbewußte Denken und Wissen aufmerksam.
Die Bändigung des Erkenntnißtriebes—ob zu Gunsten einer Religion? Oder einer künstlerischen Kultur, soll sich nun zeigen; ich stehe auf der zweiten Seite.
Ich setze hinzu die Frage nach dem Werthe des historischen ikonischen Erkennens, auch der Natur.
Bei den Griechen ist es die Bändigung zu Gunsten einer künstlerischen Kultur (und Religion?), die Bändigung, welche ein volles Entfesseltsein verhüten will: wir wollen den ganz entfesselten wieder zurückbändigen.
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Der Philosoph der tragischen Erkenntniß. Er bändigt den entfesselten Wissenstrieb, nicht durch eine neue Metaphysik. Er stellt keinen neuen Glauben auf. Er empfindet den weggezogenen Boden der Metaphysik tragisch und kann sich doch an dem bunten Wirbelspiele der Wissenschaften nie befriedigen. Er baut an einem neuen Leben: der Kunst giebt er ihre Rechte wieder zurück.
Der Philosoph der desperaten Erkenntniß wird in blinder Wissenschaft aufgehen: Wissen um jeden Preis.
Für den tragischen Philosophen vollendet es das Bild des Daseins, daß das Metaphysische nur anthropomorphisch erscheint. Er ist nicht Skeptiker.
Hier ist ein Begriff zu schaffen: denn Skepsis ist nicht das Ziel. Der Erkenntnißtrieb, an seine Grenzen gelangt, wendet sich gegen sich selbst, um nun zur Kritik des Wissens zu schreiten. Die Erkenntniß im Dienste des besten Lebens.
Man muß selbst die Illusion wollen—darin liegt das Tragische.
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Der letzte Philosoph—es können ganze Generationen sein. Er hat nur zum Leben zu helfen. “Der letzte,” natürlich relativ. Für unsere Welt. Er beweist die Nothwendigkeit der Illusion, der Kunst und der das Leben beherrschenden Kunst. Es ist für uns nicht möglich, wieder eine solche Reihe von Philosophen zu erzeugen, wie Griechenland zur Zeit der Tragödie. Ihre Aufgabe erfüllt jetzt ganz allein die Kunst. Nur als Kunst ist noch so ein System möglich. Vom jetzigen Standpunkt aus fällt auch jene ganze Periode der griechischen Philosophie mit ins Bereich ihrer Kunst.
Die Bändigung der Wissenschaft geschieht jetzt nur noch durch die Kunst. Es handelt sich um Werthurtheile über das Wissen und Vielwissen.
Ungeheure Aufgabe und Würde der Kunst in dieser Aufgabe! Sie muß alles neu schaffen und ganz allein das Leben neu gebären! Was sie kann, zeigen uns die Griechen: hätten wir diese nicht, so wäre unser Glaube chimärisch.
Ob eine Religion hier hinein, in das Vacuum hinein, sich bauen kann, hängt von ihrer Kraft ab. Wir sind der Kultur zugekehrt: das “Deutsche” als erlösende Kraft!
Jedenfalls müßte die Religion, welche es könnte, eine ungeheure Liebeskraft haben: an der zerbricht auch das Wissen, wie es an der Sprache der Kunst zerbricht.
Aber vielleicht vermag die Kunst sogar sich eine Religion zu schaffen, den Mythus zu gebären? So bei den Griechen.
19 [37]
Die jetzt vernichteten Philosophien und Theologien wirken aber noch immer fort in den Wissenschaften: auch wenn die Wurzeln abgestorben sind, ist hier in den Zweigen noch eine Zeitlang Leben. Das Historische ist besonders als Gegenkraft gegen den theologischen Mythus, aber auch gegen die Philosophie, so breit entwickelt: das absolute Erkennen feiert hier und in den mathematischen Naturwissenschaften seine Saturnalien, das Geringste, was hier wirklich ausgemacht werden kann, gilt höher als alle metaphysischen Ideen. Der Grad der Sicherheit bestimmt hier den Werth, nicht der Grad der Unentbehrlichkeit für Menschen. Es ist der alte Kampf von Glauben und Wissen.
Es sind dies barbarische Einseitigkeiten.
Jetzt kann die Philosophie nur noch das Relative aller Erkenntniß betonen und das Anthropomorphische, so wie die überall herrschende Kraft der Illusion. Sie kann damit den entfesselten Erkenntnißtrieb nicht mehr hemmen: der immer mehr nach dem Grade der Sicherheit urtheilt und immer kleinere Objekte sucht. Während jeder Mensch zufrieden ist, wenn ein Tag vorbei ist, wühlt gräbt und combinirt später der Historiker nach diesem Tag, um ihn der Vergessenheit zu entreißen: das Kleine soll auch ewig sein, weil es erkennbar ist.
Für uns gilt nur der aesthetische Maaßstab: das Große hat ein Recht auf Historie, aber auf keine ikonische, sondern eine produktive erregende Geschichtsmalerei. Wir lassen die Gräber ruhn: aber bemächtigen uns des ewig Lebendigen.
Lieblingsthema der Zeit: die großen Wirkungen des Kleinsten. Das historische Wühlen hat z. B. als Ganzes etwas Großartiges: es ist wie die dürftige Vegetation, die allmählich die Alpen zerreibt. Wir sehen einen großen Trieb, der kleine Werkzeuge, aber großartig viele hat.
Man könnte dagegen stellen: die kleinen Wirkungen des Großen! wenn es nämlich durch Individuen vertreten wird. Es ist schwer zu fassen, oft stirbt die Tradition weg, der Haß dagegen ist allgemein, sein Werth beruht auf der Qualität, die hat immer wenig Schätzer.
Das Große wirkt nur auf das Große: wie die Fackelpost im Agamemnon nur von Höhe zu Höhe springt. Es ist die Aufgabe einer Kultur, daß das Große in einem Volke nicht als Einsiedler erscheint, noch als Verbannter.
Deshalb wollen wir reden, was wir empfinden: es ist nicht unsere Sache zu warten, bis der matte Abglanz dessen, was mir hell erscheint, auch bis in die Thäler dringt. Zuletzt nämlich sind die großen Wirkungen des Kleinsten eben die Nachwirkungen der Großen; sie haben eine Lawine in’s Rollen gebracht. Nun haben wir Mühe, sie aufzuhalten.
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Das Historische und die Naturwissenschaften waren nöthig gegen das Mittelalter: das Wissen gegen den Glauben. Wir richten jetzt gegen das Wissen die Kunst: Rückkehr zum Leben! Bändigung des Erkenntnißtriebes! Stärkung der moralischen und ästhetischen Instinkte!
Dies erscheint uns als Rettung des deutschen Geistes, damit er wieder Retter sei!
Das Wesen dieses Geistes ist uns in der Musik aufgegangen. Wir verstehen jetzt, wie die Griechen ihre Kultur von der Musik abhängig machten.
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Die Schöpfung einer Religion würde darin liegen, daß einer für sein in das Vacuum hineingestelltes mythisches Gebäude Glauben erweckt, d. h. daß er einem außerordentlichen Bedürfnisse entspricht.
Es ist unwahrscheinlich, daß das je wieder geschieht, seit der Kritik der reinen Vernunft.
Dagegen kann ich mir eine ganz neue Art des Philosophen-Künstlers imaginiren, der ein Kunstwerk hinein in die Lücke stellt, mit ästhetischem Werthe.
Das Gutsein und das Mitleiden ist glücklicherweise unabhängig vom Verderben und Gedeihen einer Religion: dagegen ist das Guthandeln sehr bestimmt durch religiöse Imperative. Die weitaus größte Masse der guten pflichtmäßigen Handlungen hat keinen ethischen Werth, sondern ist erzwungen.
Die praktische Moralität wird bei allem Zusammenbrechen einer Religion sehr leiden. Die strafende und belohnende Metaphysik scheint unentbehrlich.
Wenn man die Sitte, die mächtige Sitte schaffen kann! Damit hat man auch die Sittlichkeit.
Die Sitte aber durch Vorangehn einzelner mächtiger Persönlichkeiten gebildet.
Auf erwachende Güte in der Masse der Besitzenden rechne ich nicht, wohl aber könnte man sie zu einer Sitte bringen, zu einer Pflicht gegen das Herkommen.
Wenn die Menschheit, was sie bis jetzt auf den Bau von Kirchen, auf Erziehung und Schulen verwendet, wenn sie den Intellekt, den sie auf Theologie, jetzt auf Erziehung richtet.
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Die freidichtende Art, wie die Griechen mit ihren Göttern umgiengen!
Wir sind an den Gegensatz von historischer Wahrheit und Unwahrheit zu sehr gewöhnt. Es ist komisch, daß die christlichen Mythen durchaus historisch sein sollen!
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Das Problem einer Kultur selten richtig gefaßt. Ihr Ziel ist nicht das größtmögliche Glück eines Volkes, auch nicht die ungehinderte Entwicklung aller seiner Begabungen: sondern in der richtigen Proportion dieser Entwicklungen zeigt sie sich. Ihr Ziel zeigt über das Erdenglück hinaus: die Erzeugung großer Werke ist ihr Ziel.
In allen griechischen Trieben zeigt sich eine bändigende Einheit: nennen wir sie den hellenischen Willen. Jeder dieser Triebe versucht allein in’s Unendliche zu existiren. Die alten Philosophen versuchen aus ihnen die Welt zu construiren.
Die Kultur eines Volkes offenbart sich in der einheitlichen Bändigung der Triebe dieses Volkes: die Philosophie bändigt den Erkenntnißtrieb, die Kunst den Formentrieb und die Ekstasis, die den usw.
Die Erkenntniß isolirt: die älteren Philosophen stellen isolirt dar, was die griechische Kunst zusammen erscheinen läßt.
Der Inhalt der Kunst und der alten Philosophie fällt zusammen, aber als Philosophie sehen wir die isolirten Bestandtheile der Kunst verwendet, um den Erkenntnißtrieb zu bändigen. Das muß sich auch bei den Italiänern zeigen lassen: der Individualismus im Leben und der Kunst.
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Die Griechen als Entdecker und Reisende und Kolonisatoren. Sie verstehen zu lernen: ungeheure Aneignungskraft. Unsre Zeit soll nicht glauben, in ihrem Wissenstrieb so viel höher zu stehen: nur wurde bei den Griechen alles Leben! Bei uns bleibt es Erkenntniß!
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Wenn es auf den Werth der Erkenntniß ankommt, anderseits ein schöner Wahn, wenn nur an ihn geglaubt wird, ganz den gleichen Werth wie eine Erkenntniß hat, so sieht man, daß das Leben Illusionen braucht, d. h. für Wahrheiten gehaltene Unwahrheiten. Es braucht den Glauben an die Wahrheit, aber es genügt dann die Illusion, d. h. die “Wahrheiten” beweisen sich durch ihre Wirkungen, nicht durch logische Beweise, Beweise der Kraft. Das Wahre und das Wirkende gilt für identisch, man beugt sich der Gewalt auch hier. Wie kommt es dann, daß ein logisches Wahrheitsbeweisen überhaupt stattfand? Im Kampf von “Wahrheit” und “Wahrheit” suchen sie die Alliance der Reflexion. Alles wirkliche Wahrheitsstreben ist in die Welt gekommen durch den Kampf um eine heilige Überzeugung, durch das des Kämpfens: sonst hat der Mensch kein Interesse für den logischen Ursprung.
19 [44]
Zweck, die Teleologie des Philosophen inmitten der Kultur zu bestimmen.
Wir fragen die Griechen, in der Zeit, in der eine Einheit in ihrer Kultur war.
Wichtig: es giebt auch für die reichste Kultur die Philosophie. Wozu?
Wir fragen die großen Philosophen. Ach, sie sind zu Grunde gegangen! Wie leichtfertig verfährt die Natur!
19 [45]
Wie verhält sich der philosophische Genius zur Kunst? Aus dem direkten Verhalten ist wenig zu lernen. Wir müssen fragen: was ist an seiner Philosophie Kunst? Kunstwerk? Was bleibt, wenn sein System als Wissenschaft vernichtet ist? Gerade dieses Bleibende aber muß es sein, was den Wissenstrieb bändigt, also das Künstlerische daran. Warum ist eine solche Bändigung nöthig? Denn wissenschaftlich betrachtet, ist es eine Illusion, eine Unwahrheit, die den Trieb nach Erkenntniß täuscht und nur vorläufig befriedigt. Der Werth der Philosophie in dieser Bändigung liegt nicht in der Erkenntnißsphäre, sondern in der Lebenssphäre: der Wille zum Dasein benutzt die Philosophie zum Zwecke einer höheren Daseinsform.
Es ist nicht möglich, daß Kunst und Philosophie sich gegen den Willen richten könnten: aber ebenfalls die Moral ist in seinem Dienste. Allherrschaft des Willens. Eine der zartesten Daseinsformen das relative Nirvana.
19 [46]
Es ist alles so bestimmt wie möglich zu sagen und jeder terminus, auch “Wille,” bei Seite zu lassen.
19 [47]
Die Schönheit und die Großartigkeit einer Weltconstruktion (alias Philosophie) entscheidet jetzt über ihren Werth—d. h. sie wird als Kunst beurtheilt. Ihre Form wird sich wahrscheinlich verändern! Die starre mathematische Formel (wie bei Spinoza)—die auf Göthe einen so beruhigenden Eindruck machte, hat eben nur noch als ästhetisches Ausdrucksmittel ein Recht.
19 [48]
Der Satz ist festzustellen—wir leben nur durch Illusionen—unser Bewußtsein streift die Oberfläche. Vieles ist vor unsern Blicken verborgen. Es ist auch nie zu fürchten, daß der Mensch sich ganz erkennt, daß er in jedem Augenblicke alle die Gesetze der Hebelkräfte, der Mechanik, alle die Formeln der Baukunst, der Chemie, die zu seinem Leben nöthig sind, durchschaue. Wohl aber ist möglich, daß durch Schema alles erkannt werde. Das ändert für unser Leben fast nichts. Zudem sind es alles nur Formeln für absolut unerkennbare Kräfte.
19 [49]
Wir leben allerdings durch die Oberflächlichkeit unseres Intellekts in einer fortwährenden Illusion: d. h. wir brauchen, um zu leben, in jedem Augenblicke die Kunst. Unser Auge hält uns an den Formen fest. Wenn wir es aber selbst sind, die allmählich uns dies Auge anerzogen haben, so sehen wir in uns selbst eine Kunstkraft walten. Wir sehen also in der Natur selbst Mechanismen gegen das absolute Wissen: der Philosoph erkennt die Sprache der Natur und sagt: “wir brauchen die Kunst” und “Wir bedürfen nur eines Theils des Wissens.”
19 [50]
Jede Art von Kultur beginnt damit, daß eine Menge von Dingen verschleiert werden. Der Fortschritt des Menschen hängt an diesem Verschleiern—das Leben in einer reinen und edlen Sphäre und das Abschließen der gemeineren Reizungen. Der Kampf gegen die “Sinnlichkeit” durch die Tugend ist wesentlich ästhetischer Art. Wenn wir die großen Individuen als unsere Leitsterne gebrauchen, so verschleiern wir viel an ihnen, ja wir verhüllen alle die Umstände und Zufälle, die ihr Entstehen möglich machen, wir isoliren sie uns, um sie zu verehren. Jede Religion enthält so ein Element: die Menschen unter göttlicher Obhut, als etwas unendlich Wichtiges. Ja, alle Ethik beginnt damit, daß wir das einzelne Individuum unendlich wichtig nehmen—anders als die Natur, die grausam und spielend verfährt. Wenn wir besser und edler sind, so haben es die isolirenden Illusionen gemacht!
Dem stellt nun die Naturwissenschaft die absolute Naturwahrheit entgegen: die höhere Physiologie wird freilich die künstlerischen Kräfte schon in unserem Werden begreifen, ja nicht nur in dem des Menschen, sondern des Thieres: sie wird sagen, daß mit dem Organischen auch das Künstlerische beginnt.
19 [51]
| Die Konsequenzen der Kantischen Lehre. Ende der Metaphysik als Wissenschaft. |
| Die barbarisirende Einwirkung des Wissens. |
| Die Bändigung des Wissens als Trieb der Kunst. |
| Wir leben nur durch diese Illusionen der Kunst. |
| Jede höhere Kultur ist es durch diese Bändigung. |
| Die philosophischen Systeme der älteren Griechen. |
| Es offenbart sich dieselbe Welt, die die Tragödie schuf. |
| Hier begreifen wir die Einheit der Philosophie und der Kunst zum Zweck der Kultur. |
| Der ästhetische Begriff des Großen und Erhabenen: dazu zu erziehn die Aufgabe. Die Kultur abhängig von der Art, wie man “das Große” definirt. |
19 [52]
Das absolute Wissen führt zum Pessimismus: die Kunst ist das Heilmittel dagegen.
Die Philosophie ist zur Bildung unentbehrlich, weil sie das Wissen in eine künstlerische Weltconception hineinzieht und dadurch veredelt.
19 [53]
Die Sorge, daß das ewige Werk der Menschheit nicht vorenthalten werde und nicht zu Grunde gehe, bestimmte Schopenhauer durchaus: er kannte das Schicksal Heraklits, und seine erste Auflage wurde eingestampft! Er hatte die Vorsorge eines Vaters: alle die unangenehmen Züge seines Wesens, sein Umgang mit Litteraten wie Frauenstädt ist hierher zu erklären. Die Ruhmsucht ist hier ein vorsorglicher Instinkt zu Gunsten der Menschheit: er kannte den Lauf der Welt.
Man kann sich gewiß noch eine größere Erhabenheit über die Menschheit denken: dann hätte er aber nicht geschrieben! Er sehnte sich nach dem Weiterzeugen im Schönen!
19 [54]
Die chemischen Verwandlungen in der unorganischen Natur sind vielleicht auch künstlerische Prozesse, mimische Rollen zu nennen, die eine Kraft spielt: es giebt aber mehrere! die sie spielen kann.
19 [55]
Denen, welche nur eine gelehrte Befriedigung dabei empfinden wollen, habe ich es nicht leicht gemacht, weil ich auf sie zuletzt gar nicht rechnete. Die Citate fehlen.
19 [56]
Mit dem Eigenthum weiser Sprüche nahm es das Zeitalter der sieben Weisen nicht genau, aber sehr wichtig, wenn erst Jemand einen Spruch annektirte.
19 [57]
Die Chronologie der griechischen Philosophen.
Rhythmus.
Choephoren.
19 [58]
Die Philologen dieser Zeit haben sich als unwürdig erwiesen, mich und mein Buch zu sich rechnen zu dürfen: es bedarf kaum der Versicherung, daß auch in diesem Falle ich es ihnen anheim gebe, ob sie etwas lernen wollen oder nicht, fühle mich aber nicht geneigt, ihnen irgendwie entgegenzukommen.
Das was sich jetzt “Philologie” nennt und was ich mit Absicht nur neutral bezeichne, möge auch diesmal mein Buch übersehen: denn es ist männlicher Natur und taugt nicht für Castraten. Denen geziemt vielmehr am Conjekturenwebstuhl zu sitzen.
19 [59]
Über die und ihren Ursprung (in der Geschichte der älteren Philosophen).
Apollodor bekämpft sie: wer hat sie aufgestellt?
19 [60]
Die Entstehung philosophischer Secten im griechischen Alterthum.
Aus der tiefsten Umwandlung des hellenischen Geistes.
Anfang mit den Pythagoreern, von denen lernt es Plato.
Die Akademie giebt den Typus an. Es sind Oppositionsanstalten gegen das hellenische Leben.
Die früheren Philosophen sind Isolirungen einzelner Triebe des hellenischen Wesens.
Wir erleben den Übergang des philosophischen Sektengeistes in das Kulturbewußtsein, Übergang der Philosophie in die Kultur. Dort Scheidung der Philosophie und der Kultur.
Die Oberflächlichkeit aller nachsokratischen Ethik! Die tiefe hellenische ältere Ethik hat sich nicht In Worten und Begriffen darstellen lassen.
19 [61]
Heraklit in seinem Hasse gegen das Dionysische Element, auch gegen Pythagoras, auch gegen das viele Wissen. Er ist ein apollinisches Produkt und redet Orakel, deren Wesen man sich und ihm deuten muß. Er empfindet das Leiden nicht, aber die Dummheit.
19 [62]
Große Verlegenheit, ob de Philosophie eine Kunst oder eine Wissenschaft ist.
Es ist eine Kunst in ihren Zwecken und in ihrer Produktion. Aber das Mittel, die Darstellung in Begriffen, hat sie mit der Wissenschaft gemein. Es ist eine Form der Dichtkunst.— Sie ist nicht unterzubringen: deshalb müssen wir eine Species erfinden und charakterisiren.
Die Naturbeschreibung des Philosophen. Er erkennt, indem er dichtet, und dichtet, indem er erkennt.
Er wächst nicht, ich meine, die Philosophie nimmt nicht den Verlauf, wie die andern Wissenschaften: wenn auch irgend welche Gebiete des Philosophen allmählich in die Hände der Wissenschaft übergehen. Heraklit kann nie veralten. Es ist die Dichtung außer den Grenzen der Erfahrung, Fortsetzung des mythischen Triebes—auch wesentlich in Bildern. Die mathematische Darstellung gehört nicht zum Wesen des Philosophen.
Überwindung des Wissens durch mythenbildende Kräfte. Kant merkwürdig—Wissen und Glauben! Innerste Verwandtschaft der Philosophen und der Religionsstifter!
19 [63]
Sonderbares Problem: das sich Verzehren der philosophischen Systeme! Unerhört für die Wissenschaft wie für die Kunst! Ähnlich steht es mit den Religionen: das ist merkwürdig und bezeichnend.
19 [64]
Die Illusion nöthig für das empfindende Wesen, um zu leben.
Die Illusion nöthig, um in der Kultur fortzuschreiten.
Was will der unersättliche Erkenntnißtrieb?
— Jedenfalls ist er kulturfeindlich.
Die Philosophie sucht ihn zu bändigen; ist ein Mittel der Kultur.
Die älteren Philosophen.
19 [65]
Durchaus unpersönlich und kalt zu schreiben. Kein “ich” und “wir.”
19 [66]
Unser Verstand ist eine Flächenkraft, ist oberflächlich. Das nennt man auch “subjektiv.” Er erkennt durch Begriffe: das heißt unser Denken ist ein Rubriziren, ein Benamsen. Also etwas, was auf eine Willkür des Menschen hinausläuft und nicht das Ding selbst trifft. Nur rechnen und nur in den Formen des Raumes hat der Mensch absolute Erkenntniß d. h. die letzte Grenze alles Erkennbaren sind Quantitäten, er versteht keine Qualität, sondern nur eine Quantität.
Was kann der Zweck einer solchen Flächenkraft sein?
Dem Begriff entspricht zuerst das Bild, Bilder sind Urdenken d. h. die Oberflächen der Dinge im Spiegel des Auges zusammengefaßt.
Das Bild ist das eine, das Rechenexempel das andre.
Bilder in menschlichen Augen! Das beherrscht alles menschliche Wesen: vom Auge aus! Subjekt! das Ohr hört den Klang! Eine ganz andere wunderbare Conception derselben Welt.
Auf der Ungenauigkeit des Sehens beruht die Kunst. Auch beim Ohr Ungenauigkeit in Rhythmus, Temperatur usw. darauf beruht wiederum die Kunst.
19 [67]
Es ist eine Kraft in uns, die die großen Züge des Spiegelbildes intensiver wahrnehmen läßt, und wieder eine Kraft, die den gleichen Rhythmus auch über die wirkliche Ungenauigkeit hinweg betont. Dies muß eine Kunstkraft sein. Denn sie schafft. Ihr Hauptmittel ist weglassen und übersehen und überhören. Also antiwissenschaftlich: denn sie hat nicht für alles Wahrgenommene ein gleiches Interesse.
Das Wort enthält nur ein Bild, daraus der Begriff. Das Denken rechnet also mit künstlerischen Größen.
Alles Rubriziren ist ein Versuch zum Bilde zu kommen.
Zu jedem wahren Sein verhalten wir uns oberflächlich, wir reden die Sprache des Symbols, des Bildes: sodann thun wir etwas hinzu, mit künstlerischer Kraft, indem wir die Hauptzüge verstärken, die Nebenzüge vergessen.
19 [68]
Apologie der Kunst.
Thales längst vorbei—aber ein Bildner, am Wasserfall stehend, wird ihm doch noch Recht geben.
19 [69]
Unser öffentliches staatliches und sociales Leben läuft auf ein Gleichgewicht der Egoismen hinaus: Lösung der Frage, wie man ein leidliches Dasein, ohne jede Liebeskraft, rein aus der Klugheit der betheiligten Egoismen erziele.
Diese Zeit hat einen Haß auf die Kunst, wie auf die Religion. Sie will weder eine Abfindung durch einen Hinweis auf das Jenseits, noch durch einen Hinweis auf die Verklärung der Kunstwelt. Sie hält das für unnütze “Poesie,” Spaß usw. Unsre “Dichter” entsprechen. Aber die Kunst als furchtbarer Ernst! Die neue Metaphysik als furchtbarer Ernst! Wir wollen euch die Welt noch so umstellen mit Bildern, daß euch schaudert. Das aber steht in unserer Hand! Verstopft euch die Ohren, eure Augen werden unseren Mythus sehen. Unsere Flüche werden euch treffen!
Die Wissenschaft muß ihre Utilität jetzt zeigen! Sie ist zur Ernährerin geworden, im Dienste des Egoismus: der Staat und die Gesellschaft haben sie in ihren Frohndienst genommen, um sie auszubeuten zu ihren Zwecken.
Der normale Zustand ist der Krieg: wir schließen Frieden nur auf bestimmte Zeiten.
19 [70]
Es ist mir nöthig zu wissen, wie die Griechen zur Zeit ihrer Kunst philosophirt haben. Die sokratischen Schulen saßen inmitten eines Meeres der Schönheit—was merkt man davon bei ihnen? Ungeheurer Aufwand wird für die Kunst gemacht. Die Sokratiker haben entweder ein feindseliges oder theoretisches Verhalten dazu.
Dagegen waltet in den älteren Philosophen zum Theil ein ähnlicher Trieb, wie der, welcher die Tragödie schuf.
19 [71]
Der Begriff des Philosophen und die Typen.— Was ist allen gemeinsam?
Er ist entweder seiner Kultur entsprungen oder ihr feindlich.
Er ist beschaulich wie der bildende Künstler, mitempfindend wie der Religiöse, causal wie der Mann der Wissenschaft: er sucht alle Töne der Welt in sich nachklingen zu lassen und diesen Gesammtklang aus sich heraus zu stellen in Begriffen. Das Aufschwellen zum Makrokosmos und dabei besonnenes Betrachten—wie der Schauspieler oder der dramatische Dichter, der sich verwandelt und dabei die Besonnenheit behält, nach außen sich zu projiciren.
Das dialektische Denken als Sturzbad darüber gegossen.
Merkwürdig Plato: Enthusiast der Dialektik d. h. jener Besonnenheit.
19 [72]
Die Philosophen. Naturbeschreibung des Philosophen.
Der Philosoph neben dem wissenschaftlichen Menschen und dem Künstler.
| Bändigung | des Erkenntnißtriebes durch die Kunst, des religiösen Einheitstriebes durch den Begriff. |
Sonderbar das Nebeneinander von Conception und Abstraktion.
Bedeutung für die Kultur.
Die Metaphysik als Vacuum.
19 [73]
Der Philosoph der Zukunft? er muß das Obertribunal einer künstlerischen Kultur werden, gleichsam die Sicherheitsbehörde gegen alle Ausschreitungen.
19 [74]
Wir werden doch nicht alles Rubriziren, alle Allgemeinbegriffe als “philosophisch” bezeichnen. Ebensowenig alles Unbewußte und Intuitive: auch selbst bei der philologischen Conjektur giebt es ein Erzeugen, das nicht ganz in bewußtes Denken aufzulösen ist.
19 [75]
Das philosophische Denken ist mitten in allem wissenschaftlichen Denken zu spüren: selbst bei der Conjektur. Es springt voraus auf leichten Stützen: schwerfällig keucht der Verstand hinter drein und sucht bessere Stützen, nachdem ihm das lockende Zauberbild erschienen ist. Ein unendlich rasches Durchfliegen großer Räume! Ist es nur die größere Schnelligkeit? Nein. Es ist Flügelschlag der Phantasie, d. h. ein Weiterspringen von Möglichkeit zu Möglichkeit, die einstweilen als Sicherheiten genommen werden. Hier und da von Möglichkeit zu einer Sicherheit und wieder zu einer Möglichkeit.—
Was ist aber eine solche “Möglichkeit”? Ein Einfall z. B. “es könnte vielleicht.” Aber wie kommt der Einfall? Mitunter zufällig äußerlich: ein Vergleichen, das Entdecken irgend einer Analogie findet statt. Nun tritt eine Erweiterung ein. Die Phantasie besteht im schnellen Ähnlichkeiten-schauen. Die Reflexion mißt nachher Begriff an Begriff und prüft. Die Ähnlichkeit soll ersetzt werden durch Causalität.
Ist denn nun “wissenschaftliches” Denken und “philosophisches” nur durch die Dosis verschieden? Oder vielleicht durch die Gebiete?
19 [76]
Es giebt keine aparte Philosophie, getrennt von der Wissenschaft: dort wie hier wird gleich gedacht. Daß ein unbeweisbares Philosophiren noch einen Werth hat, mehr als meistens ein wissenschaftlicher Satz, hat seinen Grund in dem aesthetischen Werthe eines solchen Philosophirens, d. h. durch Schönheit und Erhabenheit. Es ist als Kunstwerk noch vorhanden, wenn es sich als wissenschaftlicher Bau nicht erweisen kann. Ist das aber bei wissenschaftlichen Dingen nicht ebenso? —
Mit anderen Worten: es entscheidet nicht der reine Erkenntnißtrieb, sondern der aesthetische : die wenig erwiesene Philosophie des Heraklit hat einen größeren Kunstwerth als alle Sätze des Aristoteles.
Der Erkenntnißtrieb wird also gebändigt durch die Phantasie in der Kultur eines Volkes. Dabei ist der Philosoph vom höchsten Wahrheitspathos erfüllt: der Werth seiner Erkenntniß verbürgt ihm ihre Wahrheit. Alle Fruchtbarkeit, und alle treibende Kraft liegt in diesen vorausgeworfnen Blicken.
19 [77]
Die Phantasieerzeugung kann man im Auge beobachten. Ähnlichkeit führt zur kecksten Fortbildung: aber auch ganz andre Verhältnisse, Contrast den Contrast, und unaufhörlich. Hier sieht man die außerordentliche Produktivität des Intellekts. Es ist ein Bilderleben.
19 [78]
Man muß beim Denken schon haben, was man sucht, durch Phantasie—dann erst kann die Reflexion es beurtheilen. Dies thut sie, indem sie es an gewöhnlichen und häufig erprobten Ketten mißt.
Was ist eigentlich “logisch” beim Bilderdenken? —
Der nüchterne Mensch braucht die Phantasie wenig und hat sie wenig.
Es ist jedenfalls etwas Künstlerisches, dieses Erzeugen von Formen, bei denen dann der Erinnerung etwas einfällt: diese Form hebt sie heraus und verstärkt sie dadurch. Denken ist ein Herausheben.
Es ist viel mehr von Bilderreihen im Gehirn, als zum Denken verbraucht wird: der Intellekt wählt schnell ähnliche Bilder: das Gewählte erzeugt wieder eine ganze Fülle von Bildern: schnell aber wählt er wieder eines davon usw.
Das bewußte Denken ist nur ein Herauswählen von Vorstellungen. Es ist ein langer Weg bis zur Abstraktion.
1) Die Kraft, die die Bilderfülle erzeugt 2) die Kraft, welche das Ähnliche auswählt und betont.
Fieberkranke an Wänden und Tapeten verfahren so, nur projiciren die Gesunden die Tapete mit.
19 [79]
Es ist zwiefach eine künstlerische Kraft da, die bildererzeugende und die auswählende.
Die Traumeswelt beweist die Richtigkeit: der Mensch geht hier nicht bis zur Abstraktion weiter, oder: er wird nicht von den Bildern, die durch’s Auge einströmen, geleitet und modificirt.
Sieht man jene Kraft näher an, so ist hier auch kein künstlerisches ganz freies Erfinden: das wäre etwas Willkürliches, also Unmögliches. Sondern die feinsten Ausstrahlungen von Nerventhätigkeit auf einer Fläche gesehn: sie verhalten sich wie die Chladni’schen Klangfiguren zu dem Klang selbst: so diese Bilder zu der darunter sich bewegenden Nerventhätigkeit. Das allerzarteste sich Schwingen und Zittern! Der künstlerische Prozeß ist physiologisch absolut bestimmt und nothwendig. Alles Denken erscheint uns auf der Oberfläche als willkürlich, als in unserem Belieben: wir bemerken die unendliche Thätigkeit nicht.
Einen künstlerischen Vorgang ohne Gehirn zu denken ist eine starke Anthropopathie: aber ebenso steht es mit dem Willen, der Moral usw.
Das Begehren ist doch nur eine physiologische Ubertät, die sich entladen möchte, und einen Druck bis zum Gehirn ausübt.
19 [80]
Resultat: es kommt nur auf die Grade und Quantitäten an: alle Menschen sind künstlerisch philosophisch wissenschaftlich usw.
Unsre Werthschätzung bezieht sich auf Quantitäten, nicht auf Qualitäten. Wir verehren das Große. Das ist freilich auch das Unnormale.
Denn die Verehrung der großartigen Wirkungen des Kleinen ist nur ein Staunen vor dem Resultat und dem Mißverhältniß der kleinsten Ursache. Nur indem wir sehr viele Wirkungen zusammenaddiren und als Einheit anschauen, haben wir den Eindruck der Größe: d. h. wir erzeugen, durch diese Einheit, die Größe.
Die Menschheit wächst aber nur durch die Verehrung des Seltnen Großen. Selbst das als Selten Groß Gewähnte, z. B. das Wunder, übt diese Wirkung. Das Erschrecken ist der Menschheit bestes Theil.
19 [81]
Das Träumen als die auswählende Fortsetzung der Augenbilder.
Im Reiche des Intellekts ist alles Qualitative nur ein Quantitatives. Zu den Qualitäten führt uns der Begriff, das Wort.
19 [82]
Vielleicht kann der Mensch nichts vergessen. Die Operation des Sehens und des Erkennens ist viel zu complicirt, als daß es möglich wäre, sie völlig wieder zu verwischen, d. h. alle Formen, die einmal vom Gehirn und Nervensystem erzeugt sind, wiederholt es von jetzt ab so oft. Eine gleiche Nerventhätigkeit erzeugt das gleiche Bild wieder.
19 [83]
Das philosophische Denken ist spezifisch gleichartig mit dem wissenschaftlichen, aber bezieht sich auf große Dinge und Angelegenheiten. Der Begriff der Größe ist aber ein wandelbarer, theils ästhetisch, theils moralisch. Es ist eine Bändigung des Erkenntnißtriebes. Darin liegt die Kulturbedeutung.
Wenn aber die Metaphysik beseitigt ist, dann wird allmählich der Menschheit manches Andere wieder groß erscheinen. Ich meine, die Philosophen werden andere Gebiete bevorzugen: und hoffentlich die, wo sie auf die neue Kultur heilsam einwirken.
Es ist eine Gesetzgebung der Größe, ein “Namengeben” mit der Philosophie verbunden: “das ist groß” sagt er und dadurch erhebt er den Menschen. Es beginnt mit der Gesetzgebung der Moral: “das ist groß,” Standpunkt der sieben Weisen, den die Römer in guter Zeit nie verlassen haben.
19 [84]
Das eigentliche Material alles Erkennens sind die allerzartesten Lust- und Unlustempfindungen: auf jener Fläche, in die die Nerventhätigkeit in Lust und Schmerz Formen hinzeichnet, ist das eigentliche Geheimniß: das, was Empfindung ist, projicirt zugleich Formen, die dann wieder neue Empfindungen erzeugen.
Es ist das Wesen der Lust- und Unlustempfindung, sich in adäquaten Bewegungen auszudrücken: dadurch daß diese adäquaten Bewegungen wieder andere Nerven zur Empfindung veranlassen, entsteht die Empfindung des Bildes.
19 [85]
Weisheit und Wissenschaft.
Über die Philosophen.
Arthur Schopenhauer dem Unsterblichen geweiht.
19 [86]
und. enthält das Wählende in sich, das Geschmackhabende: während sich die Wissenschaft ohne solchen Feingeschmack auf alles Wissenswürdige stürzt.
19 [87]
Auch bei dem Bilderdenken hat der Darwinismus Recht: das kräftigere Bild verzehrt die geringeren.
19 [88]
“Im lieben niederträchtigen Deutschland!”
19 [89]
Was ist der Philosoph? Zu beantworten an den alten Griechen?
Thales. Mytholog und Philosoph.
Anaximander. Tragische Weltbetrachtung. Tragödie.
Heraclit. Illusion. Künstlerisches im Philosophen. Kunst.
Pythagoras. Mystik und Philosophie. Religion.
Anaxagoras. Zwecke. Geist und Materie.
Parmenides. Zeno. Das Logische. Logik.
Empedocles. Liebe Haß. Recht und Liebesmoral. Moral.
Democrit. Zahl und Maß, Aussicht aller Physik. Naturphilosophie.
Pythagoreer. Das Sektenwesen.
Socrates. Der Philosoph und die Kultur. Cultur.
Entstehung der Philosophen und—das Philosophentribunal für die Kultur der Zukunft.
19 [90]
Ob das Denken mit Lust oder Unlust vor sich geht, ist ganz wesentlich: wem es rechte Beschwerde macht, der ist eben weniger dazu angelegt und wird wohl auch weniger weit kommen: er zwingt sich und in diesem Bereich ist es nichts nütze.
19 [91]
Alle Naturwissenschaft ist nur ein Versuch, den Menschen, das Anthropologische zu verstehen: noch richtiger, auf den ungeheuersten Umwegen immer zum Menschen zurückzukommen. Das Aufschwellen des Menschen zum Makrokosmos, um am Ende zu sagen “du bist am Ende, was du bist.”
19 [92]
Mitunter erweist sich das durch Sprünge erreichte Resultat sofort als wahr und fruchtbar, von seinen Consequenzen aus.
Wird ein genialer Forscher von einer richtigen Ahnung geleitet? Ja, er sieht eben Möglichkeiten, ohne zureichende Stützen: daß er aber so etwas für möglich hält, zeigt seine Genialität. Er überschlägt sehr schnell das ungefähr für ihn Beweisbare.
Der Mißbrauch der Erkenntniß im ewigen Wiederholen von Experimenten und von Materialsammeln, während der Schluß sich schon aus wenigen ergiebt. Auch in der Philologie ist es so: die Vollständigkeit des Materials ist in vielen Fällen etwas Unnützes.
19 [93]
Auch das Moralische hat keine andere Quelle als den Intellekt, aber die verbindende Bilderkette wirkt hier anders als bei dem Künstler und Denker: sie reizt zur That. Ganz gewiß ist das Empfinden des Ähnlichen, das Identificiren nothwendige Voraussetzung. Sodann Erinnerung an eignen Schmerz. Gut sein hieße also: sehr leicht identificiren und sehr schnell. Es ist also eine Verwandlung, ähnlich wie bei dem Schauspieler.
Alle Rechtschaffenheit und alles Recht dagegen kommt aus einem Gleichgewicht der Egoismen: gegenseitige Anerkennung sich nicht zu schädigen. Also aus Klugheit. In der Form von festen Grundsätzen sieht es dann wieder anders aus: als Charakterfestigkeit. Liebe und Recht Gegensätze: Kulminationspunkt Aufopfern für die Welt.
Das Vorausnehmen von möglichen Unlustempfindungen bestimmt die Handlung des rechtlichen Menschen: er kennt empirisch die Folgen der Verletzung des Nächsten: aber auch der Verletzung seiner selbst.
Dagegen ist die christliche Ethik der Gegensatz: sie beruht auf dem Identificiren seiner selbst mit dem Nächsten, anderen wohlthun ist hier ein Sich-selbst-wohlthun, mit anderen leiden ist hier gleich dem eignen Leid. Liebe ist mit einer Begierde zur Einheit verbunden.
19 [94]
Es genügte ein ehrliches Wort des edlen Zöllner, um in unserer gelehrten Pöbel-Republik fast einstimmig verfehmt zu werden.
19 [95]
Ich nehme in diesem Buche auf die gegenwärtigen Gelehrten keine Rücksicht und errege dadurch den Schein, als ob ich sie den gleichgültigen Dingen zurechne. Will man aber ruhig über ernste Dinge nachdenken, so muß man nicht durch ekelhaften Anblick gestört werden. Jetzt wende ich meine Augen mit Widerstreben auf sie, um ihnen zu sagen, daß sie mir nicht gleichgültig sind, daß ich aber wünschen möchte, sie wären’s mir.
19 [96]
Es war ein großer Mathematiker, mit dem die Philosophie in Griechenland anhebt. Dorther stammt sein Gefühl für das Abstrakte, Unmythische. Bei einer antimythischen Gesinnung gilt er doch als der “Weise” in Delphi:—Orphiker zeigen den abstrakten Gedanken in Allegorie.
Die Griechen übernehmen die Wissenschaft von den Orientalen. Die Mathematik und Astronomie ist älter als die Philosophie.
19 [97]
Die Wahrheit fordert der Mensch und leistet sie im moralischen Verkehr mit Menschen, darauf beruht alles Zusammenleben. Man anticipirt die schlimmen Folgen gegenseitiger Lügen. Von hier aus entsteht die Pflicht der Wahrheit. Dem epischen Erzähler gestattet man die Lüge, weil hier keine schädliche Wirkung zu ersehen ist.— Also wo die Lüge als angenehm gilt, ist sie erlaubt: die Schönheit und Anmuth der Lüge, vorausgesetzt daß sie nicht schadet. So erfindet der Priester Mythen seiner Götter: sie rechtfertigt ihre Erhabenheit. Außerordentlich schwer, das mythische Gefühl der freien Lüge wieder sich lebendig zu machen. Die großen griechischen Philosophen leben noch ganz in dieser Berechtigung zur Lüge.
Wo man nichts Wahres wissen kann, ist die Lüge erlaubt.
Jeder Mensch läßt sich Nachts im Traume fortwährend belügen.
Das Wahrheitsstreben ist ein unendlich langsamer Erwerb der Menschheit. Unser historisches Gefühl etwas ganz Neues in der Welt. Es wäre möglich, daß es die Kunst ganz unterdrückte.
Das Aussprechen der Wahrheit um jeden Preis ist sokratisch.
19 [98]
Der Philosoph.
Betrachtungen über den Kampf von Kunst und Erkenntniss
19 [99]
Die “Gelehrten-Ochlokratie” statt Gelehrten-Republik.
19 [100]
Sehr lehrreich, wenn Heraclit seine Sprache mit Apollo und Sibylle vergleicht.
19 [101]
Die Sinne machen uns etwas vor.
19 [102]
Wahrheit und Lüge physiologisch. Wahrheit als Moralgesetz—zwei Quellen der Moral. Das Wesen der Wahrheit nach den Wirkungen beurtheilt.
Die Wirkungen verführen zur Annahme von unbewiesenen “Wahrheiten.”
Im Kampf solcher durch die Kraft lebenden “Wahrheiten” zeigt sich das Bedürfniß, einen andern Weg zu ihnen zu finden. Entweder von dort alles erklärend, oder von den Exempeln, Erscheinungen zu ihr hinaufsteigend.
Wunderbare Erfindung der Logik.
Allmähliches Überwiegen der logischen Kräfte und Beschränkung des Wissens möglichen.
Fortwährende Reaktion der künstlerischen Kräfte und Beschränkung auf das Wissens würdige (nach der Wirkung beurtheilt).
19 [103]
Kampf im Philosophen.
Sein universaler Trieb zwingt ihn zum schlechten Denken das ungeheure Pathos der Wahrheit, am Weitblick seines Standpunktes erzeugt, zwingt ihn zur Mittheilung und diese wieder zur Logik.
Auf der einen Seite erzeugt sich eine optimistische Metaphysik der Logik—allmählich alles vergiftend und belügend. Die Logik, als Alleinherrscherin, führt zur Lüge: denn sie ist nicht die Alleinherrscherin.
Das andre Wahrheitsgefühl stammt aus der Liebe, Beweis der Kraft.
Das Aussprechen der beseligenden Wahrheit aus Liebe: bezieht sich auf Erkenntnisse des Einzelnen, die er nicht mittheilen muß, aber deren überquellende Beseligung ihn zwingt.
19 [104]
Ganz wahrhaftig zu sein—herrliche heroische Lust des Menschen, in einer lügenhaften Natur! Aber nur sehr relativ möglich! Das ist tragisch. Das ist das tragische Problem Kants! Jetzt bekommt die Kunst eine ganz neue Würde. Die Wissenschaften dagegen sind einen Grad degradirt.
19 [105]
Wahrhaftigkeit der Kunst : sie ist allein jetzt ehrlich.
So kommen, wir, auf ungeheurem Umweg, wieder auf das natürliche Verhalten (bei den Griechen) zurück. Es hat sich unmöglich erwiesen, eine Kultur auf das Wissen zu bauen.
19 [106]
Kämpfen für eine Wahrheit und Kämpfen um die Wahrheit ist etwas ganz Verschiedenes.
19 [107]
Die unbewußten Schlüsse erregen mein Bedenken: es wird wohl jenes Übergehn von Bild zu Bild sein: das letzterreichte Bild wirkt dann als Reiz und Motiv.
Das unbewußte Denken muß sich ohne Begriffe vollziehn: also in Anschauungen.
Dies ist aber das Schlußverfahren des beschaulichen Philosophen und des Künstlers. Er thut dasselbe, was Jeder in physiologischen persönlichen Antrieben thut, übertragen auf eine unpersönliche Welt.
Dieses Bilderdenken ist nicht von vorn herein streng logischer Natur, aber doch mehr oder weniger logisch. Der Philosoph bemüht sich dann, an Stelle des Bilderdenkens ein Begriffsdenken zu setzen. Die Instinkte scheinen auch ein solches Bilderdenken zu sein, das zuletzt zum Reiz und Motiv wird.
19 [108]
Wie stark die ethische Kraft der Stoiker war, zeigt sich darin, daß sie ihr Princip zu Gunsten der Willensfreiheit durchbrechen.
19 [109]
Zur Theorie der Moral: in der Politik anticipirt oft der Staatsmann das Thun seines Gegners und thut die That vorher: “wenn ich sie nicht thue, thut er sie.” Eine Art Nothwehr als politischer Grundsatz. Standpunkt des Kriegs.
19 [110]
Die alten Griechen ohne normative Theologie: jeder hat das Recht daran zu dichten und er kann glauben was er will.
Die ungeheure Masse philosophischen Denkens bei den Griechen (mit der Fortsetzung als Theologie durch alle Jahrhunderte).
Die großen logischen Kräfte erweisen sich z. B. im Ordnen der Kultsphären der einzelnen Städte.
19 [111]
Die Orphiker unplastisch in ihren Phantasmen, grenzen an die Allegorie.
Logische
19 [112]
Die Götter der Stoiker bekümmern sich nur um das Große, vernachlässigen das Kleine und Einzelne.
19 [113]
Schopenhauer leugnet die Wirksamkeit der moralischen Philosophie auf die Moralitäten: wie der Künstler nicht nach Begriffen schaffe. Merkwürdig! Es ist wahr, jeder Mensch ist schon ein intelligibles Wesen (durch zahllose Generationen bedingt?). Aber das stärkere Erregen bestimmter Reizempfindungen durch Begriffe wirkt doch stärkend für diese moralischen Kräfte. Es bildet sich nichts Neues, aber es concentrirt sich nach einer Seite hin die schaffende Energie. Z. B. der kategorische Imperativ hat die uneigennützige Tugendempfindung sehr bestärkt.
Wir sehen auch hier, daß der einzelne hervorragende moralische Mensch einen Zauber der Nachahmung ausübt. Diesen Zauber soll der Philosoph verbreiten. Was für die höchsten Exemplare Gesetz ist, muß allmählich überhaupt als Gesetz gelten: wenn auch nur als Schranke der Anderen.
19 [114]
Die Stoiker haben Heraklit in’s Flache umgedeutet und mißverstanden. Auch die Epikureer haben in die strengen Principien des Democrit Weichliches eingeschwärzt (Möglichkeiten).
Die höchste Gesetzmäßigkeit der Welt, aber doch kein Optimismus bei Heraclit.
19 [115]
Der Prozeß aller Religion und Philosophie und Wissenschaft gegenüber der Welt: er beginnt mit den gröbsten Anthropomorphismen und hört nie auf sich zu verfeinern.
Der einzelne Mensch betrachtet sogar das Sternensystem als ihm dienend oder mit ihm im Zusammenhang.
Die Griechen haben in ihrer Mythologie die ganze Natur in Griechen aufgelöst. Sie sahen gleichsam die Natur nur als Maskerade und Verkleidung von Menschen-Göttern an. Sie waren darin das Gegenstück aller Realisten. Der Gegensatz von Wahrheit und Erscheinung war tief in ihnen. Die Metamorphosen sind das Spezifische.
Dies drückte Thales in seinem Satz aus: daß alles Wasser sei.
19 [116]
Bezieht sich die Intuition auf die Gattungsbegriffe oder auf die vollendeten Typen? Aber der Gattungsbegriff bleibt immer weit hinter einem guten Exemplar zurück, der Vollkommenheitstypus geht über die Wirklichkeit hinaus.
| Ethische Anthropomorphismen: | Anaximander: Gericht. Heraklit: Gesetz. Empedokles: Liebe und Haß. | |
| Logische Anthropomorphismen: | Parmenides: nur Sein. Anaxagoras:. Pythagoras: alles Zahl. |
19 [117]
Die Weltgeschichte ist am Kürzesten, wenn man sie nach den bedeutenden philosophischen Erkenntnissen bemißt und die ihnen feindlichen Zeiträume bei Seite läßt. Wir sehen da eine Regsamkeit und schöpferische Kraft, wie nirgends, bei den Griechen: sie füllen den größten Zeitraum aus, sie haben wirklich alle Typen erzeugt.
Es sind die Entdecker der Logik.
Hat nicht die Sprache schon die Befähigung des Menschen zur Erzeugung der Logik verrathen?
Gewiß, es ist die bewunderungswürdigste logische Operation und Distinktion. Aber sie ist nicht auf einmal geworden, sondern endlos langer Zeiträume logisches Ergebniß. Hier ist an die Entstehung der Instinkte zu denken: ganz allmählich erwachsen.
Die geistige Thätigkeit von Jahrtausenden in der Sprache niedergelegt.
19 [118]
Der Mensch kommt erst ganz langsam dahinter, wie unendlich complicirt die Welt ist. Zuerst denkt er sie sich ganz einfach, d. h. so oberflächlich als er selbst ist.
Er geht von sich aus, von dem allerspätesten Resultat der Natur, und denkt sich die Kräfte, die Urkräfte so, wie das ist, was in sein Bewußtsein kommt.
Er nimmt die Wirkungen der complicirtesten Mechanismen, des Gehirns, an, als seien die Wirkungen seit Uranfang gleicher Art. Weil dieser complicirte Mechanismus etwas Verständiges in kurzer Zeit hervorbringt, nimmt er das Dasein der Welt für sehr jung: es kann dem Schöpfer nicht so viel Zeit gekostet haben, meint er.
So glaubt er mit dem Wort “Instinkt” irgendetwas erklärt und er überträgt wohl gar die unbewußten Zweckhandlungen auf das Urwerden der Dinge.
Zeit Raum und Kausalitätsempfindung scheint mit der ersten Empfindung gegeben zu sein.
Der Mensch kennt die Welt in dem Grade, als er sich kennt: d. h. ihre Tiefe entschleiert sich ihm in dem Grade, als er über sich und seine Komplicirtheit erstaunt.
19 [119]
Es muß durchaus zu zeigen sein, daß alles Vorhandene und Seiende irgendwann nicht war und deshalb auch irgendwann nicht sein wird. Das Werden Heraclits.
19 [120]
Die moralischen künstlerischen religiösen Bedürfnisse des Menschen der Welt zu Grunde zu legen ist ebenso rationell als die mechanischen: d. h. wir kennen weder den Stoß, noch die Schwere.(?)
19 [121]
Wir kennen nicht das wahre Wesen einer einzigen Kausalität.
Absolute Skepsis: Nothwendigkeit der Kunst und Illusion.
19 [122]
Die Schwere vielleicht aus dem bewegten Aether zu erklären, der um ein ungeheures Gestirn, mit dem gesammten Sonnensystem rotirt.
19 [123]
Zu erweisen ist weder die metaphysische, noch die ethische, noch die aesthetische Bedeutung des Daseins.
19 [124]
Die Ordnung in der Welt, das mühsamste und langsamste Resultat entsetzlicher Evolutionen als Wesen der Welt begriffen—Heraklit!
19 [125]
Es ist zu beweisen, daß alle Weltconstruktionen Anthropomorphismen sind: ja alle Wissenschaften, wenn Kant Recht hat. Freilich giebt es hier einen Cirkelschluß—haben die Wissenschaften Recht, so stehen wir nicht auf Kant’s Grundlage: hat Kant Recht, so haben die Wissenschaften Unrecht.
Gegen Kant ist dann immer noch einzuwenden, daß, alle seine Sätze zugegeben, doch noch die volle Möglichkeit bestehen bleibt, daß die Welt so ist, wie sie uns erscheint. Persönlich ist übrigens diese ganze Position unbrauchbar. In dieser Skepsis kann niemand leben.
Wir müssen über diese Skepsis hinaus, wir müssen sie vergessen! Wie viel müssen wir nicht vergessen in dieser Welt! Kunst, die Idealgestalt, die Temperatur.
Nicht im Erkennen, im Schaffen liegt unser Hell! Im höchsten Scheine, in der edelsten Wallung liegt unsre Größe. Geht uns das Weltall nichts an, so wollen wir das Recht haben es zu verachten.
19 [126]
Furchtbare Einsamkeit des letzten Philosophen! Ihn umstarrt die Natur, Geier schweben über ihm. Und so ruft er in die Natur: Gieb Vergessen! Vergessen!— Nein, er erträgt das Leiden als Titan—bis die Versöhnung ihm geboten wird in der höchsten tragischen Kunst.
19 [127]
Den “Geist,” das Gehirnerzeugniß als übernatürlich zu betrachten! gar zu vergöttern, welche Tollheit!
19 [128]
Unter Millionen verderbender Welten ein Mal eine mögliche! Auch sie verdirbt! Sie war die erste nicht!
19 [129]
| Vorplatonische Philosophen. | Poetik. |
| Plato. | Rhythmik. |
| Sokratische Schulen. | Rhetorik. |
19 [130]
| Choephoren. | Lateinische Grammatik. |
| Erga. | Griechische Grammatik. |
| Lyriker. | Rhetorik. |
| Theognis. |
19 [131]
Oedipus.
Reden
des letzten Philosophen
mit sich selbst.
Ein Fragment
aus der Geschichte der Nachwelt.
Den letzten Philosophen nenne ich mich, denn ich bin der letzte Mensch. Niemand redet mit mir als ich selbst, und meine Stimme kommt wie die eines Sterbenden zu mir. Mit dir, geliebte Stimme, mit dir, dem letzten Erinnerungshauch alles Menschenglücks, laß mich nur eine Stunde noch verkehren, durch dich täusche ich mir die Einsamkeit hinweg und lüge mich in die Vielheit und die Liebe hinein, denn mein Herz sträubt sich zu glauben, daß die Liebe todt sei, es erträgt den Schauder der einsamsten Einsamkeit nicht und zwingt mich zu reden, als ob ich Zwei wäre.
Höre ich dich noch, meine Stimme? Du flüsterst, indem du fluchst? Und doch sollte dein Fluch die Eingeweide dieser Welt zerbersten machen! Aber sie lebt noch und schaut mich nur noch glänzender und kälter mit ihren mitleidslosen Sternen an, sie lebt, so dumm und blind wie je vorher, und nur Eines stirbt—der Mensch.— Und doch! Ich höre dich noch, geliebte Stimme! Es stirbt noch Einer außer mir, dem letzten Menschen, in diesem Weltall: der letzte Seufzer, dein Seufzer, stirbt mit mir, das hingezogene Wehe! Wehe! geseufzt um mich, der Wehemenschen letzten, Oedipus.
19 [132]
Die entsetzliche Consequenz des Darwinismus, den ich übrigens für wahr halte. Alle unsre Verehrung bezieht sich auf Qualitäten, die wir für ewig halten: moralisch, künstlerisch, religiös usw.
Mit den Instinkten kommt man keinen Schritt weiter, um die Zweckmäßigkeit zu erklären. Denn eben diese Instinkte sind bereits das Erzeugniß endlos lang fortgesetzter Prozesse.
Der Wille objektivirt sich nicht adäquat, wie Schopenhauer sagt: so scheint es, wenn man von den vollendetsten Formen ausgeht.
Auch dieser Wille ist ein höchst complicirtes Letztes in der Natur. Nerven vorausgesetzt.
Und selbst die Schwerkraft: ist doch kein einfaches Phänomen, sondern wieder Wirkung von einer Sonnensystembewegung, von Aether usw.
Und der mechanische Stoß ist auch etwas Complicirtes.
Der Weltaether als Urstoff.
19 [133]
Alles Erkennen ist ein Wiederspiegeln in ganz bestimmten Formen, die von vornherein nicht existiren. Die Natur kennt keine Gestalt, keine Größe, sondern nur für ein Erkennendes treten die Dinge so groß und so klein auf. Das Unendliche in der Natur: sie hat keine Grenze, nirgends. Nur für uns giebt es Endliches. Die Zeit in’s Unendliche theilbar.
19 [134]
Von Thales bis Sokrates—lauter Übertragungen des Menschen auf die Natur—ungeheure Schattenspiele des Menschen auf der Natur, wie auf Gebirgen!
Sokrates und Plato. Erkennen und Gut universal. Das Schöne in dem Anfang. Ideen des Künstlers.
| Pythagoreer | die Zahl. | ||||
| Demokrit | der Stoff. | ||||
| Pythagoras | der Mensch nicht Produkt der Vergangenheit, sondern Wiederkehr. Einheit alles Lebendigen. | ||||
| Empedokles | Thier und Pflanzenwelt moralisch verstanden, der universale Geschlechtstrieb und Haß. “Wille” universal. | ||||
| Anaxagoras | Geist als uranfänglich. | ||||
| Eleaten | |||||
| Heraclit | die bildende Kraft des Künstlers uranfänglich. | ||||
| Anaximander | Gericht und Strafe universal. | ||||
| Thales. |
Vorher die Götter und die Natur. Die Religionen sind nur unverhülltere Ausdrücke. Astrologie. Der Mensch als Zweck. “Weltgeschichte.”
Kant’s Ding an sich als Kategorie.
Der Philosoph ist die Fortsetzung des Triebes, mit dem wir fortwährend, durch anthropomorphische Illusionen, mit der Natur verkehren. Das Auge. Zeit.
19 [135]
Der Philosoph in den Netzen der Sprache eingefangen.
19 [136]
Ich will die ungeheure Entwicklung des einen Philosophen, der die Erkenntniß will, des Menschheits-Philosophen, schildern und nachempfinden.
Die meisten stehen so unter der Leitung des Triebes, daß sie gar nicht merken, was geschieht. Ich will es sagen und merken lassen, was geschieht.
Der eine Philosoph ist hier identisch mit allem Wissenschaftsstreben. Denn alle Wissenschaften ruhen nur auf dem allgemeinen Fundamente des Philosophen.
Die ungeheure Einheit in allen Erkenntnißtrieben nachzuweisen: der zerbrochene Gelehrte.
19 [137]
Aufgaben:
Die sogenannten Abstraktionen.
Formen als Oberflächen.
19 [138]
Apologie der Kunst.
Einleitung.
Nothlüge und die veracite du dieu des Descartes.
Plato gegen die Kunst.
1. Sprache und Begriff.
2. Formen als Oberflächen.
3. Pathos der Wahrheit.
4.
19 [139]
Die Unendlichkeit ist die uranfängliche Thatsache: es wäre nur zu erklären, woher das Endliche stamme. Aber der Gesichtspunkt des Endlichen ist rein sinnlich d. h. eine Täuschung.
Wie kann man von einer Bestimmung der Erde zu reden wagen!
In der unendlichen Zeit und dem unendlichen Raume giebt es keine Ziele: was da ist, ist ewig da in irgend welchen Formen. Was für eine methaphysische Welt es geben soll, ist gar nicht abzusehn.
Ohne jede derartige Anlehnung muß die Menschheit stehen können—ungeheure Aufgabe der Künstler!
19 [140]
Zeit an sich ist Unsinn: nur für ein empfindendes Wesen giebt es Zeit. Ebenso Raum.
Alle Gestalt ist dem Subjekt zugehörig. Es ist das Erfassen der Oberflächen durch Spiegel. Alle Qualitäten müssen wir abziehn.
Wir können uns die Dinge nicht denken, wie sie sind, weil wir sie eben nicht denken dürften.
Es bleibt alles so, wie es ist: d. h. alle Qualitäten verrathen einen undefinirbaren absoluten Sachverhalt.— Das Verhältniß etwa wie die Chladnischen Klangfiguren zu den Schwingungen.
19 [141]
Alles Wissen entsteht durch Separation, Abgrenzung, Beschränkung; kein absolutes Wissen eines Ganzen!
19 [142]
Lust und Unlust als universale Empfindungen? Ich glaube nicht.
Aber wo treten die künstlerischen Kräfte auf? Gewiß im Krystall. Die Bildung der Gestalt: doch ist da nicht ein anschauendes Wesen vorauszusetzen?
19 [143]
Die Musik als Supplement der Sprache: viele Reize, und ganze Reizzustände, die die Sprache nicht darstellen kann, giebt die Musik wieder.
19 [144]
Es giebt keine Form in der Natur, denn es giebt kein Inneres und kein Äußeres.
Alle Kunst beruht auf dem Spiegel des Auges.
19 [145]
Die menschliche Sinnenerkenntniß ist sicherlich auf Schönheit aus, sie verklärt die Welt. Was haschen wir nach einer anderen? Was wollen wir über unsere Sinne hinaus? Die rastlose Erkenntniß geht in’s Oede und Häßliche.— Zufriedensein mit der künstlerisch angeschauten Welt!
19 [146]
Sobald man das Ding an sich erkennen will, so ist es eben diese Welt—erkennen ist nur möglich, als ein Wiederspiegeln und Sichmessen an einem Maße (Empfindung).
Wir wissen, was die Welt ist: absolute und unbedingte Erkenntniß ist Erkennenwollen ohne Erkenntniß.
19 [147]
Die sogenannten unbewußten Schlüsse sind zurückzuführen auf das alles aufbewahrende Gedächtniß, das Erfahrungen paralleler Art darbietet und somit die Folgen einer Handlung schon kennt. Es ist nicht Anticipation der Wirkung, sondern das Gefühl: gleiche Ursachen gleiche Wirkungen, hervorgebracht durch ein Gedächtnißbild.
19 [148]
Gar zu leicht verwechseln wir Kants Ding an sich und das wahre Wesen der Dinge der Buddhisten: d. h. die Wirklichkeit zeigt ganz Schein oder eine der Wahrheit ganz adäquate Erscheinung.
Schein als Nichtsein und Erscheinung des Seienden werden mit einander verwechselt.
In das Vacuum setzen sich alle möglichen Superstitionen.
19 [149]
Der Gang der Philosophie: es werden zuerst Menschen als Urheber aller Dinge gedacht—allmählich erklärt man sich die Dinge nach Analogie einzelner menschlicher Eigenschaften—zuletzt langt man bei der Empfindung an. Große Frage: ist die Empfindung eine Urthatsache aller Materie?
Anziehung und Abstoßung?
19 [150]
Der historische Erkenntnißtrieb—sein Ziel den Menschen im Werden zu begreifen, auch hier das Wunder zu beseitigen.
Dieser Trieb entzieht dem Kulturtriebe die größte Kraft: das Erkennen ist rein luxuriirend, dadurch wird die gegenwärtige Kultur um nichts höher.
19 [151]
Die Philosophie anzuschauen wie die Astrologie: nämlich das Schicksal der Welt mit dem des Menschen zu verknüpfen: d. h. die höchste Evolution des Menschen als die höchste Evolution der Welt zu betrachten. Von diesem philosophischen Triebe aus empfangen alle Wissenschaften ihre Nahrung. Die Menschheit vernichtet erst die Religionen, dann die Wissenschaft.
19 [152]
Der Schönheitssinn zusammenhängend mit der Zeugung.
19 [153]
Auch die Kantische Erkenntnißtheorie hat der Mensch sofort zu einer Glorifikation des Menschen benutzt: die Welt hat nur in ihm Realität. Sie wird wie ein Ball in seinen Köpfen hin und hergeworfen. In Wahrheit heißt es doch nur: man denke daß ein Kunstwerk besteht und ein dummer Mensch, es zu betrachten. Freilich existirt es als Gehirnphänomen für jenen Dummen, nur soweit er selbst noch Künstler ist und die Formen mitbringt. Er könnte kühn behaupten: außer meinem Gehirn hat es gar keine Realität.
Die Formen des Intellekts sind aus der Materie entstanden, sehr allmählich. Es ist an sich wahrscheinlich, daß sie streng der Wahrheit adäquat sind. Woher sollte so ein Apparat, der etwas Neues erfindet, gekommen sein!
Die Hauptfähigkeit scheint mir die Gestalt zu percipiren, d. h. beruhend auf dem Spiegel. Raum und Zeit sind nur gemessene, an einem Rhythmus gemessene Dinge.
19 [154]
Ihr sollt nicht in eine Metaphysik flüchten, sondern sollt euch der werdenden Kultur thätig opfern! Deshalb bin ich streng gegen den Traumidealismus.
19 [155]
Alles, Erkennen ist ein Messen an einem Maßstabe. Ohne einen Maßstab, d. h. ohne jede Beschränkung, giebt es kein Erkennen. So steht es im Bereiche der intellektuellen Formen eben so, wie wenn ich nach dem Werthe des Erkennens überhaupt frage: ich muß irgend eine Position nehmen, die höher steht oder die wenigstens fest ist, um als Maßstab zu dienen.
19 [156]
Führen wir die ganze intellektuelle Welt zurück bis zum Reiz und zur Empfindung, so erklärt diese dürftigste Perception am wenigsten.
Der Satz: es giebt keine Erkenntniß ohne ein Erkennendes oder kein Subjekt ohne Objekt und kein Objekt ohne Subjekt, ist ganz wahr, aber die äußerste Trivialität.
Wir können vom Ding an sich nichts aussagen, weil wir den Standpunkt des Erkennenden d. h. des Messenden uns unter den Füßen weggezogen haben. Eine Qualität existirt für uns d. h. gemessen an uns. Ziehen wir das Maaß weg, was ist dann noch Qualität!
Was die Dinge sind, ist aber nur zu beweisen durch ein daneben gestelltes messendes Subjekt. Ihre Eigenschaften an sich gehen uns nichts an, aber insofern sie auf uns wirken.
Nun ist zu fragen: wie entstand ein solches messendes Wesen?
Die Pflanze ist auch ein messendes Wesen.
19 [157]
Der ungeheure Consensus der Menschen über die Dinge beweist die volle Gleichartigkeit ihres Perceptionsapparates.
19 [158]
Für die Pflanze ist die Welt so und so—für uns so und so. Vergleichen wir die beiden Perceptionskräfte, so gilt uns unsre Auffassung der Welt als richtiger d. h. der Wahrheit entsprechender. Nun hat sich der Mensch langsam entwickelt und die Erkenntniß entwickelt sich noch: also das Weltbild wird immer wahrer und vollständiger. Natürlich ist es nur eine Wiederspiegelung, eine immer deutlichere. Der Spiegel selbst ist aber nichts ganz Fremdes und dem Wesen der Dinge Ungehöriges, sondern selbst langsam entstanden als Wesen der Dinge gleichfalls. Wir sehen ein Streben, den Spiegel immer adäquater zu machen: den natürlichen Prozeß setzt die Wissenschaft fort.— So spiegeln sich die Dinge immer reiner: allmähliche Befreiung vom allzu Anthropomorphischen. Für die Pflanze ist die ganze Welt Pflanze, für uns Mensch.
19 [159]
Der Stoß, das Einwirken des einen Atoms auf das andre, setzt ebenso Empfindung voraus. Etwas an sich Fremdes kann nicht auf einander wirken.
Nicht das Erwachen der Empfindung, sondern das des Bewußtseins in der Welt, ist das Schwere. Aber doch noch erklärbar, wenn alles Empfindung hat.
Wenn alles Empfindung hat, so haben wir ein Durcheinander von kleinsten größeren und größten Empfindungscentren. Diese Empfindungscomplexe, größer oder kleiner, wären “Wille” zu benennen.
Wir machen uns schwer von den Qualitäten los.
19 [160]
Von einem unbewußten Ziele der Menschheit zu reden halte ich für falsch. Sie ist kein Ganzes wie ein Ameisenhaufen. Vielleicht kann man von dem unbewußten Ziele einer Stadt, eines Volkes reden: aber was heißt es, von dem unbewußten Ziele aller Ameisenhaufen der Erde zu reden!
19 [161]
Empfindung, Reflexbewegungen, sehr häufige und blitzschnell erfolgende, allmählich ganz eingelebte, erzeugen die Schlußoperation d. h. das Gefühl der Kausalität. Von der Kausalitätsempfindung hängen Raum und Zeit ab.
Das Gedächtniß bewahrt die gemachten Reflexbewegungen.
Das Bewußtsein hebt an mit der Kausalitätsempfindung d. h. das Gedächtniß ist älter als das Bewußtsein. Z. B. bei der Mimosa haben wir Gedächtniß, aber kein Bewußtsein. Gedächtniß natürlich ohne Bild, bei der Pflanze.
Aber Gedächtniß muß dann zum Wesen der Empfindung gehören, also eine Ureigenschaft der Dinge. Dann aber auch die Reflexbewegung.
Die Unverbrüchlichkeit der Naturgesetze heißt doch: Empfindung und Gedächtniß ist im Wesen der Dinge. Daß sich ein Stoff, bei der Berührung mit einem anderen, gerade so entscheidet, ist Gedächtniß und Empfindungssache. Irgendwann hat er es gelernt, d. h. die Thätigkeiten der Stoffe sind gewordene Gesetze. Dann aber muß die Entscheidung gegeben sein durch Lust und Unlust.
Wenn aber Lust Unlust Empfindung Gedächtniß Reflexbewegung zum Wesen der Materie gehört, dann reicht die Erkenntniß des Menschen viel tiefer in’s Wesen der Dinge.
Die ganze Logik in der Natur löst sich dann auf in ein Lust- und Unlustsystem. Jedes greift nach der Lust und flieht die Unlust, das sind die ewigen Naturgesetze.
19 [162]
Gedächtniß hat nichts mit Nerven, mit Gehirn zu thun. Es ist eine Ureigenschaft. Denn der Mensch trägt das Gedächtniß aller vorigen Generationen mit sich herum.
Das Gedächtnißbild etwas sehr Künstliches und Seltenes.
19 [163]
Von einem nicht irrenden Gedächtniß kann ebenso wenig als von einem absolut zweckmäßigen Handeln der Naturgesetze die Rede sein.
19 [164]
Ist es ein unbewußter Schluß? Schließt die Materie? Sie empfindet und kämpft für ihr individuelles Sein. Der “Wille” zeigt sich erstens in der Veränderung, d. h. es giebt eine
Art freien Willen, welcher die Essenz eines Dinges modificirt, aus Lust und der Flucht vor Unlust.— Die Materie hat eine Anzahl Qualitäten, die proteusartig sind, die sie je nach dem Angriff betont, verstärkt, für das Ganze einsetzt.
Die Qualitäten scheinen nur bestimmte modificirte Thätigkeiten einer Materie zu sein. Je nach den Maaß- und Zahlproportionen auftretend.
19 [165]
Wir kennen nur eine Realität—die der Gedanken. Wie wenn das das Wesen der Dinge wäre!
Wenn Gedächtniß und Empfindung das Material der Dinge wären!
19 [166]
Der Gedanke giebt uns den Begriff einer ganz neuen Form der Realität: er ist aus Empfindung und Gedächtniß zusammengesetzt.
19 [167]
Der Mensch in der Welt könnte sich wirklich begreifen als Einer aus einem Traume, der selbst mitgeträumt wird.
19 [168]
Der Philosoph bei den Griechen setzt, in heller Beleuchtung und Sichtbarkeit, die Thätigkeit fort, durch welche die Griechen zu ihrer Kultur gekommen sind.
19 [169]
1. Keine.
2. Die verschiedenen Typen.
19 [170]
Die Philosophen sind die vornehmste Klasse der Großen des Geistes. Sie haben kein Publikum, sie brauchen den Ruhm. Ihre höchsten Freuden mitzutheilen, brauchen sie den Beweis: darin sind sie unglücklicher als die Künstler.
19 [171]
Wir sehen an dem gegenwärtigen Deutschland, daß die Blüthe der Wissenschaften in einer barbarisirten Kultur möglich ist; ebenfalls hat die Utilität nichts mit den Wissenschaften zu thun (obwohl es so scheint, in der Bevorzugung der chemischen und naturwissenschaftlichen Anstalten, und reine Chemiker gar als “Capacitäten” berühmt werden können).
Sie hat einen eignen Lebensaether für sich. Eine sinkende Kultur (wie die alexandrinische) und eine Unkultur (wie die unsrige) machen sie nicht unmöglich.
Das Erkennen ist wohl gar ein Ersatz der Kultur.
19 [172]
Es ist wohl nur die Vereinzelung des Erkennens durch Trennung der Wissenschaften, daß das Erkennen und die Kultur einander fremd bleiben können. Im Philosophen berührt sich das Erkennen wieder mit der Kultur.
Er umfaßt das Wissen und regt die Frage nach dem Werthe der Erkenntniß auf. Das ist ein Kulturproblem: Erkenntniß und Leben.
19 [173]
Sind die Verdunkelungen z. B. im Mittelalter wirklich Gesundheitsperioden, etwa Schlafenszeiten für den intellektuellen Genius der Menschen?
Oder: sind auch die Verdunkelungen Resultate höherer Zwecke? Wenn Bücher ihre fata haben, dann ist wohl auch das Untergehen eines Buchs ein fatum, mit irgend einem Zweck.
Die Zwecke bringen uns in Verwirrung.
19 [174]
Im Philosophen setzen sich Thätigkeiten fort, durch Metapher. Das Streben nach einheitlichem Beherrschen. Jedes Ding strebt ins Unermeßliche, der Individualcharakter in der Natur ist selten fest, sondern immer weiter greifend. Ob langsam oder schnell, ist eine höchst menschliche Frage. Wenn man nach der Seite des unendlich Kleinen hinsieht, ist jede Entwicklung immer eine unendlich schnelle.
19 [175]
Was thut den Menschen die Wahrheit!
Es ist das höchste und reinste Leben möglich, im Glauben die Wahrheit zu haben. Der Glaube an die Wahrheit ist dem Menschen nöthig.
Die Wahrheit erscheint als sociales Bedürfniß: durch eine Metastase wird sie nachher auf alles angewandt, wo sie nicht nöthig ist.
Alle Tugenden entstehn aus Nothdurften. Mit der Societät beginnt das Bedürfniß nach Wahrhaftigkeit. Sonst lebt der Mensch in ewigen Verschleierungen. Die Staatengründung erregt die Wahrhaftigkeit. —
Der Trieb zur Erkenntniß hat eine moralische Quelle.
19 [176]
Wie viel die Welt werth ist, muß auch ihr kleinster Bruchtheil offenbaren—seht den Menschen, dann wißt ihr, was ihr von der Welt zu halten habt.
19 [177]
Die Noth erzeugt, unter Fällen, die Wahrhaftigkeit, als Existenzmittel einer Societät.
Durch häufige Übung erstarkt der Trieb und wird jetzt durch Metastase, unberechtigt, übertragen. Er wird zum Hang an sich. Aus einer Übung für bestimmte Fälle wird eine Qualität.— Nun haben wir den Trieb nach Erkenntniß.
Diese Verallgemeinerung geschieht durch den dazwischentretenden Begriff. Mit einem falschen Urtheil beginnt diese Qualität—wahr sein heißt immer wahr sein. Daraus entsteht der Hang nicht in der Lüge zu leben: Beseitigung aller Illusionen.
Aber er wird aus einem Netz in’s andere gejagt.
Der gute Mensch will nun auch wahr sein und glaubt an die Wahrheit aller Dinge. Nicht nur der Societät, sondern der Welt. Somit auch an die Ergründbarkeit. Denn weshalb sollte die Welt ihn täuschen?
Also er überträgt seinen Hang auf die Welt und glaubt, daß auch die Welt wahr gegen ihn sein muß.
19 [178]
Ich frage nicht nach dem Zwecke des Erkennens: es ist zufällig, d. h. nicht mit einer vernünftigen Zweckabsicht entstanden. Als eine Erweiterung oder als ein Hart- und Festwerden einer in gewissen Fällen nöthigen Denk- und Handelnsweise.
Von Natur ist der Mensch nicht zum Erkennen da.
Zwei zu verschiedenen Zwecken nöthige Eigenschaften—die Wahrhaftigkeit—und die Metapher—haben den Hang zur Wahrheit erzeugt. Also ein moralisches Phänomen, aesthetisch verallgemeinert, erzeugt den intellektuellen
Trieb.
Instinkt ist hier eben Gewohnheit, oft so zu schließen und daraus eine Pflicht überhaupt immer so schließen zu müssen.
19 [179]
Die Natur hat den Menschen in lauter Illusionen gebettet.— Das ist sein eigentliches Element. Formen sieht er, Reize empfindet er statt der Wahrheiten. Er träumt, er imaginirt sich Göttermenschen als Natur.
Der Mensch ist zufällig ein erkennendes Wesen geworden, durch die unabsichtliche Paarung zweier Qualitäten. Irgendwann wird er aufhören und es. wird nichts geschehen sein.
Sie waren es lange nicht und wenn sie selbst aufgehört haben zu existiren, wird sich nichts begeben haben. Sie sind ohne weitere Mission und ohne Zweck.
Der Mensch ist ein höchst pathetisches Thier und nimmt alle seine Eigenschaften so wichtig als ob die Angeln der Welt sich in ihnen drehten.
Das Ähnliche erinnert an das Ähnliche und vergleicht sich damit: das ist das Erkennen, das schnelle Subsumiren des Gleichartigen. Nur das Ähnliche percipirt das Ähnliche: ein physiologischer Prozeß. Dasselbe, was Gedächtniß ist, ist auch Perception des Neuen. Nicht Gedanke auf Gedanke
19 [180]
Über die Lüge.
| Heraklit. Glaube an die Ewigkeit der Wahrheit. |
| Untergang seines Werks—einmal Untergang aller Erkenntniß. Und was ist an Heraklit Wahrheit! |
| Darstellung seiner Lehre als Anthropomorphismus. Ebenso Anaximander. Anaxagoras. |
| Beziehung Heraklits zu dem griechischen Volkscharakter. Es ist der hellenische Kosmos. |
| Entstehung des Pathos der Wahrheit. Zufälliges Entstehen des Erkennens. |
| Die Verlogenheit und Illusion, in der der Mensch lebt. Die Lüge und die Wahrheitsrede—Mythus Poesie. |
| Die Fundamente alles Großen und Lebendigen ruhen auf der Illusion. Das Wahrheitspathos führt zum Untergang. (Da liegt das “Große.”) Vor allem zum Untergang der Kultur. |
| Empedokles und die Opfer. Eleaten. Plato braucht zum Staat die Lüge. |
| Trennung von der Kultur duch Sektenwesen bei den Griechen. |
| Wir umgekehrt kehren sektenartig zur Kultur zurück, wir suchen das unermeßliche Erkennen wieder in dem Philosophen zurückzudrängen und diesen wieder von dem Anthropomorphischen aller Erkenntniß zu überzeugen. |
19 [181]
Objektiver Werth der Erkenntniß—sie macht nicht besser. Letzte Weltziele hat sie nicht. Ihr Entstehen zufällig. Werth der Wahrhaftigkeit.— Doch sie macht besser! Ihr Ziel ist der Untergang. Sie opfert auf. Unsere Kunst ist Abbild der desperaten Erkenntniß.
19 [182]
Die Menschheit hat an der Erkenntniß ein schönes Mittel zum Untergang.
19 [183]
Daß der Mensch so und nicht anders geworden ist, ist doch gewiß sein Werk: daß er so eingetaucht ist in die Illusion (Traum) und auf die Oberfläche (Auge) angewiesen ist, ist sein Wesen. Ist es wunderbar, wenn auch die Wahrheitstriebe zuletzt doch wieder auf sein Grundwesen hinauslaufen? —
19 [184]
Wir fühlen uns groß, wenn wir von einem Mann hören, dessen Leben an einer Lüge hieng und der doch nicht log—noch mehr wenn ein Staatsmann, aus Wahrhaftigkeit, ein Reich zerstört.
19 [185]
Unsre Gewohnheiten werden zu Tugenden durch eine freie Übertragung ins Reich der Pflicht, d. h. dadurch daß wir die Unverbrüchlichkeit mit in den Begriff hineinnehmen; d. h. unsere Gewohnheiten werden dadurch zu Tugenden, daß wir das eigne Wohl für geringer halten als ihre Unverbrüchlichkeit—somit durch eine Aufopferung des Individuums oder wenigstens durch die vorschwebende Möglichkeit einer solchen Aufopferung.— Dort wo das Individuum sich gering zu achten anfängt, beginnt das Reich der Tugenden und der Künste—unsere metaphysische Welt. Besonders rein wäre die Pflicht, wenn im Wesen der Dinge dem Moralischen nichts entspräche.
19 [186]
Es wirkt nicht etwa Gedanke auf Gedächtniß, sondern der Gedanke durchläuft zahllose feine Metamorphosen, d. h. dem Gedanken entspricht ein Ding an sich, das nun das analoge Ding an sich im Gedächtniß erfaßt.
19 [187]
Die Individuen sind die Brücken, auf denen das Werden beruht. Alle Qualitäten sind ursprünglich nur einmalige Aktionen, dann, in gleichen Fällen öfter wiederholte, endlich Gewohnheiten. An jeder Aktion hat das ganze Wesen des Individuums Theil und einer Gewohnheit entspricht eine spezifische Umbildung des Individuums. In einem Individuum ist bis in die kleinste Zelle hinein alles individuell, d. h. hat Theil an allen Erfahrungen und Vergangenheiten. Daher die Möglichkeit der Zeugung.
19 [188]
Geschichte der griechischen Philosophie bis
Plato nach den Hauptsachen
erzählt
von
F. N.
19 [189]
| Einleitung. |
| 1. Thales Anaximander Heraklit Parmenides Anax Empedokles Demokrit Pyth Sokrates. |
| Kapitel 1. |
| Kapitel 2. |
19 [190]
Geschichte der griechischen Philosophie.
| Einleitung. |
| 1. | Thales. | ||||
| 2. | Anaximander. | ||||
| 3. | Heraklit. | ||||
| 4. | Parmenides. | ||||
| 5. | Anax. | ||||
| 6. | Empedokles. | ||||
| 7. | Demokrit. | ||||
| 8. | Pythag. | ||||
| 9. | Sokrates. |
| Nachtrag. |
19 [191]
| Einleitung über Wahrheit und Lüge. |
| 1. | Das Pathos der Wahrheit. | ||||
| 2. | Die Genesis der Wahrheit. | ||||
| 3. |
19 [192]
Der politische Sinn der älteren griechischen Philosophen, ebenso nachzuweisen als ihre Kraft zur Metapher.
19 [193]
Wie nur in den niedersten Formen unsre theatralische Anlage sich noch bewährt, so in der Bierbank unsre Geselligkeit.
19 [194]
Am Unmöglichen pflanzt sich die Menschheit fort, das sind ihre Tugenden—der kategorische Imperativ, wie die Forderung “Kindlein liebet euch” sind solche Unmöglichkeitsforderungen.
So ist die reine Logik das Unmögliche, an dem sich die Wissenschaft erhält.
19 [195]
Der Philosoph ist das Seltenste unter dem Großen, weil das Erkennen nur nebenbei, nicht als Originalbegabung zum Menschen kam. Deshalb aber auch der höchste Typus des Großen.
19 [196]
Wir sollen so lernen, wie die Griechen von ihren Vergangenheiten und Nachbarn lernten—zum Leben, also mit größter Auswahl und alles Erlernte sofort als Stütze benutzend, auf der man sich hoch—und höher als alle Nachbarn schwingt. Also nicht gelehrtenhaft! Was nicht zum Leben taugt, ist keine wahre Historie. Freilich kommt es darauf an, wie hoch und wie gemein ihr dieses Leben nehmt. Wer die römische Geschichte durch ekelhafte Beziehung auf klägliche moderne Parteistandpunkte und deren ephemere Bildung lebendig macht, der versündigt sich noch mehr an der Vergangenheit als der bloße Gelehrte, der alles todt und mumienhaft läßt. (So ein in dieser Zeit oft genannter Historiker, Mommsen.)
19 [197]
Das Benehmen des Sokrates bei dem Prozeß der Feldherrn ist sehr merkwürdig, weil es, in politischen Dingen, seine Wahrhaftigkeit zeigt.
19 [198]
Unsre Naturwissenschaft geht auf den Untergang, im Ziele der Erkenntniß, hin.
Unsre historische Bildung auf den Tod jeder Kultur. Sie kämpft gegen die Religionen—nebenbei vernichtet sie die Kulturen.
Es ist eine unnatürliche Reaktion gegen furchtbaren religiösen Druck—jetzt ins Extreme flüchtend. Ohne jedes Maß.
19 [199]
Die Deutschen sind wahrer Kunstschöpfungen gar nicht würdig: denn irgend eine politische Gans, so eine Art Gervinus, setzt sich gleich mit anmaßlicher Brütegeschäftigkeit darauf, als ob diese Eier nur für sie gerade hingelegt wären. Der Vogel Phönix sollte sich hüten, seine goldenen Eier in Deutschland zu legen.
19 [200]
Die abscheuliche deutsche Kultur, die jetzt gar noch die Trompetenstöße des Kriegsruhms um sich her erschallen läßt.
So schlechte Lehrer, als sie eben aus unseren berühmten Philologenschulen erwachsen können.
19 [201]
Selbst ein ehrenfester Bibelkritiker, wie David Strauß, fängt an, wie eine Köchin aus der chemischen Garküche zu reden, wenn der Hegelsche, Dunst allmählich von ihm abgeflogen ist. Die bekanntlich so “gebildeten” Deutschen verstehen sich darauf, mit Naturwissenschaften sich nur als entlaufene Kandidaten der Theologie zu befassen, und hören nur dahin, wo ihnen das “Wunder” recht kräftig in Verruf gethan erscheint.
Jetzt lernt man nun gar, seiner engen Philisterhaftigkeit recht herzlich froh zu sein—der Philister hat seine Unschuld verloren (Riehl). Der Philister und der windige “Gebildete” unserer Zeitungsatmosphäre reichen sich brüderlich die Hand und unter dem gleichen Jauchzen vernichtet der Bonner Afterphilosoph Jürgen Bona-Meyer den Pessimismus und Riehl Jahn oder Strauß die neunte Symphonie.
Wie sich so ein buchhändlerisches Gemächte, eben ein Freitagscher Roman ausnimmt, das empfinden jetzt gar zu wenige: unsere abgeblaßten Herrn von dem Litteraturgewerbe werden da reckenhaft grotesk und reden wie die drei Gewaltigen zusammen—oder sie ergetzen sich an weichlichen Nixen in der Manier des Malers Schwind.
Wenn ihr nicht groß seid, so hütet euch vor dem Großen.
19 [202]
Von irgend einer Vorsehung für gute Bücher vermag ich nichts zu spüren: die schlechten haben fast mehr Aussichten sich zu erhalten. Es sieht wie ein Wunder aus, daß Aeschylus Sophokles und Pindar immer wieder abgeschrieben worden sind und offenbar ist es das zufälligste Ereigniß, daß wir überhaupt eine antike Litteratur besitzen.
19 [203]
Wenn Schopenhauer es, in unserem Saeculum, erleben konnte, daß die erste Auflage seines Werkes als Maculatur eingestampft wurde und es im Grunde der Geschäftigkeit unbedeutender, ja bedenklicher Litteraten zu danken ist, daß sein Name aus tiefer Verschollenheit allmählich auftauchte
19 [204]
Die Abstraktionen sind Metonymien d.h. Vertauschungen von Ursache und Wirkung. Nun aber ist jeder Begriff eine Metonymie und in Begriffen geht das Erkennen vor sich. “Wahrheit” wird zu einer Macht, wenn wir sie erst als Abstraktion losgelöst haben.
19 [205]
Eine verneinende Moral höchst großartig, weil wundervoll unmöglich. Was heißt es, wenn der Mensch, im offnen Bewußtsein, Nein! sagt, während alle seine Sinne und Nerven Ja! sagen und jede Faser, jede Zelle opponirt.
19 [206]
Wenn ich von der furchtbaren Möglichkeit rede, daß die Erkenntniß zum Untergange treibt, so bin ich am wenigsten gewillt, der jetzt lebenden Generation ein Compliment zu machen: von solchen Tendenzen hat sie nichts an sich. Aber wenn man den Gang der Wissenschaft seit dem 15ten Jahrhundert sieht, so offenbart sich allerdings eine solche Macht und Möglichkeit.
19 [207]
Der Mensch, der nicht an die Wahrhaftigkeit der Natur glaubt, sondern überall Metamorphosen Verkleidungen Maskeraden sieht, in Stieren Götter, in Rossen weisheitsvolle Naturergründer, in Bäumen Nymphen erblickt—jetzt, wenn er sich selbst das Gesetz der Wahrhaftigkeit stellt, glaubt auch an die Wahrhaftigkeit der Natur gegen ihn.
19 [208]
Alle “uns” und “wir” und “ich” wegzulassen. Auch die Sätze mit “daß” zu beschränken. Jedes Kunstwort, soweit möglich, zu meiden.
19 [209]
Der Mensch hat immer mehr gelernt, sich die Dinge zu adaptiren und sie zu erkennen. Durch die vollendetere Erkenntniß ist er doch nicht den Dingen ferner gerückt, der Mensch steht doch der Wahrheit hierin näher als die Pflanze.
Ein empfundener Reiz und ein Blick auf eine Bewegung, verbunden, ergeben die Kausalität zunächst als Erfahrungssatz: zwei Dinge, nämlich eine bestimmte Empfindung und ein bestimmtes Gesichtsbild erscheinen immer zusammen: daß das Eine die Ursache des Andern ist, ist eine Metapher, entlehnt aus Wille und That: ein Analogieschluß.
Die einzige Kausalität, die uns bewußt ist, ist zwischen Wollen und Thun—diese übertragen wir auf alle Dinge und deuten uns das Verhältniß von zwei immer beisammen befindlichen Veränderungen. Die Absicht oder das Wollen ergiebt die Nomina, das Thun die Verba. Das Thier als wollendes—das ist sein Wesen.
Aus Qualität und That: eine Eigenschaft von uns führt zum Handeln: während im Grunde es so ist, daß aus Handlungen wir auf Eigenschaften schließen: wir nehmen Eigenschaften an, weil wir Handlungen bestimmter Art sehn.
Also: das Erste ist die Handlung, diese verknüpfen wir mit einer Eigenschaft.
Zuerst entsteht das Wort für die Handlung, von da das Wort für die Qualität. Dies Verhältniß übertragen auf alle Dinge ist Causalität.
Zuerst “sehen,” dann “Gesicht.” Das “Sehende” gilt als Ursache des “Sehens.” Zwischen dem Sinn und seiner Funktion empfinden wir ein regelmäßiges Verhältniß: Causalität ist die Übertragung dieses Verhältnisses (von Sinn auf Sinnesfunktion) auf alle Dinge.
Ein Urphänomen ist: den im Auge empfundenen Reiz auf das Auge zu beziehn, das heißt eine Sinneserregung auf den Sinn zu beziehn. An sich gegeben ist ja nur ein Reiz: diesen als Aktion des Auges zu empfinden und ihn sehen zu nennen ist ein Kausalitätsschluß. Einen Reiz als eine Thätigkeit zu empfinden, etwas Passives aktiv zu empfinden ist die erste Kausalitätsempfindung, d. h. die erste Empfindung bringt bereits diese Kausalitätsempfindung hervor. Der innere Zusammenhang von Reiz und Thätigkeit übertragen auf alle Dinge. So ein Wort “sehen” ist ein Wort für jenes Ineinander von Reiz und Thätigkeit. Das Auge ist thätig auf einen Reiz: d. h. sieht. An unseren Sinnesfunktionen deuten wir uns die Welt: d. h. wir setzen überall eine Kausalität voraus, weil wir selbst solche Veränderungen fortwährend erleben.
19 [210]
Zeit Raum und Kausalität sind nur Erkenntniß metaphern, mit denen wir die Dinge uns deuten. Reiz und Thätigkeit verbunden: wie das ist, wissen wir nicht, wir verstehn keine einzige Kausalität, aber wir haben unmittelbare Erfahrung von ihnen. Jedes Leiden ruft ein Thun hervor, jedes Thun ein Leiden—dies das allgemeinste Gefühl bereits schon Metapher. Die wahrgenommene Vielheit setzt dann schon Zeit und Raum voraus, hintereinander und nebeneinander. Das Nebeneinander in der Zeit erzeugt die Raumempfindung.
Zeitempfindung gegeben mit dem Gefühl von Ursache und Wirkung, als Antwort auf die Frage nach dem Schnelligkeitsgrade bei verschiedenen Kausalitäten.
Raumempfindung erst durch Metapher aus der Zeitempfindung abzuleiten—oder umgekehrt?
Zwei Causalitäten nebeneinander lokalisirt —
19 [211]
Ich mache einen Versuch, denen zu nützen, welche es werth sind, zeitig und ernstlich in das Studium der Philosophie eingeführt zu werden. Dieser Versuch mag nun gelungen sein oder nicht, so weiß ich doch zu gut, daß er zu übertreffen ist und wünsche nichts mehr als, zum Besten jener Philosophie, nachgeahmt und übertroffen zu werden.
Solchen ist aus guten Gründen anzurathen, nicht sich der Führung beliebiger akademischer Berufs-Philosophen anzuvertrauen, Sondern Plato zu lesen.
Sie sollen vor allem allerlei Flausen verlernen und einfach und natürlich werden.
Gefahr in falsche Hände zu gerathen.
19 [212]
| Einleitung. Typen von Köpfen und Lehren zur Einleitung nöthig. Einfach müssen sie sein und leichter zu über schauen. |
| Das, was Philosophie ist, muß deutlich werden, speziell die Aufgabe der Philosophie innerhalb einer Kultur. |
| Daß es die Griechen sind, im Zeitalter der Tragödie, die philosophiren. |
| Der Sinn der Geschichte: eine Metamorphose der Pflanzen. Beispiel. |
| (Ideal und “ikonische” Geschichte—letztere unmöglich |
| Über die Filtration durch den gewöhnlichen Kopf. Schopenhauer, I, XXVI. |
| Widerwille gegen Compilationen. |
| Vorbildlich Schopenhauers Fragen zur Philosophie und Kritik Kants. Schopenhauer, I 290. |
19 [213]
Nach Art der alten Historiker.
2. Griechen rechtfertigen.
3. Thales.
19 [214]
Die Philosophie
im
tragischen Zeitalter der Griechen.
Kurzgefasster Bericht
über die alten philosophischen
Meister der Griechen.
19 [215]
Die einzige Art, die Vielheit zu bezwingen, ist, daß wir Gattungen machen, z. B. kühn eine ganze Menge von Handlungsweisen nennen. Wir erklären sie uns, wenn wir sie unter die Rubrik “kühn” bringen. Alles Erklären und Erkennen ist eigentlich nur ein Rubriziren.— Nun mit kühnem Schwung: die Vielheit der Dinge wird unter einen Hut gebracht, wenn wir sie gleichsam als unzählige Handlungen einer Qualität betrachten z. B. als Handlungen des Wassers, wie bei Thales. Hier haben wir eine Übertragung: eine Abstraktion faßt zahllose Handlungen zusammen und gilt als Ursache. Welches ist die Abstraktion (Eigenschaft), welche die Vielheit aller Dinge zusammenfaßt? Die Qualität “wässerig,” “feucht.” Die ganze Welt ist feucht, also ist Feuchtsein die ganze Welt. Metonymia! Ein falscher Schluß. Ein Prädikat ist verwechselt mit einer Summe von Prädikaten (Definition).
Das logische Denken wenig geübt bei den Ioniern, entwickelt sich ganz langsam. Die falschen Schlüsse werden wir aber richtiger als Metonymien d. h. rhetorisch poetisch fassen.
Alle rhetorischen Figuren (d.h. das Wesen der Sprache) sind logische Fehlschlüsse. Damit fängt die Vernunft an!
19 [216]
Wir sehen, wie zuerst weiter philosophirt wird, so wie die Sprache entstanden ist, d.h. unlogisch.
Nun kommt das Pathos der Wahrheit und Wahrhaftigkeit hinzu. Dies hat zunächst mit dem Logischen nichts zu thun. Es besagt nur, daß keine bewußte Täuschung begangen wird. Jene Täuschungen aber in der Sprache und in der Philosophie sind zuerst unbewußte und sehr schwer zum Bewußtsein zu bringen. Aber durch das Nebeneinander verschiedener mit gleichem Pathos aufgestellter Philosophien (oder religiöser Systeme) entstand ein sonderbarer Kampf. Bei dem Nebeneinander feindlicher Religionen half sich jede dadurch, daß sie die andere für unwahr erklärte: so auch bei den Systemen.
Dies brachte Einige zur Skepsis: die Wahrheit liegt im Brunnen! seufzten sie.
Bei Sokrates kommt die Wahrhaftigkeit in den Besitz der Logik: sie merkt die unendliche Schwierigkeit des richtigen Rubrizirens.
19 [217]
Tropen sind’s, nicht unbewußte Schlüsse, auf denen unsre Sinneswahrnehmungen beruhn. Ähnliches mit Ähnlichem identificiren—irgend welche Ähnlichkeit an einem und einem andern Ding ausfindig machen ist der Urprozeß. Das Gedächtniß lebt von dieser Thätigkeit und übt sich fortwährend. Die Verwechslung ist das Urphänomen.— Dies setzt voraus das Gestaltensehen. Das Bild im Auge ist für unser Erkennen maßgebend, dann der Rhythmus unseres Gehörs. Vom Auge aus würden wir nie zur Zeitvorstellung kommen, vom Ohre aus nie zur Raumvorstellung. Dem Tastgefühl entspricht die Kausalitätsempfindung.
Von vorn herein sehen wir ja die Bilder im Auge nur in uns, wir hören den Ton nur in uns—von da zur Annahme einer Außenwelt ist ein weiter Schritt. Die Pflanze z. B. empfindet keine Außenwelt. Das Tastgefühl, und zugleich das Gesichtsbild geben zwei Empfindungen nebeneinander empirisch, diese, weil sie immer mit einander erscheinen, erwecken die Vorstellung eines Zusammenhangs (durch Metapher—denn nicht alles Miteinander-Erscheinende hängt zusammen).
Die Abstraktion ist ein höchst wichtiges Erzeugniß. Es ist ein dauernder im Gedächtniß festgehaltener und hartgewordener Eindruck, der auf sehr viele Erscheinungen paßt und deshalb, jedem Einzelnen gegenüber, sehr grob und unzureichend ist.
19 [218]
| Wahrheitspathos in einer Lügenwelt. |
| Lügenwelt wieder in den höchsten Spitzen der Philosophie. |
| Zweck dieser höchsten Lügen Bändigung des unumschränkten Erkenntnißtriebes. |
| Entstehung des Erkenntnißtriebes aus der Moral. |
19 [219]
Woher das Wahrheitspathos in der Lügenwelt? Aus der Moral.
Das Wahrheitspathos und die Logik.
Die Kultur und die Wahrheit.
19 [220]
Jede kleine Erkenntniß hat eine große Befriedigung in sich: doch nicht als Wahrheit, sondern als Glaube, die Wahrheit entdeckt zu haben. Welcher Art ist diese Befriedigung?
19 [221]
Die Kultur eine Einheit. Nur scheint der Philosoph außerhalb zu stehn. Er wendet sich an die fernste Nachwelt—Ruhm.
Merkwürdig, daß die Griechen philosophirt haben. Die schöne Lüge.
Aber noch merkwürdiger, daß der Mensch überhaupt zum Wahrheitspathos gekommen.
Die Bilder in ihm sind ja viel mächtiger als die Natur um ihn: wie bei den deutschen Malern des 15ten Jhs., die, trotz der sie umgebenden Natur, so spinnenartige Glieder schaffen—von der alten frommen Tradition bestimmt.
Plato will einen neuen Staat, in dem die Dialektik herrscht, er verneint die Kultur der schönen Lüge.
19 [222]
In Deutschland wird jetzt nicht philosophirt und deshalb ist die Frage: was eigentlich der Philosoph sei, unter den Deutschen unverständlich. Daher auch die anhaltende, zuletzt in Böswilligkeit übergehende Verwunderung, daß jemand, ohne sich um sie zu kümmern, und doch an sie appellirend, als Philosoph unter ihnen leben konnte. Die Deutschen vertragen es jetzt nicht, ebensowenig wie Gespenster, angerufen zu werden.
Die verzweifelte Ungelegenheit, als Philosoph unter den Deutschen geboren zu werden!
19 [223]
Die Moralitätsinstinkte: die Mutterliebe—allmählich zur Liebe überhaupt. Ebenso die Geschlechtsliebe. Überall erkenne ich Übertragungen.
19 [224]
Vieles in der Natur ist feucht: alles in der Natur ist feucht. Feuchtigkeit gehört zum Wesen der Natur: Feuchtigkeit ist das Wesen der Natur. So Thales.
19 [225]
Unwahrheit des Menschen gegen sich selbst und gegen andere: Voraussetzung die Unkenntniß—nöthig, um zu existiren (selbst—und in Gesellschaft). In das vacuum stellt sich die Täuschung der Vorstellungen. Der Traum. Die überkommenen Begriffe (die den altdeutschen Maler, trotz der Natur, beherrschen) in allen Zeiten verschieden. Metonymien. Reize, nicht volle Erkenntnisse. Das Auge giebt Gestalten. Wir hängen an der Oberfläche. Die Neigung zum Schönen. Mangel an Logik, aber Metaphern. Religionen. Philosophien. Nachahmen.
19 [226]
Das Nachahmen ist das Mittel aller Kultur, dadurch wird allmählich der Instinkt erzeugt. Alles Vergleichen (Urdenken) ist ein Nachahmen. So bilden sich Arten, daß die ersten nur ähnliche Exemplare stark nachahmen, d. h. dem größten und kräftigsten Exemplare es nachmachen. Die Anerziehung einer zweiten Natur durch Nachahmung. In der Zeugung ist das unbewußte Nachbilden am merkwürdigsten, dabei das Erziehen einer zweiten Natur.
Unsre Sinne ahmen die Natur nach, indem sie immer mehr dieselbe abkonterfeien.
Das Nachahmen setzt voraus ein Aufnehmen und dann ein fortgesetztes Übertragen des aufgenommenen Bildes in tausend Metaphern, alle wirkend.
Das Analoge —
19 [227]
Welche Macht zwingt zur Nachahmung? Die Aneignung eines fremden Eindrucks durch Metaphern.
Reiz—Erinnerungsbild
durch Metapher (Analogieschluß) verbunden.
Resultat: es werden Ähnlichkeiten entdeckt und neu belebt. An einem Erinnerungsbilde spielt sieh der wiederholte Reiz noch einmal ab.
Reiz percipirt—jetzt wiederholt, in vielen Metaphern, wobei verwandte Bilder, aus den verschiedenen Rubriken, herbeiströmen. Jede Perception erzielt eine vielfache Nachahmung des Reizes, doch mit Übertragung auf verschiedene Gebiete.
Reiz empfunden übertragen auf verwandte Nerven dort, in Übertragung, wiederholt usw.
Es findet ein Übersetzen des einen Sinneseindrucks in den andern statt: manche sehen etwas oder schmecken etwas bei bestimmten Tönen. Dies ein ganz allgemeines Phänomen.
19 [228]
Das Nachahmen ist darin der Gegensatz des Erkennens, daß das Erkennen eben keine Übertragung gelten lassen will, sondern ohne Metapher den Eindruck festhalten will
und ohne Consequenzen. Zu diesem Behufe wird er petrificirt: der Eindruck durch Begriffe eingefangen und abgegränzt, dann getödtet, gehäutet und als Begriff mumisirt und aufbewahrt.
Nun aber giebt es keine “eigentlichen” Ausdrücke und kein eigentliches Erkennen ohne Metapher. Aber die Täuschung darüber besteht, d. h. der Glaube an eine Wahrheit des Sinneneindrucks. Die gewöhnlichsten Metaphern, die usuellen, gelten jetzt als Wahrheiten und als Maaß für die seltneren. An sich herrscht hier nur der Unterschied zwischen Gewöhnung und Neuheit, Häufigkeit und Seltenheit.
Das Erkennen ist nur ein Arbeiten in den beliebtesten Metaphern, also ein nicht mehr als Nachahmung empfundenes Nachahmen. Es kann also natürlich nicht ins Reich der Wahrheit dringen.
Das Pathos des Wahrheitstriebes setzt die Beobachtung voraus, daß die verschiedenen Metapherwelten mit einander uneins sind und kämpfen z. B. der Traum, die Lüge usw. und die gewöhnliche usuelle Auffassung: davon die eine die seltnere, die andere die häufigere ist. Also der Usus kämpft gegen die Ausnahme an, das Regelmäßige gegen das Ungewöhnliche. Daher die Achtung der Tageswirklichkeit vor der Traumwelt.
Nun aber ist das Seltene und Ungewöhnliche das Reizvollere—die Lüge wird als Reiz empfunden. Poesie.
19 [229]
In der politischen Gesellschaft ist eine feste Übereinkunft nöthig, sie ist auf den usuellen Gebrauch von Metaphern gegründet. Jeder ungewöhnliche regt sie auf, ja vernichtet sie. Also jedes Wort so brauchen, wie es die Masse braucht, ist politische Convenienz und Moral. Wahr sein heißt nur nicht abweichen vom usuellen Sinn der Dinge. Das Wahre ist das Seiende, im Gegensatz zum Nichtwirklichen. Die erste Convention ist die über das, was als “seiend” gelten soll.
Aber der Trieb wahr zu sein, übertragen auf die Natur, erzeugt den Glauben daß auch die Natur gegen uns wahr sein muß. Erkenntnißtrieb beruht auf dieser Übertragung.
Unter “wahr” wird zuerst nur verstanden das, was usuell die gewohnte Metapher ist—also nur eine Illusion, die durch häufigen Gebrauch gewohnt worden ist und nicht mehr als Illusion empfunden wird: vergessene Metapher, d. h. eine Metapher, bei der vergessen ist, daß es eine ist.
19 [230]
Der Trieb zur Wahrheit beginnt mit der starken Beobachtung, wie entgegengesetzt die wirkliche Welt und die der Lüge ist und wie alles Menschenleben unsicher ist, wenn die Conventions-Wahrheit nicht unbedingt gilt: es ist eine moralische Überzeugung von der Nothwendigkeit einer festen Convention, wenn eine menschliche Gesellschaft existiren soll. Wenn irgendwo der Kriegszustand aufhören soll, so muß er beginnen mit der Fixirung der Wahrheit d. h. einer gültigen und verbindlichen Bezeichnung der Dinge.
Der Lügner gebraucht die Worte, um das Unwirkliche als Wirklich erscheinen zu machen, d. h. er mißbraucht das feste Fundament.
Andernseits ist der Trieb zu immer neuen Metaphern da, er entladet sich im Dichter, im Schauspieler usw., in der Religion vor allem.
Der Philosoph sucht nun in dem Bereich, in dem die Religionen walteten, auch das “Wirkliche,” das Bleibende, im Gefühl des ewigen mythischen Lügenspiels. Er will Wahrheit, die bleibt. Er breitet also das Bedürfniß nach festen Wahrheitsconventionen auf neue Gebiete aus.
19 [231]
Der älteste Monotheismus meint eben das eine glänzende Himmelsgewölbe und nennt es dewas. Sehr beschränkt und unplastisch. Welcher Fortschritt sind die polytheistischen Religionen.
19 [232]
Die redenden Künste! Da liegt’s, weshalb die Deutschen keine Schriftsteller werden können!
19 [233]
Goethe konnte Märchen erzählen, Herder war Prediger.
Der Faust ist die einzige nationale Redeentfaltung im Knittelvers.
19 [234]
Ich möchte die Frage nach dem Werthe der Erkenntniß behandeln wie ein kalter Engel, der die ganze Lumperei durchschaut. Ohne böse zu sein, aber ohne Gemüth.
19 [235]
Alle Naturgesetze sind nur Relationen eines x zu y und z. Wir definiren Naturgesetze als die Relationen zu einem xyz, davon jedes wiederum uns nur als Relationen zu andern xyz bekannt ist.
19 [236]
Das Erkennen, ganz streng genommen, hat nur die Form der Tautologie und ist leer. Jede uns fördernde Erkenntniß ist ein Identificiren des Nichtgleichen, des Ähnlichen, d. h. ist wesentlich unlogisch.
Wir gewinnen einen Begriff nur auf diesem Wege und thun nachher, als ob der Begriff “Mensch” etwas Thatsächliches wäre, während er doch nur durch Fallenlassen aller individuellen Züge von uns gebildet ist. Wir setzen voraus, daß die Natur nach einem solchen Begriff verfahre: hier ist aber einmal die Natur und sodann der Begriff anthropomorphisch. Das Übersehn des Individuellen giebt uns den Begriff und damit beginnt unsre Erkenntniß: im Rubriziren, in Aufstellungen von Gattungen. Dem entspricht aber das Wesen der Dinge nicht: es ist ein Erkenntnißprozeß, der das Wesen der Dinge nicht trifft. Viele einzelne Züge bestimmen uns ein Ding, nicht alle: die Gleichheit dieser Züge veranlaßt uns viele Dinge unter einen Begriff zusammenzunehmen.
Wir produziren als Träger der Eigenschaften Wesen und Abstraktionen als Ursachen dieser Eigenschaften.
Daß eine Einheit, ein Baum z. B., uns als Vielheit von Eigenschaften, von Relationen erscheint, ist in doppelter Weise anthropomorphisch: erstens existirt diese abgegrenzte Einheit “Baum” nicht, es ist willkürlich ein Ding so herauszuschneiden (nach dem Auge, nach der Form), es ist jede Relation nicht die wahre absolute Relation, sondern wieder anthropomorphisch gefärbt.
19 [237]
Der Philosoph sucht nicht die Wahrheit, sondern die Metamorphose der Welt in den Menschen: er ringt nach einem Verstehen der Welt mit Selbstbewußtsein. Er ringt nach einer Assimilation: er ist befriedigt, wenn er irgend etwas anthropomorphisch zurechtgelegt hat. Wie der Astrolog die Welt im Dienste der einzelnen Individuen ansieht, so der Philosoph die Welt als Mensch.
Der Mensch als Maaß der Dinge ist ebenfalls der Gedanke der Wissenschaft. Jedes Naturgesetz ist zuletzt eine Summe von anthropomorphischen Relationen. Besonders die Zahl: die Auflösung aller Gesetze in Vielheiten, ihr Ausdruck in Zahlenformeln ist eine, wie jemand, der nicht hören kann, die Musik und den Ton nach den Chladnischen Klangfiguren beurtheilt.
19 [238]
Am schwersten entwickelt sich das Gefühl für die Gewißheit. Zunächst sucht man Erklärung: wenn eine Hypothese viel erklärt, so wird der Schluß gemacht, daß sie alles erkläre.
19 [239]
Anaximander entdeckt den widerspruchsvollen Charakter unserer Welt: an ihren Qualitäten geht sie zu Grunde.
19 [240]
Die Welt ist Erscheinung—aber nicht wir allein sind Ursache, daß sie erscheint. Noch von einer anderen Seite her ist sie unreal.
19 [241]
Unsre Erlebnisse bestimmen unser Individuum, und zwar so, daß, nach jedem Gefühlseindruck, unser Individuum bis in die letzte Zelle hinein bestimmt ist.
19 [242]
Das Wesen der Definition: der Bleistift ist ein länglicher usw. Körper. A ist B. Das was länglich ist, ist hier zugleich bunt. Die Eigenschaften enthalten nur Relationen.
Ein bestimmter Körper ist gleich so und so viel Relationen. Relationen können nie das Wesen sein, sondern nur Folgen des Wesens. Das synthetische Urtheil beschreibt ein Ding nach seinen Folgen, d.h. Wesen und Folgen werden identificirt, d.h. eine Metonymie.
Also im Wesen des synthetischen Urtheils liegt eine Metonymie,
d. h. es ist eine falsche Gleichung.
D.h. die synthetischen Schlüsse sind unlogisch. Wenn wir sie anwenden, setzen wir die populäre Metaphysik voraus, d. h. die, welche Wirkungen als Ursachen betrachtet.
Der Begriff “Bleistift” wird verwechselt mit dem “Ding” Bleistift. Das “ist” im synthetischen Urtheil ist falsch, es enthält eine Übertragung, zwei verschiedene Sphären werden neben einander gestellt, zwischen denen nie eine Gleichung stattfinden kann.
Wir leben und denken unter lauter Wirkungen des Unlogischen, in Nichtwissen und Falschwissen.
19 [243]
Die Welt der Unwahrheit:
Der Traum und das Wachen.
Kurzes Selbstbewußtsein.
Schmale Erinnerung.
Synthetische Urtheile.
Die Sprache.
Die Illusionen und Ziele.
Der verlogene Standpunkt der Gesellschaft.
Zeit und Raum.
19 [244]
Woher in aller Welt das Wahrheitspathos?
Es will nicht die Wahrheit, sondern den Glauben, das Zutrauen zu etwas.
19 [245]
Frage nach der Teleologie des Philosophen—der die Dinge nicht historisch und nicht gemüthlich ansieht.
Die Frage erweitert sich ihm zur Frage vom Werthe der Erkenntniß.
Umschreibung des Philosophen—er braucht den Ruhm, er denkt nicht an den Nutzen, der von der Erkenntniß ausgeht, sondern den Nutzen, der in der Erkenntniß selbst liegt.
Wenn er ein Wort fände, das ausgesprochen die Welt vernichten würde, glaubt ihr, er spräche es nicht aus?
Was heißt es, daß er glaubt die Menschheit brauche die Wahrheit?
19 [246]
Welches ist der Werth der Erkenntniß überhaupt?
Die Welt der Lüge—die Wahrheit kommt allmählich zum Rechte—alle Tugenden entstehen aus Lastern.
19 [247]
1. Flucht vor dem Gebildeten und dem Gemüthlichen.
2. Ruhm und der Philosoph.
3. Die Wahrheit und ihr Werth als reines Metaphysikum.
19 [248]
| Haupttheil: die Systeme als Anthropomorphismen. |
| Leben in der Lüge. |
| Pathos der Wahrheit, vermittelt durch Liebe und Selbsterhaltung. |
| Nachahmen und Erkennen. |
| Bändigung des unumschränkten Erkenntnißtriebes durch die Täuschung. |
| Gegen die ikonische Geschichtsschreibung. |
| Die Religionen. |
| Die Kunst. |
| Die Unmöglichkeit und der Fortschritt. |
| Betrachtung eines bösen Dämons über den Werth der Erkenntniß, Hohn. Astrologie. |
| Das Tragische, ja Resignirte der Erkenntniß nach Kant. |
| Kultur und Wissenschaft. |
| Wissenschaft und Philosophie. |
| Gesetzgebung der Größe. |
| Das Weiterzeugen im Schönen. |
| Der Logiker. |
| Resultat: Zwecklos entstanden, zufällig, Unmögliches erstrebend, moralisch und historisch, das Leben verachtend. Das als Wahrheit verehrte Phantom hat die gleichen Wirkungen, gilt ebenfalls als Metaphysikum. |
19 [249]
Metapher heißt etwas als gleich behandeln, was man in einem Punkte als ähnlich erkannt hat.
19 [250]
Der Ruhm täuscht sich darin: nie wird einer wieder das Schöpfergefühl so fühlen, wie es der Schöpfer selbst gefühlt hat. Also auch nie die völlige Schätzung möglich.
19 [251]
Das Vertrauen zu einer gefundenen Wahrheit zeigt sich darin, daß man sie mittheilen will. Man kann sie nun doppelt mittheilen: in ihren Wirkungen, so daß die Anderen durch sie rückwärts von dem Werthe des Fundamentes überzeugt sind. Oder durch Beweisen der Entstehung und logischen Verflechtung von lauter sichern und bereits erkannten Wahrheiten. Die Verflechtung besteht im richtigen Unterordnen spezieller Fälle unter allgemeine Sätze—ist ein reines Rubriziren.
19 [252]
Das Kunstwerk verhält sich ähnlich zur Natur, wie sich der mathematische Kreis zum natürlichen Kreis verhält.
19 [253]
Warum wollen wir nicht getäuscht werden?
— Wir wollen es in der Kunst. Wir begehren wenigstens für vieles die Unwissenheit d. h. auch die Täuschung.
Er will, soweit es zum Leben nöthig ist, nicht getäuscht werden d. h. er muß sich erhalten können, in diesem Bereich des Bedürfnisses will er Zutrauen haben dürfen.
Nur die Täuschung, die feindlich ist, verschmäht er, nicht die erfreuliche. Er flieht das Betrogenwerden, die schlimme Täuschung. Also im Grunde nicht die Täuschung, sondern die Folge der Täuschung und zwar die schlimme Folge. Also wo in seinem Zutrauen mit bösen Folgen getäuscht zu werden möglich ist, da verwirft er die Täuschung. Da will er die Wahrheit d. h. wieder er will die angenehmen Folgen. Die Wahrheit kommt nur in Betracht als Mittel gegen feindselige Täuschungen. Die Forderung der Wahrheit heißt: thue den Menschen durch Betrug nichts Böses. Gegen die reine, folgenlose Erkenntniß der Wahrheit ist der Mensch gleichgültig.
Dafür hat ihn die Natur auch nicht eingerichtet. Der Glaube an die Wahrheit ist der Glaube an gewisse beglückende Wirkungen.— Woher kommt nun alle Moralität des Wahrheitsverlangens? Bis jetzt ist alles egoistisch. Oder: wo wird das Wahrheitsverlangen heroisch und für das Individuum verderblich?
19 [254]
Sucht der Philosoph die Wahrheit?
Nein, dann läge ihm mehr an der Gewißheit.
Die Wahrheit ist kalt, der Glaube an die Wahrheit ist mächtig.
19 [255]
| Herrschaft der Kunst über das Leben—natürliche Seite. |
| Cultur und Religion. |
| Cultur und Wissenschaft. |
| Cultur und Philosophie. |
| Kosmopolitischer Weg zur Cultur. |
| Romanischer und griechischer Begriff der Kunst. |
| Schiller’s und Goethe’s Ringen. |
| Schilderung des “Gebildeten.” |
| Falscher Begriff des Deutschen. |
| Die Musik als lebendiger Keim. |
19 [256]
Auf der natürlichen Vorstufe ist ein Volk nur soweit eine Einheit, als es eine gemeinsame primitive Kunst hat.
19 [257]
Durch Isolation können einige Begriffsfolgen so vehement werden, daß sie die Kraft anderer Triebe an sich ziehn. So z. B. der Erkenntnißtrieb.
Eine so präparirte Natur, bis in die Zelle bestimmt, pflanzt sich nun wieder fort und vererbt sich: sieh steigernd, bis endlich die Absorption nach dieser Seite hin die allgemeine Kräftigkeit zerstört.
19 [258]
Die Wahrheit ist dem Menschen gleichgültig: dies zeigt die Tautologie, als die einzig zugängliche Form der Wahrheit.
Dann heißt die Wahrheit suchen auch richtig rubriziren, d. h. einem vorhandenen Begriff richtig die einzelnen Fälle unterordnen. Hier ist aber der Begriff unsere That, wie auch die vergangenen Zeiten. Die ganze Welt unter die richtigen Begriffe subsumiren heißt doch nichts als unter die ursprünglich menschlichen allgemeinsten Formen der Relation die einzelnen Dinge einreihen: also die Begriffe nur bewähren, das was wir unter sie steckten, wieder auch unter ihnen zu suchen also im Grunde auch Tautologie.
19 [259]
| Anzugreifen: |
| Philologenversammlung. |
| Straßburger Universität. |
| Auerbach in der Augsburgerin, nationale Denkmäler. |
| Freitag Ingo Gelehrte Technik |
| Gottschall. |
| Junges Deutschland. |
| Universität Leipzig, Zöllner. |
| Theaterverschwendung. |
| Kunstdotation im Reichstage. |
| Grimm, Lübke, Julian Schmidt. |
| Jürgen-Meyer, Kuno Fischer, Lotze. |
| Riehl, Schwind. |
| Berliner Professorenwirthschaft. |
| Jahn und Hauptmann. |
| Gervinus. |
| Hanslick. |
| Centralblatt. |
| Abseits-Musikmachen. |
| Leipzig, die Geburtsstadt Wagner’s. |
| Strauß. |
19 [260]
Die “Drastiker” können die unendliche Melodie nicht finden; sie sind immer zu Ende und bei ihren drastischen Accenten.
19 [261]
Elemente der deutschen Kultur
gelehrte
religiös-befreiende
Nachahmungstrieb des Auslandes.
19 [262]
Das laisser aller in den Wissenschaften: jeder Gelehrte für sich. Der Geist der gesammten Gelehrten-Republik empört sich negativ, aber begeistert sich nicht.
19 [263]
Die Milderung der Sitten (Religion), die Gelehrsamkeit und Wissenschaft vertragen sich mit Barbarei.— Der Kulturweg der Deutschen wagt jetzt sich eine Organisation, ein Tribunal zu schaffen.
19 [264]
Ein Glück, daß die Musik nicht spricht—obschon jetzt die Musiker viel schwätzen. Deshalb eignet sie sich zu einem Keim der Rettung.
19 [265]
In Deutschland reden nur drei Sorten von Berufswegen viel: der Magister, der Pastor, die Amme.
19 [266]
Bildung—nicht Lebensnoth, sondern Überfluß.
Die Kunst entweder Convention oder Physis.
Versuch unserer großen Dichter zu einer Convention zu kommen. Goethe und das Schauspielwesen.
Die Naturwahrheit—das Pathologische war zu mächtig.
Sie haben es zu keiner Form gebracht.
19 [267]
1. Schilderung der einsamen Bayreuther Pfingsthoffnungen. Persönliche Interpretation der Neunten auf Wagner und symbolische Hoffnung aus seinem Leben für unsre Kultur. Unsre höchste Furcht, daß wir nicht reif sind für die Wunder, daß ihre Wirkung nicht tief genug ist.
2. Ringsum Stille, keiner merkt etwas. Die Regierungen glauben an die Güte ihrer Bildung, die Gelehrten auch. Benutzung der Wirkung des Krieges. Wodurch hat man ihn geheiligt?— Dumpfe Abneigung gegen Wagner.
3. Den einzigen Lärm erheben die zunächst bedrohten Vertreter der schlechten jetzigen Kunstinstitute, Journale, diese fürchten sich. Lärmende Abneigung. Kann nur bestehen durch Anlehnung an jene dumpfe ahnende Abneigung.
Ahnung des Untergangs des jetzigen Gebildeten.
19 [268]
Plan zu 6 Vorträgen.
| Die Kunst und unsere Pfingsttage. |
| Der Gebildete in seinen Formen. |
| Genesis des Gebildeten. |
| Romanischer und hellenischer Begriff der Kunst und unsre Klassiker. |
| Musik, Drama und Leben. |
| Morgenroth-Perspektiven. Das Tribunal für die höhere Erziehung. Die naiven Phänomene treten der Reihe nach vor, der wahre Künstler, der Sinn der Kunst, der tiefe Ernst einer neuen Weltbetrachtung. |
19 [269]
Unsere Verwunderung zu Pfingsten. Es war kein Musikfest. Es sah wie ein Traum aus.
Jedesmal wenn Wagner beleidigt, berührt er ein tiefes Problem.
Philologenversammlung. Straßburg.— Lehrer und Universitäten und deren Leiter ahnten nichts.
19 [270]
| 1.2.3. | Charakteristik des Gebildeten. | |
| 1.2.3. | Genesis des Gebildeten. Es giebt für sie kein. Ungeheures Ringen Schiller’s und Goethe’s. Sie suchen nach dem Talisman des Deutschen. Lernen vom Auslande bei den Griechen. Romanischer und hellenischer Begriff der Kunst. | |
| 1.2.3. | Wagner erkennt die Musik als solches. Antiker Satz von der Musik und dem Staate. Der nächste Schritt: Musik schafft sich das Drama. Jetzt kommt zu Tage, was das Wortdrama ist: gelehrt, unoriginal, erlogen oder Drastik. Wagner. Goethes Volkslied, Marionettentheater, Volksvers. Mythus. Er schafft erst das Deutsche. Consequenzen der antiken Tragödie für alle Künste und das Leben. Die “Gebildeten” sind in Verlegenheit. |
19 [271]
Woher sollen wir eine Litteratur haben? Wir haben ja keine Redner. Goethe der Mährchenerzähler,
Der Herr Pastor und die Frau Base, idealisirt, ergeben die Grundtypen unserer Schriftsteller. Amme, Magister, Pastor, Junker.
19 [272]
| Unglücksfälle der deutschwerdenden Kultur: |
| Hegel Heine das politische Fieber, das das Nationale betonte. Kriegsruhm. |
| Stützen der deutschwerdenden Kultur: |
| Schopenhauer—vertieft die Weltbetrachtung der Goethe-Schiller-Kultur. |
19 [273]
Masken des bürgerlichen Lustspiels Kotzebue’s.
| Die “alten Jungfern,” die sentimentalischen: |
| Riehl, Gervinus, Schwind, Jahn, Freitag reden viel von der Unschuld und der Schönheit. |
| Die jungen “Greise” (Blasirten), die historischen: |
| Ranke, die Zeitungsschreiber, Mommsen, Bernays. sind über alles hinaus. |
| Die ewigen Gymnasiasten: |
| Gottschall, Lindau, Gutzkow, Laube. |
| Die Unfrommen vom Lande: |
| Strauß. Die Philisterei ist die eigentliche Unfrömmigkeit. |
19 [274]
Bayreuther Horizont-Betrachtungen.
| 1. | Bayreuther Pfingsttage. Ungeheures Nicht-Verstehen rings herum. Philologenversammlung in Leipzig. Der Krieg und die Universität Straßburg. |
| 2. | Die Weichlichen. | ||
| 3. | Die Historischen. | Charakteristik der | |
| 4. | Die Gelehrten. | “Gebildeten.” | |
| 5. | Die Zeitungsschreiber. | ||
| 6. | Die Naturwissenschaftlichen. | ||
| 7.8. 9. | Schulen. Universitäten. Ihr Verfahren mit der Kunst | Genesis des “Gebildeten.” |
| 10. | Der Phönizier in den Hauptstädten: als Nachahmer jener Bildung. |
| 11.12. | Hauptsatz: Es giebt keine deutsche Bildung, weil es noch keinen deutschen Kunststil giebt. Ungeheure Arbeit Schillers Goethes zu einem deutschen Stile zu kommen. Kosmopolitische Tendenz nothwendig. Fortsetzung der Reformationsarbeit. |
Wagner’s; die deutsche Musik. An ihr kann man lernen, wie die deutsche Kultur sich verhalten wird zu anderen Kulturen. Plato über Musik: Kultur. Sie ist nicht “historisch,” an ihr kann man das Lebendige fühlen. Sie hat das Gelehrtenhafte tiefsinnig überwunden und in instinktive Technik verwandelt. Sie belebt den Mythus wieder (Meistersinger).
19 [275]
| Einleitung. |
| Charakteristik des “Gebildeten.” |
| Genesis des “Gebildeten.” |
| Es giebt noch keine Bildung. Schilderung des bisherigen Kampfes. |
| Das Drama (die Drastiker, ihre drastischen Accente sind wie die dramatischen Accente und Fermaten der Oper). |
| Selbst das Trinklied der Deutschen ist gelehrt. |
19 [276]
Die “Bildung” versuchte sich auf der Schiller-Goetheschen Basis, wie auf einem Ruhebette, niederzulassen.
19 [277]
| 1. | Das Rohdesche Fragment. | |
| 2. | Heldenklage. | |
| 3. | Gern und gerner. | |
| 4. | Unendlich! | |
| 5. | Verwelkt. | |
| 6. | Es winkt und neigt sich. | |
| 7. | Ständchen. | |
| 8. | Nachspiel. | |
| 9. | Der Könige Tod. | |
| 10. | So lach doch mal. | |
| 11. | Etes titok. | |
| 12. | Sturmmarsch. | |
| 13. | Aus der ersten Sylvesternacht. | |
| 14. | Miserere. | |
| 15. | Mariae Verkündigung. |
19 [278]
Der feste Punkt, um den sich das griechische Volk krystallisirt, ist seine Sprache.
Der feste Punkt, an dem seine Kultur sich krystallisirt, ist Homer.
Also beidemal sind es Kunstwerke.
19 [279]
A. Dove nimmt sich Puschmanns, P. Lindau des Mohrs an
Das Aufheben, das die Deutschen von dem in allen Kunstfragen wahrhaft albernen Gervinus gemacht haben.
19 [280]
Heinrich Kleist redet als Dramatiker und Erzähler zu uns, als ob er zugleich einen hohen Berg besteige.
Goethe über Kleist: fürchtet sich.
Die dramatische Kunst ist unserm Publikum gegenüber eitel Blendwerk: es hat kein ästhetisches Gefühl, sondern ist pathologisch.
19 [281]
Wir können. uns den Gelehrten ohne Kultur, den Frommen ohne Kultur, den Philosophen ohne Kultur denken: im Gelehrtsein liegt ein Widerspruch mit der Einheit der Bildung, im christlichen Frommsein ein Widerspruch
19 [282]
Scheidung der intellectuellen Faktoren von den intelligibeln im Wesen des Philosophen.
19 [283]
Die Faktoren der jetzigen Cultur.
| 1. | Das Historische, das Werden. | |
| 2. | Das Philistrose, das Sein. | |
| 3. | Das Gelehrtenhafte. | |
| 4. | Cultur ohne Volk. | |
| 5. | Sitte wesentlich fremdländisch. | |
| 6. | Das Unaesthetische (Pathologische). | |
| 7. | Philosophie ohne Praxis. | |
| 8. | Kastenwesen nicht nach Bildung. | |
| 9. | Schreiben, nicht Sprechen. |
19 [284]
Bisher war es die Sprache, an die das Deutsche sich anschloss. Jetzt dazu die Musik.
Die kosmopolitische Tendenz Schillers und Goethes entsprechend der orientalischen Tendenz.
Das Deutsche muss sich erst bilden:
Bildung nicht auf nationaler Grundlage, sondern Bildung des Deutschen, nicht Bildung nach dem Deutschen.
Das Deutsche muss gebildet werden: das noch nicht existirt. Weder auf Tugenden noch auf Laster zu gründen.
19 [285]
Faktoren deutscher Vergangenheit.
Volkskunst der Reformation—Faust, Meistersinger.
Askese und reine Liebe, Rom—Tannhäuser.
Treue und Ritter, Orient—Lohengrin.
Ältester Mythus, der Mensch—Ring des Nibelungen.
Metaphysik der Liebe—Tristan.
Das ist unsre Mythenwelt, sie reicht bis zur Reformation. Der Glaube an sie ist dem der Griechen an ihre Mythen sehr ähnlich.
Nicht deutsche Bildung, sondern Bildung des Deutschen ist unser erstes Ziel.
An Stelle des Historischen—die mythenbildende Kraft.
An Stelle des Philistros-Weichlichen das metaphysische Mit-Leiden.
An Stelle des Gelehrtenhaften—die tragische Weisheit.
An Stelle des Unaesthetisch-Pathologischen—das freie Spiel.
An Stelle des Kastenwesens—das Tribunal der Bildung.
An Stelle des Schreibens—Denken und Sprechen.
An Stelle der Dogmatik—die Philosophie.
Überwindung der Religionsmischung, des Asiatischen (in Hast und Luxus—Phönizisch).
Heilighaltung von Sprache und Musik.
19 [286]
Aesthetik in Deutschland.
Lessing Winckelmann Hamann Herder.
Schiller Goethe.
Grillparzer.
Schopenhauer.
Wagner. Fuchs.
19 [287]
Kurzgefasster Bericht
über
die älteren griechischen Philosophen.
19 [288]
Die Seelenwanderungs-Metamorphosen.
19 [289]
Fortsetzung der Reformation.
Gelehrsamkeit und gelehrtes Wissen, daß Kunst war.
Entdeckung des Volksliedes, Shakespeare, Hamann, Faust instinktiv, regellos—ungelehrt.
Einfache Schönheit der Plastik. Strenge Nothwendigkeit im Drama—: vorbildliche Wirkungen der Alten, Beseitigung der französischen Regeln.
19 [290]
Experimentiren, das Drama zu finden, eine Litteratur zu schaffen—: kosmopolitische Nachahmung.
Vollendete Einsicht in die Zusammenhänge des Lebens mit der Kunst—Überwindung des Begriffs “Litteratur”—: Wagner.
Beseitigung des Abseits-Musikmachens. Gegen das Mönchische der Musik.
Übergang aus der Gelehrsamkeit zum Bedürfniss der Kunst.
Überwindung des romanischen Begriffs der Kunst: Kunst als Convention, als Thesis.
Rückkehr zum hellenischen Begriff: Kunst als Physis.
19 [291]
Auch die hellenische Kunst wurde lange Zeit romanisch verstanden, ich meine so, wie sie die Römer verstanden haben: zum Schmucke, beliebig hineinzusetzen, Gewächshaus im Vergleich zum Walde. Vornehme Convention. —
19 [292]
Das schlechte Buch von Lotze, in dem der Raum mit Besprechung eines ganz unaesthetischen Menschen: Ritter (eines fast schon verschollenen Historikers der Philosophie) oder des verdrehten Leipziger Philosophen Weisse verbraucht wird.
19 [293]
Plautus römische Kunst, neuere attische Komödie. Die feste Masken-Komödie.
19 [294]
Romantiker—theils natürliche Reaktion gegen den gebildeten Cosmopolitismus, theils Reaktion der Musik gegen eine kalte Plastik, theils Erweiterung des kosmopolitischen Nachmachens und Nachsingens. Zu wenig Kraft bei viel Witterung.
Das junge Deutschland ist, wie Kotzebue gegen Schiller-Goethe, Vertreter einer französirenden Aufklärung in plumper Nachmacherei.
19 [295]
Nicht Bildung auf nationaler Grundlage, sondern Bildung des deutschen Stils im Leben Erkennen Schaffen Reden Gehen usw.
19 [296]
Über deutsche Bildung.
Eine Festschrift den Bayreuther Kunstgenossen geweiht.
19 [297]
Unterscheidung der Völker durch ihre Schwächen, ihre Tugenden, bei einiger Civilisation, gemeinsam.
19 [298]
Über die Bildung eines deutschen Kunststils.
Bevor dieser da ist, ist, um zu einiger Bildung zu kommen, nur der kosmopolitische Weg da.
Bildung ist das Leben eines Volkes unter dem Regiment der Kunst. Philosophie ist nicht für das Volk, Religion verträgt sich mit Barbarei, ebenso die Wissenschaft.
Auszugehen von den Forderungen der Kultur nach dem Kriege. 1872. Straßburg, Unfähigkeit auch nur einzusehen, wie lächerlich eine Behauptung des National-Deutschen wäre. Die Kunst hat bei uns die romanische Geltung und nicht einmal. Wissenschaft verträgt sich mit Barbarei.
19 [299]
Begabung ist nur die Voraussetzung für die Cultur, die Hauptsache ist die Zucht nach Mustern.
Die Bildung ist nicht nothwendig eine begriffliche, sondern vor allem eine anschauende und richtig wählende: wie der Musiker richtig im Finstern greift. Die Erziehung eines Volkes zur Bildung ist wesentlich Gewöhnung an gute Vorbilder und Bildung edler Bedürfnisse.
19 [300]
Die Hoffenden in der deutschen Gegenwart.
Die Möglichkeit einer deutschen Cultur.
Hoffnungen auf eine deutsche Cultur.
Festschrift.
19 [301]
Die Hoffenden.
Betrachtungen über die angebliche deutsche Cultur der Gegenwart.
19 [302]
Reden der Hoffenden.
Reden eines Hoffenden.
19 [303]
Bayreuths Horizont.
Der Horizont Bayreuths.
Bayreuther Horizont-Betrachtungen.
19 [304]
Der Deutsche spricht wenig. Deshalb sind alle Dramatiker in Verlegenheit. Das Wahre ist Wagner’s Verfahren. Kurz, tief und mit Wortsymbolik, wie mit Runen. Die ältesten Orakel wohl drei allitterirende Runen.
19 [305]
Wenigen Männern wird es verziehen werden, wenn sie ihr Volk als Barbaren bezeichnen. Aber Goethe hat es gethan, man muß es sich erklären.
19 [306]
Keine Kultur ist in drei Tagen gebaut worden, noch weniger ist jemals eine aus dem Himmel gefallen: sondern nur aus einer früheren Barbarei entsteht eine Kultur und es giebt Zeiten langen Schwankens und Kämpfens, in denen es zweifelhaft ist.
19 [307]
Gebildet nennen wir den, der ein Gebilde geworden, eine Form bekommen hat: Gegensatz der Form ist hier das Ungestaltete Gestaltlose, ohne Einheit.
19 [308]
Woran hängt die Einheit eines Volkes? Äußerlich Regierung, innerlich Sprache und Sitten. Die Sitten aber erst ganz allmählich einheitlich, viel aus Zusammenleben, Einwandern.
19 [309]
Goethe: “wir haben zwar viel ‘kultivirt.’”
19 [310]
Kultur—Herrschaft der Kunst über das Leben. Die Grade ihrer Güte hängen einmal ab vom Grade dieser Herrschaft und zweitens von dem Werthe der Kunst selbst.
19 [311]
Milderungen der Sitten durch Religionen Gesetze usw.
Steigerung der Erkenntniß und dadurch weniger Aberglaube, Finsterniß, Fanatismus, mehr Beschaulichkeit und Ruhe.
Erfindungen, Steigerungen des Wohlstandes, Verkehr mit andern Völkern.
Dabei ist Religion und Barbarei.
Erfindungsgabe Intellekt mit Barbarei verträglich. Selbst Kunst ist möglich und doch kann man das Volk noch ein barbarisches nennen.
Herrschaft der Kunst über das Leben.
19 [312]
Als unter dem ersten Tumult des ausbrechenden letzten großen Krieges ein erbitterter französischer Gelehrter die Deutschen Barbaren nannte und den Mangel einer Kultur ihnen vorwarf, hörte man doch in Deutschland scharf genug, um dies gründlich übel zu nehmen und vielen Zeitungsschreibern gab es Gelegenheit, den nicht unbefleckten Harnisch ihrer Kultur einmal recht hell zu putzen und siegesgewiß mit ihm zu prunken. Man erschöpfte sich in Versicherungen, daß das deutsche Volk das gelehrigste gelehrteste sanftmüthige tugendhafteste und reinlichste von der Welt sei: selbst gegen den Vorwurf der Menschenfresserei und des Seeraubs fühlte man sich hinlänglich sicher. Als nun bald darauf eine Stimme jenseits des Kanals laut wurde und der ehrwürdige Carlyle eben jene Eigenschaften an den Deutschen öffentlich belobte und ihnen ihretwegen den Sieg mit segnenden Händen anwünschte, da war man über die deutsche Kultur im Reinen und nach dem Erfolg war es gewiß unschuldig vom Sieg der deutschen Kultur zu reden. Jetzt, wo die Deutschen Zeit haben manches damals uns zugeschleuderte Wort hinterdrein sich noch einmal anzusehn, dürfte es wohl Einige geben, welche erkennen, daß der Franzose recht hatte: die Deutschen sind Barbaren, trotz aller jener humanen Eigenschaften. Wenn man ihnen, den Barbaren, den Sieg wünschen mußte, so geschah dies natürlich nicht weil sie Barbaren sind, sondern weil die Hoffnung auf eine werdende Kultur die Deutschen heiligt: während es keine Rücksicht auf eine entartete und verbrauchte Kultur giebt: nicht das Weib das sein Kind entarten läßt, sondern das gebären wird ist den Gesetzen heilig. Daß sie im Übrigen noch Barbaren sind, war die Meinung Goethe’s, der alt genug wurde, um sogar diese Wahrheit den Deutschen sagen zu dürfen und an dessen Worte meine Betrachtungen anzuknüpfen ich mir erlauben muß, weil es mir niemand sonst erlauben möchte. Wir haben, sagte er eines Abends zu Eckermann
Die letzte Wendung ist fein, denn sie läßt den Verehrern der Gegenwart die Möglichkeit, in einigen Jahrhunderten werde man sagen, es ist sehr lange her, daß die Deutschen nicht mehr Barbaren sind, nämlich seit der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts. Daß dies nicht eine beliebige Annahme ist, sondern daß wirklich jetzt große Massen an die erreichte deutsche Kultur glauben, aber mit Unrecht, dies will ich eben durch ein Beispiel beweisen. Zuerst ist aber der Begriff der Kultur festzustellen. Goethe setzt hinzu—vom Liede. Ganze Haufen Kriegslieder und Sonette, auch nicht eins aus einem neuen Tone
19 [313]
Das Wort Barbar und Barbarei ist ein böses verwegenes Wort und nicht so ohne Vorrede wage ich es, es zu gebrauchen: und wenn es wahr ist daß die Griechen von dem Sprachtone fremdländischer Völker wie von einem Gequake sprachen und daher mit einem gleichen Namen die Frösche benannten, so sind Barbaren also Quäker—sinnloses und unschönes Geplapper. Mangel an aesthetischer Erziehung.
19 [314]
Der Franzose dachte natürlich an seine in der ganzen Erde siegreiche Civilisation und den Grad von verkümmerter Nachahmung, den er von ihr in der deutschen Gesellschaft wiederfand: er sagte keine Kultur, weil sie keine erzeugt und nicht einmal eine vorhandene geschickt nachahmen können, wie z. B. den Russen zuzugestehen ist.
Und deshalb war jede Kriegsgefahr so furchtbar, weil sie die heimlich wachsende Frucht zerstören konnte.
Der Kriegsruhm fast noch eine größere Gefahr.
19 [315]
Einleitung.
Weisheit Wissenschaft.
Mythische Vorstufe.
Sporadisch-Spruchmäßige.
Vorstufen des.
Thales.
Anaximander.
Anaximenes.
Pythagoras.
Heraclit.
Xenophanes.
Parmenides.
Anaxagoras.
Empedocles.
Democrit.
Pythagoriker.
Socrates. Sehr einfach.
19 [316]
Die
Rechtfertigung der Philosophie
durch die Griechen.
Eine Festschrift.
Von
Friedrich Nietzsche.
19 [317]
Betrachtungen eines Hoffenden.
19 [318]
Der letzte Philosoph.
| 1. | Die Übertragungen des Menschen auf die Natur. | |
| 2. | Das Griechische als Weltprincip. | |
| 3. | Heraklit gegen das Dionysische. Empedokles gegen das Thieropfer. Pythagoreer Ordenswesen. Demokrit der wissensch Reisende. |
19 [319]
Der ursprüngliche Zweck der Philosophie ist vereitelt.
Gegen die ikonische Geschichtsschreibung.
Philosophie, ohne Cultur, und Wissenschaft.
veränderte Stellung der Philosophie seit Kant.
Metaphysik unmöglich. Selbstcastration.
Die tragische Resignation, das Ende der Philosophie.
Nur die Kunst vermag uns zu retten.
19 [320]
1. Die übrigen Philosophen.
2. Wahrheit und Illusion.
3. Illusion und Kultur.
4. Der letzte Philosoph.
19 [321]
Die Methode der Philosophen zum Letzten zu kommen rubrizirt.
Der unlogische Trieb.
Wahrhaftigkeit und Metapher.
Aufgabe des griechischen Philosophen: Bändigung.
Barbarisirende Wirkung der Erkenntniß.
Das Leben in der Illusion.
Philosophie seit Kant todt.
Schopenhauer Vereinfacher, räumt die Scholastik auf.
Wissenschaft und Cultur. Gegensätze.
Aufgabe der Kunst.
Der Weg ist Erziehung.
Die Philosophie hat die tragische Bedürftigkeit zu erzeugen.
19 [322]
Die Philosophie der Neuzeit, unnaiv, scholastisch, mit Formeln überhäuft.
Schopenhauer der Vereinfacher.
Wir erlauben die Begriffsdichtung nicht mehr. Nur im Kunstwerk.
Gegenmittel gegen die Wissenschaft? Wo?
Die Kultur als Gegenmittel. Um für sie empfänglich zu sein, muß man das Ungenügende der Wissenschaft erkannt haben. Tragische Resignation. Gott weiß, was das für eine Kultur wird! Sie fängt von hinten an!
19 [323]
| Januar | 13 Wochen: | 3. | Geschichte der Rhythmik. | |||||
| Februar März | 4. | Horatianische Metra nach Augustin usw. Die Sprache metrisch betrachtet. | ||||||
| 5. | Hexameter. | |||||||
| 6. | Trimeter. | |||||||
| 7. | Logaoedische Verse. | |||||||
| 8. | Dorische Strophen. | |||||||
| 9. | Composition usw. |
19 [324]
Die klassische Philologie.
Hesiod und Homer.
Rhythmik.
19 [325]
Alte philosophische Meister
in Griechenland.
Für einen jungen Freund der
Philosophie niedergeschrieben
von
19 [326]
Entwürfe.
1. Hesiodos.
2. Die zeitmessende Rhythmik der Griechen.
3. Die griechische Tragoedie.
19 [327]
Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen und
nicht zu schreibenden Büchern.
1. Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten.
2. Das Verhältniss der Schopenhauerischen Philosophie zu der deutschen Cultur.
3. Über das Pathos der Wahrheit.
4. Der griechische Staat.
5. Der Wettkampf Homer’s und Hesiod’s.
19 [328]
| Erkennen der Wahrheit unmöglich. Die Kunst und der Philosoph. Das Wahrheitspathos. Wie verhält sich die Philosophie zur Kultur: Schopenhauer. | Alles Erkennen im Dienste der Kunst. |
| Die Einheit einer Kultur. Schilderung der jetzigen Zerfahrenheit. Das Drama als Keimpunkt. |
19 [329]
| Erste Stufe der Kultur: der Glaube an die Sprache, als durchgehende Metapherbezeichnung. |
| Zweite Stufe der Kultur: Einheit und Zusammenhang der Metapherwelt durch Anlehnung an Homer. |
19 [330]
| 1) | Die Bildungsphilister. | |
| 2) | Die historische Krankheit. | |
| 3) | Viel Lesen und Schreiben. | |
| 4) | Litterarische Musiker (wie die Anhänger des Genius die Wirkungen desselben todt machen). | |
| 5) | Deutsch und Afterdeutsch. | |
| 6) | Soldaten-Cultur. | |
| 7) | Allgemeine Bildung—Socialismus usw. | |
| 8) | Bildungs-Theologie. | |
| 9) | Gymnasien und Universitäten. | |
| 10) | Philosophie und Cultur. | |
| 11) | Naturwissenschaft. | |
| 12) | Dichter usw. | |
| 13) | Classische Philologie. |
Entwurf der “Unzeitgemässen Betrachtungen.”
Basel, 2. September 1873.
7, 19[1-330] Sommer 1872 - Anfang 1873
19 [1]
На подлинной вышине все сходится и становится единством — мысли философа, произведения художника и добрые дела.
Следует показать, как вся жизнь народа смутно и неверно отражает образ, очерченный его величайшими гениями: последние не есть продукт массы, но на массе лежит их отблеск.
Или каково это отношение?
От гения к гению перекинут невидимый мост — это и есть поистине реальная «история» народа, все остальное — только бесчисленные призрачные вариации на плохом материале, копии, изготовленные неумелой рукой.
Также и нравственные силы нации обнаруживают себя в ее гениях.
19 [2]
Характеристика послесократических моральных учений — все они эвдемонистичны и индивидуалистичны.
19 [3]
Дать описание мира, в котором философ и художник чувствуют себя дома.
19 [4]
Предисловие, адресованное Шопенгауэру — врата в подземное царство — я принес в жертву тебе нескольких черных овец, на что жалуются другие овцы.
19 [5]
В великолепном мире искусства — как же они философствовали! Когда жизнь достигает совершенства, прекращается ли тогда философствование? Нет: только теперь и начинается истинная философия. Ее суждения о бытии говорят так много, потому что она достигла относительной завершенности и знает обо всех эстетических покровах и иллюзиях.
19 [6]
Древние были настолько добродетельнее нас, насколько меньше они следовали моде.
Добродетельная энергия их художников!
19 [7]
Противоположность прессы — публично высказывающей мнения — мы публично поучаем.
Мы озабочены бессмертием народа — мы должны быть свободными от сиюминутных, временных забот.
Задачи нового поколения философов.
Требование самопреодоления, т. е. преодоления мирского, духа времени.
19 [8]
Характеристика Шопенгауэра: одиночество, в высшем обществе.
19 [9]
Греческие философы преодолевали дух времени, чтобы почувствовать в себе дух эллинства: они выражают потребность в решении вечных вопросов.
19 [10]
В мире искусства и философии человек трудится над «бессмертием интеллекта».
Воля одна бессмертна — сравнить с тем, как жалко выглядит бессмертие интеллекта, достигаемое посредством образования, обусловленное работой человеческого мозга:
Видно, как мало существенно это для природы.
— Но как же может гений быть одновременно высшей целью природы!
Дальнейшая жизнь посредством истории и посредством порождения.
С этим связано платоновское рождение в красоте — т.е. для рождения гения необходимо преодоление истории, она должна утонуть в красоте и погрузиться в вечность.
Против иконической историографии! Она заключает в себе тенденцию к варварству.
Ее предметом должно быть только великое и единственное, образец.
Этим обозначена задача нового философского поколения.
Никто из великих греков эпохи трагедии не имел в себе ничего от историка:
19 [11]
Инстинкт познания, не производящего отбор, равен невыбирающему половому инстинкту — признак пошлости.
19 [12]
Задача философа — сознательно бороться со всем, что обусловлено временем, и потому поддерживать бессознательную задачу искусства.
В том и в другом народ достигает единства всех своих свойств и высшей красоты.
Современная задача науки.
19 [13]
Философ трагической эпохи.
Философ не есть исключение, стоящее в стороне от народа: воля и к нему предъявляет свои требования. Цель та же, как и в случае с искусством — ее собственное просветление и избавление. Воля стремится к чистоте и благородству: поднимаясь с одной ступени на другую.
Бытие в форме образования и культуры — воля в человеческих головах.
19 [14]
Ограниченный инстинкт познания.
Семеро мудрецов — эпико-аполлиническая ступень философии.
19 [15]
Влечения, отличающие греков от других народов, находят выражение в их философии.
Но это и есть их классические влечения.
Важна их манера обращаться с историей.
Постепенное вырождение понятия об истории в древности — разложение и переход в любопытствующее всезнайство.
19 [16]
Задача: Понять телеологию философского гения. Действительно ли он всего лишь случайно являющийся странник? Во всяком случае он, если речь и правда идет о гении, не имеет ничего общего со случайным политическим положением народа; относительно своего народа он безвременен. Но именно потому связь его с этим народом не случайна — специфическое народа проявляется здесь в индивидуальной форме, а значит, народный инстинкт получает свое объяснение как инстинкт мировой, используется для решения мировой загадки. Природе вдруг удается посредством отделения прийти к чистому созерцанию своих инстинктов. Философ есть средство найти точку покоя в безостановочном потоке, презреть бесконечное множество и осознать вечные типы.
19 [17]
Философ есть самораскрытие мастерских природы — философ и художник говорят о тайнах мастерства природы.
Над суетой исторической смены времен, по ту сторону необходимости, находится сфера философа и художника.
Философ как тормозное устройство в механизме времени.
Философ появляется, когда настает время опасности — когда колесо истории набирает скорость — философия и искусство занимают место исчезающего мифа. Но они далеко опережают свое время, потому что внимание современников обращается на них только медленно и постепенно.
Народ, который осознает грозящие ему опасности, порождает гения.
19 [18]
Свобода от мифа. Фалес. Один элемент как Протей!
Трагизм бытия. Анаксимандр.
Эстетическая игра космоса. Гераклит.
Вечная логика. Парменид. Словесное сражение.
Жалость ко всему живущему. Эмпедокл. Раб.
Число и мера. Пифагор. Демокрит.
(Состязание. Гераклит.)
(Любовь и образование. Сократ.)
Мельчайшее предположение. Анаксагор.
19 [19]
Мы терпим не каждого, кто навязывает нам свою философию, напр. мы не терпим Давида Штрауса, который становится совсем беспомощным, как только выходит за пределы своей исторической критики.
19 [20]
По Сократу, всеобщее благоденствие уже не восстановишь, отсюда индивидуалистическая этика, стремящаяся спасти одиночек.
19 [21]
Безграничный, неизбирательный инстинкт познания, с историческим фоном — знак того, что жизнь состарилась: велика опасность, что индивиды станут плохими, поэтому их интересы насильно приковываются к объектам познания, все равно к каким. Всеобщие инстинкты ослабли и уже не держат больше личность в узде.
Германцы все свои ограничения облагородили с помощью науки, переключив их в другой план: верность, скромность, самоограничение, трудолюбие, аккуратность, любовь к порядку — таковы семейные добродетели: но также и бесформенность, вся безжизненность жизни, мелочность — его безграничный инстинкт познания есть следствие его обедненной жизни: не будь этого инстинкта, он был бы мелким и злобным, каковым часто и является.
Ныне нам дана высшая форма жизни, художественная основа — ныне нас ожидает и ближайшее следствие этого — избирательный инстинкт познания, т. е. философия.
Ужасная опасность: что политическая суета американцев и безудержная культура ученых сольются воедино.
19 [22]
При наличии избирательного инстинкта познания красота вновь выступает как сила.
В высшей степени удивительно, что Шопенгауэр пишет прекрасно! В его жизни также больше стиля, чем у обычного университетского профессора, — но какое вялое окружение!
Нынче никто больше не знает, как выглядит хорошая книга, это надо показывать: они не понимают, что такое композиция. А пресса к тому же все больше портит вкус.
Суметь сохранить возвышенное!
19 [23]
В борьбе против иконической историографии и против естествознания нужны значительные силы искусства.
Какова задача философа? Посреди муравьиной суеты напоминать о проблеме бытия, вообще о вечных проблемах.
Философ должен распознавать, в чем есть необходимость, и художник должен это создавать. Философ должен сильнее других чувствовать всеобщую боль, подобно греческим философам, каждый из которых выражал какую-либо нужду: там, где есть лакуна, недостаток, он строил свою систему. Встраивал свой мир в этот пробел.
Нужно сконцентрировать все средства, которые позволили бы спасти человека, дав ему спокойствие: в условиях отмирающих религий!
Следует прояснить различие в воздействии философии и науки, а также в их возникновении.
19 [24]
Речь идет не об уничтожении науки, но о господстве над нею. Ведь она со всеми ее целями и методами всецело зависит от философских воззрений, хотя и легко об этом забывает. Господствующей философии надлежит также задуматься над проблемой того, до какой степени допустимо развитие науки: она должна определить ценность!
19 [25]
Свидетельство варваризирующего влияния наук. Они легко теряют себя на службе «практических интересов».
19 [26]
Ценность Шопенгауэра в том, что он заставляет вспомнить о наивных общих истинах: он осмеливается красиво выразить так называемые «трюизмы».
У нас отсутствует благородная популярная философия, ибо нет достойного понятия о peuple publicum. Наша популярная философия предназначена для peuple, но не для Publicum.
19 [27]
Если нам предстоит еще достичь культуры, то нужны могучие силы искусства, чтобы сломить инстинкт безграничного познания, чтобы заново создать единство. В этом заключается высшее достоинство философа, в том, что он доводит до концентрации безграничный инстинкт познания, принуждает его к единству.
Так следует понимать древнейших греческих философов, которые укрощали познавательный инстинкт. Как случилось, что после Сократа он вырвался на волю? Первоначально мы наблюдаем эту тенденцию даже у Сократа и его школы: инстинкт ограничивается индивидуальным стремлением к счастливой жизни. Это последняя низшая фаза. Ранее речь шла не об индивидах, а об эллинах.
19 [28]
Великие древние философы участвуют в общей жизни эллинов: после Сократа образуются секты. Философия постепенно выпускает из рук поводья, с помощью которых она правила наукой.
В средние века эти поводья берёт в свои руки теология: нынче — опасная эпоха эмансипации.
Всеобщее благоденствие снова требует обуздания и тем самым одновременно возвышения и концентрации.
Принцип laisser во всех наших науках, как и в известных национально-экономических теориях: вера в безусловно спасительный успех.
Кант способствовал в определённом смысле утверждению вредной тенденции: ибо вера в метафизику была утрачена. Никто больше не может рассчитывать на «вещь в себе», видя в ней обуздывающее начало.
Отсюда понятным становится удивительное явление Шопенгауэра: он собирает воедино все элементы, которые ещё пригодны для установления господства над наукой. Он приходит к глубочайшим проблемам этики и искусства, выдвигает вопрос о ценности бытия.
Удивительное единство Вагнера и Шопенгауэра! Они происходят из одного влечения. Глубочайшие свойства германского духа вводятся тут в сражение: как у греков. Возвращается ясность мышления.
19 [29]
Изображение нарастающей опасности секуляризации в 6-м и 5-м веках: богатство колоний, роскошь, чувственность.
19 [30]
Проблема: подобрать культуру к нашей музыке!
19 [31]
Следует обрисовать метод, как должен жить человек-философ.
19 [32]
К характеристике нашей поверхностной культуры: Давид Штраус, наш театр, наши поэты, наша критика, наши школы.
19 [33]
Моя задача: осмыслить внутреннюю связь и необходимость каждой истинной культуры. Средства защиты и исцеления культуры, отношение ее к народному гению. Следствие всякого великого художественного мира есть культура: но часто, в силу враждебных контртенденций, этого завершения художественного произведения не происходит.
Философия должна пронести возвышенность духа через века: отсюда вечная плодотворность всего великого.
Для науки не существует великого и малого — но зато для философии! Каждое положение есть оценка науки.
Сохранение возвышенного!
Как недостает в наши дни книг, дышащих героизмом! — Даже Плутарха больше не читают!
19 [34]
Кант говорит (2-е предисловие к «Критике»): «я был вынужден устранить знание, чтобы освободить место вере, и догматизм метафизики, т.е. предрассудок, будто бы в ее области можно продвигаться далее без критики чистого разума, есть истинный источник всякого противящегося морали неверия, которое всегда слишком догматично». Очень важно! Его толкала культурная потребность!
Странное противопоставление: “знание и вера”! Что подумали бы об этом греки! Кант не знал другого противоречия! Но мы!
Культурная потребность толкала Канта: он хотел спасти от знания одну область: в ней коренится все самое возвышенное и глубокое, искусство и этика — Шопенгауэр.
С другой стороны, он копит все, что достойно знания на все времена — этическую мудрость народов и человечества (точка зрения семи мудрецов, греческих популярных философов).
Он разлагает веру на элементы и показывает, как мало именно христианская вера удовлетворяет глубочайшим потребностям: вопрос о достоинстве существования!
Борьба знания со знанием!
Шопенгауэр сам обращает наше внимание на неосознанное мышление и знание.
Обуздание познавательного инстинкта — на пользу ли это религии? Или художественной культуре, вот что должно теперь выясниться; я — на стороне второго.
К этому я добавлю вопрос о ценности исторического иконического познания и также природы.
У греков — это обуздание во имя художественной культуры (и религии?), обуздание, которое стремится предотвратить полную свободу: мы же хотим заново обуздать то, что полностью пущено на волю.
19 [35]
Философ трагического познания. Он укрощает отпущенный на свободу познавательный инстинкт, не посредством новой метафизики. Он не провозглашает новую веру. Он ощущает трагически уходящую почву метафизики и не может удовлетвориться пестрым хороводом наук. Он строит новую жизнь: искусству он возвращает его права.
Философ отчаявшегося познания исчерпывает себя в слепой науке: знание любой ценой.
Для трагического философа завершает картину бытия то, что метафизическое является только как антропоморфное. Он не скептик.
Понятие здесь должно быть сотворено: ибо скепсис не есть цель. Влечение к знанию, дойдя до своей границы, обращается против самого себя, чтобы теперь перейти к критике знания. Познание на службе лучшей жизни.
Ты сам должен желать иллюзии — в этом трагическое.
19 [36]
Последний философ—таковыми могут быть целые поколения. Он должен только помочь обратиться к жизни. «Последний» он, естественно, в относительном смысле. Для нашего мира. Он доказывает необходимость иллюзии, искусства и искусства, овладевающего жизнью. Мы не в состоянии вновь создать такой ряд философов, какой создала Греция трагической эпохи. Их задачу выполняет теперь искусство и только искусство. Только в качестве искусства возможна теперь система. С нынешней точки зрения к области искусства относится и весь тот период греческой философии.
Обуздание науки осуществляется ныне только посредством искусства. Речь идет об оценочных суждениях относительно знания и большого знания.
Колоссальная задача и достоинство искусства в этой задаче! Оно должно все создать заново и в полном одиночестве вновь породить жизнь! Что оно может, показывают нам греки: если бы их у нас не было, наша вера была бы химерой.
Сможет ли найти здесь место религия, вписаться в вакуум, зависит от того, насколько она сильна. Мы повернулись лицом к культуре: «германское» как освободительная сила!
Во всяком случае религия, которая смогла бы это, должна обладать колоссальной силою любви: от столкновения с нею разрушится и знание, как разрушается оно от языка искусства.
Но, быть может, искусство может создать даже свою религию, родить миф? Так это у греков.
19 [37]
Философские и теологические учения, ныне разрушенные, всё ещё продолжают влиять на науки: пусть корни умерли, в ветвях ещё какое-то время продолжают жить. Историческое получило широкое распространение, особенно как контрсила, направленная против теологического мифа и против философии: абсолютное познание празднует здесь и в математическом естествознании свои сатурналии. Самое малое из того, что может быть здесь действительно выяснено, ставится выше, чем все метафизические идеи. Степень надёжности определяет здесь ценность, а вовсе не степень насущной необходимости для человека. Это старая борьба между верой и знанием.
Таковы эти варварские односторонности.
Теперь философия способна подчёркивать лишь относительность всякого знания и его антропоморфность, а также повсюду господствующую силу иллюзии. Она не может более воспрепятствовать этому вырвавшемуся на волю познавательному инстинкту, который всё больше судит по степени надёжности и ищет себе всё менее значительные объекты. Если каждый человек доволен тем, что день прожит, историк ищет, докапывается до этого дня и восстанавливает в мыслях всё, что с ним связано, чтобы вырвать его из забвения: малое также достойно вечности, ибо оно познаваемо.
Для нас значение имеет только эстетический масштаб: великое имеет право на историю, но не на иконическую, а на продуктивную, пробуждающую историческую живопись. Мы не хотим разорять могил: но вступаем во владение вечно живущим.
Излюбленная тема времени: большие последствия мельчайших событий. Исторические раскопки заключают в себе, например, нечто грандиозное: это как чахлая растительность, постепенно разрушающая Альпы. Мы видим великий инстинкт, пользующийся маленькими инструментами, но великое множество их.
На это можно было бы возразить: мелкие последствия великого! — а именно, когда оно представлено индивидами. Трудно понять, например, когда традиция отмирает, а все испытывают к ней ненависть; его ценность основана на качестве, которое всегда ценится немногими.
Великое действует только на великое: как факельная эстафета в «Агамемноне» движется только от вершины к вершине. Такова великая задача культуры — чтобы великое в народе не оказалось в положении ни отшельника, ни изгнанника.
Вот почему мы хотим говорить о том, что мы чувствуем: не наше дело ждать, пока бледный отсвет того, что светит так ярко, проникнет и в долины. Дело в том, что в конце концов большие последствия мельчайших событий выступают именно как последствия великих; они приводят в движение лавину. И вот мы стараемся сдержать её.
19 [38]
Историзм и естествознание были необходимы как средства против средневековья: знание против веры. Теперь мы направляем против знания искусство: возвращение к жизни! Обуздание познавательного инстинкта! Укрепление инстинктов морального и эстетического!
Это представляется нам как спасение немецкого духа, чтобы он снова стал спасителем!
Сущность этого духа раскрылась нам в музыке. Теперь мы понимаем, как греки поставили свою культуру в зависимость от музыки.
19 [39]
Создание религии заключается, видимо, в том, что кто-то, воздвигнувший в вакууме здание своего мифа, умеет пробудить в него веру, т. е. миф начинает соответствовать острой потребности.
Невероятно, что это может произойти когда-нибудь еще раз, после «Критики чистого разума».
Зато я могу представить себе совершенно новый род философа-художника, который встраивает в пробел произведение искусства, обладающее эстетической ценностью.
Способность быть добрым и сострадательным не зависит, к счастью, от крушения или процветания той или иной религии: но добрые дела весьма сильно определяются религиозными императивами. Подавляющее большинство добрых, отвечающих долгу действий не имеют этической ценности, будучи вынужденными.
Практическая моральность очень страдает от крушения религии. Обойтись без карающей и вознаграждающей метафизики, кажется, невозможно.
Если бы можно было создать нравственный обычай, сильный нравственный обычай! Тогда появилась бы и нравственность.
Нравственный обычай формируется, однако, опережающим примером отдельной сильной личности.
На пробуждение добродетели в массе имущих я не рассчитываю, но привить им обычай очень даже возможно, чувство долга по отношению к традиции.
Если бы все то, что человечество тратило доныне на строительство церквей, направить на воспитание и школы, а интеллект не на теологию, а на воспитание.
19 [40]
Творческая фантазия, которая определяла отношение греков к их богам.
Мы слишком приучены к противоречию исторической правды и неправды. Смешно, что христианские мифы непременно должны быть историческими.
19 [41]
Проблема культуры редко осмысляется правильно. Ее цель — не максимально возможное счастье народа и не свободное развитие всех его дарований: нет, она проявляется в правильной пропорции, в которой эти дарования развиваются. Ее цель выходит за рамки земного счастья: создание великих творений — вот ее цель.
Во всех греческих инстинктах обнаруживает себя обуздывающее единство: назовем его эллинской волей. Каждый инстинкт пытается продлить свое существование в бесконечность. Древние философы пытались сконструировать из них мир.
Культура народа обнаруживает себя в приводящем к единству обуздании его инстинктов: философия обуздывает инстинкт познания, искусство — инстинкт формы и экстаз, которые и т. д.
Познание изолирует: древнейшие философы представляют в изоляции то, что греческое искусство являет нам в единстве.
Содержание искусства и древней философии совпадает, но философия пользуется изолированными компонентами искусства, чтобы обуздать познавательный инстинкт. Это должно быть видно также и у итальянцев: индивидуализм в жизни и в искусстве.
19 [42]
Греки как первооткрыватели, путешественники, колонизаторы. Они умеют учиться: исключительная способность к усвоению. Наше время напрасно думает, что инстинкт знания так сильно возвышает нас над древними: но только у греков все становилось жизнью! У нас все остается знанием!
19 [43]
Когда думаешь о ценности знания, а, с другой стороны, о том, что прекрасная иллюзия, поскольку в нее верят, обладает точно такой же ценностью, как и знание, то становится очевидным, что жизнь нуждается в иллюзиях, т. е. в неистинном, принимаемом за истинное. Она требует веры в истину, но потом оказывается достаточно иллюзии, т. е. «истины» утверждают себя через их воздействие не логическими доказательствами, а доказательствами силы. Истинное и действенное считаются тождественными, и здесь также мы сгибаемся перед силой. Как же тогда получается, что логическое доказательство истины вообще имеет место? В борьбе «истины» и «истины» они ищут союза рефлексии. Всякое действительное стремление к истине вошло в мир посредством борьбы за святое убеждение, через борца: иначе у человека нет интереса к логическим основаниям.
19 [44]
Надобно определить цель, телеологию философов в культуре.
Мы вопрошаем греков того времени, когда их культура обладала единством.
Важно: включает ли и богатейшая из культур философию, зачем?
Мы вопрошаем великих философов. Ах, они погибли! Как легкомысленно поступает природа!
19 [45]
В каком отношении гений философии стоит к искусству? Из прямого отношения мало чему научишься. Мы должны поставить вопрос: что в его философии есть искусство? Произведение искусства? Что остаётся, когда его система как наука уничтожена? Именно этот остаток должен быть тем, что обуздывает познавательный инстинкт, то есть художественное в ней. Почему необходимо такое обуздание? Ибо с научной точки зрения это иллюзия, неправда, которая обманывает инстинкт познания и удовлетворяет его лишь временно. Ценность философии в этом обуздании лежит не в сфере познания, а в сфере жизни: воля к существованию пользуется философией ради высшей формы существования.
Невозможно, чтобы искусство и философия могли быть направлены против воли: но и мораль состоит в её службе. Всевластие воли. Одна из утончённейших форм существования — относительная нирвана.
19 [46]
Обо всем надо говорить с максимально возможной определенностью, и любой термин, в том числе термин «воля», оставлять в стороне.
19 [47]
Красота и величественность мировой конструкции (alias философии) имеет теперь решающее значение для определения ее ценности — т. е. она оценивается как искусство. Форма ее, возможно, изменится! Застывшая математическая формула (как у Спинозы), которая производила на Гете такое волнующее впечатление, оправданна именно только как эстетическое выразительное средство.
19 [48]
Следует принять положение: мы живем только благодаря иллюзиям — наше сознание остается на поверхности. Многое скрыто от наших глаз. Не следует опасаться того, что человек познает себя полностью, что в каждый момент времени он вместит в свое сознание все законы тяготения, механики, все формулы архитектуры, химии, которые нужны ему для жизни. Но вполне возможно, что с помощью схемы все будет познано. Для нашей жизни это почти ничего не меняет. К тому же все это только формулы абсолютно непостижимых сил.
19 [49]
Вследствие поверхностности нашего интеллекта мы живем только в царстве непрерывной иллюзии: т. е. каждое мгновение мы, чтобы жить, нуждаемся в искусстве. Наше зрение привязывает нас к формам. Но поскольку мы сами воспитали в себе способность такого видения, мы видим, как в нас самих царит сила искусства. Следовательно, в самой природе мы видим механизмы, сопротивляющиеся абсолютному знанию: философ познает язык природы и говорит: «мы нуждаемся в искусстве» и «мы нуждаемся только в частичном знании».
19 [50]
Культура любого рода начинается с того, что множество вещей утаивается. Прогресс человечества связан с этим утаиванием — жизнь в сфере чистоты и благородства и окончание действия вульгарных побуждений. Борьба, которую добродетель ведет против «чувственности», имеет принципиально эстетический характер. Когда мы относимся к великим людям как к нашим путеводным звездам, мы многое в них утаиваем, мы даже скрываем все те обстоятельства и случайности, которые обусловили их появление, мы их для себя изолируем, чтобы иметь возможность их чтить. Любая религия содержит такой элемент: люди под божьим покровительством — как нечто бесконечно ценное. Да, вся этика начинается с того, что мы принимаем очень всерьез отдельную индивидуальность — иначе, чем это делает природа, ведущая свою жестокую игру. Если мы лучше и благороднее, то мы обязаны этим изолирующим иллюзиям!
И вот естественные науки противопоставляют этому абсолютную истину природы: правда, высший тип психологии уже понимает, какова роль художественных сил в нашем становлении, и в становлении не только человека, но и животного: она говорит нам, что вместе с органическим начинается и эстетическое.
19 [51]
| Следствия кантовского учения. Конец метафизики как науки. |
| Варварское воздействие знания. |
| Укрощение знания как художественный инстинкт. |
| Мы живем только благодаря эстетическим иллюзиям. |
| Всякая высшая культура является таковой только благодаря этому укрощению. |
| Философские системы древнейших греков. |
| В них открывается тот же мир, который создал трагедию. |
| Здесь мы постигаем единство философии и искусства, заключаемое с целью создания культуры. |
| Эстетическое понятие великого и возвышенного: воспитание этого — вот задача. Культура зависит от способа, каким определяется «великое». |
19 [52]
Абсолютное знание ведет к пессимизму: искусство — лекарство против него.
Философия необходима для образования, так как она втягивает знание в художественную концепцию мироздания и этим его облагораживает.
19 [53]
Забота о том, чтобы вечное творение попало к людям и не погибло, всецело определила Шопенгауэра: он знал судьбу Гераклита, и первый тираж его книги был уничтожен! Он был заботлив как отец: все неприятные черты его характера, обхождение с литераторами вроде Фрауэнштедта объясняются этим. Стремление к славе есть тут заботливый инстинкт, действующий во благо человечества: он знал жизнь.
Наверное, можно представить себе и большую возвышенность над человечеством: но тогда он бы не писал! Он тосковал по продолжающемуся рождению в красоте.
19 [54]
Химические превращения в неорганической природе представляют собой, возможно, также и художественные процессы, которые можно было бы назвать мимическими ролями, играющими какую-либо силу: но имеется несколько сил, роли которых они могут играть.
19 [55]
Тому, кто желал бы испытывать при этом только удовлетворение ученого, я затруднил задачу, поскольку совершенно на такого читателя не рассчитывал. Отсутствуют цитаты.
19 [56]
С собственностью на мудрые мысли в эпоху семи мудрецов обстояло неважно, но очень важно, что в какой-то момент некто аннексировал то или иное изречение.
19 [57]
Хронология греческих философов.
Ритм.
«Хоэфоры».
19 [58]
Филологи нашего времени оказались недостойны того, чтобы иметь право зачислить мою книгу по своему ведомству: едва ли требуются заверения в том, что я и в этом случае предоставляю им право выбирать самим, желают ли они чему-нибудь научиться, или нет, но сам не чувствую желания каким-либо образом идти им навстречу.
Пусть те, кто называют себя «филологами» и кого я намеренно называю лишь этим нейтральным словом, и в этот раз не обратят внимания на мою книгу: ибо природа ее мужская и не подходит кастратам. Им больше подобает сидеть за ткацким станком конъектур.
19 [59]
О ... и их происхождении (в истории древнейшей философии).
Аполлодор с нею борется: кто её выдвинул?
19 [60]
Возникновение философских сект в Древней Греции.
В результате глубочайшего переворота в эллинском духе.
Начало у пифагорейцев, учеником которых был Платон.
Академия намечает тип. Это формы организации, направленные против эллинской жизни.
Ранние философы представляют собой изолированные варианты отдельных инстинктов эллинской сущности.
Мы переживаем переход философского сектантства в культурное сознание, переход философии в культуру. Там расхождение философии и культуры.
Поверхностность всей послесократической этики! Глубокая эллинская этика древности не позволяла формулировать себя в словах и понятиях.
19 [61]
Гераклит в ненависти своей против дионисийства, против Пифагора и против многознания. Он — аполлинический продукт и говорит как оракул, смысл изречений которого надобно толковать себе и ему. Он не чувствует страдания, но чувствует глупость.
19 [62]
Большие сомнения в том, что есть философия — искусство или наука.
В своих целях и результатах она искусство. Но средства, представление понятий у нее общие с наукой. Это форма поэтического искусства. Она не может быть рубрицирована: вот почему мы должны придумать для нее специальное определение и характеризовать ее соответственно.
Философское описание природы. Философ познает, сочиняя поэзию, и создает поэзию, познавая.
Он не развивается, я хочу сказать, философия не проходит того же процесса, что другие науки. Хотя некоторые разделы философии и переходят постепенно в руки науки. Гераклит никогда не устареет. Это поэзия за пределами опыта, продолжение мифического инстинкта — также существенно в образах. Математическое описание не относится к сущности философии.
Преодоление знания мифообразующими силами. Примечателен Кант — знание и вера! Глубочайшее родство философа и основателя религии!
19 [63]
Странная проблема: самопоглощение философских систем! Неслыханно в науке, как и в искусстве! Подобным образом обстоит дело с религиями; это примечательно и показательно.
19 [64]
Иллюзия необходима для чувствующего существа, чтобы жить.
Иллюзия необходима, чтобы идти вперед в культуре.
Чего хочет ненасытный инстинкт познания?
— Во всяком случае, он враждебен культуре.
Философия старается его обуздать; как средство культуры.
Древнейшие философы.
19 [65]
Писать крайне безлично и холодно. Без «Я» и «Мы».
19 [66]
Наш рассудок — сила, действующая на плоскости, поверхностная. Ее называют «субъективной». Он познает посредством понятий: т.е. наше мышление есть рубрицирование, раздача наименований. Значит, нечто сводящееся к произволу людей и не к самим вещам. Абсолютное познание дано человеку, только когда он вычисляет и только в формах пространства. Иначе говоря, последняя граница всего познаваемого — это количество, он не понимает качества, только количество.
Что может быть целью такой поверхностной силы?
Понятию соответствует вначале образ, образы — это формы первоначального мышления, т.е. поверхности вещей в зеркале глаза.
Образ — это одно, арифметический пример — другое.
Образы в глазах человека! Это определяет всю человеческую сущность: с точки зрения глаза! Субъект! Ухо слышит звучание! Совсем другая чудесная концепция того же самого мира.
На неточности зрения покоится искусство. Слух также предполагает неточность ритма, температуры и т.д.; на этом опять же основывается искусство.
19 [67]
В нас имеется сила, способная интенсивнее воспринимать общие очертания зеркального отражения, и еще одна сила, также отмечающая одинаковый ритм, несмотря на его реальную неточность. Такова должна быть сила искусства, ибо она творит. Ее главное средство в том, чтобы делать пропуски, недосмотреть, недослышать. Следовательно, она антинаучна: ибо она не проявляет ко всему воспринятому одинакового интереса.
Слово заключает в себе только образ, отсюда понятие. Мысль производит вычисления с величинами искусства.
Всякая рубрикация есть попытка прийти к образу.
Ко всякому истинному бытию мы относимся поверхностно, мы говорим на языке символов, образов: затем мы кое-что прибавляем, силою искусства, подчеркивая главное, забывая второстепенное.
19 [68]
Апология искусства.
Фалес давно устарел — но художник, стоя у водопада, не может не отдать ему должное.
19 [69]
Наша публичная, государственная и социальная жизнь сводится к уравновешиванию эгоизмов: решению вопроса о том, как добиться терпимого существования, не тратя никакой силы любви, только с помощью ума эгоистических участников.
Наше время питает ненависть к искусству, как и к религии. Оно не желает удовлетвориться ни отсылкой к потустороннему миру, ни надеждой на просветленность мира искусства. Оно считает это бесполезной «поэзией», шуткой и т. д. Наши «поэты» соответствуют. Но искусство ужасающе серьезно! Новая метафизика ужасающе серьезно! Мы так обставим ваш мир образами, что вам станет страшно. Это в наших руках! Заткните себе уши, ваши глаза увидят наш миф. Наши проклятия падут на вас!
Наука должна теперь доказать свою полезность! Она стала кормилицей, в услужении у эгоизма: государство и общество приняли ее на службу, чтобы использовать в своих интересах.
Нормальное состояние — это война: мир мы заключаем только на время.
19 [70]
Мне нужно знать, как философствовали греки во времена расцвета их искусства. Сократические школы размещались в море прекрасного — какой отпечаток это на них накладывает? Искусству уделяется колоссальное внимание. Однако сократики относятся к нему либо враждебно, либо теоретически.
Напротив, у более древних философов господствует отчасти тот же инстинкт, который создал трагедию.
19 [71]
Понятие философа и типы.— Что является общим для всех?
Он либо порождение своей культуры, либо ей враждебен.
Он созерцателен как художник, работающий в области изобразительного искусства, чувствителен, как верующий, каузален, как человек науки: он старается, чтобы в нем нашли отзвук все звуки мира, и хочет выразить их слитное звучание в понятиях. Порыв к макрокосму и при этом разумное наблюдение— как актер или драматург, который преображается, сохраняя при этом разум, чтобы проецировать себя вовне.
Диалектическое мышление обрушивается на него, как струя воды при обливании.
Примечателен Платон: энтузиаст диалектики, т. е. все той же разумности.
19 [72]
Философы. Описание природы у философов.
Философ наряду с человеком науки и художником.
| Обуздание | познавательного инстинкта с помощью искусства, религиозного стремления к единству — с помощью понятия. |
Странное соседство концепции и абстракции.
Значение для культуры.
Метафизика как вакуум.
19 [73]
Философ будущего? Он должен стать верховным трибуналом художественной культуры, одновременно и органами безопасности против всех эксцессов.
19 [74]
Не станем же мы все рубрицировать, все общие понятия называть «философскими». Так же как все бессознательное и интуитивное: даже филологические конъектуры не исключают творчества, которое не вполне укладывается в сознательное мышление.
19 [75]
Философское мышление чувствуется повсюду в мышлении научном: даже при конъектурах. Оно вырывается вперед на подвижных опорах: за спиной у него кряхтит неуклюжий рассудок и ищет более устойчивых опор, после того как ему явился волшебный образ. Стремительный полет через большие пространства! Только ли это большая скорость? Нет. То крылья фантазии, т. е. перелет с одной возможности на другую, которые временно принимаются за нечто действительное. Туда — сюда, от возможности к действительности и снова к возможности.—
Но что есть такая «возможность»? Озарение, напр. «могло бы быть так...». Но как приходит озарение? Порой случайно, внешним образом: совершается сопоставление, открытие какой-нибудь аналогии. Тут происходит расширение. Фантазия заключается в быстром видении подобного. Рефлексия соотносит затем понятие с понятием и проверяет. Подобие должно смениться каузальностью.
Неужели «научное» мышление и «философское» различаются только дозой? Или, может быть, областью?
19 [76]
Не существует философии, отделенной от науки: и там, и тут думают одинаково. То, что бездоказательное философствование имеет все же ценность, и, как правило, большую, чем научное положение, объясняется эстетической ценностью такого философствования — его красотой и возвышенностью. Оно еще продолжает существовать как произведение искусства и тогда, когда утрачивает значение как научное построение. Но разве в делах науки не так же? —
Другими словами: решает не чистый познавательный инстинкт, а эстетический: малодоказательная философия Гераклита имеет большую художественную ценность, чем все положения Аристотеля.
Следовательно, инстинкт познания обуздывается в культуре народа фантазией. При этом философ преисполнен высшего пафоса истины: ценность его знания обеспечивает его истинность. Все плодотворное, вся движущая сила заключена в этих предвосхищающих взглядах.
19 [77]
Создание фантазии можно наблюдать глазом. Подобие ведет к самым дерзким выводам, но и к совсем другим отношениям, контраст вызывает контраст, и так непрерывно. Здесь видно, как исключительно велика продуктивность интеллекта. Это жизнь образов.
19 [78]
Когда мыслишь, надо уже владеть тем, что ищешь, через фантазию — только тогда рефлексия может это оценить. Она делает это, сопоставляя новое с привычными и уже испытанными цепями.
Что, собственно, «логично» в образном мышлении? —
Трезвый человек мало нуждается в фантазии и имеет её мало.
Во всяком случае это нечто художественное — создание форм, при котором затем память что-то подсказывает: эта форма выделяет её и тем усиливает. Мышление есть выделение.
В мозгу гораздо больше образных рядов, чем требуется для мышления: интеллект быстро отбирает сходные образы; отобранное снова порождает целое изобилие образов; но вскоре он снова выбирает один из них и т.д.
Сознательное мышление есть лишь отбор представлений. До абстракции — долгий путь.
1) сила, порождающая изобилие образов; 2) сила, которая отбирает сходное и выделяет его.
Лихорадочные больные поступают так, разглядывая стены и обои, только здоровые проецируют обои вместе с узором.
19 [79]
Художественная сила обнаруживает себя двояко — как производящая образы и как их отбирающая.
Мир сновидений доказывает правильность этого: человек не движется здесь дальше к абстракции или он не руководствуется теми образами, которые воспринимает глазом, и изменяется под их воздействием.
Присматриваясь к этим силам внимательнее, видишь, что здесь отсутствует художественное, совершенно свободное творчество нового: это было бы чем-то произвольным, а значит, невозможным. Скорее, это тончайшие излучения нервной деятельности, видимые на плоскости, они соотнесены как звуковые фигуры Хладни с самим звуком. Так и эти образы относятся к порождающей их нервной деятельности. Нежнейшее парение и дрожание! Художественный процесс физиологически абсолютно определен и необходим. Всякое мышление является на поверхности как произвол, как подчиненное нашему желанию: мы не замечаем бесконечной деятельности.
Мыслить художественный процесс независимо от мозга — сильная антропопатия: но так обстоит дело и с волей, моралью и т. д.
Желание есть ведь только физиологическая сверхактивность, которая стремится к разрядке и давит на все вплоть до мозга.
19 [80]
Результат: все дело лишь в степенях и количествах: все люди — художники, философы, ученые и т. п.
Наши оценки ориентированы на количество, не на качество. Мы почитаем великое. Но тем самым и ненормальное.
Ибо почитание великих последствий малого есть только удивление перед результатом и диспропорцией мельчайших причин. Только когда мы суммируем очень большое число последствий и рассматриваем их как единство, мы получаем впечатление величия, т. е. с помощью этого единства мы создаем величие.
Но человечество растет только в почитании редкостного величия. Даже то, что таковым мнится, напр. чудо, оказывает воздействие. Испуг — лучший удел человечества.
19 [81]
Сновидения как отбирающее продолжение зрительных образов.
В царстве интеллекта все качественное выступает только как количественное. К качеству нас ведет понятие, слово.
19 [82]
Возможно, человек ничего не может забыть. Операции видения и познания слишком сложны, чтобы они могли полностью изгладиться, т. е. все формы, которые когда-либо были произведены мозгом и нервной системой, с этого момента часто воспроизводятся. Сходная нервная активность вызывает сходные образы.
19 [83]
Философское мышление имеет специфику, сходную с мышлением научным, но направлено оно на великие вещи и события. Понятие величия изменчиво, частью оно эстетическое, частью моральное. Это обуздание познавательного инстинкта. В этом и заключено культурное значение.
Но если метафизика устраняется, то человечеству снова покажется великим что-то иное. Я имею в виду, что философы станут предпочитать другие области: и будем надеяться, те, где они смогут благотворно влиять на новую культуру.
Это законодательство величия, «именование», связанное с философией: «это — великое», говорит философ, — и тем самым возвышает человека. Начало этого в моральном законодательстве: «это — великое», позиция семи мудрецов, которую в хорошие времена римляне никогда не сдавали.
19 [84]
Подлинный материал всяческого познания — это тончайшие ощущения удовольствия и неудовольствия: на плоскости, куда нервная деятельность проецирует формы боли и наслаждения, рождается подлинная тайна: то, что мы зовем ощущением, производит одновременно формы, которые затем вызывают новые ощущения.
Сущность ощущений удовольствия и неудовольствия в том, что они выражаются в адекватных движениях: от того, что эти адекватные движения снова побуждают к ощущениям другие нервы, возникает ощущение образа.
19 [85]
Мудрость и наука.
О философах.
Посвящается Артуру Шопенгауэру, бессмертному.
19 [86]
и заключает в себе начало выбора, вкуса: тогда как наука, не имея столь тонкого вкуса, кидается на все, поддающееся познанию.
19 [87]
Дарвинизм прав и в том, что касается мышления образами: более сильный образ поглощает слабейшие.
19 [88]
«В нашей любимой подлой Германии!»
19 [89]
Что есть философ? Ответить, обратившись к древним грекам?
Фалес. Мифолог и философ.
Анаксимандр. Трагическое мировоззрение. Трагедия.
Гераклит. Иллюзия. Художественное в философе. Искусство.
Пифагор. Мистика и философия. Религия.
Анаксагор. Цели. Дух и материя.
Парменид. Зенон. Логическое. Логика.
Эмпедокл. Любовь. Ненависть. Право и мораль любви. Мораль.
Демокрит. Число и мера. Точка зрения всей физики. Философия природы.
Пифагорейцы. Сектантство.
Сократ. Философ и культура. Культура.
Возникновение философов и — философский трибунал для культуры будущего.
19 [90]
Весьма важно, совершается ли мышление с удовольствием или без удовольствия: тот, кому это в тягость, тот, следовательно, меньше к этому расположен и меньше в этом продвинется: он себя принуждает, а в такой области это мало что дает.
19 [91]
Все естественные науки — лишь попытка понять человека, антропологическое: вернее, на гигантских обходных путях всё равно возвращаться к человеку. Разбухание человека до макрокосма, чтобы в конце сказать: «ты в конце концов то, что ты есть».
19 [92]
Порой результат, достигнутый скачком, тотчас же, с точки зрения его следствий оказывается истинным и плодотворным.
Ведет ли гениального исследователя верное предчувствие? Да. Он видит именно возможности, не имея еще достаточных оснований: но то, что он полагает возможным, показывает его гениальность. Он быстро перелистывает то, что представляется ему в принципе доказуемым.
Злоупотребление познанием, заключающееся в вечном повторении экспериментов и собирании материала, тогда как вывод вытекает уже из немногого. Так же и в филологии: полнота материала во многих случаях бесполезна.
19 [93]
Моральное также не имеет иного источника, кроме интеллекта, но связующая цепь образов воздействует здесь иначе, чем у художника и мыслителя: она побуждает к действию. Совершенно ясно, что восприятие подобного, идентификация — есть необходимая предпосылка. Затем воспоминание о собственной боли. Быть добрым означает, следовательно, очень легко и быстро проводить операцию отождествления. Значит, это преображение, как у актера.
Всяческая порядочность и всякое право проистекают, напротив, из равновесия эгоизмов: взаимное обязательство не вредить друг другу. По расчету. В форме твердых принципов это снова выглядит иначе: твердостью характера. Любовь и право — противоположности; кульминационная точка — самопожертвование на благо мира.
Предвидение возможных ощущений страдания определяет действия правового человека: эмпирически он знает последствия нанесения вреда не только ближнему, но и самому себе.
Христианская этика противоположна: она основывается на отождествлении себя с ближним. Делать добро другим означает здесь делать добро самому себе, сострадание равняется личному страданию. Любовь связана с жаждой единства.
19 [94]
Было бы достаточно одного честного слова благородного таможенника, чтобы навлечь на себя презрение всех в нашей республике ученой черни.
19 [95]
В этой книге я не считаюсь с современными учеными. Тем самым создается впечатление, что я не придаю им значения. Но если хочешь спокойно думать над серьезными вещами, то взгляд, вызывающий отвращение, не должен тебе мешать. И теперь, преодолевая отвращение, я обращаю свой взгляд на них, чтобы сказать им: они мне не безразличны, но я бы хотел, чтобы они были мне безразличны.
19 [96]
В Греции философия начинается с великого математика. Отсюда чувство абстрактного, немифического. При антимифическом настроении он всё же считается в Дельфах «мудрецом»: — орфики показывают абстрактную мысль в аллегории.
Греки перенимают науку с Востока. Математика и астрономия старше философии.
19 [97]
Истины требует человек и достигает ее в моральном общении с людьми, на этом основано все общежитие. Люди антиципируют дурные последствия взаимной лжи. Отсюда рождается долг правдивости. Эпическому рассказчику предоставляется право на ложь, так как здесь не ожидают вредных последствий.— Значит, там, где ложь кажется приятной, она дозволена: красота и приятность лжи, при условии, что она не наносит вреда. Так жрец сочиняет мифы о своих богах: они оправданы их возвышенностью. Чрезвычайно трудно снова оживить мифическое чувство свободной лжи. Великие греческие философы жили еще целиком в мире, где было право на ложь.
Там, где невозможно знать истину, допустима ложь.
По ночам каждый человек позволяет непрерывно лгать себе.
Стремление к истине возникало бесконечно медленно. Наше историческое чувство есть нечто очень новое в мире. Не исключено, что оно могло бы совсем подавить искусство.
Высказывание истины любой ценой — жест сократический.
19 [98]
Философ.
Размышления о борьбе искусства и познания
19 [99]
«Ученая охлократия» вместо республики ученых.
19 [100]
Очень поучительно, когда Гераклит сравнивает свой язык с Аполлоном и Сивиллой.
19 [101]
Чувства водят нас за нос.
19 [102]
Истина и ложь с физиологической точки зрения. Истина как моральный закон — два источника морали. Сущность истины определяется по ее последствиям.
Последствия заставляют предположить существование недосказанных «истин».
В борьбе между такими порожденными силою истинами проявляет себя потребность в том, чтобы найти к ним иной путь. Либо объясняющий все с точки зрения силы, либо восходящий к ней от примеров, явлений.
Восхитительное изобретение логики.
Постепенный перевес логических сил и ограничение тех, которые делают знание возможным.
Непрерывная реакция художественных сил и ограничение тем, что знания достойно (судя по последствиям).
19 [103]
Борьба в философе.
Универсальный инстинкт принуждает его к плохому мышлению, колоссальный пафос истины, рождающийся из широты его взглядов, принуждает его к высказыванию, а последнее — снова к логике.
На одной стороне рождается оптимистическая метафизика логики — постепенно она все отравляет и покрывает ложью. Логика, если она самодержавна, ведет ко лжи: ибо она не самодержавна.
Другое чувство истины проистекает из любви, доказательство силы.
Высказывание истины, дающей чувство счастья из любви: относится к познанию единичного лица, которого заставляет высказываться избыток чувства счастья.
19 [104]
Быть абсолютно правдивым — героическое наслаждение человека среди лживой природы! Но осуществимо оно только весьма относительно! Это трагично. Это трагическая проблема Канта! Искусство получает теперь совершенно новое достоинство. Науки же, напротив, в известной степени деградируют.
19 [105]
Истинность искусства : только оно в настоящее время честно.
Так дальним обходным путем мы снова приходим к естественному отношению (каким оно было у греков). Выяснилось, что основать культуру на знаниях невозможно.
19 [106]
Борьба за истину вообще и борьба вокруг определенной истины — разные вещи.
19 [107]
Выводы, сделанные бессознательно, вызывают у меня сомнение: это, видимо, и есть тот самый переход от образа к образу: последний достигнутый образ действует тогда как раздражитель и мотив.
Бессознательное мышление должно совершаться без понятий: следовательно, в созерцаниях.
Но таков метод умозаключения созерцательного философа и художника. Он делает то же самое, что делает каждый в физиологических личных побуждениях, перенесенное на безличный мир.
Это мышление в образах не является изначально строго логической природы, но все же более или менее логично. Философ старается затем на место мышления в образах поставить понятийное мышление. Инстинкты тоже, кажется, являются таким мышлением в образах, которое в конце концов становится раздражителем и мотивом.
19 [108]
Насколько велика была этическая сила стоиков, явствует из того, что они нарушали свой принцип в угоду свободе воли.
19 [109]
К теории морали: в политике государственный муж нередко предвосхищает деяние своего противника и совершает деяние первым: «если этого не сделаю я, сделает он». Своего рода вынужденная оборона как политический принцип. Точка зрения войны.
19 [110]
Древние греки не имели нормативной теологии: каждый имел право сочинять свою и мог верить, во что хотел.
Громадный пласт философской мысли у греков (с теологическим продолжением в веках).
Большие логические силы обнаруживают себя, напр., в организации культурных сфер отдельных городов.
19 [111]
Орфики непластичны в своих мечтаниях, граничат с аллегорией.
Логические
19 [112]
Боги стоиков заботятся только о величии, пренебрегают малым и единичным.
19 [113]
Шопенгауэр отрицает воздействие моральной философии на моральные принципы: так же, как художник творит, не опираясь на понятия. Удивительно! Верно, что каждый человек уже есть интеллигибильное существо (обусловлен бесчисленными поколениями?). Но ведь сильное возбуждение определенных ощущений посредством понятий усиливает эти нравственные силы. Не образуется ничего нового, но творческая энергия концентрируется в одном направлении. Напр., категорический императив очень усилил ощущение альтруистической добродетели.
Мы и здесь видим, что высоконравственный человек вызывает, словно по волшебству, подражание. Философ должен это волшебство распространить. То, что является законом для высших экземпляров, должно постепенно стать законом для всех; пусть только как их ограничение.
19 [114]
Стоики перевели Гераклита на плоскость и истолковали его неверно. Эпикурейцы также исказили строгие принципы Демокрита своей изнеженностью (возможности).
У Гераклита высшая закономерность мира, но не оптимизм.
19 [115]
Процесс, который все религии, философия и наука ведут по отношению к миру, начинается с грубейших антропоморфизмов и никогда не прекращает делать их все более утонченными.
Отдельный человек рассматривает даже созвездия как нечто, что служит ему или с ним связано.
Греки в своей мифологии всю природу растворили в греках. Природа казалась им только маскарадом, переодетыми очеловеченными богами. В этом они противоположны всем реалистам. Противоречие истины и явления жило в них глубоко. Метаморфозы были специфичны.
Фалес выразил это в своем тезисе о том, что все есть вода.
19 [116]
Относится ли интуиция к родовым понятиям или к завершенным типам? Но родовое понятие всегда далеко отстает от хорошего экземпляра, тип совершенства выходит за рамки действительности.
| Этические антропоморфизмы: | Анаксимандр: суд. Гераклит: закон. Эмпедокл: любовь и ненависть. | |
| Логические антропоморфизмы: | Парменид: только бытие. Анаксагор: vous. Пифагор: всё есть число. |
19 [117]
Всемирная история короче всего, когда измеряешь ее значительными философскими открытиями, оставляя в стороне эпохи, им враждебные. Ни у кого не видим мы такой активности и творческой силы, как у греков: они заполняют самый большой промежуток времени, они действительно создали все типы.
Им принадлежит открытие логики.
Разве уже язык не свидетельствует о способности человека к созданию логики?
Конечно, это самое удивительное из логических операций и способов дифференцировать мир. Но он не появился вдруг, а является логическим итогом бесконечно длительного времени. Здесь следует задуматься об образовании инстинктов: о постепенности их развития.
Духовная деятельность тысячелетий, отложившаяся в языке.
19 [118]
Человек лишь мало-помалу начинает понимать, как бесконечно сложен мир. Вначале он представляет его себе совсем простым, т. е. таким же поверхностным, как и сам человек.
Он исходит из самого себя, самого позднего из созданий природы, и мыслит себе силы, прасилы такими, каково то, что входит в его сознание.
Он принимает действия сложнейших механизмов мозга за то, будто эти действия изначально были одного порядка. Тот факт, что этот механизм создал в короткое время нечто, доступное пониманию, заставляет его думать, что мир очень молод: он стоил творцу не так уж много времени, думает он.
Так он думает, что словом «инстинкт» что-то объяснил, и, не смущаясь, переносит даже бессознательные поступки на глубинный процесс становления вещей.
Ощущения времени, пространства и причинности даны, кажется, с первым ощущением.
Человек знает мир в той мере, в какой он знает себя: т. е. глубина мира открывается ему в той мере, в какой он способен удивляться самому себе и своей сложности.
19 [119]
Должна существовать возможность доказательства того, что всего существующего и бытийствующего когда-то не было и потому когда-нибудь не будет. Становление у Гераклита.
19 [120]
Закладывать в основание мира моральные, художественные, религиозные потребности человека — так же рационалистично, как и механистично: т. е. мы не знаем ни о толчке, ни о тяжести. (?)
19 [121]
Нам неведома истинная сущность ни одной причинной связи.
Абсолютный скепсис: необходимость искусства и иллюзии.
19 [122]
Тяжесть объясняется, быть может, из движущегося эфира, который кружит вокруг необъятного созвездия вместе со всей солнечной системой.
19 [123]
Невозможно доказать значение существования ни метафизического, ни этического, ни эстетического.
19 [124]
Порядок в мире — результат самых трудных, медленных и мучительных эволюций, осмысленный как сущность мира — Гераклит!
19 [125]
Надобно доказать, что все мировые конструкции — антропоморфизмы: да и все науки, если Кант прав. Правда, здесь замкнутый круг: если науки правы, то мы не стоим на кантовской основе; если прав Кант, то науки не правы.
Против Канта в любом случае можно возразить, что, даже если принять все его положения, все еще остается возможным, что мир таков, каким он нам представляется. В личном плане эта позиция, впрочем, совершенно непригодна. С таким скептицизмом никто не может жить.
Мы должны выйти за рамки этого скепсиса, забыть о нем! Чего только не должны мы забыть в этом мире! Искусство, идеальный образ, температуру.
Не в познании, в творчестве наше спасение! В высшей иллюзии, в благороднейших волнениях души заключается наше величие. Если Вселенная нас не касается, то мы желаем иметь право ее презирать.
19 [126]
Страшное одиночество последнего философа! Его обступила природа, над ним кружит воронье. И вот он кричит природе: дай забвение! Забвение!— Нет, он выносит страдание как титан—до тех пор, пока ему не будет подарено примирение в высшем трагическом искусстве.
19 [127]
Рассматривать «дух», продукт мозга, как сверхъестественное! Даже обожествлять, какая глупость!
19 [128]
Среди миллионов разрушительных миров один — возможный! И он разрушителен. Он был не первым!
19 [129]
| Доплатоновские философы. | Поэтика. |
| Платон. | Ритмика. |
| Сократические школы. | Риторика. |
19 [130]
| «Хоэфоры». | Латинская грамматика. |
| «Труды и дни». | Греческая грамматика. |
| Лирики. | Риторика. |
| Феогнид. |
19 [131]
Эдип.
Речи
последнего философа,
обращенные к самому себе.
Фрагмент
из истории будущего.
Последним философом называю я себя, ибо я — последний человек. Никто не говорит со мной, кроме меня самого, и мой голос доносится до меня как голос умирающего. С тобой, любимый голос, с тобой, последним вздохом воспоминания о счастье человеческом, позволь мне говорить всего лишь час, благодаря тебе я забуду о своем одиночестве и упьюсь лживым многообразием и лживой любовью, ибо сердце мое противится верить, что любовь умерла, оно не выносит ужаса беспредельного одиночества и заставляет меня говорить, как будто нас тут двое.
Слышу ли я тебя еще, голос мой? Ты шепчешь, шепчешь проклятия? И все же да раздерут твои проклятия внутренности этого мира! Но он еще живет и смотрит на меня, только еще безжалостнее и холоднее своими сверкающими звездами, он живет, такой же глупый и слепой как прежде, и только одно умирает — человек. И все же! Я еще слышу тебя, возлюбленный мой голос! Еще один умирает вместе со мной, последним человеком, в этой Вселенной: последний вздох, твой вздох, умирает со мной, донесшееся до меня «О, горе! О, горе!» — овеявшее меня, последнего из горюющих, Эдипа.
19 [132]
Ужасающее следствие дарвинизма, который я, впрочем, считаю истиной. Вся наша почтительность обращена на качества, которые представляются нам вечными: моральность, художественность, религиозность и т. д.
Размышляя об инстинктах, не продвинешься ни на шаг в понимании целесообразности. Ибо именно эти инстинкты представляют собой лишь продукт бесконечно долго продолжавшегося процесса.
Воля объективирует себя не адекватно, как говорит Шопенгауэр: так кажется, когда исходишь из наиболее совершенных форм.
Эта воля также в высшей степени сложное последнее звено в природе. Нервы — в качестве предпосылки.
И даже сила тяжести: ведь и это не простой феномен, а снова результат движения солнечной системы, эфира и т. д.
И механический толчок — тоже нечто сложное.
Мировой эфир как правещество.
19 [133]
Всякое познание есть отражение в очень определенных формах, которые не существуют заранее. Природа не знает образа, величины, большими или маленькими вещи выступают только для познающего. Бесконечное в природе: она нигде не имеет границ. Только для нас существует конечное. Время делимо до бесконечности.
19 [134]
От Фалеса до Сократа — сплошные переносы человеческого на природу — колоссальные спектакли человеческих теней, отбрасываемых на природу, на горные склоны!
Сократ и Платон. Познание и добро универсальны. Прекрасное в начале. Идеи художника.
| Пифагорейцы | число. | ||||
| Демокрит | вещество. | ||||
| Пифагор | человек не продукт прошлого, но возврат. Единство всего живого. | ||||
| Эмпедокл | животное и растительный мир с моральной точки зрения, универсальный половой инстинкт и ненависть. Универсальная «воля». | ||||
| Анаксагор | дух как начало начал. | ||||
| Элеаты | |||||
| Гераклит | созидательная сила художника как начало начал. | ||||
| Анаксимандр | суд и наказание универсальны. | ||||
| Фалес. |
Прежде боги и природа. Религии — только более неприкрытые выражения. Астрология. Человек как цель. «Всемирная история».
Кантовская вещь в себе как категория.
Философ есть продолжение инстинкта, с помощью которого мы непрерывно, посредством антропоморфных иллюзий, общаемся с природой. Глаз. Время.
19 [135]
Философ, запутавшийся в тенетах языка.
19 [136]
Я хочу изобразить и прочувствовать грандиозное развитие некоего философа, который желает знания, философа по имени человечество.
Большинство людей настолько подчинены инстинкту, что вообще не замечают, что происходит. Я хочу сказать и заставить обратить внимание на то, что происходит.
Некий философ тождествен здесь со всеми устремлениями науки. Ибо все науки покоятся на общем фундаменте философии.
Показать грандиозное единство во всех познавательных инстинктах: ученый, разбившийся на куски.
19 [137]
Задачи:
Так называемые абстракции.
Формы как поверхности.
19 [138]
Апология искусства.
Введение.
Вынужденная ложь и veracite du dieu Декарта.
Платон против искусства.
1. Язык и понятие.
2. Формы как поверхности.
3. Пафос истины.
4.
19 [139]
Бесконечность есть изначальный факт: следовало бы только объяснить, откуда берется конечное. Но точка зрения конечного чисто чувственна, т.е. иллюзорна.
Как можно осмелиться говорить о предназначении земли!
В бесконечном времени и бесконечном пространстве не существует целей: то, что там есть, есть вечно в каких-либо формах. Что означает это для метафизического мира, предугадать невозможно.
Человечество должно уметь стоять, ни на что не опираясь — великая задача художника!
19 [140]
Время само по себе — бессмыслица: оно есть только для ощущающего существа. Так же и пространство.
Все фигуры принадлежат субъекту. Он — зеркало, схватывающее поверхности. Все качества мы должны стереть.
Мы не можем мыслить вещи, каковы они есть, потому что мы не вправе их мыслить.
Все остается таким, какое оно есть: т. е. все качества указывают на неподвластное определению, абсолютное положение дел. — Отношение приблизительно такое, как между звуковыми фигурами Хладни и колебаниями.
19 [141]
Всякое знание возникает путем сепарации, отграничения, ограничения; никакого абсолютного знания целого.
19 [142]
Удовольствие и неудовольствие как универсальные ощущения? Не думаю.
Но где выступают художественные силы? Конечно, в кристалле. Образование фигуры: но не предполагает ли это созерцающее существо?
19 [143]
Музыка как дополнение языка: множество прелестных вещей и целые состояния увлеченности, которые не может передать язык, передает музыка.
19 [144]
В природе отсутствует форма, ибо не существует внутреннего и внешнего.
Все искусство основано на зеркальности глаз.
19 [145]
Чувственное познание человека, несомненно, нацелено на прекрасное, оно просветляет мир. Чего еще нам искать? Чего хотим мы за пределами наших чувств? Неустанное познание уводит в пустоту и уродство. — Довольствоваться миром, как он дан в эстетическом созерцании!
19 [146]
Как только хотят познать вещь в себе, тотчас же видят перед собой именно этот мир — познание возможно только как отражение и соизмерение себя одной мерой (ощущение).
Мы знаем, что мир есть: абсолютное и безусловное познание есть воля к познанию без познания.
19 [147]
Так называемые бессознательные выводы восходят к всесохраняющей памяти, которая предоставляет опыты параллельного свойства и потому уже знает последствия того или иного поступка. Это не антиципация воздействия, но чувство: одинаковые причины — одинаковые следствия, вызванные образом, сохранившимся в памяти.
19 [148]
Мы слишком легко путаем кантовскую вещь в себе и истинную суть вещей, как понимают ее буддисты: т. е. действительность представляет всецело видимость или явление, всецело адекватное истине.
Видимость как небытие и явление сущего спутываются друг с другом.
Вакуум заполняется всевозможными суевериями.
19 [149]
Ход философии: вначале мыслятся люди как первопричина всех вещей — постепенно вещи получают объяснение по аналогии с отдельными человеческими свойствами, наконец останавливаются на ощущении. Большой вопрос: является ли ощущение первичным фактом всей материи?
Притяжение и отталкивание?
19 [150]
Влечение к историческому познанию — его цель: осмыслить человека в становлении и здесь устранить чудо.
Это влечение отвлекает от инстинкта культуры величайшие силы: познание — чистая роскошь, от этого современная культура ни насколько не повышается.
19 [151]
Смотреть на философию как на астрологию: а именно связывать судьбу мира с судьбой человека: т. е. рассматривать высшую эволюцию человека как высшую эволюцию мира. Этот философский инстинкт питает все науки. Человечество сначала уничтожает религию, потом науку.
19 [152]
Чувство прекрасного связано с порождением.
19 [153]
И кантовской теорией познания человек сразу же воспользовался для прославления человека: только в нём мир обретает реальность. Им, как мячом, играют в человеческих головах. В действительности это означает только одно: следует думать, что существуют произведение искусства и глупый человек, чтобы его рассматривать. Правда, как феномен мозга он существует для этого глупца лишь постольку, поскольку он сам всё же является художником и добавляет от себя формы. Он мог бы смело утверждать: вне моего мозга он вообще не обладает реальностью.
Формы интеллекта возникли из материи очень постепенно. Вероятно, что они строго соответствуют истине. Откуда мог бы появиться такой аппарат, который изобретает нечто новое!
Главной способностью мне представляется способность воспринимать фигуру, то есть отражённую в зеркале. Пространство и время есть лишь измеренные, ритмом размеренные вещи.
19 [154]
Вы не должны спасаться бегством в метафизику, но деятельно принести себя в жертву становящейся культуре! Вот почему я так строго отношусь к мечтательному идеализму.
19 [155]
Всякое познание есть измерение масштабом. Без масштаба, т. е. без ограничения, не бывает познания. В области интеллектуальных форм дело обстоит так же, как если бы я поставил вопрос вообще о ценности познания: я должен занять позицию, которая находится выше или по меньшей мере тверда, чтобы воспользоваться ею в качестве масштаба.
19 [156]
Если мы сведем весь мир интеллекта к влечению или ощущению, то такая беднейшая перцепция объяснит очень мало.
Положение: не существует познания без познающего или нет субъекта без объекта и нет объекта без субъекта — вполне верно, но крайне тривиально.
Мы ничего не можем сказать о вещи в себе, потому что мы лишили себя точки зрения познающего, т. е. измеряющего. Какое-либо качество существует для нас — это значит мы его мера. Если отнять меру, то что останется от качества!
Что вещи есть, можно понять только с помощью установленного рядом субъекта измерения. Ее свойства как таковые нас не касаются, они важны лишь поскольку они воздействуют на нас.
Теперь надо спросить: как возникло такое измеряющее существо?
Растение тоже измеряющее существо.
19 [157]
Грандиозный консенсус людей по поводу вещей доказывает полную однородность их аппарата перцепции.
19 [158]
Для растения мир такой-то и такой-то — для нас такой-то и такой-то. Если сравнить обе силы перцепции, то наше понимание мира будет казаться нам более правильным, т. е. более отвечающим истине. Но человек прошел большой путь развития, а познание продолжает еще развиваться: значит, картина мира становится все истиннее и полнее. Естественно, это только отражение, все более отчетливое. Но и зеркало не есть нечто совсем постороннее, не принадлежащее сущности вещей, оно долго формировалось подобно сущности вещей. Мы видим стремление сделать зеркало все более адекватным: естественный процесс продолжает наука. — Так вещи отражаются все яснее: постепенное освобождение от излишнего антропоморфизма. Для растения весь мир — растение, для нас — человек.
19 [159]
Толчок, воздействие одного атома на другой также предполагает ощущение. Нечто в себе чуждое не может воздействовать друг на друга.
Не пробуждение ощущений представляет трудность, а пробуждение сознания в мире. Но и это все еще объяснимо, если все обладает ощущением.
Если все имеет ощущения, то перед нами неразбериха мельчайших, больших и самых больших центров ощущения. Эти комплексы ощущений, большие или меньшие, следовало бы именовать «волей».
Мы с трудом избавляемся от качеств.
19 [160]
Говорить о бессознательной цели человечества я считаю неправильным. Оно не целое, подобное муравейнику. Пожалуй, можно говорить о бессознательной цели какого-то города, народа: но что это означает, когда говорят о бессознательной цели всех муравейников земли!
19 [161]
Ощущение, рефлекторные движения, очень частые и молниеносные, постепенно совсем привычные, производят конечную операцию, т. е. порождают чувство причинности. От ощущения каузальности зависят пространство и время.
Память сохраняет совершенные рефлекторные движения.
Сознание начинается с ощущения каузальности, т. е. память старше, чем сознание. Напр., у мимозы мы видим память, но не сознание. Конечно, у растения память без образа.
Но память должна тогда относиться к сущности ощущения, быть первородным свойством вещей. Но тогда то же и рефлекторные движения.
Нерушимость законов природы означает вот что: ощущение и память содержатся в сущности вещей. То, что какое-то одно вещество, соприкасаясь с другим, реагирует именно так — вопрос памяти и ощущения. Когда-то в прошлом оно этому научилось, т. е. деятельность веществ — это законы, сформировавшиеся в процессе становления. Но затем характер реакции, выбор решения определяется удовольствием и неудовольствием.
Но если удовольствие, неудовольствие, ощущение, память, рефлекторные движения относятся к сущности материи, то человеческое познание проникает в сущность вещей намного глубже.
Вся логика в природе распадается тогда на систему удовольствий и систему неудовольствий. Каждый тянется к удовольствиям и избегает неудовольствий, это вечные законы природы.
19 [162]
Память не имеет ничего общего с нервами, с мозгом. Это первичное свойство. Ибо человек носит в себе память всех предшествующих поколений.
Образ памяти есть нечто очень искусственное и редкое.
19 [163]
Вести речь о памяти, которая никогда не ошибается, так же неправильно, как и об абсолютно целесообразном действии естественных законов.
19 [164]
Существует ли бессознательное заключение? Делает ли материя выводы? Она ощущает и борется за свое индивидуальное бытие. «Воля» обнаруживает себя, во-первых, в изменении, т. е. имеется род свободной воли, которая модифицирует существо вещи, стремясь к удовольствию и отталкиваясь от неудовольствия. — Материя наделена некоторым числом качеств, которые протейски изменчивы, которые она в зависимости от своих целей акцентирует, усиливает, использует в интересах целого.
Качества представляют собой, по-видимому, только определенные модифицированные деятельности одной материи. Выступающие в зависимости от пропорций числа и меры.
19 [165]
Мы знаем только одну реальность — реальность мысли. А что, если это сущность вещей!
Если бы память и ощущение были материей вещей!
19 [166]
Мысль дает нам понятие о совершенно новой форме реальности: она складывается из ощущений и памяти.
19 [167]
Человек в мире мог бы действительно осмыслить себя как персонажа из какого-то сна, который и сам тоже видел этот сон.
19 [168]
Философ у греков продолжает при ярком свете дня ту деятельность, благодаря которой греки пришли к своей культуре.
19 [169]
1. Отсутствие.
2. Различные типы.
19 [170]
Философы — высший класс среди аристократов духа. У них нет публики, им нужна слава. Для того чтобы поделиться лучшими своими радостями, они нуждаются в доказательстве: в этом они несчастнее, чем художники.
19 [171]
На примере современной Германии мы видим, что возможен расцвет науки в условиях варварской культуры; точно так же и полезность не имеет ничего общего с науками (хотя так кажется в условиях, когда предпочтение оказывается учреждениям химическим и естественно-научным, а чистые химики могут прославиться как носители могущественных сил).
Наука расцветает в собственном жизненном эфире. Упадочная культура (наподобие александрийской) и некультура (как наша) не лишают ее возможности существования.
Познание может быть даже эрзацем культуры.
19 [172]
Причина того, что познание и культура могут оставаться чуждыми друг другу — в обособлении знаний как следствии разделения наук. В философе познание снова входит в соприкосновение с культурой.
Он охватывает все знание и ставит вопрос о его ценности. Это — проблема культуры: познание и жизнь.
19 [173]
Являются ли темные века, напр. Средневековье, действительно периодами здоровья, как бы периодами сна, в который погружается интеллектуальный гений человечества?
Или: не есть ли и темные времена результат высшего предназначения? Если книги имеют свои fata, то, видимо, и гибель книг есть fatum, имеющий какую-нибудь цель.
Цели повергают нас в смятение.
19 [174]
В философе деятельная жизнь мира продолжается в форме метафор. Стремление к объединяющей власти. Каждая вещь стремится в безграничность, индивидуальный характер редко бывает очерчен в природе твердой линией, он простирается дальше. Медленнее или быстрее, вопрос чисто человеческий. Если обратиться к области бесконечно малого, то всякое развитие всегда совершается бесконечно быстро.
19 [175]
Что делает с людьми правда!
Можно вести высшую и чистую жизнь, если веришь, что владеешь истиной. Вера в истину необходима людям.
Правда является социальной потребностью: через метастазу она впоследствии применяется ко всему, где она не нужна.
Все добродетели возникают из потребностей. С социумом возникает потребность в правдивости. Иначе человек живет в вечных иллюзиях. Основание государства порождает правдивость. —
Инстинкт познания имеет моральный источник.
19 [176]
Какова ценность мира — на это должен указывать и мельчайший его осколок — посмотрите на человека, тогда вы узнаете, что вам следует думать о мире.
19 [177]
Нужда порождает при известных обстоятельствах правдивость как средство существования социального коллектива.
Интенсивная практика укрепляет инстинкт и он, благодаря метастазам, распространяется бесконтрольно. Он становится влечением. Из практического применения в особых случаях рождается качество.— И вот мы обладаем инстинктом познания.
Эта универсализация происходит благодаря вторжению понятия. Качество это начинается с ложного суждения: быть правдивым — значит быть правдивым всегда. Отсюда возникает влечение жить не по лжи: устранить все иллюзии.
Но его гонит из одной ловушки в другую.
Добрый человек тоже хочет теперь быть правдивым и верит в правду всех вещей. В истинность не только общества, но и мира. А тем самым и в его познаваемость. Потому что зачем же миру его обманывать?
Значит, он переносит свое влечение на мир и думает, что и мир должен быть по отношению к нему правдивым должен.
19 [178]
Я не спрашиваю о цели познания: оно случайно, т. е. возникает не вместе с разумным целеполаганием. Как расширение или отвердевание необходимого в известных случаях образа мыслей и действий.
По своей природе человек существует не для познания.
Два свойства, необходимых для различных целей — правдивость — и метафора — породили влечение к истине. Это моральный феномен, который, испытав эстетическое обобщение, вызывает интеллектуальный инстинкт.
Инстинкт есть здесь именно привычка делать определенные заключения, и отсюда долг делать такое заключение всегда.
19 [179]
Природа поместила человека в мир сплошных иллюзий. — Это его подлинная стихия. Он видит формы, переживает влечения вместо истин. Он видит сны, населяет в своем воображении природу очеловеченными богами.
Существом познающим человек сделался случайно, в силу непреднамеренного сочетания двух качеств. Когда-нибудь он прекратит свое существование, и ничего не произойдет.
Их долго не было и когда они перестанут быть, не случится ничего. У них нет больше никакой миссии и назначения.
Человек — животное в высшей степени патетическое и относится ко всем своим свойствам так серьезно, будто от них зависит существование мира.
Подобное напоминает о подобном и сравнивает себя с ним: это познание, быстрое соединение однородного. Только подобное участвует в подобном: физиологический процесс. То, что есть подобие, есть и перцепция нового. Не мысль мыслью —
19 [180]
О лжи.
| Гераклит. Вера в вечность истины. |
| Гибель его труда — одновременно гибель всякого познания. И что у Гераклита истина! |
| Описание его учения как антропоморфизма. Ebenso Анаксимандр. Анаксагор. |
| Отношение Гераклита к греческому народному характеру. Это — эллинский космос. |
| Возникновение пафоса истины. Случайное зарождение познания. |
| Лживость и иллюзия, в мире которых живет человек. Ложь и речь об истине — миф, поэзия. |
| Фундаменты всего великого и живого покоятся на иллюзии. Пафос истины ведет к гибели. (В этом заключается «великое».) Прежде всего к гибели культуры. |
| Эмпедокл и жертвы. Элеаты. Платону для государства нужна ложь. |
| Отделение от культуры через сектантство у греков. |
| Мы же, наоборот, сектантски возвращаемся к культуре, мы стремимся снова втиснуть безграничное познание в философа и снова убедить его в антропоморфности всякого познания. |
19 [181]
Объективная ценность познания — оно не делает лучше. Не стремится к последним мировым целям. Возникновение его случайно. Ценность правдивости. — И всё же оно делает лучше! Цель его — гибель. Оно жертвует. Наше искусство — слепок с безнадёжного познания.
19 [182]
Человечество обрело в познании прекрасное средство к погибели.
19 [182]
В познании человечество обрело превосходное средство собственной гибели.
19 [183]
То, что человек стал таким, а не иным, несомненно дело его рук: в том, что он так погружен в иллюзии (грезы) и знает только поверхностное (глаз), — его сущность. Стоит ли удивляться, если и влечение к истине в конечном счете снова сводится к его сущностной основе? —
19 [184]
Мы чувствуем величие человека, когда слышим, что кто-нибудь, чья жизнь зависела от лживого слова, все же не солгал, — еще лучше, если правдивость заставляет государственного мужа разрушить царство.
19 [185]
Наши привычки становятся добродетелями благодаря свободному перенесению их в царство долга, т. е. благодаря тому, что мы верность им включаем в понятие; наши привычки становятся добродетелями благодаря тому, что мы меньше ценим наше благополучие, чем их нерушимость — жертвуя индивидом или, по меньшей мере, допуская возможность такой жертвы. Когда индивид перестает ценить себя высоко, появляется мир добродетели и искусства — наш метафизический мир. Долг предстал бы в особой чистоте, если бы в сущности вещей ничего не соответствовало моральному чувству.
19 [186]
Не то чтобы мысль воздействовала на память, но мысль проходит через бесчисленные незаметные превращения, т. е. мысли соответствует вещь в себе, которая подает руку аналогичной вещи в себе в памяти.
19 [187]
Индивиды — это мосты, на которых совершается становление. Все качества первоначально только однократные акции, затем часто повторяемые в одинаковых случаях, наконец привычки. В каждой акции индивид участвует всем своим существом, и привычке соответствует специфическая трансформация индивида. В индивиде все до последней мельчайшей клетки индивидуально, т. е. участвует во всем его опыте и прошлом. Отсюда возможность порождения.
19 [188]
История греческой философии до
Платона, представленная
в основных ее чертах
Ф. Н.
19 [189]
| Введение. |
| 1. Фалес Анаксимандр Гераклит Парменид Анаксагор Эмпедокл Пифагорейцы Сократ. |
| Глава 1. |
| Глава 2. |
19 [189]
История греческой философии.
| Введение. |
| 1. | Фалес. | ||||
| 2. | Анаксимандр. | ||||
| 3. | Гераклит. | ||||
| 4. | Парменид. | ||||
| 5. | Анаксагор. | ||||
| 6. | Эмпедокл. | ||||
| 7. | Демокрит. | ||||
| 8. | Пифагорейцы. | ||||
| 9. | Сократ. |
| Приложение. |
19 [190]
История греческой философии.
| Введение. |
| 1. | Фалес. | ||||
| 2. | Анаксимандр. | ||||
| 3. | Гераклит. | ||||
| 4. | Парменид. | ||||
| 5. | Анаксагор. | ||||
| 6. | Эмпедокл. | ||||
| 7. | Демокрит. | ||||
| 8. | Пифагорейцы. | ||||
| 9. | Сократ. |
| Добавления. |
19 [191]
| Введение об истине и лжи. |
| 1. | Пафос истины. | ||||
| 2. | Генезис истины. | ||||
| 3. |
19 [192]
Политический смысл древнейшей греческой философии — показать его наличие так же, как и ее волю к метафоре.
19 [193]
Как лишь в низших формах проявляется наша театральная склонность, так на пивной скамье — наша общительность.
19 [194]
Человечество продолжает расти, бросая семена в почву невозможного, делая ставку на добродетели—категорический императив, как и завет «Дети, любите друг друга» — таковы требования невозможного.
Так и чистая логика, которой питается наука, есть невозможное.
19 [195]
Философ — самое редкое среди явлений великого, ибо познание не есть оригинальный дар человека, оно случайно. Но от этого и высший тип величия.
19 [196]
Мы должны учиться так, как греки у своего прошлого и соседей — для жизни, а значит, с величайшей разборчивостью и сразу же используя все, чему научились, как шест, опираясь на который можно взлететь выше всех соседей. Не по-ученому! То, что не пригодно для жизни, не является подлинной историей. Правда, все зависит от того, насколько возвышенно или пошло думаете вы о жизни. Тот, кто пытается актуализировать историю Рима безвкусными намеками на жалкие партийные распри современности, на эфемерное современное образование, грешит против прошлого еще больше, чем обыкновенный кабинетный ученый, под пером которого все кажется мертвым как мумия. (Таков историк Моммзен, имя которого часто приходится слышать в наши дни.)
19 [197]
Поведение Сократа во время процесса военачальников весьма удивительно, так как в политическом отношении оно по-своему истинно.
19 [198]
Наши естественные науки движутся к гибели, преследуя цель познания.
Наше историческое образование — к смерти культуры. Оно борется против религий — и по пути уничтожает культуру.
Это неестественная реакция против плодотворного религиозного давления — ныне бросившаяся в крайности. Без чувства меры.
19 [199]
Немцы совершенно недостойны истинного искусства: ибо какой-нибудь простофиля с политической тенденцией, типа Гервинуса, тотчас с комической важностью наседки усаживается на нем, будто это яйца, отложенные специально для него. Птица Феникс должна остерегаться класть свои золотые яйца в Германии.
19 [200]
Отвратительная немецкая культура еще отвратительнее сегодня, когда она трубит в победные трубы военной славы.
Такие скверные учителя, какие и должны были выйти из нашей филологической школы.
19 [201]
Даже такой почтенный критик Библии, как Давид Штраус, начинает говорить, как кухарка из дешевой чадной харчевни, как только вокруг него расходятся клубы гегельянского пара. Немцы, как известно, такие «образованные», умеют обходиться с естествознанием лишь как беглые кандидаты богословия, и слушают только того, кто весьма грубо разрушает их веру в чудеса.
Нынче в моде сердечно радоваться своему узколобому филистерству — филистер потерял невинность (Риль). Филистер и образованный ветрогон нашего фельетонного времени братски пожимают друг другу руки и предаются общему ликованию, когда боннский недоумок-философ Юрген Бона-Мейер отрицает пессимизм, а Риль, Ян или Штраус — Девятую симфонию.
Что означает в действительности коммерческий успех, выпавший на долю романа Фрейтага, чувствуют лишь немногие: наши блеклые властители дум от литературы становятся гротескно дерзкими и говорят, как три богатыря, хором, или услаждают себя изнеженными нимфами в манере художника Швинда.
Если вы не способны к величию, остерегайтесь великого.
19 [202]
Я не чувствую, что существует какое-либо предопределение относительно хороших книг: плохие имеют едва ли не больше шансов сохраниться в памяти человечества. Кажется почти чудом, что Эсхила, Софокла и Пиндара переписывали все снова и снова, и то, что мы вообще обладаем античной литературой, очевидно, величайшая случайность.
19 [203]
То, что Шопенгауэру суждено было пережить в наш век, что первое издание его труда было уничтожено как макулатура, что его имя постепенно выплыло из забвения, обязано, в сущности, суетливой возне незначительных, даже сомнительных литераторов —
19 [204]
Абстракции есть метонимии, то есть путаница причины со следствием. Но всякое понятие представляет собой метонимию, и познание совершается через понятия. «Истина» становится силой, если сначала выделить её как абстракцию.
19 [205]
Мораль отрицания великолепна, ибо восхитительно невозможна. Чему можно уподобить, когда человек в полном сознании говорит «Нет!», в то время как все его чувства и нервы говорят «Да!», и каждая клеточка, каждое волоконце противится?
19 [206]
Если я говорю об ужасающей возможности того, что познание ведет к гибели, то это вовсе не означает, будто я хочу сделать комплимент ныне живущему поколению: в нем нет ничего от таких тенденций. Но, когда видишь, как развивалась, начиная с XV века, наука, то подобная возможность и власть открываются сами собой.
19 [207]
Человек, который не верит в правдивость природы, но повсюду усматривает метаморфозы, переодевания, маскарады, в быках видит богов, в конях — мудрых толкователей природы, в деревьях — нимф: такой человек, когда он сам подчиняет себя закону правды, начинает верить и в правдивость природы, которая направлена против него.
19 [208]
Выбросить все «нам», и «мы», и «я». Свести к минимуму также предложения с «что». Избегать, по возможности, всех искусственных слов.
19 [209]
Человек все больше научался приспосабливать к себе вещи и познавать их. Более полное познание не отдаляет его от вещей, благодаря этому он все же ближе к истине, чем растения.
Воспринятое раздражение и взгляд на движение, связываясь друг с другом, дают причинность, первоначально как положение, фиксирующее опыт: две вещи, а именно определенное ощущение и определенная картина, схваченная зрительно, всегда появляются вместе: то, что одно является причиной другого — метафора, заимствованная у воли и деяния: вывод по аналогии.
Единственная каузальность, которую мы осознаем — таковая между волей и поступком — ее мы переносим на все вещи и объясняем себе отношение двух изменений, наступающих всегда одновременно. Намерение или воление выражается nomina, поступки обозначаются verba. Животное как волящее — в этом его сущность.
Из качества и поступка: свойство, которым мы обладаем, ведет к действиям: тогда как по существу дело обстоит таким образом, что из действий мы выводим свойства: мы предполагаем свойства, потому что видим определенного рода действия.
Итак: первичное — это действие, его мы связываем со свойством.
Вначале возникает слово для действия, отсюда и слово для качества. Это отношение, перенесенное на все вещи, есть каузальность.
Сначала «видеть», потом «видение». «Видящий» считается причиной «видения». Между чувством и его функцией мы ощущаем закономерное отношение: причинность есть перенос этого отношения (с чувства на функцию чувства) на все вещи.
Первичный феномен: раздражение, воспринятое глазом, приписывать глазу, т.е. относить возбуждение чувства к чувству. Как таковое дано только раздражение: воспринимать его как деятельность глаза и говорить, что он видит, есть каузальное умозаключение. Ощущать раздражение как деятельность, нечто пассивное, как активное есть первое ощущение каузальности, т.е. первое ощущение уже вызывает чувство каузальности. Внутренняя связь раздражения и деятельности, перенесенная на все вещи. Так, слово «видеть» — это слово для обозначения нераздельности раздражения и деятельности. Глаз деятелен в ответ на раздражения: т.е. он видит. Опираясь на функции наших чувств, мы объясняем себе мир, предполагая всюду причинность потому, что сами переживаем такие изменения постоянно.
19 [210]
Время, пространство и причинность — лишь метафоры познания, с помощью которых мы объясняем себе вещи. Раздражение и деятельность связаны: каким образом, мы не знаем, мы не понимаем ни одного отношения причины, но имеем непосредственный опыт таких отношений. Всякое страдание вызывает поступок, каждый поступок — страдание; это самое общее из чувств уже метафора. Воспринятое множество предполагает время и пространство, одно после другого и одно рядом с другим. Рядоположенность во времени порождает ощущение пространства.
Ощущение времени дается вместе с чувством причины и следствия, как ответ на вопрос о степенях скорости при различных причинных отношениях.
Ощущение пространства следует выводить посредством метафоры из ощущения времени — или наоборот?
Два причинных отношения рядом локализованных —
19 [211]
Я пытаюсь быть полезным для тех, кто достоин того, чтобы их своевременно и со всей серьезностью ввели в изучение философии. Успешна эта попытка или нет, я слишком хорошо знаю, что делать это можно еще лучше и не желаю ничего другого, как служить примером для подражания и быть превзойденным во славу философии.
Тем, кто решится на это, следует от чистого сердца пожелать не доверяться руководству первого встречного философа-профессионала из академических кругов, а читать Платона.
Прежде всего следует отучиться от всяческих ужимок и стать простым и естественным.
Опасность попасть не в те руки.
19 [212]
| Введение. Типы ума и учений, дать их просто и легкообозримо. |
| То, что есть философия, должно быть отчетливым, такова специальная задача философии внутри культуры. |
| Примечательно, что философствуют в эпоху трагедии именно греки. |
| Смысл истории: метаморфоза растений. Пример. |
| (Идеалы и «иконическая» история — последняя невозможна) |
| О фильтрации, производимой посредственными умами. Шопенгауэр, I, XXVI. |
| Неприязнь к компиляциям. |
| Образцы — вопросы, которые ставит к философии Шопенгауэр и критика Канта. Шопенгауэр, I, 290. |
19 [213]
В манере древних историков.
2. Оправдать греков.
3. Фалес.
19 [214]
Философия
в
трагическую эпоху греков.
Краткое изложение
древних философских
учений греков.
19 [215]
Единственный способ одолеть множественность в том, чтобы сформировать роды, напр. назвать некоторое собрание способов действия «смелым». Мы объясняем их себе, сводя их в общую рубрику «смелые поступки». Все познать и объяснить означает, собственно, всего лишь рубрицировать. — И резкий поворот: множество вещей сводимы в единство, если одновременно они рассматриваются нами как бесконечные проявления одного качества, напр. как действия воды, как у Фалеса. Мы имеем здесь дело с переносом: абстракция схватывает вместе бесчисленные действия и считается причиной. Какова абстракция (свойство), которое объединяет множество вещей? Это качество — «водный», «влажный». Весь мир — влага, стало быть состояние влажности есть целый мир. Метонимия! Ложный вывод. Предикат спутан с суммой предикатов (дефиниция).
Логическое мышление, мало практиковавшееся ионийцами, развивалось очень медленно. И ложные выводы нам следует рассматривать скорее в качестве метонимий, т.е. риторически, поэтически.
Все риторические фигуры (т.е. сущность языка) являются логическими ошибками в выводах. С этого начинается разум!
19 [216]
Мы видим, как сначала продолжается философствование, так же, как возникал язык, т. е. нелогично.
Теперь к этому добавляется пафос истины и правдивости. Вначале это не имеет ничего общего с логикой. Это говорит только о том, что не совершается никакого сознательного обмана. Но те иллюзии в языке и в философии являются сначала бессознательными и их очень трудно довести до сознания. Но благодаря соседству различных, установленных с равным пафосом философий (или религиозных систем) возник странный спор. При соседстве враждебных религий каждая спасалась тем, что объявляла другую неистинной: так же и в системах.
Это привело некоторых к скептицизму: истина лежит на дне колодца! — вздыхали они.
У Сократа правдивость попадает во власть логики: она замечает бесконечную трудность правильного рубрицирования.
19 [217]
Тропы, а не бессознательные выводы — вот на чем основаны наши чувственные восприятия. Отождествлять подобное с подобным, находить в одной и другой вещи какое-нибудь сходство — это начальный процесс. Память жива этой деятельностью и практикуется в ней непрерывно. Подмена — это первичный феномен. — Это предполагает видение фигур. Наше познание определяется зрительным образом, затем ритмом нашего слуха. От зрения мы никогда не пришли бы к представлению о времени, от слуха — никогда к пространственным представлениям. Чувству осязания соответствует ощущение каузальности.
Изначально мы видим зрительные образы только в нас, мы слышим тон только в нас — отсюда к признанию внешнего мира долгий путь. Растение, напр., внешнего мира не ощущает. Осязательные ощущения и соответственно зрительный образ дают два ощущения, в опыте расположенные рядом — они, поскольку появляются всегда вместе, вызывают представление об их связи (посредством метафоры — ибо не все являющееся вместе взаимосвязано).
Абстракция — продукт чрезвычайной важности. Это впечатление, которое на длительное время сохраняется в памяти, отвердевает в ней и, подходя к очень многим явлениям, оказывается от этого очень грубым и неудовлетворительным в отношении каждого из них отдельно.
19 [218]
| Пафос истины в мире лжи. |
| Мир лжи вновь на самых высоких вершинах философии. |
| Цель этой высшей лжи — обуздание неограниченного инстинкта познания. |
| Возникновение познавательного инстинкта из морали. |
19 [219]
Откуда пафос истины в мире лжи? Из морали.
Пафос истины и логика.
Культура и истина.
19 [220]
Каждое маленькое познание заключает в себе большое удовлетворение: но не как истина, а как вера в то, что удалось открыть истину. Какого рода это удовлетворение?
19 [221]
Культура — единство. Кажется, только философ стоит в стороне. Он обращается к далеким потомкам — слава.
Удивительно, что греки занимались философией. Прельстительная ложь.
Но еще удивительнее, что человеком вообще овладел пафос истины.
Образы в нем ведь намного могущественнее, чем природа вокруг него: как у немецких художников XV века, которые вопреки окружающей их природе изображают руки и ноги как паутинки — следуя старой благочестивой традиции.
Платон мечтает о новом государстве, в котором торжествует диалектика, он отвергает культуру прельщающей лжи.
19 [222]
В Германии теперь больше не философствуют, и потому возникает вопрос: что, собственно, есть философ, непонятный немцам. Отсюда и устойчивое, переходящее в конце концов в озлобленность удивление тому, что кто-то, не обращая на них внимания и все же обращаясь именно к ним, может жить среди них как философ. Немцы нынче не выносят этого так же, как призраки не выносят, чтобы их вызывали по имени.
Отчаянное невезение — родиться философом среди немцев!
19 [223]
Моральные инстинкты: материнская любовь — постепенно переходящая в любовь вообще. Так же и половая любовь. Повсюду я вижу переносы.
19 [224]
Многое в природе влажно: все в природе влажно. Влажность относится к сущности природы: влажность есть сущность природы. Так рассуждает Фалес.
19 [225]
Несправедливость человека по отношению к самому себе и к другим: предпосылка — незнание — необходимо, чтобы существовать (самому и в обществе). В пустоту устремляются обманчивые представления. Сновидения. Традиционные понятия (которые, вопреки природе, владеют немецкими художниками) различны во все времена. Метонимии. Раздражения, не полное знание. Глаз дает фигуры. Мы привержены поверхности. Склонность к прекрасному. Недостаток логики, но метафоры. Религии. Философские учения. Подражание.
19 [226]
Подражание есть средство всех культур, благодаря ему рождается постепенно инстинкт. Всякое сравнение (прамышление) есть подражание. Так образуются виды, от того, что первые в сильной степени подражают только подобным экземплярам, т. е. крупнейшему и сильнейшему экземпляру. Воспитание второй природы путем подражания. В порождении поразительнее всего бессознательное воспроизведение, и при этом воспитание второй природы.
Наши чувства подражают природе, все больше становясь слепками с нее.
Подражание предполагает восприятие и затем, в продолжение его — перенос воспринятого образа в форме тысяч метафор, которые все оказывают свое воздействие.
Аналогичное —
19 [227]
Какая сила принуждает к подражанию? Присвоение чужого впечатления посредством метафоры.
Раздражение — образ памяти,
связанные метафорой (аналогией).
Результат: открывается сходство, и в него вносится новая жизнь. В образе, сохраненном памятью, повторно отражается раздражение.
Раздражение воспринятое — затем повторенное во множестве метафор, причем родственные образы из разных рубрик сливаются вместе. Каждая перцепция проходит через многократное отражение раздражения, но с переносом на различные области.
Испытанное раздражение, перенесенное на родственные нервы, и там, в процессе переноса, повторенное и т. д.
Происходит перевод одного чувственного впечатления в другое: некоторые видят что-либо или чувствуют вкус при определенных звуках. Это — всеобщий феномен.
19 [228]
Подражание является противоположностью познания в том, что познание с переносом как раз не связано, оно стремится удержать впечатление, независимо от метафоры и без последствий.
С этой целью оно становится окаменелостью: впечатление схватывается в понятии, отграничивается от всего остального, затем умерщвляется, разделывается, мумифицируется и хранится в качестве понятия.
Не существует, однако, никаких «неопосредствованных» выражений и никакого непосредственного познания вне метафор. Но иллюзия такового существует, т. е. вера в истинность чувственного впечатления. Самые обычные метафоры, узуальные, считаются тогда правдой и служат мерой для более редких. В сущности, это лишь различие между привычным и новым, употреблением частым и редким.
Познание есть лишь работа с особенно полюбившимися метафорами, т. е. воспроизведение, ощущаемое не более чем в качестве подражания. Естественно, что в царство истины оно проникнуть не может.
Пафос стремления к истине предполагает сознание того факта, что различные метафорические миры между собой разнятся и борются, напр. сон, ложь и т. п., и привычное узуальное понимание: одно более редкое, другое — более частое. Значит, узус борется с исключением, регулярное с необычным. Отсюда предпочтение дневной действительности миру снов.
Но редкое и необычное и есть самое привлекательное — ложь ощущается как источник чарующего волнения. Поэзия.
19 [229]
В обществе, связанном политическими отношениями, необходим договор, он основан на узуальном употреблении метафор. Любая необычная метафора нарушает, даже уничтожает его. Значит, употреблять все слова так, как употребляет их масса, — есть политическая конвенция и мораль. Соответствовать истине — значит не отклоняться от узуального смысла вещей. Истинное есть то, что существует, в противоположность недействительному. Первое условие есть договоренность о том, что считать «существующим».
Но инстинкт правдивости, перенесенный на природу, порождает веру в то, что и природа должна быть правдивой по отношению к нам. Инстинкт познания основан на этом переносе.
Под «истинным» понимается первоначально лишь то, что есть привычная узуальная метафора — всего лишь иллюзия, ставшая привычной от частого употребления и потому не воспринимаемая более как иллюзия; забытая метафора, т. е. метафора, применительно к которой забыли, что она именно метафора.
19 [230]
Влечение к истине берет начало в отчетливом понимании того, насколько мир действительности противоположен лжи и какой риск грозит человеческой жизни, если конвенциональная истина не считается безусловной: это моральное убеждение в необходимости незыблемой конвенции, если человеческое общество должно существовать. Если где-либо должно быть прекращено состояние войны, то началом этого процесса должно стать установление истины, т. е. общепринятого и обязывающего обозначения вещей.
Лжец употребляет слова так, чтобы нереальное выглядело как реальное, т. е. он злоупотребляет прочностью фундамента.
С другой стороны, имеет место влечение к созданию все новых метафор, оно проявляется у поэтов, актеров и т. д., прежде всего в религии.
Так и философ ищет в области, где господствуют религии, «реальное», постоянное, в чувстве вечной игры мифологической лжи. Он хочет истины, которая останется. Следовательно, он распространяет потребность в прочных конвенциональных истинах на новые области.
19 [231]
Древнейший монотеизм верит в единый сверкающий небосклон и называет его dewas. Весьма ограниченно и непластично. Какой прогресс — политеистические религии.
19 [232]
Речевые искусства! В этом причина того, что немцы не могут быть писателями!
19 [233]
Гете умел рассказывать сказки, Гердер был проповедником.
Фауст — единственное явление национального языка в форме раешного стиха.
19 [234]
Я хотел бы рассматривать вопрос о ценности познания с хладнокровием ангела, который насквозь видит все мошенничество. Без злобы, но и бездушно.
19 [235]
Все законы природы — только отношения некоего x к некоим y и z. Мы определяем законы природы как отношения к xyz, каждый из которых известен нам опять-таки только в качестве отношения к другим xyz.
19 [236]
Познание, строго говоря, имеет всего лишь форму тавтологии и является пустым. Всякое продвигающее нас вперед познание есть идентификация неодинакового, подобного, т. е., в сущности, лишено логики.
Понятие мы получаем только на этом пути, а потом делаем вид, будто понятие «человек» представляет собой нечто фактическое, тогда как оно образовано нами самими посредством исключения всех индивидуальных черт. Мы предполагаем, что природа живет в соответствии с таким понятием: но здесь антропоморфны и природа, и понятие. Невнимание к индивидуальному дарит нам понятие, и с этого начинается наше познание: путем рубрицирования, установления родов. Но сущность вещей этому не соответствует: этот процесс познания не улавливает вещей. Множество отдельных черт определяют для нас вещь, не все: одинаковость этих черт побуждает нас подводить многие вещи под одно понятие.
Мы, как носители свойств, создаем сущности и абстракции как причины этих свойств.
То, что какое-то единство, дерево напр., представляется нам как множество свойств, отношений, свидетельствует об антропоморфизме в двояком смысле: во-первых, отграниченное единство «дерево» не существует, так выхватывать одну вещь (опираясь на зрение, на форму) — произвол, всякое отношение не есть истинное и абсолютное, оно опять же окрашено антропоморфизмом.
19 [237]
Философ доискивается не истины, но метаморфозы мира в людях: он ведет сознательную борьбу за понимание. Он ведет борьбу за ассимиляцию: он удовлетворен, если ему удается истолковать что-либо антропоморфно. Подобно тому, как астролог смотрит на мир, подчиняя его потребностям отдельной личности, так и философ смотрит на мир как на человека.
Человек как мера вещей — это также научная мысль. Любой закон природы — это, в конечном счете, сумма антропоморфных отношений. Особенно число: разложение всех законов на множества, выражение их в форме чисел есть как если бы кто-то, неспособный слышать, оценивал музыку и звучание, исходя из звуковых фигур Хладни.
19 [238]
Труднее всего развивается чувство уверенности. Вначале ищут объяснения: если гипотеза многое объясняет, делают вывод, что она объясняет все.
19 [239]
Анаксимандр открывает противоречивый характер нашего мира: он погибает от собственных качеств.
19 [240]
Мир есть явление — но не одни мы причина того, что он является. Его нереальность обусловлена и с другой стороны.
19 [241]
Наши переживания определяют нашу индивидуальность, а именно таким образом, что каждое впечатление определяет всю нашу индивидуальность до последней клеточки.
19 [242]
Сущность дефиниции: карандаш — это удлиненное тело и т. п. А есть В. То, что имеет удлиненную форму, имеет тут одновременно и цвет. Свойства содержат только отношения.
Определенное тело равняется стольким-то и стольким-то отношениям. Отношения никогда не могут быть сущностью, а только следствием сущности. Синтетическое суждение описывает вещь по ее следствиям, т. е. сущность и следствие отождествляются, т. е. метонимия.
Итак, в основе синтетических суждений лежит метонимия,
т. е. это — ложное уравнение.
Т. е. синтетические выводы нелогичны. Предпосылкой их применения служит популярная метафизика, та, которая рассматривает следствия в качестве причин.
Понятие «карандаш» смешивается с «вещью» карандаш. «Есть» в синтетическом суждении — лжет, содержит перенос, рядом друг с другом ставятся две различные сферы, между которыми не может быть равенства.
Мы живем и думаем под властью нелогичного, незнания и ложного знания.
19 [243]
Мир неправды:
Сон и явь.
Слабое самосознание.
Короткая память.
Синтетические суждения.
Язык.
Иллюзии и цели.
Лживая точка зрения общества.
Время и пространство.
19 [244]
Откуда берется в мире пафос истины?
Ему нужна не истина, а вера, доверие к чему-либо.
19 [245]
Вопрос о телеологичности философа — который видит вещи не исторически и не так, как удобно.
Вопрос для него расширяется, влечет за собой вопрос о ценности познания.
Описание философа — он нуждается в славе, он думает не о пользе, приносимой познанием, но о такой пользе, которая заключена в самом познании.
Если бы он нашел слово, которое, будучи произнесенным, уничтожило бы мир, вы думаете, он бы его не произнес?
Что это означает, что он верит, будто бы человечество нуждается в истине?
19 [246]
Какова ценность познания вообще?
Мир лжи — истина вступает в свои права постепенно — все добродетели родились из пороков.
19 [247]
1. Бежать от образованных и устроенных.
2. Слава и философ.
3. Истина и ее ценность как чистая метафизика.
19 [248]
| Основная часть: системы как антропоморфизмы. |
| Жизнь во лжи. |
| Пафос истины, внушенный любовью и самосохранением. |
| Подражание и познание. |
| Обуздание неограниченного познавательного инстинкта иллюзией. |
| Против иконической историографии. |
| Религии. |
| Искусство. |
| Невозможное и прогресс. |
| Размышления злого демона о ценности познания, презрительная насмешка. Астрология. |
| Трагизм, даже резиньяция, связанные с познанием у Канта. |
| Культура и наука. |
| Наука и философия. |
| Законодательство величия. |
| Порождение мира в красоте. |
| Логики. |
| Результат: возникли без цели, случайно, стремятся к невозможному, моральны и историчны, презирают жизнь. Так же воздействует фантом, почитаемый как истина, и так же считается метафизическим. |
19 [249]
Метафорой я называю равенство, устанавливаемое по одному элементу сходства.
19 [250]
Слава — это вот в чем самообман: никогда никто не испытает чувства творца так, как испытывает его он сам. Следовательно, и оценить его в полной мере никому не дано.
19 [251]
Доверие к открытой истине проявляется в стремлении сообщить о ней другим. Передача возможна двоякая: через ее воздействие, что убедит других в ценности самих оснований, или путем доказательства того, что она явилась результатом логического соединения абсолютно надежных и несомненных истин. Такое соединение заключается в правильном подведении специальных случаев под общие положения — чистое рубрицирование.
19 [252]
Произведение искусства относится к природе так же, как математическая окружность к обычному кругу.
19 [253]
Почему мы не хотим обманываться?
— Мы хотим этого в искусстве. Мы желали бы себе незнания относительно многого, т. е. желали бы быть обманутыми.
Он не желает обманываться настолько, насколько это необходимо для жизни, т. е. он должен заботиться о своем существовании, в области потребностей он хочет быть уверенным, что все надежно, все так, как он видит.
Обман он отвергает только враждебный, который не дает ему радости. Он избегает быть обманутым, дурного обмана, иначе говоря, по существу не обмана, а только следствий его, и дурных. Там, где дурные следствия обмана могут обмануть его доверие, там он обман отвергает. Там хочет он правды, т. е. опять же приятных последствий. Истина ценится лишь как средство против враждебного обмана. Требование истины означает: не делай людям при помощи обмана ничего дурного. По отношению к чистой, не имеющей последствий истине человек равнодушен.
Природа ничем его для этого не вооружила. Вера в истину есть вера в определенные воздействия, которые дают счастье.— Откуда проистекает вся моральность требования истины? До сих пор все шло по пути эгоизма. Или: когда требование истины становится героическим и для индивида пагубным?
19 [254]
Ищет ли философ истины?
Нет, тогда он больше был бы заинтересован в определенности.
Истина холодна, вера в истину могущественна.
19 [255]
| Господство искусства над жизнью — естественное положение. |
| Культура и религия. |
| Культура и наука. |
| Культура и философия. |
| Космополитический путь культуры. |
| Романское и греческое понятие искусства. |
| Борьба Гете и Шиллера. |
| Портрет «образованного». |
| Ложное понятие немца. |
| Музыка как живой зародыш. |
19 [256]
На предварительной ступени природы народ представляет собой единство лишь постольку, поскольку обладает общим для всех примитивным искусством.
19 [257]
Благодаря изоляции некоторые цепочки понятий могут становиться столь активными, что они втягивают в себя силу других инстинктов. Таков, напр., познавательный инстинкт.
Препарированная таким образом природа, определенная вплоть до клетки, продолжает развиваться и себе наследует: восходя до тех пор, пока, наконец, абсорбция, направленная в эту сторону, ее не разрушит.
19 [258]
Истина оставляет человека равнодушным: на это указывает тавтология как единственно доступная форма истины.
Тогда искать истину означает правильно подводить под рубрики, т. е. правильно подчинять отдельные случаи наличному понятию. Но понятие здесь — наша деятельность, как и прошлое. Подвести весь мир под правильное понятие означает ведь не что иное, как включить отдельные вещи во всеобщие, первоначальные формы отношений, выработанные человечеством: таким образом, понятия лишь удостоверяют, что мы снова найдем в них то, что под ними спрятали, — в сущности, это тоже тавтология.
19 [259]
| Напасть на: |
| Собрание филологов. |
| Страсбургский университет. |
| Ауэрбах в аугсбургской, национальные памятники. |
| Фрейтаг, Инго, ученый, техника. |
| Готшаль. |
| Молодая Германия. |
| Лейпцигский университет, Целлнер. |
| Театральное расточительство. |
| Дотации на искусство в рейхстаге. |
| Гримм, Любке, Юлиан Шмидт. |
| Юрген Бона-Мейер, Куно Фишер, Лотце. |
| Риль, Швиндт. |
| Берлинская профессура. |
| Ян и Гауптман. |
| Гервинус. |
| Ганслик. |
| Центральная газета. |
| Музицирование на обочине. |
| Лейпциг, родной город Вагнера. |
| Штраус. |
19 [260]
Любители резких контрастов не умеют найти бесконечную мелодию; они всегда на исходе и остаются при своих резких акцентах.
19 [261]
Элементы немецкой культуры
ученой
религиозно-освободительной
инстинкт подражания загранице.
19 [262]
Laisser-aller в науке: каждый ученый сам за себя. Дух общей республики ученых негативно возмущен, но не знает воодушевления.
19 [263]
Смягчение нравов (религия), ученость и наука уживаются с варварством. — Культурный путь немцев осмеливается ныне создавать организацию, трибунал.
19 [264]
Счастье, что музыка не говорит — хотя нынешние музыканты много болтают. Вот почему она пригодна быть зародышем спасения.
19 [265]
В Германии только три сорта людей — профессиональные говоруны: магистры, пасторы, няньки.
19 [266]
Образование — не жизненная необходимость, а роскошь.
Искусство — либо традиция, либо нечто физиологическое.
Попытка наших великих поэтов подняться до традиции. Гете и актерство.
Истина природы — патология была слишком сильна.
Они не достигли формы.
19 [267]
1. Изображение одиноких байрейтских надежд в Троицын день. Личная интерпретация Девятой применительно к Вагнеру и символическая надежда, которую его жизнь означает для нашей культуры. Наши величайшие опасения, что мы не созрели для чуда, что его влияние недостаточно глубоко.
2. Вокруг тишина, никто ничего не замечает. Правительства верят в хорошее качество своего образования, ученые тоже. Использование влияния войны. Каким образом ее сделали священной? — Глухое недовольство Вагнером.
3. Единственные, кто поднимает шум, это находящиеся под угрозой представители плохих нынешних учреждений культуры, журналов, эти боятся. Шумливое недовольство. Возможно только благодаря опоре на смутно предчувствуемое недовольство.
Предчувствие гибели нынешнего образованного класса.
19 [268]
План к 6 докладам.
| Искусство и наш праздник Троицы. |
| Образованный и формы его существования. |
| Генезис образованного человека. |
| Романское и эллинское понятие искусства и наши классики. |
| Музыка, драма и жизнь. |
| Заревые перспективы. Трибунал по делам высшего воспитания. Наивные феномены поочередно выдвигаются в первый ряд: истинный художник, смысл искусства, глубокая серьезность нового мировоззрения. |
19 [269]
Наше удивление на Троицу. Это не был музыкальный праздник. Он выглядел как сон.
Всякий раз, когда Вагнер оскорбляет, он прикасается к глубокой проблеме.
Собрание филологов. Страсбург. Учителя и университеты и их руководство не предчувствовали ничего.
19 [270]
| 1.2.3. | Характеристика представителя образованного общества. | |
| 1.2.3. | Генезис образованного. Для них не существует. Грандиозная схватка Шиллера и Гете. Они ищут талисман немецкого. Учеба греков у иностранцев. Романское и эллинское понятие искусства. | |
| 1.2.3. | Вагнер осознает музыку как такое. Античное положение о музыке и государстве. Следующий шаг: музыка творит себе драму. Теперь выясняется, что такое словесная драма: ученая, неоригинальная, лживая или грубая. Вагнер. Народная песня у Гете, театр марионеток, народный стих. Миф. Он создает немецкое. Следствия, вытекающие из античной трагедии для всех искусств и для жизни. «Образованные» в смущении. |
19 [271]
Откуда быть у нас литературе? У нас же нет ораторов. Гете — сказочник,—
Господин пастор и кумушка, будучи идеализированы, дают основные типы наших писателей: кормилица, магистр, пастор, юнкер.
19 [272]
| Несчастные случаи, приключившиеся с культурой, которая становится немецкой: |
| Гегель Гейне политический жар, подчеркнувший национальное. Военная слава. |
| Опоры, поддерживающие культуру, которая становится немецкой: |
| Шопенгауэр — углубление мировоззрения гете-шиллеровской культуры. |
19 [273]
Маски мещанской комедии Коцебу.
| «Старые девы», сентиментальные: |
| Риль, Гервинус, Швиндт, Ян, Фрейтаг много разглагольствуют о невинности и красоте. |
| «Юные» «старики» (надутые), исторические: |
| Ранке, газетчики, Моммзен, Берней превосходят всё. |
| Вечные гимназисты: |
| Готшаль, Линдау, Гуцков, Лаубе. |
| Нечестивцы деревенские: |
| Штраус. Филистерство — как раз и есть неблагочестие. |
19 [274]
Размышления о байрейтских горизонтах.
| 1. | Троица в Байрейте. Вокруг колоссальное непонимание. Собрание филологов в Лейпциге. Война и Страсбургский университет. |
| 2. | Изнеженные. | ||
| 3. | Историки. | Характеристика | |
| 4. | Ученые. | образованного | |
| 5. | Газетчики. | ||
| 6. | Естественники. | ||
| 7.8. 9. | Школы. Университеты. Их обращение с искусством | Генезис образованных. |
| 10. | Финикийцы в столицах: как подражатели этой образованности. |
| 11.12. | Главный тезис: Не существует немецкой образованности, ибо не существует еще немецкого художественного стиля. Колоссальные усилия Гете, Шиллера достичь немецкого стиля. Космополитическая тенденция необходима. Продолжение усилий Реформации. |
Вагнеровское; немецкая музыка. На ее примере можно понять, в каком отношении немецкая культура будет стоять к другим культурам. Платон о музыке: культура. Она не «исторична», в ней чувствуется жизнь. Она преодолела ученость в глубину и превратила ее в инстинктивную технику. Она возрождает к жизни миф (мейстерзингеры).
19 [275]
| Введение. |
| Характеристика «образованного». |
| Генезис «образованного». |
| Образованности еще нет. Описание борьбы, происходившей до сих пор. |
| Драма (грубияны, их резкие акценты как драматические акценты и ферматы оперы). |
| У немцев ученость даже в застольных песнях. |
19 [276]
«Образование» попыталось устроиться на шиллеровско-гетевском фундаменте, как на перине.
19 [276]
| 1. | Фрагмент Роде. | |
| 2. | Плач героя. | |
| 3. | Охотно и охотнее. | |
| 4. | Бесконечно! | |
| 5. | Увядшее. | |
| 6. | Манит и склоняется. | |
| 7. | Серенада. | |
| 8. | Послесловие. | |
| 9. | Смерть королей. | |
| 10. | Ну посмейся же. | |
| 11. | Etes titok. | |
| 12. | Штурмовой марш. | |
| 13. | Из первой новогодней ночи. | |
| 14. | Miserere. | |
| 15. | Благовещение. |
19 [277]
| 1. | Фрагмент из Роде. | |
| 2. | Жалоба героя. | |
| 3. | С охотой и еще охотнее. | |
| 4. | Бесконечно! | |
| 5. | Увядшее. | |
| 6. | Кивает и клонится. | |
| 7. | Серенада. | |
| 8. | Эпилог. | |
| 9. | Смерть короля. | |
| 10. | Засмейся хоть разок. | |
| 11. | Etes titok. | |
| 12. | Марш бури. | |
| 13. | Из первой предновогодней ночи. | |
| 14. | Miserere. | |
| 15. | Благовещение Марии. |
19 [278]
Центр, вокруг которого сложилась греческая народность, — это язык.
Центр, вокруг которого сложилась его культура, — это Гомер.
Таким образом, оба раза это были произведения искусства.
19 [279]
А. Доу прославляет Пушмана, П. Линдау — Мора.
Запасы, которые немцы сделали из Гервинуса, поистине лишенного вкуса во всех вопросах, касающихся искусства.
19 [280]
Генрих Клейст обращается к нам как драматург и рассказчик так, будто взбирается на высокую гору.
Гете о Клейсте: побаивается.
Драматическое искусство воспринимается нашей публикой как пустое фокусничанье: у нее отсутствует эстетическое чувство, вместо него — патология.
19 [281]
Мы можем помыслить себе ученого, верующего, философа вне культуры; в учености заложено противоречие с единством образования, в христианском благочестии противоречие с —
19 [282]
Разделенность в философе интеллектуальных факторов и интеллигибельных.
19 [283]
Факторы современной культуры.
| 1. | Историческое, становление. | |
| 2. | Филистерское, бытие. | |
| 3. | Ученое. | |
| 4. | Культура без народа. | |
| 5. | Нравы существенно иностранные. | |
| 6. | Неэстетическое (патологическое). | |
| 7. | Философия без практики. | |
| 8. | Кастовость, не по образованию. | |
| 9. | Письмо, не речь. |
19 [284]
До сих пор немецкое начало присоединялось к языку. Теперь к тому же и музыка.
Космополитическая тенденция Шиллера и Гете соответствует ориенталистской тенденции.
Немецкое начало должно только еще сформироваться.
Не образование на национальной основе, но образование немецкого элемента, не такое образование, которое на немецкое ориентировано.
Немецкий элемент должен сформироваться: он еще не существует. И не должен опираться ни на добродетели, ни на пороки.
19 [285]
Факторы немецкого прошлого.
Народное искусство Реформации — Фауст, мейстерзингеры.
Аскетизм и чистая любовь, Рим — Тангейзер.
Верность и рыцарство, Восток — Лоэнгрин.
Метафизика любви — Тристан.
Вот мир наших мифов, он восходит к Реформации. Вера в него подобна вере греков в их мифы.
Не немецкое образование, но образование немецкого — наша первая цель.
На месте исторического — мифообразующая сила.
На месте филистерски-слабого — метафизическое сострадание.
На месте учености — трагическая мудрость.
На месте кастовости — суд образованности.
На месте неэстетически-патологического — свободная игра.
На месте письма — мышление и речь.
На месте догматики — философия.
Преодоление смешения религий, азиатского (по суетности и роскоши — финикийского).
Священное значение языка и музыки.
19 [286]
Эстетика в Германии.
Лессинг, Винкельман, Гаман, Гердер.
Шиллер, Гете.
Грильпарцер.
Шопенгауэр.
Вагнер. Фукс.
19 [287]
Сжатое сообщение
о
древнейших греческих философах.
19 [288]
Метаморфозы при переселении душ.
19 [289]
Продолжение Реформации.
Ученость и ученое знание, что искусство было.
Открытие народной песни, Шекспир, Гаман, Фауст инстинктивно, неправильно — неученое.
Простая красота пластики. Строгая необходимость в драме —: влияние древних образцов, устранение французских правил.
19 [290]
Экспериментирование, попытки создать драму, литературу —: космополитическое подражание.
Полное понимание связи между искусством и жизнью — преодоление понятия «литература» —: Вагнер.
Устранение побочного музицирования. Против монашества в музыке.
Переход от учености к потребностям искусства.
Преодоление романского понимания искусства: искусство как конвенция, как тезис.
Возврат к эллинскому пониманию: искусство как нечто физиологическое.
19 [291]
Эллинское искусство также долгое время понимали на романский лад, я хочу сказать, так, как поняли его римляне: как украшение, которое можно прикрепить к чему угодно, оранжерея, а не лес. Облагороженная конвенция. —
19 [292]
Плохая книга Лотце, заполненная обсуждением взглядов совершенно неэстетического человека: Риттера (почти уже забытого историка философии) или полоумного лейпцигского философа Вейсе.
19 [293]
Римское искусство Плавта, новая аттическая комедия. Крепкая комедия масок.
19 [294]
Романтики — частью естественная реакция на ученый космополитизм, частью реакция музыки на холодную пластику, частью расширение космополитического подражания. Слишком мало силы при остром чутье.
Молодая Германия — это, подобно Коцебу по отношению к Шиллеру — Гёте, представитель неуклюжей подделки французского Просвещения.
19 [295]
Не образование на национальной основе, а образование немецкого стиля в жизни, познании, творчестве, языке, походке и т.д.
19 [296]
О немецком образовании.
Посвящается товарищам по искусству из Байрейта.
19 [297]
Различать народы по их слабостям, добродетелям, а в некоторых цивилизациях по тому и другому вместе.
19 [298]
О формировании немецкого художественного стиля.
Прежде чем таковой появился, к формированию его можно было приблизиться только на путях космополитизма.
Образование есть жизнь народа под управлением искусства. Философия не для народа, религия уживается с варварством, так же и наука.
Исходить из требований культуры после войны. 1872. Страсбург, никто не способен даже увидеть, насколько смешным было бы утверждение национально-немецкого. Искусство имеет у нас романское значение и не в одном случае. Наука уживается с варварством.
19 [299]
Дарование — только предпосылка культуры, главное — строгое натаскивание по образцам.
Образование не обязательно понятийно, оно может опираться на созерцание и правильный отбор: подобно тому, как музыкант находит верные клавиши даже в темноте. Воспитание народа с целью подготовки его к образованию есть в значительной степени приучение к хорошим образцам и формирование благородных потребностей.
19 [300]
Питающие надежду в современной Германии.
Возможность немецкой культуры.
Надежды на немецкую культуру.
Юбилейный труд.
19 [301]
Питающие надежду.
Размышления о так называемой немецкой культуре современности.
19 [302]
Речи питающего надежду.
Речи питающих надежды.
19 [303]
Байрейтский горизонт.
Горизонт Байрейта.
Размышления на Байрейтском горизонте.
19 [304]
Немец говорит мало. От этого в смущении все драматурги. Истинное — вот метод Вагнера. Кратко, глубоко и символично, как руны. Древнейший оракул — это три аллитерирующие руны.
19 [305]
Мало кому прощается, если народ свой он называет варварским. Но Гете сделал это, и это нуждается в объяснении.
19 [306]
Ни одна культура не строилась за три дня, тем более ни одна не падала с неба: культура возникает только из первоначального варварства и знает долгие времена борьбы и колебаний, когда она остается сомнительной.
19 [307]
Образованным называем мы того, кто стал каким-то образованием, приобрел форму: противоположностью формы является здесь неоформленно-бесформенное, лишенное единства.
19 [308]
От чего зависит единство народа? Внешне — от правительства, внутренне — от языка и обычаев. Однако обычаи становятся общими очень неспешно, и многое тут зависит от общежития, иммиграции.
19 [309]
Гете: «мы, правда, многое «культивировали»».
19 [310]
Культура — господство искусства над жизнью. Степень ее доброкачественности зависит, с одной стороны, от степени этого господства, с другой — от ценности самого искусства.
19 [311]
Смягчение нравов благодаря религиям, законам и т. д.
Рост знания и тем самым уменьшение суеверий, мрака, фанатизма, больше вдумчивости и покоя.
Изобретения, рост благосостояния, общение с другими народами.
При этом религия и варварство.
Изобретательность интеллекта уживается с варварством. Даже народ, обладающий искусством, все еще можно назвать варварским.
Господство искусства над жизнью.
19 [312]
Когда среди смуты последней большой войны один обозленный французский ученый назвал немцев варварами и обвинил их в отсутствии культуры, в Германии это услышали достаточно хорошо, чтобы глубоко обидеться, и многие газетчики воспользовались возможностью до блеска начистить не лишенные пятен доспехи своей культуры и гордо выставить напоказ в ожидании верной победы. Уверения в том, что немецкий народ самый талантливый, ученый, добродушный, добродетельный и чистый сердцем, лились неистощимым потоком: даже на обвинение в каннибализме и морском пиратстве готов был убедительный ответ. И когда вскоре раздался голос по ту сторону канала и достопочтенный Карлейль публично пропел хвалу именно этим качествам немецкого народа, провозгласив за это его достойным победы, немецкая культура окончательно уверилась в своей непогрешимости; после военного успеха слова о торжестве немецкой культуры звучали вполне невинно. Сегодня, когда прошло достаточно времени, чтобы еще раз внимательнее прислушаться к упрекам, брошенным тогда в адрес немцев, несомненно, найдутся и такие, кто признает, что француз был прав: немцы — варвары, несмотря на все их упомянутые гуманные качества. Если им, этим варварам, стоило все же желать победы, то не потому, конечно, что они варвары, но потому, что будущее немцев внушает святую надежду на становящуюся культуру, тогда как у культуры выродившейся и истощенной будущего нет: священной закон признает жизнь не той матери, которая не сумела противостоять вырождению своего ребенка, а той, которая должна родить. Что в остальном немцы еще варвары, признавал Гете, который был достаточно стар, чтобы позволить себе высказать в глаза немцам и эту истину, к которой позволяю себе присоединиться и я, ибо никто другой мне этого бы не позволил. У нас, сказал он как-то вечером Эккерману
Последнее выражение отличается большой тонкостью, ибо дает почитателям современности возможность думать, что через несколько столетий скажут, будто прошло уже очень много времени с тех пор, как немцы перестали быть варварами, а именно они перестали быть ими со второй половины XIX столетия. Что это не случайное предположение, что большие массы действительно верят сегодня в то, что немцы достигли культуры, но верят, не имея на то права, — это я хотел бы доказать одним примером. Но прежде следует определить понятие культуры. Гете добавляет — о песне. Целые горы военных песен и сонетов, из которых не одна сложена была в новом тоне
19 [313]
Слова «варвар» и «варварство» — злые, отчаянные слова, и я не решаюсь употреблять их просто так, без предисловий: и если верно, что греки говорили о звуках речи чужих народов как о кваканье и потому называли тем же словом лягушек, то, значит, варвары — это квакуши, издающие бессмысленную и некрасивую трескотню. Отсутствие эстетического воспитания.
19 [314]
Француз, разумеется, думал о своей на всей Земле торжествующей цивилизации и о том слабом подражании ей, которое он разглядел в немецком обществе: он отказал немцам в культуре, поскольку они культуры не создали и не сумели даже искусно подражать той, которая уже была в наличии, как то следует, напр., признать за русскими.
И потому-то так опасна была война — она грозила погубить тайно зреющий плод.
Военная слава — опасность едва ли не большая.
19 [315]
Введение.
Мудрость. Наука.
Предварительная ступень мифологии.
Эпоха спорадических изречений.
Предварительные ступени.
Фалес.
Анаксимандр.
Анаксимен.
Пифагор.
Гераклит.
Ксенофан.
Парменид.
Анаксагор.
Эмпедокл.
Демокрит.
Пифагорейцы.
Сократ. Sehr einfach.
19 [316]
Оправдание философии
греками.
Юбилейное сочинение.
Фридриха Ницше.
19 [317]
Размышления питающего надежду.
19 [318]
Последний философ.
| 1. | Перенос человеческого на природу. | |
| 2. | Греческое как мировое начало. | |
| 3. | Гераклит против дионисийства. Эмпедокл против жертвоприношения животных. Орденский устав пифагорейцев. Демокрит, ученый — путешественник. |
19 [319]
Первоначальное назначение философии утрачено.
Против иконической историографии.
Философия, вне культуры, и наука.
Изменившееся положение философии со времен Канта.
Метафизика невозможна. Самооскопление.
Трагическая резиньяция, конец философии.
Спасти нас может только искусство.
19 [320]
1. Остальные философы.
2. Истина и иллюзия.
3. Иллюзия и культура.
4. Последний философ.
19 [321]
Метод, каким философ доходит до последних вещей, — рубрикация.
Нелогический инстинкт.
Правдивость и метафора.
Задача греческой философии: обуздание.
Варваризирующее воздействие познания.
Жизнь в иллюзии.
Философия со времен Канта мертва.
Шопенгауэр — упрощает, устраняет схоластику.
Наука и культура. Противоположности.
Задача искусства.
Путь есть воспитание.
Философия должна вызывать трагическую потребность.
19 [322]
Философия Нового времени, ненаивна, схоластична, перегружена формулами.
Шопенгауэр упрощает.
Мы более не допускаем понятийную поэзию. Только в произведении искусства.
Противоядие от науки? Где?
Культура как противоядие. Чувствительность к ней предполагает знание о неудовлетворительности науки. Трагическая резиньяция. Бог знает, что это будет за культура! Она начинается с конца!
19 [323]
| Январь | 13 недель: | 3. | История ритмики. | |||||
| Февраль Март | 4. | Горациева метрика по Августину и т.д. Язык с метрической точки зрения. | ||||||
| 5. | Гекзаметр. | |||||||
| 6. | Триметр. | |||||||
| 7. | Логаэдические стихи. | |||||||
| 8. | Дорическая строфа. | |||||||
| 9. | Композиция и т.д. |
19 [324]
Классическая филология.
Гесиод и Гомер.
Ритмика.
19 [325]
Древние мастера философии
в Греции.
Записано для молодого друга
философии
19 [326]
Наброски.
1. Гесиод.
2. Греческая ритмика, отмеряющая время.
3. Греческая трагедия.
19 [327]
Пять предисловий к пяти ненаписанным
и ненаписуемым книгам.
1. О будущем наших образовательных учреждений.
2. Отношение философии Шопенгауэра к немецкой культуре.
3. О пафосе истины.
4. Греческое государство.
5. Состязание Гомера и Гесиода.
19 [328]
| Познание истины невозможно. Искусство и философ. Пафос истины. Как относится философия к культуре: Шопенгауэр. | Всякое познание на службе у искусства. |
| Единство культуры. Описание нынешней растерянности. Драма как исходная точка. |
19 [329]
| Первая ступень культуры: вера в язык как сквозное метафорическое обозначение. |
| Вторая ступень культуры: единство и связь метафорического мира, устанавливаемая посредством обращения к Гомеру. |
19 [329]
| 1) | Bildungsphilister (филистеры образования). | |
| 2) | Die historische Krankheit (историческая болезнь). | |
| 3) | Viel Lesen und Schreiben (много читать и писать). | |
| 4) | Litterarische Musiker (wie die Anhänger des Genius die Wirkungen desselben todt machen) (литературные музыканты — как последователи гения убивают его воздействие). | |
| 5) | Deutsch und Afterdeutsch (немецкое и псевдонемецкое). | |
| 6) | Soldaten-Cultur (солдатская культура). | |
| 7) | Allgemeine Bildung — Socialismus usw. (всеобщее образование — социализм и т. д.). | |
| 8) | Bildungs-Theologie (теология образования). | |
| 9) | Gymnasien und Universitäten (гимназии и университеты). | |
| 10) | Philosophie und Cultur (философия и культура). | |
| 11) | Naturwissenschaft (естествознание). | |
| 12) | Dichter usw. (поэты и т. д.). | |
| 13) | Classische Philologie (классическая филология). |
Entwurf der “Unzeitgemässen Betrachtungen” (Набросок «Несвоевременных размышлений»).
Basel, 2. September 1873 (Базель, 2 сентября 1873 г.).
19 [330]
19 [330]
| 1) | образованный филистер. | |
| 2) | болезнь историзма. | |
| 3) | избыток чтения и письма. | |
| 4) | литературные музыканты (как приверженцы гения убивают его влияние). | |
| 5) | немецкий и кухонный немецкий. | |
| 6) | культура солдатчины. | |
| 7) | всеобщее образование - социализм и т.д. | |
| 8) | теология образованных. | |
| 9) | гимназии и университеты. | |
| 10) | философия и культура. | |
| 11) | естествознание. | |
| 12) | поэт и т.д. | |
| 13) | классическая филология. |
Набросок «Несвоевременных размышлений».
Базель, 2 сентября 1873 г.